Die Klosterkirche in Lambrecht

Die Geschichte der Klosterkirche in Lambrecht beginnt mit der Gründung des Benediktiner-Klosters St. Lambrecht im Jahr 977 bzw. 987 (-->Lambrecht (Pfalz)). Seine mühevolle Aufrichtung durch die Benediktiner erfolgte vermutlich über eine erste hölzerne Kirche als Provisorium, die dann alsbald eine erste aus Stein errichtete Kirche ablöste. Dieser erste Steinbau war erheblich kleiner als die heutige Klosterkirche. Vermutlich wurde er schon im 11. Jh. durch einen weiteren Kirchenneubau ersetzt, der dann 1102 eine bauliche Besserung und Erneuerung erfuhr. Dabei ist auch für möglich zu halten, daß ein kompletter Neubau erfolgte, in Gestalt wohl jener zuletzt bestehenden benediktinischen Basilika (s. nachf.) auf deren Fundamente man 1979/80 stieß, als man den Kirchenboden für den Einbau einer neuen Heizung öffnete.

                        

                      Die bei der Grabung 1979/80 aufgedeckten Fundamente der Benediktiner-Basilika

Die Fundamentreste der Basilika lassen auf einen dreischiffigen Bau mit Querhaus und Apsis schließen, seine oberen Teile, wie Vierung mit Turm darüber, bleiben spekulativ. An weiteren Einzelheiten sind über die Basilika nur bekannt, daß sie einen dem hl. Nikolaus von Myra geweihten Altar aufwies, mit einer Reliquie des Heiligen darin, wo in dessen Nähe der Ritter Friedrich von Frankenstein bestattet worden war.

               

                   Rekonstruktion der Benediktiner-Basilia nach dem Grabungsbefund von 1979/80

Nachdem das Benediktiner-Kloster aufgelöst worden war (zwischen 1237 und 1244) übernahmen Dominikanerinnen die benediktinische Basilika als ihr erstes Gotteshaus. Sie brachten das Kloster zur Blüte und machten es reich, so daß sie den Bau eines eigenen Gotteshauses in Angriff nehmen konnten. So entstand anstelle der etwa 200 Jahre alten Basilika der Benediktiner die heutige Klosterkirche, die in ihrer klassischen Schlichtheit den reinen Typ der Bettelordenkirchen verkörpert und solchermaßen in der Pfalz das einzige Zeugnis derartiger Gebäude aus dem Hochmittelalter darstellt.


 

                                 Blick von Südosten auf die alterwürdige Klosterkirche der Dominikanerinnen

Wann mit dem Bau des Gotteshauses begonnen wurde, ist nicht sicher. Angenommen wird hierfür das zweite Viertel des 14. Jh. Aber ebenso kommt auch ein früherer Beginn im ersten Viertel des 14. Jh. in Betracht. Nach letzterer Ansicht dürfte unter der Priorin Marcia, 1311-1316, die organisatorische und materielle Grundlage für den Kirchenbau geschaffen worden sein, während Priorin Kunegunde von Fleckenstein seine Vollendung zugeschrieben wird. Hierbei kommt man zu der Annahme, daß der Kirchenbau - bei einer Bauzeit von 30 Jahren - zwischen 1310 und 1340 entstanden ist.


                  

Blick von Osten auf die Klosterkirche (Ostchor)

Der Kirchenbau besteht heute aus einem einschiffigen, durchgehend gewölbtem Saal, der im Osten mit dem Chor im 5/8-Schluß beginnt und an den nach Westen hin 8 Joche anschließen bis zum westlichen Abschluß in Form einer flachen Giebelwand. Den Ostchor mit den 5 östlichen Jochen nimmt heute die Laienkirche ein, während die 3 westlichen Joche den Rest der Klosterkirche mit dem Nonnenchor bilden. Ursprünglich fügten sich am Westende 3 weitere Joche an, die jedoch abgebrochen und durch die Grünanlage mit der "Friedenseiche" darin ersetzt wurden, so daß hierdurch der ehemals 60 m lange Bau auf sein heutiges Maß von 45 m gekürzt wurde.


  

Ansicht von Westen auf die Klosterkirche

Bei einem Umgang fällt außen, an der Südwand im 2. Joch von Osten, vor allem das zugemauerte rundbogige Renaissance-Portal ins Auge mit der Jahreszahl 1608 in seinem Portalbogen. Hier wird der Platz einer früheren Sakristei vermutet, worauf dort auch ein gotischer Gewölbeansatz hindeutet. Kragsteine (Balkenauflagen) deuten auf mehrstöckige Anbauten hin, von denen aus durch Nischen in der Kirchenwand eine Blickverbindung in den Kircheninnenraum bestand, so daß gehbehinderte oder ans Bett gefesselte Nonnen an den Gottesdiensten teilnehmen konnten.

Auffällig sind die massiven Steinquader, die das äußere Kantenprofil der vertikalen Stützpfeiler bilden. Ihre Flächen stehen exakt rechtwinklig zueinander und weisen eine absolut glatte Oberfläche auf, als seien sie geschliffen oder gesägt (für die Steinbearbeitung des MA gab es entsprechende Schleif- und Glättechniken und schon im 4. Jh. wurden auf der Mosel mit römischen Schiffsmühlen Steine gesägt).

Vertikale Mauerzäsuren weisen darauf hin, daß der Bau in mindestens drei Abschnitten aufgeführt wurde und zwar von Ost nach West, wobei die alte Benediktiner-Basilika dabei sukzessive abgetragen und das dabei anfallende Steinmaterial an Ort und Stelle wieder verbaut wurde. Ein verstärktes Joch fällt ins Auge, wo heute an der Südseite sich ein Seiteneingang befindet. Ausgehend von ursprünglich 11 Jochen bildete es als 6. Joch, sowohl von Ost wie von West, die statische Verstärkung genau in der Mitte beider seitlichen Kirchenwände. Weiter ist in der Flucht der Südwand ein deutlicher Knick auszumachen, dessen Ursache unklar ist.

Verminderte Qualität der im westlichen Abschnitt vermauerten Steine lassen zwischenzeitliche Geldknappheit seitens der frommen Baufrauen vermuten. Dennoch soll der frühere Westchor mit der alten Nonnenempore mit Altar und Vorraum und der Nonnengrablege darin der einst prächtigste Teil des ursprünglichen Baukörpers gewesen sein. Seine westliche Giebelwand, wie damals üblich, von einer prächtigen Fensterrose durchbrochen. Als sein Teilabriß 1802 ausgeschrieben wurde, wurde dieser mit einer Länge von 50 Schuh (15,69 m) und einer Höhe von 63 Schuh (19,77 m) sowie einer Dicke von 3 Schuh 1 Zoll (1,21 m) angegeben, was besagten 3 Jochen entspricht.

  Ansicht auf die Klosterkirche von Westen mit dem alten Dachreiter und der noch jungen Friedenseiche davor

Das heutige Dach geht auf 1854 zurück, als das ursprünglich steilere gotische Dach durch ein flacheres Dach ersetzt wurde. Seinen ehemaligen Dachreiter löste dann die 1922 dafür aufgesetzte Glockenstube ab, die, 15 m hoch und in voller Breite des Kirchenbaus ein ganzes Joch einnehmend, doch recht klobig ausgefallen ist, was aber von der damaligen Denkmalbehörde als bewußt "artfremd" so vorgegeben wurde. Ihre Turmuhr wurde 1923 installiert. Die Wetterfahnen in Kugelform wurden 1969/71 durch die beiden Posaunenengel ersetzt. 

Betreten wir die Klosterkirche über den heutigen, 1955/56 geschaffenen, Eingang an ihrer Nordseite, wo einst ein Treppenturm angefügt war und links davon der Grabstein des mit 13 Jahren verstorbenen Friedrich Brüning in der Außenwand eingemauert ist, dessen Vater Christian Burkhard Brüning von 1762-1793 Pfarrer in Lambrecht war, empfängt uns zunächst ihre Vorhalle mit ihren auf Säulen gestützten Kreuzrippengewölben. Ihr früheres Aussehen muß man sich als "dreischiffige Krypta" mit einer Doppelreihe von 5 Säulen, auf denen bei einer Länge von 26 m 18 Kreuzrippengewölbe aufsetzten, als majestätisch vorstellen. In dieser Form diente sie auch als ehmalige Laienkirche, durch ein Trenngitter von der einschiffigen Halle der Nonnenkirche abgegrenzt.

Als nach der kurpfälzischen Religionsdeklaration von 1705 den Katholiken das Recht eingeräumt wurde, die Kirche mit zu benutzen, wurde eine Trennmauer errichtet und ihr westlicher Teil 1707 den Katholiken zugewiesen, der östliche Teil kam an die Reformierten. Nachdem wegen der Bauunterhaltung Streit entstanden war, begann man 1776 damit, Mauern des beschädigten westlichen Teils abzutragen. Schließlich kam es zu dem oben schon angeführten Teilabriß von 1802, nach dem die flache Giebelwand als neuer westlicher Abschluß eingezogen wurde, wie diese noch so besteht.

Blick unter der Nonnenempore in die Laienkirche

Betritt man die heutige Laienkirche, wird man sogleich von ihrer imposanten Raumwirkung ergriffen, die ihre 5 Joche mit dem 5/8-Schluß, ihre 9,45 m Breite und 16,72 m hohe Scheitelhöhe ihr vermitteln. Den Innenraum prägen maßgeblich Kreuzrippengewölbe mit farbig bemalten Schließsteinen im oberen Abschluß und die Gurtrippen zur Trennung der Joche. Die Schließsteine im Deckengewölbe stellen vom Chor her das "Lamm Gottes mit Kreuzfahne" (1), "Taube" als heiliger Geist (2), "Johannes den Täufer" (3), "Bischof" mit rätselhaftem Kopf (4), "Mönch" (5), "Adam auf der Flucht vor Gott" (6), "Engel mit Spruchband 'Ehre sei Gott'" (7) und "Blume" (8) dar.

                        

                                                    Imposante Raumwirkung in der Laienkirche

Die Wände der Laienkirche gliedern schwach vortretende Wandpfeiler auf vorgelegten Diensten, die oben in spitzen Schildbogen enden, aufgesetzt auf einem Kaffsims, der den gesamten Raum (horizontal) umzieht. Das in der Nonnenempore stärker betonte östliche Joch (früher mittige Joch s.o.) läßt auf den Altar- und Vorraum in der Nonnenempore schließen, deren Gewölbescheitel liegt etwa einen halben Meter tiefer als in der Laienkirche. Da sich an deren Südwand die Klostergebäude anlehnten, sind Fenster dort nur halb herabgeführt.

Von ihrer durchdringenden Hellig- und Farbigkeit her treten die drei kunstvollen und ausdrucksstarken Chorfenster optisch hervor. Gestaltet hat sie der Münchner Maler und Glaskünstler Helmut Ammannn, der darin die Heilsgeschichte darstellt. Das linke Fenster stellt die "Geburt Christi", den "zwölfjährigen Jesus" und die "Taufe Christi" dar. Das rechte Fenster zeigt das "Heilige Abendmahl", Die "Dornenkrönung Jesu", die "würfelnden Kriegsknechte" und "Golgatha". Während im mittleren Fenster die "Frauen am Grab", "schlafende Kriegsknechte" und die "Auferstehung Jesu" szenisch verarbeitet sind.

              

Die drei herrlichen Chorfenster des Münchner Glaskünstlers Helmut Ammann (Bild links); Der Ausschnitt aus dem mittleren Bild zeigt die "Auferstehung Jesu" (Bild rechts) 

Die künstlerisch sehr schönen Glaskompositionen wurden in 18-monatiger Arbeit angefertigt und 1958, im Anschluß an die umfangreichen Umbauarbeiten von 1955/6, anstelle der alten Fenster eingesetzt. Von den alten gotischen Fenstern aus der Entstehungszeit, d. h. was davon noch übrig war, gingen Teile davon 1877 an die Landesgewerbeanstalt Kaiserslautern. Weitere Reste wurden zerstört bzw. an die Heiliggeistkirche in Heidelberg abgegeben, wo sie nicht mehr erhalten sind. Dabei gelangte auch der kunsthistorisch wertvolle "Lambrechter Engel", dessen Entstehung auf das Jahr 1320 datiert wird, nach Kaiserslautern. Von dort wurde er dann 1959 als Dauerleihgabe ins Historische Museum der Pfalz nach Speyer verbracht, von wo er 1989 wieder nach Kaiserslautern zurückkehrte, wo er sich heute im Bestand des Museums Pfalzgalerie befindet. 

                        

                                Der Lambrechter Engel aus der mittelalterlichen Fensterverglasung 

Unter den drei Fenstern und deren beiden Nachbarfenstern im Chor erblicken wir 5 Felder mit mittelalterlichen Malereien von größter Bedeutung. Sie sind Teil einer größeren Ausmalung der Kirche, wohl unmittelbar nach ihrer Errichtung damit beginnend. Einige Malereien liegen noch unter Putz und wurden nur durch "Suchstreifen" geortet. Teile sind nicht mehr rekonstruierbar bzw. endgültig verloren gegangen, wobei auch die Bilderstürmerei des vorletzten Jh. ihre Spuren hinterlassen hat. Auch sind Rekonstruktionen ungünstig verlaufen.

Gelitten haben die Malereien, die entgegen weitläufiger Meinung nicht als Fresken, sondern als Seccos zu bezeichnen sind, vor allem auch durch eine fast anderthalb Jh. währende zweckfremde Nutzung des Westteils als Feuerwehrgerätehaus und Lagerschuppen, verbunden mit der Offenhaltung des Baues, wodurch auch der Innenraum stark der Witterung ausgesetzt war. Schon bei den erheblichen Umbauarbeiten 1890/92 wurden sie wieder entdeckt, jedoch wieder verputzt bzw. durch ein Chorgestühl wieder unsichtbar gemacht.

                         

                                  Chor im Zustand nach der neugotischen Umgestaltung von 1890/92

Die einzelnen Wände bzw. Felder werden, beginnend mit der Nordwand des Chores und im Uhrzeigersinn weiter, wie folgt bezeichnet: "Ecclesia-Wand" (Nordwand), "Reliquien-Wand" (Nordostwand), "Quirinus-Wand" (Ostwand), "Lambertus-Wand" (Südostwand) und "Stifter-Wand" (Südwand). Teile des Zyklus in naiver Bildstreifen-Kunst entsprechen der mittelalterlichen bildlichen Darstellungsweise der "bliblia pauperum" (lat.=Bibel der Armen) bzw. "biblia picta" (lat.=bildliche Bilbel, bildlich i. S., daß die unteren Schichten nicht lesen konnten).

Der Chor in seinem heutigen Erscheinungsbild

Als älteste Malerei werden die Darstellung der "Ecclesia-Wand" an der Nordwand des Chors angenommen (ca. 1320). Sie zeigen "Christus", "Synagoge" (altes Testament), "junge Kirche" (neues Testament) und eine in "Flammenmandorla gehüllte weibliche Figur". Die Themenwahl entspringt den damaligen religiös-liturgischen Gegebenheiten, inspiriert vor allem durch das "Corpus Christi-Fest" (Fronleichnam), das bei den Dominikanern von zentraler Bedeutung war. Ebenso der Dualismus von Heilserwartungen im Wechsel zwischen Stellen des alten und neuen Testaments. Die weibliche Figur steht für Maria oder deren Versinnbildlichung als Kirche des neuen Testaments (=Ecclesia).

                       

                                  "Ecclesia-Wand" (Nordwand des Chors) mit dem Taufstein davor

Auf der "Reliquien-Wand" (Nordostwand) des Chors sind in zwei Reihen übereinander je 10 Heilige dargestellt, bei denen es sich um Bischöfe, Diakone, gekrönte und ungekrönte Gestalten handelt. In der oberen Reihe sind 4 Personen mit der Siegespalme der Märtyrer dargestellt, in der unteren zwei. Als "Bekenner" sind 8 Personen durch ein Buch symbolisiert. Vermutlich stellt in der oberen Reihe die erste Figur in "jugendlicher Ausführung" mit Mitra, Krummstab und mit Buch mit einem von "Steinen oder Kugeln" beschlagenen Deckel, den hl. Bischof Nikolaus von Myra dar, der uns schon von der Benediktiner-Basilika her bekannt ist.

Die "Reliquien-Wand" (Nordostwand des Chors)

Eine "Weiheschrift" verrät uns als Urheberin der Malerei die Vollenderin der Klosterkirche, Kunegunde von Fleckenstein. Überdies teilt diese uns mit:

  1. "Im Jahre des Herrn 1... ist der Chor erbaut und die Kirche des hl. Lambertus von neuem in 23 Jahren vollständig wiederhergestellt worden..."
  2. "Die Reliquien dieser hier abgebildeten und vieler anderen Heiliger sind im Hochaltar (wieder)geborgen worden..."

(Leider ist in der ersten Nachricht die Jahreszahl nicht vollständig erhalten. Die angegebene Bauzeit von 23 Jahren erscheint nicht auf den gesamten Bau der Klosterkirche bezogen, sondern allein auf den Bau des Nonnenchors)

Wenden wir uns der "Quirinus-Wand" (Ostwand) zu, die mit ihren vielen Einzelheiten, etwa zur Gewandung der dort dargestellten Figuren, eine zeitlich kunsthistorische Einordnung um 1370/80 erlaubt. Daß gerade der Tribun Quirinus als Pestheiliger auf dieser Wand zu Ehren kam, mag auf den gerade überstandenen Pestjahren Mitte des 14. Jh. beruhen, aber auch in der Tatsache, daß in der Familie der zu dieser Zeit amtierenden Priorin Anna von Fleckenstein Quirinus besonders verehrt wurde.

Die auf dieser Wand dargestellte Legende besagt, daß Quirinus z. Zeit des Kaisers Hadrian (117-138) als Aufseher das Gefängnis unter sich hatte, in dem Staatsfeinde wie auch "staatsgefährdende" Christen, darunter Papst Alexander I., eingekerkert waren. Von letzterem erfuhr er von dessen Wunderheilungen und so brachte er seine Tochter Balbina zu diesem, damit sie von einem bösen Halsgeschwür geheilt würde. Nachdem die Heilung gelungen war, ließ er sich mit seiner Tochter taufen, begann dann die Gefangenen loszuketten, worauf sich auch die nichtchristlichen unter ihnen taufen ließen, so daß das Gefängnis sich zu einem Gotteshaus verwandelte. Quirinus ignorierte die Verwarnung des Statthalters Aureli(an)us und wurde schließlich verurteilt, gefoltert und zuletzt enthauptet. Auf der ihm in der Klosterkirche gewidmeten Wand werden die einzelnen Szenen nachgestellt.

Die Wandmalereien (Seccos): Links Teil der "Reliquien-Wand", im Anschluß nach rechts "Quirinus-Wand", dann "Lambertus-Wand" und "Stifter-Wand"

Die "Lambertus-Wand" (Südostwand) teilt eine Horizontalachse in zwei Teile. Im oberen größeren Teil findet sich unter einem drei kleinere Bögen vereinenden Bogen der hl. Lambertus mit Bischofsstab mit zum Segensgestus erhobener rechten Hand. Seine Legende, wonach er sich gegen das Konkubinat Pipins von Heristal mit Alpais wandte und dafür ermordet worden sein soll, könnte in den ihn flankierenden Figuren als Allegorie zu erkennen sein. Links die als hübsche, mit Geldkassette in den Händen, kniende junge Frau als "Luxuria" und rechts die schon etwas ältere in Andacht und Verehrung versunkene und ebenso kniende Dame als "Pietas".

Genaueren Aufschluß könnte ein längeres Schriftband geben, das wohl die wichtigste Nachricht zur ganzen Klostertradition enthielt, aber größtenteils unleserlich ist. Das Frauenduo links oben repräsentiert die beiden weiblichen Hauptheiligen der Dominikanerinnen, die Jungfrauen Barbara und Katharina. Der untere schmalere Teil stellt allem Anschein nach einen Magdalenen-Fries dar, dessen Identifizierung als solchen die Darstellung Magdalenas als von Engeln getragene Person in dessen 3. Szene (von links) ermöglicht.

Das "Stifterbild" in der "Stifter-Wand" (Südwand) des Chors ist ähnlich zweigeteilt wie die "Lambertus-Wand". Die Mitte des oberen Teils nimmt die übergroße Darstellung Marias ein, die gerade die Nonne zu ihrer Linken krönt, welche ein Modell der Kirche (mit Fensterrose s.o.) in Händen hält. Umrahmt wird die Krönungsszene (=Hinweis, daß die beiden mit der Krone des Lebens bedachten Nonnen bereits verstorben waren!), von je einem Doppelpaar männlicher Heiliger. Den untern Teil nimmt eine im MA weit verbreitete Darstellung des Weltgerichts ein: der erschienene Jesus thront auf dem Regenbogen mit (hier allerdings mehr zur Versöhnungsgeste abgemildertem) richterlichen Gestus, mit je einem sitzenden Doppelpaar von Heiligen (Maria und Apostel) an seiner Seite.

Weiter befindet sich im Chor ein aus heimischem Sandstein gefertigter Altar, geschmückt mit dem Altarkreuz aus Gold mit Bergkristall als Zentrum. In seiner Schlichtheit mag er sicherlich nicht gegen den einstigen, gewiß prächtigeren, Hochaltar der Dominikanerinnen ankommen. Der Taufstein wurde 1972/73 aus Würzburger Sandstein gestaltet mit Bronzeabdeckung, ebenfalls nach einer Idee von Helmut Ammann kreiert. Er ist geziert mit einem Kreuz mit weißem Bergkristall. Die vier in den Stein gehauenen Symbole haben alle das heilbringende Wasser zum Gegenstand, wie dieses auch bei der Taufe verwendet wird.

Die Kanzel ist ebenfalls ein Werk Helmut Ammanns. In die sechs Hölzer aus Birnbaum sind Motive geschnitzt, die sich alle auf Wesen und Wirkung des gepredigten Wortes Gottes beziehen: Berufung Jermias (Jeremia 1, Verse 4-9), der Säemann (Markus 4, Verse 3-9), das Wort ward Fleisch (Johannes 1, Vers 14), das Wort des Herrn über unseren Wegen (Psalm 119, Vers 105), Gottes Wort ist wie ein Hammer, der Felsen zertrümmert (Jeremia 23, Vers 2), das tröstliche Wort (Hiob 4, Verse 12-17).

Beim Blick vom Chor zur Nonnenempore gegenüber nimmt uns ein Juwel der besonderen Art gefangen: die Geib-Orgel. Sie zählt zu den schönsten Altertümern an Orgeln in der Pfalz. Am Sonntag Estomihi 1777 wurde sie als zweites Werk aus der Werkstatt von Johann Georg Geib aus Saarbrücken in den Dienst der Gemeinde Lambrecht gestellt. Der Meister selbst und sein Sohn Georg reparierten 1804 die Chororgel und führten auch bis 1825 die Unterhaltungsarbeiten durch.

                        

                                                Blick vom Ostchor auf die Nonnenempore (Westchor)

1874 erneuerte Johann Eichenauer aus Speyer die Balganlage. 1892 wurde ihre Umsetzung vom Chor auf die neugeschaffene Nonnenempore durch die Orgelbauer Gebrüder Huber aus Pirmasens abgeschlossen, wobei kleinere stimmliche Veränderungen vorgenommen wurden. Weitere derartige kleinere Veränderungen erfolgten 1949 durch Paul Zinnol. Aus Anlaß des 200-jährigen Jubiläums im Jahr 1977, in dem zugleich Lambrecht sein 1000-jähriges Bestehen feierte, wurde die Chororgel von der Firma Johannes Klais aus Bonn restauriert. Dabei Veränderungen in der Vergangenheit z. T. zurückgenommen und so die ursprüngliche Spielanlage weitestgehend wiederhergestellt. Die Orgel besitzt 22 Register, ist mit 2 Manualen und Pedal ausgestattet, mit mechanischer Traktur.

   

Die Geib-Orgel auf der Nonnenempore (linkes Bild); Manuale und Pedal (rechtes Bild)

An der Nordseite der Orgel führt eine Wendeltreppe hinauf in die Glockenstube und zu deren Geläut. Dessen Vorläufer war zunächst eine kleinere Glocke im ehemals oktogonalen Dachreiter, vor dem Aufbau der heutigen Glockstube im Jahr 1922. Diese "alte Glocke" wurde im April 1727 von H. L. Grossmann in Landau gegossen und wog 316 Pfund. 1860 wurde sie durch eine neugegossene, 260 kg schwere, Glocke ersetzt. Am 26.6.1821 wurde eine weitere, 700 Pfund schwere, Glocke von der Firma Sprinkhorn und Schrader in Frankenthal gegossen, die mit der älteren Glocke im Turm "accordierend" sein sollte, da sie dieser beigesellt werden sollte. Die größere Glocke mußte am 10.7.1917 wieder vom Türmchen abgenommen werden, da sie zu Kriegszwecken verwendet werden sollte.

So keimte der Wunsch nach einem größeren Geläut, wofür Architekt Latteyer aus Ludwigshafen verschiedene Projekte entwarf, die jedoch alle vom zuständigen Baukunstausschuß des Kultusministeriums verworfen wurden. Schließlich gab dieser einen Aufbau vor, der "als neue Zutat (zur Kirche) kenntlich bleibt und im Stile sich nicht an die Kunstformen des alten Baues anschliesst." So kam es zur Realisierung der dem nordfranzösischen Kathedralstil nachempfundenen Glockenstube im Jahr 1922.

Bereits am 6.6.1921 wurden bei der Glockengiesserei Joh. Gg. Pfeifer in Kaiserslautern 3 Bronzeglocken beauftragt. Inflation, Streiks u.a. brachten erhebliche Verzögerung, so daß die Presbyter selbst in einer abenteuerlichen Nacht- und Nebelaktion sich eigenhändig der Glocken bemächtigten. Am 24.12.1922 konnten sie dann eingeweiht werden und zusammen mit der katholischen Kirche das Weihnachtsfest einläuten.

Das damalige Geläut bestand aus der Elisabethenglocke (benannt nach der Stifterin Elisabeth Haas) mit einem Durchmesser von 1,24 m und einem Gewicht von 1030 kg. Die zweite Glocke, Lutherglocke genannt, erinnerte an die 400-jährige Wiederkehr des Reichstages zu Worms (1521-1921), wog 605 kg und maß im Durchmesser 1,05 m. Die dritte Glocke war die Kriegergedächtnisglocke, die den Gefallenen des Weltkriegs 1914-18 gedachte, 452 kg schwer und 0,93 m im Durchmesser.

           Großer Andrang bei der Glockenanlieferung 1953 und bei der Ansprache von Pfarrer Wensch

             Kräftige Männer stehen bereit, um mit Muskelkraft die Glocken in die Glockenstube zu befördern  

Das jetzige Geläut im Gesamtgewicht um die 5 to wurde in den Jahren 1952/53 in der Glockengießerei Kurz in Stuttgart gegossen. Es besteht aus der Tauf-Glocke (Tonlage H, 81 cm Durchmesser, 325 kg), der Morgen-Glocke (Tonlage A, 92 cm Durchmesser, 480 kg), der Mittag-Betglocke (Tonlage G, 100 cm Durchmesser, 680 kg), der Abend-Betglocke (Tonlage E, 120 cm Durchmesser, 1149 kg) und der Ewigkeits-Glocke (Tonlage C, 156 cm Durchmesser, 2400 kg).

   

Die illuminierte Klosterkirche in der vorweihnachtlichen Zeit

   

Die Klosterkirche entbietet ihren Gruß zum neuen Jahr

Quellen zum Nachlesen:

  1. 1000 Jahre Lambrecht - Chronik einer Stadt, Dr. Ernst Collofong und Hans Fell, Edeldruck-Verlag Lambrecht, 1978;
  2. Quellen und Texte zur pfälzischen Kirchengeschichte, Bernhard H. Bonkhoff, Verlag Schnell und Steiner, 2005;
  3. Die Klosterkirche in Lambrecht, Presbyterium der Prot. Kirchengemeinde Lambrecht, Edeldruck-Verlag Lambrecht;
  4. Gemeindebrief der Prot. Kirchengemeinde Lambrecht, Dezember 1989/Januar 1990;
  5. Ergänzende Beiträge auf dieser Homepage: -->Lambrecht (Pfalz) und -->Stadttour;

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