Der Wald um Lindenberg in seinen herrschaftlichen Beziehungen        - speziell die Hirschhorner Herrschaftswälder

1. Vom Königsforst und Lutramsforst zum Deidesheimer Wald

Als Gemeinde im Pfälzerwald ist Lindenberg reichlich von Wald umgeben. Allerdings hat dieses so gut wie kein Eigentum daran, auch wenn auf seiner Gemarkung Anteile des "Joppenholz" in zahlreiche Waldparzellen gegliedert sind, die dinglichem Privatrecht unterliegen, und "Grünflächen-Ausgleiche" in allerjüngster Zeit sehr bescheidenen Waldbesitz erbrachten. Der Grund für das fehlende Eigentum am Wald (größeren Umfangs) ist, daß Lindenberg erst entstand, nachdem der Wald bereits in vollem Umfang an andere Herrschaften und Berechtigte gelangt war, so daß der Erwerb eigenen Waldes, auch mangels Mittel dazu, nie möglich war.

Einst waren alle Wälder "Reichsgut" und unterstanden somit dem König. Demnach gehörte auch die Waldung um Lindenberg ursprünglich zu einem sehr großen zusammenhängenden Königsforst, der von einem Königshof bzw. einem salischen Herrschaftshof vom heutigen Niederkirchen aus verwaltet wurde. Ein Teil dieses großen Königsforsts bildete dabei der Lutramsforst, der speziell die Wälder des Tales umfaßte, welches der Speyerbach durchfließt. Dazu zählte auch die Waldung um das Lindenberger Tal als Seitental des Speyerbachs.

Als der Salier Otto von Worms 977 bzw. 987 im nahen Lindenberger Nachbarort Lambrecht sein Benediktinerkloster gründete, das ebenfalls wie das Lindenberger Tal im Lutramsforst lag, soll er mit diesem dabei wie mit Eigenbesitz verfahren haben. D. h., daß er hieraus einen Teil separierte und diesen als "Klosterwald" seinem neu gegründeten Kloster zu dessen Ausstattung vermachte.

Der Grund, warum dieser Salier mit dem Lutramsforst wie mit einem Allodialgut (Eigengut) verfahren konnte, lag wohl darin begründet, daß dieser tatsächlich in seinem Eigentum stand. Denn vermutlich war der Lutramsforst durch seine Mutter in seine salische Familie gelangt. Diese hieß Liudgard und war die Tochter von Otto dem Großen, aus dessen erster Ehe mit Edgitha (Edith) von England. Als diese 947 den Salier Konrad den Roten, den Vater Ottos von Worms, ehelichte, soll ihr der Lutramsforst als Mitgift mitgegeben worden sein. So könnte Otto von Worms, in Rechtsnachfolge seines Vaters, in den Eigenbesitz des Lutramsforsts gelangt sein.

Im Jahr 1065 ging durch Schenkung des Klosters St. Lambrecht auch dessen "Klosterwald" als Teil des Lutramsforsts an das Hochstift Speyer über. Die Schenkung wurde 1086 auf den gesamten Lutramsforst ausgedehnt, womit nun auch der dazugehörige Wald um Lindenberg speyerisch wurde. 1104 gelangte schließlich auch die Lindenburg, wahrscheinlich der ehemalige salische Verwaltungs- und Jagdsitz für den Lutramsforst, an das Hochstift.

Nachfolgend vergab das Hochstift die Lindenburg als Lehen an mehrere aufeinanderfolgende Lehensnehmer. Genannt sind Diemar von Lindenburg (1220), das Geschlecht der Frankensteiner (1286, 1334), Conradt Schenk von Erbach (vermutl. vor 1345), Engelhardt I. von Hirschhorn (ab 1353) und dessen erblichen Nachfolger (bis 1632).

Dieses Lehen umfaßte neben der Burg auch einen "Burgfrieden", der die Burg umschloß und im Falle der Lindenburg aus einem "Burgwald" bestand. Wahrscheinlich wurde dieser auch nach der früheren mittelalterlichen Methode ausgemarkt, indem in Grenzbäume, mittels einer Loogaxt, die Herrschafts-zeichen eingeschlagen wurden. Allerdings dürfte sich diese Ausmarkung im Laufe der Zeit als vergänglich erwiesen haben, indem der genaue Grenzverlauf des Burgwaldes allmählich vakant wurde. Weshalb sich hieraus zunehmend Streitigkeiten mit Deidesheim generierten.

Daß Deidesheim die Rechte um den Wald um Lindenberg für sich beanspruchte, hatte folgende Bewandtnis: ursprünglich zu jenem Königsforst gehörend (s.o.), war hierfür zuerst Niederkirchen zuständig, das bei seiner urkundlichen Ersterwähnung im Jahr 699 namentlich als "Didinneschaim" aufgeführt wurde. Nach der Deutung dieses frühmittelalterlichen Namens stellte Niederkirchen demnach das ursprüngliche Deidesheim dar.

Ab Mitte des dreizehnten Jahrhunderts begann sich dann am Haardtrand, westlich Niederkirchens (auf Niederkirchener Mark!), eine Tochtersiedlung zu bilden, die sich ebenfalls, wie ihre Muttergemeinde, Deidesheim nannte. Diese Tochtersiedlung lief allmählich ihrer Muttergemeinde den Rang ab, vor allem durch die Förderung zum Amtssitz durch das Bistum Speyer, nachdem dieses ab der Jahrtausendwende durch Güterzugwinne die Hoheit übernommen hatte.

Verwechslungen beider Orte lösten dann wohl Namensänderungen aus. So nannte sich die Tochtersiedlung, bis sie wieder und endgültig zu Deidesheim zurückfand, zwischenzeitlich auch Oberdeidesheim und, nachdem dort ebenfalls eine Kirche errichtet worden war, nahm das ursprüngliche Deidesheim dann seinen heutigen Namen Niederkirchen an, nachdem es sich davor noch als Niederdeidesheim ausgegeben hatte. Mit dieser Entwicklung ging einher, daß auch Verwaltungskompetenzen von der Muttergemeinde auf die Tochtergemeinde übergingen und dabei auch der ehemalige Niederkirchener Königsforst sich zum "Deidesheimer Wald" wandelte.

2. Der "Burgwald" der Herrschaft Hirschhorn

Unter den letzten Lehensnehmern von Lindenburg, den aus dem Rittergeschlecht von Burg Hirschhorn am Neckar stammenden Herren von Hirschhorn, spitzten sich die oben angesprochenen Streitigkeiten offensichtlich immer mehr zu, so daß dringender Klärungsbedarf entstand, wie genau die Grenzen des Hirschhorner Besitzes verliefen. Nach mehreren Anläufen dazu wurden diese schließlich mit Speyer geklärt und im Jahr 1516 vertraglich neu festgelegt. Dabei entschied man, mangels einer genaueren vorfindbaren Grenzmarkierung, "wie Notturft erfordt" und ansonsten wie und von wem die Waldbezirke seit altersher genutzt wurden.

a) Der Berg und Wald unter dem "Schwalbenstein"

Einzige konkrete Angabe seitens der Herren von Hirschhorn dazu war, daß ihnen der Berg unter dem "Schwalbenstein" laut Herkommen zustehen würde. Wegen der Gleichheit im Namen dürfte dieser im "Schwalben-Eck" zu vermuten sein, das auf topographischen Karten im östlich von Lindenberg ansteigenden Berghang zum Weinbiet hin kartographiert ist. Hierbei auch charakterisiert durch eine mit 428,2 m angegebenen Höhenmarke, mit einer (allerdings nur noch auf älteren Karten deutlich verzeichneten) Felssignatur in deren unmittelbaren Nähe (siehe auch geographische Karte unten!).

Bei der Umschau vor Ort realisiert sich besagte Felssignatur als Ansammlung mehrerer Felsfindlinge in unterschiedlichen Größen und Formen auf einem sehr flachen Hügel als höchste Stelle eines ansonsten ausgeprägten Plateaus, welches erst nach beachtlicher Ausdehnung in den nach Lindenberg immer stärker abfallenden Berghang übergeht.

Keiner der Felsfindlinge ist so markant, um unter diesen den besagten Schwalbenstein herausdeuten zu können. Auch weil an keinem dieser Findlinge irgendwelche Grenzzeichen zu entdecken sind. Denkbar ist, daß es sich bei ihnen um die Überreste eines ehemaligen größeren (monolithischen) Felsgebildes handeln könnte. Anlaß zu dieser Annahme gibt die Karthographie "Alte Trockenmauern" im Bereich des Schwalben-Ecks. Diese waren dort in früheren Zeiten derart massiv und reichlich vorhanden gewesen, daß sie sogar als Reste eines Klosters oder einer Bergfestung interpretiert wurden. Die hierfür verbauten Bruchsteine gewann man gewiß aus vorhandenem Felsgestein vor Ort. Hierbei könnte also jenes vermeintliche Felsgebilde derart ausgebeutet worden sein, daß nur noch wenige Reste davon übrig blieben. So also könnte der nicht mehr auffindbare Schwalbenstein als ehemalige Grenzmarke dann auch entschwunden sein.

b) Das "Schwalben-Eck" als alte "Lindenberger Unger"

Für die Namensgebungen "Schwalbenstein" und "Schwalben-Eck" scheint es eine durchaus plausible Erklärung zu geben. Tatsächlich scheinen Schwalben dabei eine Rolle gespielt zu haben, indem sich diese einst im relevanten Bereich aufhielten und vielleicht am Schwalbenstein ihrer Nester hatten und dort brüteten und das mitten im Wald!

Der Grund hierfür könnte in der prägnanten Ebene um den Schwalbenstein bzw. um das Schwalben-Eck liegen. Solche nahezu ebenen Waldflächen waren in früheren Zeiten beliebte Weideflächen für das Vieh. Insbesondere, wenn eine Quelle dort, wie für das Schwalben-Eck nachweisbar, die Viehtränke ermöglichte. Solche Waldflächen kamen etwa auch auf dem "Schauerberg" südlich des Lindenberger Nachbarortes Lambrecht und dort speziell auf der "Alten Unger" vor. Weitere Beispiele um Lambrecht sind die flachen Kuppen des "Ochsenkopfs" oder des "Eichelbergs".

In ihren Namen stecken Hinweise auf die alten Waldweiden. Der Name "Schauerberg" soll etwa von "Scheuern" i. S. von offenen Unterstellställen zum Schutz des Viehs vor Unwetter kommen. Die Bezeichnung "Unger" findet sich vielerorts und ist als "Viehhunger" zu deuten. Selbstredend ist der "Ochsenkopf", während der "Eichelberg" sich auf "Eicheln" als nahrhaftes Viehfutter bezieht (Eichelmast!). Im Falle des Schwalbensteins und des Schwalben-Ecks dürften fliegende Insekten, welche das dort weidende Vieh anlockte, der Grund gewesen sein, warum Schwalben sich dort aufhielten: als geschickte Insekten- und Fliegenjäger fanden sie hier sicherlich reichlich Nahrung!

So muß man zur Annahme kommen, daß es sich beim "Schwalben-Eck" wohl um eine alte Waldweide handeln dürfte. Daß sie dabei gar als alte "Lindenberger Unger" fungierte, indiziert die Wortschöpfung "Eck" hierfür, die für die Lindenberger als durchaus typisch anzusehen ist, wie das "rettende Eck" und die davon abgeleiteten "Eckwiesen" als weitere Beispiele belegen. Gewißheit hierüber bringt aber, daß die Herrschaft Hirschhorn den Berg unter dem "Schwalbenstein" für sich reklamierte (s.o.). Und da diese ihren Lindenberger Grundholden und Hörigen mehrfach Schutz und Unterstützung zur Sicherung ihrer Lebensbedürfnisse gewährte, insbesondere was die Waldweide für ihre Untertanen anging, war diesen der "Weitgang und Viehdrieb" auch ausdrücklich gestattet.

c) Die "Grenzen des Burgwaldes" unterhalb des Schwalbensteins

Diese "Lindenberger Unger" unterhalb des Schwalbensteins mit dem darunter liegenden Berg dürfte den Hauptteil des unmittelbar um die ehemalige Lindenburg liegenden Hirschhorner "Burgwaldes" dargestellt haben. Wie seine Grenzen verliefen ist nicht mehr exakt nachvollziehbar, da eine eindeutige Aussteinung mit Grenzsteinen fehlt. Einige Anhaltspunkte bieten sich dennoch.

Zur mittelalterlichen Praxis der Festlegung von Grenzverläufen zählte auch die Nutzung topographischer Besonderheiten (Täler, Bergeinschnitte, Einsenkungen, Höhenmarken u.v.m.), die häufig eine Aussteinung auch überflüssig machten. Der "Schwalbenstein" (Höhenmarke 428,2 m) bildete wohl so eine Besonderheit, mit seiner "schwachen Einsattelung" in unmittelbarer Nähe. Von letzterer schneidet eine "Rinne" (Wassererosion!) in den Berg, die nördlich bis ins Neutal abläuft, während von ebendort das seinen Ausgang nehmende Tal zum südlichen Nonnental herabfällt. Beides zusammen - Rinne und Tal - könnten so die Ostgrenze des Hirschhorner "Burgwaldes" zum Weinbiet hin ergeben haben.

Diese Annahme stützt, daß heutige Grenzen genau so verlaufen, die eine "Grenzschneise" (über besagte "Rinne" hinweg) sowie einzelne Grenzsteine Richtung Nonnental herab, markieren. Die Grenzsteine mit den Zeichen "G" und dem (vom "kurpfälzischen Rautenrost" abgeleiteten) "Gimmeldinger Rautenrost" weisen dabei auf Gimmeldingen als Grenzanrainer. Versehen mit der Jahreszahl "1826" beziehen sich sich allerdings auf jüngere Grenzverläufe, die erst nach der Zeit der Hirschhorner Herrschaft entstanden sind, dabei auch über ehemals Hirschhorner Gebiet hinweg!

Über dessen östliche Ausdehnung liefert uns auch folgender Sachverhalt eine Vorstellung: im Berghang westlich des Nonnentals war eine "Steige" (Zick-Zack-Pfad) angelegt, wie sie nur in alten Zeiten gebräuchlich war (vgl. "Eselssteige"). Sie schaffte vom unteren Talhang eine direkte Verbindung hinauf zum Schwalbeneck! Womit es sich hier auch nur um eine Hirschhorner Wegeverbindung handeln konnte! Um ihren Zweck sicher erfüllen zu können, mußte sie noch auf Hirschhorner Terrain angelegt gewesen sein, so daß dessen östliche Grenze sich auf jeden Fall auch östlich dieser Steige befunden haben muß, also unmittelbar beim Nonnental! (Siehe auch Beitrag unter -->Thema spezial).

Für den Verlauf der dort nun anknüpfenden Südgrenze müssen wir die mittelalterlichen Machtverhältnisse berücksichtigen. Die Talstraße (heutige B39) gehörte zu Kurpfalz. Als wichtige Straße zur Erschließung des eigenen Territoriums und als "Steuereinnahmequelle" dürfte Kurpfalz daher sein wachsames Auge darauf gerichtet haben, damit keine fremde Herrschaft sich daran vergriff. Im Lindenberger Tal galt ähnliches für dessen Talweg. Über ihn wachte Deidesheim, da dieser als Zugang zum Deidesheimer Hinterwald und für den Holztransport überaus wichtig war. D. h., daß die (schwächere) Hirschhorner Herrschaft in beiden Fällen gebührenden Abstand zu wahren hatte!

Demnach muß die Südgrenze vom Nonnental bis an den Eingang ins Lindenberger Tal (Einmündung der K16 in die B39) im Berghang über der Talstraße (heute B39) ihren Weg genommen haben. Sie dürfte so auch die heutige Gemarkungsgrenze Lindenbergs in diesem Bereich indiziert haben, allerdings mit mehr oder weniger geringen Abweichungen.

Aufschluß hierüber liefert uns ein Grenzstein bei einer Felsplatte oberhalb der heutigen Gemarkungsgrenze, nahe des dort zum Nonnental führenden Fahrwegs. Es ist ein Gimmeldinger Grenzstein wie oben schon beschrieben. Mit seiner Jahreszahl "1826" dokumentiert er die in diesem Jahr dort eingerichtete Gimmeldinger Grenze, um zugleich mit einer weiteren Jahreszahl in seinem Fußbereich auf eine weit ältere Grenze Bezug zu nehmen.

  

Wahrscheinlich das älteste Relikt eines Hirschhorner Grenzsteins an der Südgrenze des "Burgwaldes" mit der Jahreszahl 1545 (alternativ 1575 oder 1577) am Fuß, 1826 umgearbeitet zum Gimmeldinger Grenzstein Nummer 116, dabei wurde wohl die ältere Jahreszahl in ihrem oberen Bereich durch die Behauung bis zur roten Linie beeinträchtigt (graphische Darstellung rechts)

Diese zweite Jahreszahl ist nicht ganz einfach zu lesen. Im vorschnellen Blick darauf erscheint sie als  "1577". Gründlicher in Augenschein genommen, treten hinsichtlich der beiden letzten Ziffern aber Zweifel auf. So scheint die letzte Ziffer "7" sich in einer Fortsetzung nach oben zur "5" zu entwickeln. Die "7" davor weist unmittelbar an ihre obere Querlinie ansetzende Behauspuren auf, deren Schlagmuster sich von dem darunter, wo sich die zweite ältere Jahreszahl befindet, deutlich unterscheidet. Denkbar ist, daß eine "4" durch eine nachträgliche Behauung ihres oberen Teils bis zu ihrem Querstrich mit dem dann direkt daran anschließenden Abschwung zur "7" umgewandelt wurde. Demnach könnte die fragliche zweite Jahreszahl auch als "1545" zu entziffern sein.

Vielleicht erscheinen diese letzten Ausführungen allzu zielstrebig, aber es existiert eine Grenzbeschreibung, die im Jahr 1545 wie folgt beurkundet wurde: "...und endet sich das Neue Tal und fängt der Rübenacker an, mit dem ersten Loog mit S verbuchstabet, und fürder das andere Loog mit T. Der dritte Loog mit V bezeichnet item am guten Rübenacker ist ein Loog mit W. Mit X und das letzte Loog mit Z ist die Jahreszahl 1545..." (Otto Gödel in Talpost v. 02.09.1999) 

Hiernach zog eine Hirschhorner (!) Grenze vom Neutal, die beim heutigen Weinbietweg mit einem Grenzstein mit dem Buchstaben S anfing, wohl den Weg zwischen der heutigen K16 und der Hauptstraße entlang, bis zum Grenzstein mit dem Buchstaben Z, also über insgesamt 6 Grenzsteine hinweg. Da diese mit der Jahreszahl 1545 datiert waren, könnte unser Gimmeldinger Grenzstein von oben, bei gleicher Jahreszahl in seinem Fuß, durchaus mit dieser Grenze in Verbindung gestanden haben. Daß diese Grenze in seine Richtung ging, ist von den in der Quelle angeführten Rübenäckern abzuleiten, an denen sie vorbeiführte. Als "Rodungs- oder Wilrungsäcker", wie sie auch zur Zeit der Hirschhorner Herrschaft in den gebirgigen Regionen des Pfälzerwaldes üblich waren, konnten diese nur im Berghang entlang der beschriebenen Grenze von 1545 angelegt gewesen sein.

Leider steht unser Gimmeldinger Grenzstein mit den beiden Jahreszahlen und der Nummer 116, wohl das älteste Relikt eines Hirschhorner Grenzsteins auf Lindenberger Mark, allein auf weiter Flur, ohne direkten Grenzstein-Nachbar. Eine Weisung zur Richtungsangabe der zu ihm führenden bzw. abgehenden Grenze besitzt er nicht. So können wir nur vermuten, daß er mit einer Reihe von fünf Grenzsteinen in Verbindung steht, die sich etwas unterhalb von ihm, teils über und unter dem dort vorbeiführenden "Heimatpfad", nach Westen und ins Lindenberger Tal hinein orientiert.

Bedauerlich ist, daß sich auf diesen Grenzsteinen keine Herrschaftszeichen befinden. Dafür sind sie - von Ost nach West - mit den Nummern 15 bis 19 versehen. Demnach könnten sie Ersatz für abgegangene Grenzsteine mit der angegebenen Nummernfolge sein. Die Wahrscheinlichkeit, daß es sich dabei um Hirschhorner Grenzsteine handeln könnte, wäre hierfür hoch anzusetzen.

So ist die Vermutung nicht abwegig, daß im relevanten Bereich die Hirschhorner Grenze einst weiter südlich und damit viel näher an der dortigen Talstraße entlang zog. Dies suggeriert ein original Hirschhorner Grenzstein im sog. "Schlackenweg", der vom Südende der Lindenberger Hauptstraße hoch an den Heimatpfad führt. Leider ist dieser Grenzstein umgestürzt und dabei wohl auch zu Schaden gekommen. Überdies ist er unzugänglich, insoweit undurchdringliches Buschwerk sich seiner bemächtigt hat, weshalb er für diese Ausarbeitung auch leider nicht näher inspiziert werden konnte.

Wenn die Hirschhorner Grenze einst so verlief, dann muß sie ein altes Lindenberger Gewann zumindest gestreift, eher sogar durchquert haben, das "Am Schlag" bezeichnet wurde. Diese Bezeichnung könnte von einem "Holzeinschlag" (Rodung) herrühren, durch den die alten Hirschhorner Grenzsteine so sehr gelitten haben könnten, daß sie ersetzt werden mußten. Desweiteren wurde durch eben dieses Gewann aber auch 1848 die Trasse der "Ludwigsbahn" gelegt. Durch die Bereitstellung des benötigten Bahngeländes und die anschließenden Baumaßnahmen bzw. mit der Aufnahme des Bahnbetriebs, könnten die alten Hirschhorner Grenzsteine ebenfalls in Abgang gekommen und deshalb ersetzt worden sein. Den wichtigsten Anhaltspunkt für unsere These scheint aber die Numerierung der "fünf Ersatzgrenzsteine" zu liefern, indem diese mit der Numerierung von noch original erhaltenen Hirschhorner Grenzsteinen zu korrespondieren scheint.

Gemäß ihrer Anordnung von Ost nach West, mit einem angedeuteten Übergang in eine Kurve nach Norden, leiten die "fünf Ersatzgrenzsteine" nun in die Westgrenze des Hirschhorner "Burgwaldes" über. Vom letzten "Ersatzgrenzstein Nummer 19" als südlichster Punkt zog diese wohl, in weitestgehender Übereinstimmung mit dem oben beschriebenen Grenzverlauf von 1545 (!), über den Weg oberhalb des Lindenberger Neubaugebiets (an der südlichen Hauptstraße) entlang nach Norden. Zwei Gimmeldinger Grenzsteine am Südrand des Wegs, wie auch die dort verlaufende heutige Gemarkungsgrenze Lindenbergs, liefern hierfür ein Indiz. Bei der "Teufelsschleife", wo der Weg heute auf die K16 trifft und nach deren Überquerung in der gleichen Richtung, nun unterhalb dieser, weiterzieht, nahm wohl auch die Westgrenze des Burgwaldes ihre Fortsetzung.

Diese Annahme festigen drei Grenzsteine am Südrand des Wegs. Der erste Grenzstein, gleich nach Überquerung der K16, ist wenig hilfreich, da unzugänglich. Der nächste Grenzstein ist überaus merkwürdig. An der Ostseite, zum Weg hin, ist er mit "W H" und N + 124" und an seiner Westseite mit einem "Hufeisen" gekennzeichnet. Damit fällt er eindeutig aus dem Rahmen des Lindenberger Grenzsteinbestandes, was den Schluß zuläßt, daß er wahrscheinlich von fremder Herkunft ist. Nicht derart rätselhaft ist schließlich ein weiterer Gimmeldinger Grenzstein an diesem Weg, der mit dem abgehenden Weinbietweg nun direkt ins Neutal weist, wo wir nun endlich einen Hirschhorner Grenzstein sichten können, der die Hirschhorner Herrschaft und den Grenzverlauf ihres Territoriums nun auch direkt dokumentiert.

d) Die Hirschhorner Grenzsteine um den Kapellenberg

Dieser steht im Nordhang des Neutals, in einem leider so steilen und unwegsamen Hang, so daß der Grenzstein nicht angegangen werden kann. So kann seine etwas irritierende Weisung auf der Oberseite auch nicht genauer untersucht werden. Nach dem visuellen Befund - in Distanz - weist diese scheinbar in vier Richtungen und suggeriert so den Eindruck eines "Viermärkers", obwohl ganz sicher nur die Territorien zweier Herrschaften bzw. Berechtigter am Grenzstein zusammentreffen konnten, nämlich die von Hirschhorn und Deidesheim.

   Der Hirschhorner Grenzstein Nummer 26

An seiner hangaufwärts gewandten Nordseite (Vorderseite Bild) findet sich die "Hirschstange" als Herrschaftszeichen der Herren von Hirschhorn. Bereits halb im Hanggrund verschwindend erkennen wir die Zeichen "BS" für Bistum Speyer. Eine weitere Hirschstange findet sich an der Ostseite (linke Seite Bild) des Grenzsteins, ohne daß dort weitere Zeichen erkennbar werden.

Gemäß der Regel, wonach Herrschaftszeichen immer auf ihr Territorium schauen, umfaßte das Hirschhorner Territorium also den nördlichen Neutalhang über dem Grenzstein und den von ihm zu seinem Talschluß abgehenden östlichen Teil des Neutals. Hierfür erscheint nur der "Winkel" der Weisung, der mit dem einen Schenkel nach Süden und mit dem anderen nach Westen zeigt, als authentisch, während die weiteren Richtungsangaben diesbezüglich absolut widersprüchlich sind. Vielleicht führten für möglich zu haltende Grenzänderungen im Neutal dazu, daß an der Weisung "Nachbesserungen" vorgenommen wurden, die zu dem heutigen widersprüchlichen Befund führten.

Was das Zeichen "BS" für Bistum Speyer angeht, das sich auf der Nordseite des Grenzsteins unter der "Hirschstange" befindet, so offenbart dies keine "Herrschaftskonkurrenz", insoweit die Hirschhorner Herrschaft ja einem Lehen des Speyerer Hochstifts entsprang und somit mit Speyer in Territorialeinheit stand. Dennoch ist die doppelte Herrschaftssignatur auf einer Seite eines Grenzsteins untypisch.

An der Südseite (abgewandte Seite Bild) unseres Grenzsteins, wo der Hang sehr steil in die Talsohle des Neutals fällt, sind die Zeichen "Z6" zu erkennen. "Z" ist die vereinfachte Darstellung der Zahl "2", so daß unser Grenzstein mit der Nummer "26" gekennzeichnet ist. Was wiederum heißen würde, daß noch mindestens 25 weitere Grenzsteine seiner Art existiert haben müssen.

Tatsächlich finden wir in der Gemarkung von Lindenberg noch weitaus mehr Grenzsteine der Hirschhorner Herrschaft vor. Mit ihnen wurde deren Herrschaftsgebiet allerdings nicht von Anfang an ausgesteint, sondern erst nachdem die Herren von Hirschhorn mehrmals durch Speyer dazu aufgefordert wurden, nachdem die Grenzen ihres Besitzes immer verschwommener geworden waren. Nach der Klärung und Neufestlegung von 1516 (s.o) wurde von Speyer ganz besonders eindringlich die Aussteinung des Hirschhorner Besitzes gefordert. Wohl erst danach wurde dann auch mit dem Setzen von Grenzsteinen begonnen.

Wo wir nun auch auf die Numerierung der Hirschhorner Grenzsteine gestoßen sind, blicken wir noch einmal auf die "fünf Ersatzgrenzsteine" (s.o.) zurück. An den letzten Stein mit der höchsten Nummer 19 knüpften wir die auf den Hirschhorner Grenzstein Nummer 26 (s.o) zulaufende Westgrenze des Hirschhorner Burgwaldes an. Bei deren beschriebenen Weg zu diesem haben wir entlang dieses Wegs insgesamt 5 Grenzsteine erkundet (2 über dem Neubaugebiet, 3 im anschließenden Weg unter der K16). Auch wenn es sich hierbei um fremde Grenzsteine handelt, so stehen sie doch in einer Positionierung und in Abständen, wie sie auch auf Hirschhorner Grenzsteine zu übertragen wären. Nehmen wir sie daher diesbezüglich in unseren Dienst, um zu resümieren, daß lediglich vom nächsten dieser 5 Grenzsteine bis zum Hirschhorner Grenzstein Nummer 26 eine Lücke bestehen würde, die mit einem (fehlenden) Grenzstein dann noch zu schließen wäre. Mit diesem und dem vorhandenen Befund kämen wir also auf insgesamt 6 Grenzsteine, mit denen unser Ausgangsstein Nummer 19 exakt auf den Hirschhorner Grenzstein Nummer 26 aufschließen könnte!

Schauen wir noch einmal auf die Weisung desselben, um zu erkennen, wie die oben beschriebene Westgrenze im Hang über dem Lindenberger Talweg, entlang dem heutigen Weg unterhalb der K16, auf unseren Grenzstein zuläuft, angezeigt durch den nach Süden weisenden Schenkel unseres verbindlichen Winkels (s.o.). Rechtwinklig setzt dann der zweite Schenkel an und weist für den weiteren Verlauf der Grenze nach Westen. D. h., daß die Grenze im Hang des Kirchbergs weiterlief, wo dann auch die nächsten Grenzsteine zu erwarten wären.

Es heißt, daß der Abstand zwischen den Grenzsteinen bei den mittelalterlichen Grenzsteinsetzungen in der Regel der Weite eines Axtwurfs entsprach. Stellen wir uns einen solchen in die angesagte Richtung vor und finden so, wo das Wurfgerät dann wahrscheinlich wieder niedergehen würde, in etwa die Stelle, wo wir unseren nächsten Grenzstein vorfinden müßten, dann lautet das Ergebnis für unseren Fall "Fehlanzeige". Erst einige weitere "fiktive Axtwürfe" in Richtung des sich jetzt nach Norden wendenden Kirchberghangs bringen uns dem nächsten Grenzstein nahe.

Er steht in einiger Schräglage am Kapellenweg und ist an der Ostseite, sowohl im oberen Teil wie auch im Fußbereich, mit der "Hirschstange" und den Zeichen "BS" und jetzt auch zusätzlich mit der Jahreszahl "1775" signiert. Seine Weisung zeigt nach Süden, von wo die alte Hirschhorner Grenze nun bei ihm ankommt, in Übereinstimmung mit der vom Grenzstein Nummer 26 ausgehenden Richtung und den hiernach ausgeführten "fiktiven Axtwürfen". Deren Anzahl wäre bis zu diesem Grenzstein mit "5" nun auch ganz genau zu ermitteln, nämlich anhand der Numerierung dieses Grenzsteins mit "31" an dessen Südseite. Was leider bedeutet, daß 4 Grenzsteine zwischen ihm und dem Grenzstein 26 wohl abgegangen sind, nämlich die mit den Nummern 27, 28, 29 und 30.

   Grenzstein Nummer 31 mit "Hirschstange, BS, 1775"

Was die Jahreszahl "1775" an dem auf diesen folgenden Hirschhorner Grenzstein Nummer 31 betrifft, so will diese bekunden, daß dieser Grenzstein mit den weiteren ebenso signierten Grenzsteinen in dem damit angegebenen Jahr gesetzt wurde. Dies ist etwas merkwürdig, da das Geschlecht der Hirschhorner mit dem Aussterben im Mannesstamm im Jahr 1632 bereits erloschen war, womit auch die Hirschhorner Herrschaft geendet haben müßte. Weshalb diese fast 150 Jahre danach, wie mit der "Hirschstange" und der Jahreszahl "1775" auf dem Grenzstein dokumentiert, immer noch als bestehend aufgeführt wird, darüber kann nur spekuliert werden.

Dies wohl auch hinsichtlich der stark beeinträchtigten Weisung am Grenzstein, wo es vielleicht Holzhauer waren, die beim Weg zu ihrer Arbeit im Wald und dabei am Grenzstein vorbei, daran noch einmal ihre Äxte schärften und so an der Weisung eine tiefe Wetzspur hinterließen. Diese zeigt den weiteren Grenzverlauf nach Norden an.

Zunächst treffen wir in diese Richtung aber keinen weiteren Grenzstein an. Erst über dem Anwesen Mauerweg 12, an dessen östlichen Grundstücksgrenze, wo der Weg vom Mauerweg (beim Wasserhaus) hinauf zur Kapelle führt, können wir wieder einen Grenzstein mit den bekannten Grenzinsignien orten.

Mit seiner Weisung als Gerade in Ost-West-Richtung zeigt er eine Grenzlinie an, die quasi eine "Senkrechte" im Berghang bildet. Denkt man sich diese als unendlich verlängert den Berghang herab, dann müßte sich diese mit einer ebenso unendlich verlängert gedachten "Waagrechten", welche der vom Grenzstein am Kapellenweg vorgegebenen Grenzlinie im Kirchberghang entsprechen würde, überkreuzen. Genau im Kreuzungspunkt, bei dem schon genannten Anwesen, diesmal an dessen westlichen Grundstücksgrenze am Mauerweg, müßte dann auch ein Grenzstein aufzufinden sein. Allerdings bleibt eine Suche auch dort erfolglos.

Daß sich am angegebenen Ort (Kreuzungspunkt!) aber ein Grenzstein befunden haben muß, deckt sich mit Grenzsteinsignaturen in diesem Bereich auf einem Ortsplan Lindenbergs von 1839, abgedruckt in der Lindenberger Chronik Seite 61 und dort als "Brouillons-Beilage" deklariert.

Eindeutig ist auf diesem Ortsplan der Hirschhorner Grenzstein Nummer 31 am Kapellenweg auszumachen (s.o.). Gemäß seiner Weisung lenkt er die Grenze nach Norden, direkt auf den Mauerweg zu. Diese passiert dabei in gerader Linie drei Grenzsteine vor ihrer Ankunft an der östlichen Seite des Mauerwegs, um diesen dann schräg zu überqueren und schließlich an der westlichen Seite des Mauerwegs auf jenen Grenzstein zu treffen, der jetzt in einem etwas spitzen Rechteckwinkel die Grenze "senkrecht" den Kapellenberg hinaufleitet. Womit der Hirschhorner Grenzstein in dem gedachten Schnittpunkt (s.o.) nun auch ermittelt wäre, nämlich an der Westseite des Mauerwegs, gegenüber dem Wohngebäude Nummer 12. Da er direkt am Wegrand des früher schmaleren Mauerwegs stand, dürfte er dem Ausbau dieses zu einer Straße zum Opfer gefallen sein.

Welche Nummer könnte diesem Grenzstein nun zuzuweisen sein? Nun, gehen wir von den drei angeführten Grenzsteinen zwischen ihm und Grenzstein Nummer 31 aus, dann wäre er als Grenzstein Nummer 35 zu beziffern. Diese Nummer dürfte allerdings einen Zähler zu hoch sein, weil zwei der vorigen Grenzsteine einen zu geringen Abstand halten. Sehr wahrscheinlich wurde auch ein Eck-Grenzstein einer bebauten Grundstücksparzelle in unserem Ortsplan verzeichnet, der mit der Hirschhorner Territorialgrenze nichts zu tun hatte. Weshalb also die Nummer 34 (und nicht 35) korrekt erscheint, was auch die nachfolgenden Hirschhorner Grenzsteine bestätigen.

Es sind dies der schon an der östlichen Grundstücksgrenze des Anwesens Mauerweg 12 angeführte Hirschhorner Grenzstein mit der Nummer 35 (!) an seiner Westseite und der diesem folgende Grenzstein an der Ostseite des Wegs, der von der Kapelle hinauf zum Waldparkplatz bei der alten Deponie führt. Letzterer ist zum Weg hin mit der Nummer 36 versehen. Von diesen Grenzsteinen zurückgezählt, kommen wir nun zum sicheren Ergebnis, daß der unmittelbar vor ihnen positioniert gewesene ehemalige Grenzstein an der Westseite des Mauerwegs, gegenüber dem Anwesen Mauerweg 12, mit 34 (!) numeriert gewesen sein muß.

Zeigen die Herrschaftszeichen von Grenzstein Nummer 35 nach Süden, so sind sie bei dem ihm nachfolgenden Hirschhorner Grenzstein Nummer 36 nun nach Osten gewandt. Dessen Weisung besteht in einem Winkel, der mit seiner westlich gerichteten Kathete die senkrecht von unten den Hang hoch steigende Grenze aufnimmt, während die im stumpfen 90-Grad-Winkel nördlich gerichtete Kathete auf den nächsten Hirschhorner Grenzstein weist.

e) Die Hirschhorner Grenze trifft auf die Gimmeldinger Grenze

Dieser Grenzstein findet sich nur einen sehr schwachen "Axtwurf" weit gleich an der westlichen Gegenseite des Wegs, mit den Herrschaftszeichen wie beim Vorgänger an dessen Ostseite. An der Südseite ist er mit 37 numeriert. Seine Weisung entspricht einer leicht geknickten Geraden, die in den sich nördlich fortsetzenden Berghang (jetzt des Langenbergs) zielt. Folgt man der angegebenen Richtung, so stößt die Hirschhorner Grenze nun auf einen Grenzstein, der an der Ostseite mit dem Grenzzeichen "G", der Jahreszahl "1826" und der Nummer "81" sowie mit dem "Gimmeldinger Rautenrost" die Grenze von Gimmeldingen ankündigt (s.o. Gimmeldinger Grenzstein Nummer 116).

   Grenzsteine Nummer 36 (hinten links) und 37 (vorn)

Diese kommt vom Parkplatz bei der alten Deponie herab, wo bei dessen Westrand ein Gimmeldinger Grenzstein (Nummer 82) mit seiner Weisung in Form einer Ost-West-Geraden direkt auf den nachfolgenden Grenzstein Nummer 81, wie beschrieben, hinweist. Dessen Weisung entspricht einem Winkel, der mit dem einen Schenkel hoch zum darüberliegenden Parkplatz und mit dem anderen Schenkel nach Norden zeigt, wohin sich die Gimmeldinger Grenze im Berghang, und dabei immer an der Lindenberger Gemarkungsgrenze entlang, nun weiter orientiert.

Nach 8 Gimmeldinger Grenzsteinen (Nummer 81-74), erreicht die Gimmeldinger Grenze eine deutliche Taleinsenkung über dem Mauerweg. Jetzt die Richtung Westen einschlagend, setzt sie mit 4 weiteren Grenzsteinen (Nummer 73-70) über den westlich von der Taleinsenkung sich erhebenden Hang und über die Kuppe darüber hinweg, um dann zum Mauerweg abzufallen. Dort ist dann auch an der Nordseite des Anwesens Nummer 40, direkt am Mauerweg, der Gimmeldinger Grenzstein Nummer 70 postiert.

Auf der anderen Seite des Mauerwegs, nach dem Anwesen Nummer 43, wo die unbefestigte Verlängerung des Mauerwegs beginnt, setzt sich die Gimmeldinger Grenze wieder in nördlicher Richtung fort. Zunächst noch mit 2 Grenzsteinen (Nummer 69 und 68) direkt am verlängerten Mauerweg, dann mit 4 Grenzsteinen (Nummer 67-64) durch den unterhalb des verlängerten Mauerwegs liegenden Hang, dabei einen Waldpfad schneidend.

 

Die beiden Gimmeldinger Grenzsteine Nummer 69 (Bild links) mit der "Hirschstange" und Nummer 68 (Bild rechts) mit der Jahreszahl "1775" am verlängerten Mauerweg sind recht aufschlußreich, weshalb wir nachfolgend noch auf diese zurückkommen werden

Mit einer kurzen Wende wieder nach Westen, steigt die Gimmeldinger Grenze dann den Berghang herab und erreicht so die Talsohle des hinteren Lindenberger Tals, wo auch die Hauptstraße beim Anwesen Nummer 243 endet, an dessen Nordseite der Gimmeldinger Grenzstein Nummer 63 die dort nun ankommende Gimmeldinger Grenze markiert. Nachdem diese noch, dem nach Norden führenden Talweg folgend, den Gimmeldinger Grenzstein Nummer 62 passiert hat, der nach dem Waldspielplatz an der linken Seite des Talwegs nur eine gute Handbreit aus dem Talboden lugt und darum nur schwer auszumachen ist, endet die Gimmeldinger Grenze schließlich mit dem ebenfalls links des Talwegs postierten Grenzstein Nummer 61, der neben den Gimmeldinger Grenzzeichen nun auch das Deidesheimer Tatzenkreuz trägt und so die das Tal querende Deidesheimer Grenze anzeigt.

   Gimmeldinger Grenzstein Nummer 61

f) Die Gimmeldinger Grenze als alte Hirschhorner Grenze

Schon verdächtig erschien, wie nach den beiden letzten Hirschhorner Grenzsteinen (Nummer 36 und 37) die Hirschhorner Grenze so plötzlich endet und wie in deren letzten Ausrichtung nun die Gimmeldinger Grenze quasi die Hirschhorner Grenze übernimmt. Könnte eine solche Grenzübernahme tatsächlich erfolgt sein, also die Gimmeldinger Grenze mit der ursprünglichen Hirschhorner Grenze identisch sein? Nun, diese Frage ist durchaus begründet und zwar durch die beiden Gimmeldinger Grenzsteine am verlängerten Mauerweg. Dort ist nämlich Grenzstein Nummer 69 am Fuß mit der "Hirschstange" (!) gekennzeichnet. Und der folgende Grenzstein Nummer 68 ist ebenfalls im Fußbereich mit der Jahreszahl "1775" (!) versehen, wie sie in der Regel nur auf den Hirschhorner Grenzsteinen zu finden ist (s.o.).

All dies läßt die Vermutung erhärten, daß die Gimmeldinger Grenze in ihrem Verlauf die alte Hirschhorner Grenze darstelllt. Auch weil sie, wie auf allen Gimmeldinger Grenzsteinen mit dem Jahr "1826" ausgewiesen, eine jüngere Grenze ist. Sie entstand erst nach der Teilung eines genossenschaftlichen Waldes, an dem Gimmeldingen und Haardt gemeinsam berechtigt waren. Da Gimmeldingen mit dem Aufteilungsverhältnis 50:50 nicht einverstanden war, weil es viel mehr Einwohner als Haardt aufwies, erhielt Gimmeldingen im Jahr 1826 einen zusätzlichen Waldstreifen als Ausgleich zugesprochen. Hierbei erhielt es, wie wir mit ziemlicher Sicherheit annehmen können, den an der östlichen Ortsgrenze Lindenbergs ehemals anliegenden Hirschhorner "Burgwald".

Dessen Ausdehnung können wir nun einigermaßen gut taxieren: vom Nonnental und oberhalb der B39 entlang zum Eingang des Lindenberger Tals. Dort über der Hauptstraße bis unterhalb der Kapelle und im Hang des Kirchbergs bzw. im anschließenden Berghang (des Langenbergs) weiter bis ins Lindenberger Hintertal und schließlich bis zum Deidesheimer Wald. Inwieweit sich der "Burgwald" von dieser beschriebenen Süd- bzw. Westgrenze nach Osten hin erstreckte, kann nur vage angenommen werden, da in diese Richtung nur der Schwalbenstein (s.o.) konkret anzuführen ist, ansonsten aber weitere greifbare Hinweise (wie Grenzsteine) fehlen. Lediglich bei einigen Deidesheimern Loogfelsen an der Nordgrenze des ehemaligen Hirschhorner "Burgwaldes" ist auffällig, daß dort auch eingehauene "Gimmeldinger Rautenroste" (=Gimmeldingen), nicht wie die Deidesheimer Tatzenkreuze direkt an der Oberfläche beginnend eingebracht wurden, sondern erst nachdem die Oberfläche etwas abgetragen wurde. Wurden so vielleicht die zuvor vorhandenen "Hirschstangen" getilgt?

Nimmt man besagten Schwalbenstein als Orientierungspunkt für die östlichste Ausdehnung an, dann könnte sich der Hirschhorner "Burgwald" in einer Breite von etwa 800 m von seiner Südgrenze über der B39 nach Norden bis an die Grenze Deidesheims erstreckt haben. Mitten drin lag dann die von ihrem "Burgwald" umschlossene Lindenburg, deren Stelle heute die Cyriakus-Kapelle einnimmt.

Die Karte zeigt nach dem ermittelten Befund in etwa die Lage des Hirschhorner "Burgwaldes" östlich von Lindenberg (rechts vom Dorf) und westlich (links) davon die Lage des zweiten Hirschhorner Herrschafts-waldes, der nachfolgend behandelt wird (schraffierte Flächen). Die kleinen Quadrate stellen die jeweils aufgefundenen Grenzsteine dar (hellrot=Hirschhorn, hellblau=Gimmeldingen, weis=spezielle Grenzsteine)

3. Der zweite Hirschhorner Herrschaftswald westlich von Lindenberg

Neben dem "Burgwald" besaßen die Herren von Hirschhorn einen zweiten herrschaftlichen Wald westlich des Lindenberger Dorfes. Die Rekonstruktion seiner Grenzen erweist sich zum Glück nicht so problematisch wie beim "Burgwald", da dieser zweite Hirschhorner Herrschaftswald noch eine gut erhaltene Aussteinung aufweist, die am nördlichsten Punkt, am nördlichen Ende des sog. "Wassrigen Wegs", mit einem ersten Hirschhorner Grenzstein beginnt.

    Hirschhorner Grenzstein Nummer 59

Dieser setzt an der dort vom hinteren Lindenberger Tal aufsteigenden Grenze des Deidesheimer Waldes an und legitimiert sich an seiner Westseite mit den bekannten Herrschaftszeichen "Hirschstange, BS". Mit seiner Weisung schickt er die bei ihm beginnende Ostgrenze des zweiten Hirschhorner Herrschaftswaldes zunächst in eine leicht südwestliche Richtung. An seiner Nordseite gibt er sich als Grenzstein Nummer "59" aus, was im ersten Moment gewiß irritiert, aber worüber aufgeklärt werden kann.

Hierzu kommen wir noch einmal auf die Gimmeldinger Grenze des "Burgwaldes" zurück (s.o). Erinnern wir uns, daß der letzte Hirschhorner Grenzstein davor mit der Nummer 37 gekennzeichnet ist. Die an ihn anschließende Gimmeldinger Grenze beginnt mit dem Gimmeldinger Grenzstein Nummer 81 und endet - nach der Gimmeldinger Zählung immer rückwärts - mit dem Gimmeldinger Grenzstein Nummer 61 zur Deidesheimer Grenze hin. Danach weist die Gimmeldinger Grenze zwischen dem letzten Hirschhorner Grenzstein Nummer 37 und der Deidesheimer Grenze insgesamt 21 Grenzsteine auf.

Zählt man nun, mit dem letzten Hirschhorner Grenzstein Nummer 37 beginnend, in der Hirschhorner (aufsteigenden) Zählweise mit den 21 Gimmeldinger Grenzsteinen weiter, als wären es Hirschhorner Grenzsteine, so käme man mit dem letzten Grenzstein auf die Nummer 58 (als letzten Hirschhorner Grenzstein des "Burgwaldes"!). Daß die Grenze des zweiten Hirschhorner Herrschaftswaldes mit dem Grenzstein Nummer 59 beginnt, ist demnach also nichts anderes, als die arithmetisch absolut korrekte Fortführung der Hirschhorner Zählung in Bezug auf den ehemals letzten Grenzstein des Hirschhorner "Burgwaldes"!

Diese Hirschhorner Zählweise bestätigen übrigens auch die beiden Gimmeldinger Grenzsteine Nummer 69 (Hirschstange!) und 68 (1775!). Sie sind in der Gimmeldinger Grenzsteinreihe der 13. und 14. Grenzstein. Als Hirschhorner Grenzsteine wären sie folglich die Grenzsteine Nummer 50 und 51. Tatsächlich finden sich an den beiden Gimmeldinger Grenzsteinen (jeweils an den Südseiten) die Hirschhorner Nummern 51 (an Nummer 69) und 52 (an Nummer 68). Dies stimmt zwar nicht mit den prognostizierten Nummern (50 und 51) überein, aber dafür besteht wohl folgernder Grund:

Am Anwesen Mauerweg 40 kommt mit dem Gimmeldinger Grenzstein Nummer 70, wie mittlerweile bekannt, die Gimmeldinger Grenze herab. Am vorletzten Gimmeldinger Grenzstein davor (= Nummer 72), auf der über dem Anwesen ansteigenden Kuppe, befindet sich der Rest eines gebrochenen Grenzsteins, an dem eindeutig "Hirschhorner Insignien" auszumachen sind. Dieser ehemalige "Hirschhorner Grenzstein" war offensichtlich bei der Übenahme der "Hirschhorner Grenze" durch Gimmeldingen aufgrund seines Zustandes wohl nicht mehr geeignet, um zu einem Gimmeldinger Grenzstein umgearbeitet werden zu können. Für die weitere lückenlose Aussteinung behalf man sich dann damit, daß man den nächsten Hirschhorner Grenzstein und sicherlich auch die folgenden, nach ihrer Umarbeitung zu Gimmeldinger Grenzsteinen, einfach um eine Position nach vorne versetzte.  Folglich wurden so als umgewidmete Gimmeldinger Grenzsteine der urprüngliche Hirschhorner Grenzstein Nummer 51 an die Position seines Hirschhorner Vorgängers mit der Nummer 50 und der urprüngliche Hirschhorner Grenzstein Nummer 52 entsprechend an die Stelle seines Vorgängers mit der Nummer 51 gesetzt.   

Dies verschafft uns jetzt auch letzte Gewißheit, daß die Gimmeldinger Grenze mit der ursprünglichen Hirschhorner Grenze identisch ist. Auch daß die Gimmeldinger Grenze genau die Anzahl und die Positionen der Hirschhorner Grenzsteine übernahm, wobei der größte Teil von diesen (wahrscheinlich alle bis auf den beim Gimmeldinger Grenzstein Nummer 71 untergegangenen Hirschhorner Grenzstein) zu Gimmeldinger Grenzsteinen umgewidmet wurden.

a) Die Ostgrenze entlang des "Wassrigen Wegs"

Starten wir nun beim Grenzstein Nummer 59, um der Ostgrenze des zweiten Hirschhorner Herrschaftswaldes zu folgen. Diese eröffnet zunächst eine gerade Linie in südwestlicher Richtung, die nahezu parallel unterhalb des "Wassrigen Wegs" verläuft. Gleich der nächste Grenzstein stellt wohl einen Ersatzstein für das abgegangene Hirschhorner Original mit der Nummer 60 dar. Von Astgehölz befreit, das ihn jahrelang verdeckte, steht er schräg am Wegrand, ohne jegliche Kennzeichnung.

Zwischen den beiden Hirschhorner Grenzsteinen Nummer 61 und 62 liegt dann das Wasserhaus direkt auf der Grenzlinie, die ihren von Anfang an eingeschlagenen geraden Verlauf auch über die nachfolgenden Grenzsteine Nummer 63 bis 69 stetig beibehält. Jetzt am Strommast angelangt, knickt die Hirschhorner Ostgrenze nun leicht nach Westen, allerdings nur bis zum nächsten Grenzstein Nummer 70, dabei nun direkt dem östlichen Rand des "Wassrigen Wegs" folgend.

Nach ihrem bisherigen, fast wie von der Schnur gezogenen, Verlauf, schlägt die Hirschhorner Ostgrenze nun regelrechte Haken. Zunächst steil ins Tal hinab, hin zu Grenzstein Nummer 71, dann quer zum Tal zum Grenzstein Nummer 72, direkt am Talweg, nahe eines Hochsitzes, jetzt wieder den steilen Talhang hoch zu Grenzstein Nummer 73 und von diesem wieder an den "Wassrigen Weg" zurück, zum dortigen Grenzstein Nummer 74. Der Grund für diesen "eckigen" Grenzverlauf könnte eine frühere Quelle gewesen sein, die so noch ins Hirschhorner Terrain einbezogen wurde. Und vielleicht inspirierte das so entstandene "Grenzeck" die Nomenklatur für das "rettende Eck" und die "Eckwiesen", wie diese sich noch heute in der dort unterhalb ansetzenden "Eckwiesenstraße" widerspiegelt (siehe dazu auch unter -->Lindenberg).

Dem jetzt leicht nach Osten schwenkenden "Wassrigen Weg" folgend, erreicht die Hirschhorner Ostgrenze nun Grenzstein Nummer 75, der allerdings, vielleicht der Konkurrenz mit einer Buche um den Standort unterlegen, umgefallen am Wegrand liegt. So zeigt er mehr durch seine Lage als durch seine Weisung auf den nächsten Grenzstein Nummer 76 hin, der am südlichen Ende des "Wassrigen Wegs" steht und die dort ankommende Hirschhorner Ostgrenze nun in Empfang nimmt.

   Umgestürzter Grenzstein Nummer 75

b) Der Grenzverlauf ins Joppenholz hinein

Mit seiner rechtwinkligen Weisung leitet dieser die Grenze, über die Grenzsteine Nummer 77 und 78 hinweg, nun in westliche Richtung den Berghang der Waldabteilung Joppenholz hinauf, an den beim Strommast (s.o.) nach Süden abgehenden Weg. Knapp unterhalb diesem führt die Ostgrenze dann weiter zu einem wesentlich kleineren Grenzstein, der wegen seiner stark überdimensionierten Basis, wie diese in der Regel nur bei den weit größeren Hirschhorner Grenzsteinen vorzufinden ist, aus einem ebensolchen gefertigt erscheint. Auch weil das kuriose Grenzsteinexemplar "abstandsgerecht" zu den benachbarten Hirschhornern Grenzsteinen steht.

Wieder auf einen normalen Hirschhorner Grenzstein trifft die Ostgrenze dann beim nächsten Grenzstein mit der Nummer 81, auf den dann ein Grenzstein ohne jegliche Signatur folgt, sehr wahrscheinlich der Ersatzstein für den abgegangenen Hirschhorner Grenzstein Nummer 82. Nach dem nächsten Hirschhorner Grenzstein Nummer 83, unmittelbar an einem mächtigen Felsen platziert, erreicht die Hirschhorner Ostgrenze mit ihrem nächsten Grenzstein Nummer 84 ihren westlichsten Punkt, nach dem sie nun eine ziemlich exakte Süd-Ost-Richtung einschlägt.

Da der Weg über ihr in die gleiche Richtung schwenkt, läuft die Hirschhorner Ostgrenze weiterhin parallel unterhalb diesem weiter. So kommt sie über die Grenzsteine Nummer 85 bis 89 auch stetig weiter voran. Der nächste Grenzstein Nummer 90 erweist sich dann als unauffindbar. Entweder ist er untergegangen oder er verbirgt sich unter einem mächtigen Äste- und Gehölzhaufen direkt am Ostrand des parallel folgenden Wegs.

Diesem dort wohl am nächsten kommend, triftet die Hirschhorner Ostgrenze nun vom Weg ab, indem sie nun leicht zum Talhang abknickt und in diesem stetig hinabsteigt, beginnend mit Grenzstein Nummer 91 und weiter so mit den Grenzsteinen Nummer 92 bis 96, dabei am Ende in den flachen Sattel nördlich des Abrahams-Bergs übergehend. Hat sie, trotz ihrer vorangegangenen leichten Richtungsänderung, doch im Prinzip ihre zuletzt eingeschlagene Süd-Ost-Richtung bis hierher ziemlich beibehalten, so erfährt die Hirschhorner Ostgrenze nun mit dem Hirschhorner Grenzstein Nummer 97 eine Kurskorrektur nach Süden.

   

Die Hirschhorner Grenzsteine Nummer 97 (Bild links) und 98 (Bild rechts), beide mit "Beisteinen" mit der "Hirschstange" darauf. Der Grenzstein mit der sichtbaren Nummer 98 steht unmittelbar beim Antennenträger auf dem höchsten Punkt des Abrahams-Bergs

Dabei unterstützt diesen ein zweiter, etwas kleinerer Hirschhorner Grenzstein direkt neben ihm, den nur die Hirschstange ziert und der im Vergleich mit seinem großen Bruder auch etwas unförmiger erscheint. Dieser "Beistein" ist der größte und auffälligste weiterer seiner Art, die insbesondere bei den Hirschhorner Grenzsteinen Nummer 81 bis 96 fast ausnahmslos schon vorzufinden waren. Dort allerdings oft nur in Form von kleinen Wildsteinen, manche nur wenig größer als die Hirschstange darauf. Weshalb sie auch oft eine dicke Schicht aus Humus und Fallaub überdeckt. Wahrscheinlich dienten diese Beisteine als Provisorium zur Markierung der Hirschhorner Grenze, bis die ordentlichen Hirschhorner Grenzsteine dann diese Aufgabe übernahmen.

c) Über den Abrahams-Berg und Gerbers-Berg hinweg

Mit der letzten Richtungsvorgabe zieht die Hirschhorner Ostgrenze nun fast schnurgerade über den Grat des Abrahams-Bergs. Dabei zuerst zum Grenzstein Nummer 98 hin, unmittelbar neben dem Wahrzeichen dieses Bergs, dem hoch aufragenden Antennenträger auf dessen höchsten Gipfelpunkt (335,1 m). Weiter über den Berggrat hinweg erreicht die Hirschhorner Ostgrenze, nach den Grenzsteinen Nummer 99 bis 102, nun den Übergang des Abrahams-Bergs in den Gerbers-Berg. Dieser würde in etwa bei dem Hirschhorner Grenzstein Nummer 103 vollzogen, aber leider existiert dieser nicht mehr. So nimmt dessen Stelle, direkt über dem Steinbruch des Gerbers-Bergs, ein Ersatzstein ohne Zeichen ein.

Der nächste Hirschhorner Grenzstein mit der Nummer 104 steht bereits im sehr steil nach Süden abfallenden Hang des Gerbers-Bergs. Er weist, in einem Knick nach Westen, die Hirschhorner Grenze nun den Hang hinab. Nach den Grenzsteinen Nummer 105 und 106 (letzterer knapp unterhalb des Heimatpfads postiert) trifft die Grenze dann auf Grenzstein Nummer 107, östlich und etwas unterhalb des Loblochsteins stehend, aber noch über der Lambrechter Straße, die Lindenberg mit seiner westlichen Enklave Dörrental verbindet.

Mit seiner Weisung nimmt Grenzstein Nummer 107 die den Hang des Gerbers-Bergs herbkommende Hirschhorner Grenze auf, um sie dann so nach Westen abzuwinkeln, daß sie nach Dörrental hin sanft zur Lambrechter Straße abgleitet. Über den Grenzstein Nummer 108, an der nordöstlichen Grundstücksecke des Wohnhauses Lambrechter Straße 58, und von dort zur südwestlichen Grundstücksecke des selben Anwesens hin, nimmt sie dann Grenzstein Nummer 109 in Empfang, der direkt am nördlichen Straßenrand seinen Platz einnimmt.

   Grenzstein Nummer 109 (Lambrechter Straße 58)

Mit der "Hirschstange" an seiner Südseite bezeugt dieser, daß das Hirschhorner Territorium sich hier einst weiter nach Süden ausdehnte, über den Bahnkörper hinweg (!). Die gleiche Aussage geht von seiner Weisung aus, wenn sie die aus nordöstlicher Richtung kommende Hirschhorner Grenze nach Südosten dirigiert, ebenfalls über die Gleisanlage hinweg (!). War hinsichtlich des Hirschhorner "Burgwaldes" (s.o.) nur die Vermutung erlaubt, so finden wir hier Gewißheit, daß auf jeden Fall der südlichste Grenzbereich des westlichen Hirschhorner Herrschaftswaldes mit dem Bahnbau von 1848 in Kollision geriet, verbunden mit Abgängen von Grenzsteinen in diesem Bereich, wie der negative Befund dies letztlich auch bestätigt.   

Für den weiteren Verlauf danach können wir davon ausgehen, daß die Hirschhorner Grenze nach ihrem Ausholen über den Bahnbereich dann eine Kehre nach Westen vollzog, um danach knapp über der Talstraße (heutige B39) zum Eingang des Dörrentals  zu streben und nach einer weiteren Kehre nach Norden dann den Aufstieg in diesem Tal zu nehmen. Und so können wir diesem Verlauf gemäß, am nördlichen Ende der dortigen Siedlung, westlich nach Lambrecht hin, nun auch wieder einen Hirschhorner Grenzstein vorfinden.

Dieser trägt die Nummer 115, was besagt, daß vom letzten wahrgenommenen Grenzstein Nummer 109 (s.o.) bis zu ihm noch 5 Grenzsteine dazwischen (Nummer 110-114) existiert haben müssen. Da unauffindbar, dürften diese wohl untergegangen sein. Wobei neben dem Bahnbau von 1848 auch die mit der Entstehung der Siedlung im Dörrental (ab 1938) einhergegangenen Bautätigkeiten dazu beigetragen haben dürften.

d) Die gemeinsame Grenze Hirschhorn und Grevenhausen im Dörrental

Mit seiner Weisung nimmt Grenzstein Nummer 115 die das Dörrental hinaufsteigende Hirschhorner Grenze auf und leitet sie in westliche Richtung zum nächsten Grenzstein weiter. Dieser ist am unteren Ende eines Bergeinschnitts postiert, der in nordwestlicher Richtung bergaufwärts zieht, zu seinem Ende hin den "Teufel-Stein" auf dem Kreuzberg dabei östlich tangierend. Als solcher stellt dieser die gemeinsame Grenze von Hirschhorn und Grevenhausen (heute Lambrecht) dar, wie dies auch der Grenzstein mit der Hirschstange an seiner Ostseite und den Buchstaben "GH" an seiner Westseite zu erkennen gibt.

   

Der mit der Nummer "1ZZ"=122 gekennzeichnete Grenzstein im Dörrental an der gemeinsamen Grenze von Grevenhausen "GH" (Bild links) und von Hirschhorn "Hirschstange und BS" (Bild rechts) 

Als Nachfolger des Hirschhorner Grenzsteins Nummer 115 müßte dieser Grenzstein mit der Nummer 116 gekennzeichnet sein. Tatsächlich findet sich jedoch an ihm die Nummer 122. Diese könnte vielleicht einer Grevenhausener Zählart entsprungen sein, die aber nicht weiter belegbar ist, insoweit die nachfolgenden Grenzsteine keinen Bezug zu dieser Nummer nehmen, vielmehr an die Hirschhorner Zählung anknüpfen und diese fortführen.

So treffen wir den nächsten Grenzstein mit den jeweiligen Herrschaftszeichen für Hirschhorn und Grevenhausen ein größeres Stück oberhalb von Grenzstein Nummer 122 bzw. 116 an. Er trägt die Nummer 119, womit er signalisiert, daß offensichtlich zwei Grenzsteine zwischen ihm und dem Vorgänger mit der Nummer 122 bzw. 116 fehlen (oder auch im dichten Gestrüpp übersehen worden sein können). Da auf Grenzstein Nummer 119 im üblichen Abstand über ihm direkt Grenzstein Nummer 120 folgt, können wir nun sicher daraus schließen, daß es sich bei den beiden fehlenden Grenzsteinen nach Grenzstein Nummer 122 bzw. 116 nur um die Grenzsteine Nummer 117 und 118 handeln kann. Die Nummern weisen eindeutig die Hirschhorner Zählung nach, die im oberen Dörrental, nach der ab Grenzstein Nummer 109 entstandenen Lücke, mit dem Hirschhorner Grenzstein Nummer 115 beginnt, auf den dann Grenzstein Nummer 116 (als 122 gekennzeichnet), dann die beiden fehlenden Grenzsteine Nummer 117 und 118 und schließlich die beiden wieder real vorhandenen Grenzsteine Nummer 119 und 120 folgen.

Die weiteren Grenzsteine an der gemeinsamen Grenze von Hirschhorn und Grevenhausen liefern dann auch die endgültige Bestätigung. Auch wenn der nächste Grenzstein auf Grenzstein Nummer 120 fehlt (bzw. ein großer Betonklotz auf ihm liegt oder gar als Ersatz seine Stelle einnimmt?), so hält der nächste existierende Grenzstein, obwohl nicht mehr aufrecht stehend, mit der Nummer 122 die Hirschhorner Reihenfolge ein. Mit der Nummer 123 setzt sie der nächste Grenzstein fort, nach dem dann Grenzstein Nummer 124 allerdings wohl wieder als verschollen vermeldet werden muß.

Danach setzt sich die gemeinsame Grenze von Hirschhorn und Grevenhausen mit drei weiteren Grenzsteinen fort, in der Nummernfolge 125, 126 und 127. Dabei finden wir bei Grenzstein Nummer 127 noch den Rest eines zugrunde gegangenen Vorgängersteins vor. Mit der nächsten Grenzmarke auf 420 m Höhe, einem 80 cm hohen und 330 cm breiten Loogfelsen, in Vulgärsprache als "Nonnenbrunz" bezeichnet, endet die Aussteinung der Hirschhorner Grenze mit den herkömmlichen Grenzsteinen.

  Grenzstein Nummer 127 mit Stein-Fragment "1775"

e) Am Loogfelsen "Nonnenbrunz" kommt Deidesheim dazu

Da bei dem Loogfelsen zu den beiden Grenzanrainern Hirschhorn und Grevenhausen nun auch Deidesheim hinzukommt, stellt er einen "Dreimärker" dar. Demgemäß weist er die drei Herrschaften mit ihren jeweiligen Herrschaftszeichen aus. Links ist kopfstehend "GH" für Grevenhausen, in der Mitte das "Tatzenkreuz" für Deidesheim mit "101.1818" und rechts die "Hirschstange" für die Herrschaft Hirschhorn im Fels verewigt. Über "GH" findet sich der Schriftzug "AMEN" und rechts daneben ein "Q", das wohl zur Nomenklatur dieses Loogfelsens inspirierte.

Der Loogfels "Nonnenbrunz", ein Dreimärker, wo die drei Herrschaften Grevenhausen (links kopfstehend "GH" mit "AMEN" darüber und daneben "Q"), Deidesheim (Mitte "Tatzenkreuz") und Hirschhorn (rechts "Hirschstange") zusammenstoßen (zur weiteren Verdeutlichung siehe nachfolgende graphische Darstellung)

Der Buchstaben "Q" stellt den fortlaufenden Buchstaben einer von Nord nach Süd von Deidesheim über Lindenberg ziehenden Grenze dar und soll überdies den Grenzpunkt bestimmt haben, wo bei Grenzbegehungen der Abschluß erfolgte. "AMEN" wird dabei speziell als Abschluß der Grevenhausener Grenze gedeutet, die von der alten Kreuzbrücke, vom heutigen Frankeneck aus, über den Eichel- und Kreuzberg bis zu diesem Loogfelsen lief.

Um 1528 kam es wegen des Grenzverlaufs in seinem Bereich zum Streit zwischen den St. Lambrechter Nonnen und Deidesheim. Offenbar war Deidesheim der Ansicht, daß die Grevenhausener Grenze schon beim Loogstein davor, etwa 120 m weiter westlich des Loogfelsens, ihr Ende nahm. Die Nonnen konnten sich behaupten und durchsetzen, daß die Grevenhausener Grenze erst am Loogfelsen endete. Der Vorgang ist auf dem besagten Loogstein dokumentiert, mit der von allen Pfälzer Loogsteinen drittältesten lateinischen Jahresangabe "MCCCCCXXVII" (=1528) sowie den Initialen der beteiligten Zeugen darauf. Vermutlich befand sich auch eine "Hirschstange" darauf, die entfernt wurde, wie eine entsprechende Bearbeitungsstelle vermuten läßt.

f) Die Hirschhorner Grenze über Joppenholz und Hasengarten

Ab der "Nonnenbrunz" zieht die Grenze des westlichen Hirschhorner Herrschaftswaldes nun gemeinsam mit der Deidesheimer Grenze weiter, dabei durchweg Grenzschneisen folgend (vorhandene Loogsteine, auf denen sich neben dem Deidesheimer Tatzenkreuz auch noch die Hirschstange befinden soll, sind wohl wegen Überwucherung nicht zu sichten). Zuerst noch ein Stück in nordwestlicher Richtung, an der Fasnachts-Ranch (Schutzhütte) östlich vorbei, setzt die Hirschhorner Grenze nun zu einem großen Bogen an, der aus seiner anfänglichen Nordrichtung immer mehr nach Osten dreht. An seinem Anfang passiert dieser Grenzbogen erst einmal die Höhe 491,7 m, streicht danach am Westrand der Waldabteilung Joppenholz entlang, wobei er beim Hermanns-Kopf (530 m) die Hirschhorner Grenze über den höchsten Punkt von Lindenberg (515 m) führt. Danach leitet er diese am Nordrand der Waldabteilung Hasengarten entlang und schließlich einen Berggrat hinab, wo an dessen unteren Ende die Grenze des westlichen Hirschhorner Herrschaftswaldes wieder an ihren Ausgangspunkt gelangt.

g) Anmerkungen zum Schluß

Gewiß bleiben Fragen offen, insbesondere was den "Burgwald" mit seiner sehr lückenhaften Aussteinung betrifft. Auch muß noch Hinweisen nachgegangen werden, welche weitere Aufhellung bringen können. Dennoch dürfte die Ausarbeitung das doch recht komplexe Thema weitestgehend erschöpfend behandelt haben.

Was das Lehen der Lindenburg mit seinen beiden Herrschaftswäldern angeht, so bildete es unter den Lehensgütern der Hirschhorner Ritter, zwischen Alzey im Norden und Speyer im Süden, den Herrschaftsmittelpunkt. Sein primärer Zweck bestand darin, im territorialen Ausgreifen auf die linke Rheinseite, die herausragende Stellung der Hirschhorner Ritter, die finanziell und mit Ämtern am kurpfälzischen Hof gut ausgestattet waren, in den führenden Kreisen des pfälzischen Adels zu festigen. Ihr Aussterben im Mannesstamm im Jahr 1632 soll der Legende nach auf einem Fluch der Mutter des letzten Herrn von Handschuhsheim beruht haben, den Friedrich von Hirschhorn, der Letzte des Hirschhorner Geschlechts, in Heidelberg auf offener Straße erstochen hatte.

Was den westlichen Hirschhorner Herrschaftswald angeht, so ging dieser, in seinen nahezu identischen Grenzen, 1841 an die Gemeinde Lobloch über (siehe dazu die Ausführungen über den Loblochstein unter -->Lindenberg/-->Heimatpfad). Die Erinnerung an das Geschlecht der Ritter von Hirschhorn hält die Gemeinde Lindenberg in ihrem Wappen wach, das deren Herrschaftszeichen, die in heraldischem Rot gehaltene "Hirschstange", ziert (siehe hierzu unter -->Lindenberg/-->Veranstal-tungen).

Zum weiterlesen:

  1. Karl Moersch, Geschichte der Pfalz, Von den Anfängen bis ins 19. Jahrhundert, Pfälzische Verlagsanstalt Landau, 3. Aufl. 1990;
  2. Pfälzisches Burgenlexikon III, I-N, Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde, Kaiserslautern 2005;
  3. Lindenberg Pfalz, Eine Sammlung, Konzeption und redaktionelle Bearbeitung von Hermann Dietrich, Herausgeber: Gemeinde Lindenberg, Satz und Druck: Talpost, Lambrecht (Pfalz);
  4. Eberhard Lohmann, Das Lehnbuch des Ritters Georg von Hirschhorn, Archiv für hessische Geschichte und Altertumskunde 54. Band 1996, Herausgeber: Hessisches Staatsarchiv Darmstadt;
  5. Jochen Goetze, Werner Richner, Burgen im Neckartal, Edition Braus, 1. Aufl. 1989;

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