Die Lambrechter Mühlen

Durch seinen Wasserreichtum existierten in Lambrecht einst eine ganze Anzahl an Mühlen. Diese nutzten überwiegend die Wasserkraft des Speyerbachs mit seinen Mühlgräben, aber auch in Einzelfällen die des Luhrbachs als dessen Nebenbach aus dem nördlichen Luhrbachtal oder sogar die starke Schüttung einer Quelle zum Betrieb der unterschiedlichsten mühlentechnischen Anlagen. Als Symbole eines außerordentlichen Gewerbefleißes kommt den alten Mühlen vor allem die Bedeutung zu, den Grundstein für das Lambrechter Industriezeitalter des 19. und 20. Jh. gelegt und so die Lambrechter Wirtschaftsgeschichte entscheidend mitgeprägt zu haben.

Die bildlich klarste Darstellung der alten Lambrechter Mühlen liefert uns ein alter Kupferstich von St. Lambrecht um 1640. Den Mittelpunkt des von Mattheum Merian 1645 herausgegebenen Stichs dominiert die alte St. Lambrechter Klosterkirche. Rechts unterhalb dieser tritt die Pankratius-Pfarrkirche signifikant hervor. Unter ihr ist das lange Band des Speyerbachs wahrzunehmen, das von rechts nach links (von Westen nach Osten=Bachlaufrichtung) das ganze Bild durchzieht, sein Ufer von pappelähnlichen Bäumen gesäumt. Über dem Bach liegt als größerer Ort St. Lambrecht, unter ihm das kleinere Dorf Grevenhausen. Nun den Speyerbach entlang, erschließen sich unserem Blick vier Mühlengebäude mit deutlichen Signaturen von Mühlrädern (1).

Der Kupferstich von Mattheum Merian mit der Abbildung von vier Mühlengebäuden am Speyerbach (um 1640)

Am rechten Bildrand (=Westen) kommt der Speyerbach an, wo ihn gleich eine Insel teilt, auf der das erste Mühlengebäude zu entdecken ist. Es taucht sein Wasserrad an seiner Längsseite in den uns zugewandten Arm des Speyerbachs. Wo die Insel endet, steht am uns abgewandten Ufer (=Südufer) des Baches ein zweites Mühlengebäude mit dem Mühlrad an der Giebelseite. Ein Stück weiter trifft der Speyerbach direkt unter der alten Klosterkirche auf die "Brücke". Unmittelbar nach deren Unterquerung teilt ihn erneut eine Insel mit einem längs zu dieser ausgerichtetem Gebäude darauf, dem gegenüber - am uns zugewandten Bachufer - zwei quer zum Bachlauf ausgerichtete Gebäude stehen. Ein drittes Wasserrad lugt links zwischen diesen Gebäuden hervor und markiert so einen Mühlenkomplex. Zuletzt ist auf der sich zum linken Bildrand fortsetzenden Bachinsel ein weiteres, quer zur Insel ausgerichtetes viertes Mühlengebäude auszumachen, dessen Wasserrad an der Giebelseite ebenfalls in den uns zugewandten Bacharm eintaucht.

     

Die vier im Merianstich dargestellten Mühlen in Ausschnittsvergrößerungen: 1.-4. Mühle (von rechts nach links, entsprechend der Bachlaufrichtung vom rechten zum linken Bildrand)

Der Standort der ersten Mühle ist in etwa innerhalb des heutigen Industrieareals (Industrie-denkmalzone) an der Klostergartenstraße zu vermuten, welches der Speyerbach unmittelbar nach der Klostergartenbrücke durchquert. Bei der zweiten Mühle dürfte es sich mit ziemlicher Gewißheit um eine Vorgängerin der ehemaligen Obermühle in der heutigen Mühlstraße handeln. Der Komplex unmittelbar an der "Brücke" stellt die alte Walkmühle dar, deren Bauten sich einst bei der Friedrich-Ebert-Brücke, am nördlichen Ufer des Speyerbachs erstreckten. Die vierte Mühle stand wohl im Bereich des heutigen Parkplatzes an der Färberstraße. Eine genauere Lokalisierung ist kaum noch möglich, da die Mühlenbauten, mit Ausnahme der Obermühle, keine substantiellen Spuren hinterlassen haben.

Die alte Darstellung von 1640 erfaßt natürlich nur die damalige Ausdehnung Lambrechts. Diese reicht heute sowohl weiter nach Osten wie auch weiter nach Westen. In beiden Ortserweiterungen sind weitere Mühlen nachweisbar. So in der Osterweiterung die Untermühle und die Dreiherrenschmiede und in der westlichen Ausdehnung die Kuhbrücker Mühle und ggf. noch eine weitere Mühle. Grund genug, um auf die alten Lambrechter Mühlen nachfolgend unser Augenmerk zu richten. Beginnen wir dazu im Westen, indem wir dem dort in den Ortsbereich Lambrechts eintretenden Speyerbach und seinem Lauf durch die Stadt folgen.

Die Kuhbrücker Mühle

Gleich nachdem der Speyerbach die westliche Ortsgrenze von Lambrecht passiert hat, trifft er auf den Industriekomplex der ehemaligen Firma Häussling. Diese wurde dort 1910 ansässig, nachdem sie Gebäude der ehemaligen Kuhbrücker Mühle übernommen hatte, in denen zuletzt eine Grießfabrik betrieben wurde. So erhalten wir Nachricht von dieser alten Mühle, bei der es sich ursprünglich wohl um eine Mahlmühle gehandelt hat, die dann zur Grießfabrik umgerüstet wurde.

Diese Folgerung ist am naheliegendsten, insoweit das Mahlwerk einer Mahlmühle ohne größere technische Veränderung auch als Mahlwerk zur Herstellung von Grieß Verwendung finden konnte. Im Prinzip liegt der Unterschied nur darin, daß Weizen (etwa Dinkel, Spelz, Roggen) vom Mahlwerk einer Mahlmühle zwischen dessen Mahlsteinen zu feinem Mehl gerieben wurde, während das Mahlwerk zur Grießherstellung den Weizen lediglich "feinkörnig" rieb. Beides diente dem Aufschluß der nahrhaften Weizenkörner für den Verzehr.

Das Reiben von Weizenkörnern zwischen Steinen, um diese zu zerreiben und so verzehrbar zu machen, war schon in der Steinzeit ein praktizierte Technik. War es damals reine und mühevolle Handarbeit, so wurde diese später vor allem durch die mittels Wasserkraft angetriebenen Mahlmühlen mechanisiert. In der Weise, daß über das Mühlrad die Drehung eines Wellbaums in Gang gesetzt wurde, welche ein Vorgelege (Getriebe) übernahm, um diese dann (reguliert) auf den Mahlstein zu übertragen. Über eine Öffnung in dessen Mitte wurde dann das Mahlgut eingeleitet, das so zwischen den drehenden Mahlstein und den festen Grundstein gelangte und dabei zerrieben wurde. Meist in mehreren Mahlgängen, die anfänglich nur gröbere Körnungen, dann aber in deren stufenweisen Verfeinerung - mit Grieß als Vorprodukt! - zuletzt feines Mehl hervorbrachten.

Der Mahlvorgang in Mahlmühlen beanspruchte übrigens größte Aufmerksamkeit. Nicht selten kam es nämlich vor, daß dieser nicht rechtzeitig abgestellt wurde, wenn kein Mahlgut mehr vorhanden war. Etwa weil es gänzlich verbraucht oder vergessen wurde, dieses entsprechend nachzufüllen. Die Mahlsteine liefen dann trocken und erzeugten Reibungshitze, die zuletzt so stark werden konnte, daß die Mühle in Brand geraten konnte. Da deren Räume fast immer von Mehlstaub geschwängert waren, führte eine Entzündung nicht selten zu einer "Mehlstaubexplosion", bei der die Mühle dann regelrecht in die Luft flog. So tat man gut, das Mehl immer im Auge zu behalten, denn wurde dieses dunkel oder gar schwarz, war höchste Gefahr in Verzug.

Über die Kuhbrücker Mühle geben über die anfängliche Nachricht hinaus lediglich noch alte Karten aus der bayrischen Zeit Lambrechts Aufschluß. Danach existierte schon um 1852 ein Mühlenbau, als "Kuhbruck Mühle" kartographiert. Er war am Südrand eines in gerader Linie verlaufenden Mühlkanals positioniert, der zusammen mit dem natürlichen - nach Süden schwenkenden - Bachbogen des Speyerbachs die Mühleninsel der "Kubruck Mühle" umschloss. Zwei - vermutlich etwas jüngere -Erweiterungsanbauten existierten zu diesem Zeitpunkt wohl ebenfalls schon und zwar an der Nordseite des Mühlkanals, denen dann im Laufe der Zeit noch weitere folgten.

Rekonstruktion um 1929: links (westlich) der Kuhbrücke, nach der die Mühle ihren Namen bekam, ist der gerade Lauf des Mühlkanals auszumachen, der mit dem "Südbogen" des Speyerbachs die Insel der "Kuhbruck-Mühle" umschließt. Die "Urmühle" von 1852 (oder früher) markiert der Bau Nr. 1 mit den wohl nur wenig jüngeren Bauten Nr. 2 und 3. Die übrigen Bauten sind weit jünger und wohl zum größten Teil erst entstanden, nachdem 1910 die Firma Häussling die alte Mühle überommen hatte.

Über die Kuhbrücker Mühle sind ansonsten keine weiteren Erkenntnisse bekannt noch hat sie irgendwelche Spuren hinterlassen. Lediglich die noch erkennbare Aufteilung des Speyerbachs in zwei Arme im Bereich des Firmengeländes der ehemaligen Firma Häussling bzw. ihrer heutigen Nachfolgerfirma läßt auf die ehemalige Existenz einer Mühle schließen. Insoweit derartige Bachaufteilungen erforderlich waren, um zum einen Mühlen durch eigene Mühlbäche oder Mühlkanäle mit dem erforderlichen Wasser zu versorgen, zum andern aber auch, um sie vor Gefahren zu schützen, wie diese hauptsächlich von der Flößerei drohten und deshalb hierfür auch eigene Floßbäche oder Floßkanäle von Nöten waren (2). So entstanden auch die meisten Bachinseln als Trennungen der einzelnen Bäche oder Kanäle und indizieren so den einstigen Mühlenbestand.

Industrieareal bei der Kuhbrücke am westlichen Ortseingang von Lambrecht. Kurz vor der Brücke kommen zwei Arme des Speyerbachs wieder zusammen, nachdem sie die Insel der ehemaligen Kuhbrücker Mühle umflossen haben (links Speyerbach, rechts Mühlkanal)

Unmittelbar vor der heutigen Kuhbrücke kommen so zwei Arme des Speyerbachs wieder zusammen und deuten hiermit die von den dortigen Industriebauten überbaute Bachinsel der ehemaligen Kuhbrücker Mühle an. Nur zur Unterquerung der Kuhbrücke vereint, teilt sich der Speyerbach danach gleich wieder. Die seinen Lauf wieder teilende Insel ist durchaus "mühlenverdächtig" (s.o.), doch kann in dieser Hinsicht nur spekuliert werden. Und so umfließt der Speyerbach diese Insel, um danach wieder zu einem Lauf vereint sich von der Nordseite zur Südseite des Lambrechter Talkessels zu orientieren. Letztere erreicht er bei der Klostergartenbrücke, wo etwa auch der Merianstich die Situation um das Jahr 1640 an seinem rechten Bildrand aufnimmt.

Die erste Mühle auf dem Merianstich

Auf dem Merianstich ist zuerst der ausklingende Bogen des Speyerbachs zu erkennen, welchen dieser am Ende seines Wechsels von der Nord- zur Südseite des Talkessels vollzieht. Wo er endet und dann in eine Gerade übergeht, stoßen wir auf die erste Mühle. Als ihre ungefähre Lage läßt sich der unmittelbar nach der Klostergartenbrücke beginnende Bereich annehmen, wo mehrere alte Fabrikbauten den Speyerbach bis zum Seniorenheim in der Klostergartenstraße flankieren und in diesem Bereich eine Industriedenkmalzone bilden.

  

Industriedenkmalzone an der westlichen Klostergartenstraße (Bild recht). An deren Westende, bei der Klostergartenbrücke, fließt der Speyerbach in das alte Fabrikareal hinein (Bild links), wo vermutlich die erste Mühle des Merianstichs stand

Unmittelbar nach seinem Eintritt in diesen Bereich war dort der Speyerbach in früheren Zeiten in mindestens drei Mühlkanäle aufgefächert, was auf die intensive Nutzung seiner Wasserkraft schließen läßt. Die erste "Nutznießerin" am Ort dürfte die im Merianstich als erste dargestellte Mühle gewesen sein. Ein Vergleich der Abstände der übrigen auf dem Merianstich dargestellten Mühlen plaziert sie ziemlich ganau dort hin, auch wenn der Stich nicht unbedingt maßstäblich und in der Wiedergabe von Objekten eher stilisiert als getreu erscheint (3).

Die Obermühle (zweite Mühle auf dem Merianstich)

Die zweite Mühle auf dem Merianstich ist ziemlich genau zu lokalisieren, nämlich unterhalb der Pankratius-Pfarrkirche, gegenüber deren westlichen Ende, heute der von der mittelalterlichen Substruktionsmauer (Stützmauer mit Stützpfeilern) umschlossene Klemmhof an der Südseite der Mühlstraße, wo sich auch nach der heutigen Ortsgeographie die Gebäude der ehemaligen Obermühle entlang des Speyerbachs erstrecken.

Links das heutige Gebäude der Obermühle (Mühlstraße 2) gegenüber der alten Substruktionsmauer des Klemmhofs (rechts)

Vorgänger der Obermühle war wohl die alte Klostermühle, von der wir durch ein Weistum des Jahres 1402 Kenntnis erlangen. Zu deren Reparatur war der Mühlteich abgelassen worden. So konnte wohl der Klosterknecht einen Aal erwischen und diesen der Oberin des Klosters überbringen, die ihn sogleich in der klösterlichen Küche zubereiten ließ. Dort schmorte der Aal wohl schon in der Pfanne und verströmte einen verlockenden Bratenduft, als der bischöfliche Fauth mit seiner feinen Nase diesen Frevel erschnupperte und den Fisch flugs konfiszierte. Zurecht, wie in besagtem Weistum attestiert wurde.

Wann die Klostermühle errichtet wurde ist nicht bekannt. Vermutlich entstand sie aber vor dem Bau der heutigen Klosterkirche der Dominikanerinnen (ca. 1310-1340). Wahrscheinlich zu der Zeit, als bei den Nonnen die Pläne für diesen Kirchenbau reiften und dabei klar wurde, welche Unmenge an Schnitt- und Bauholz hierfür nötig war. So könnte die Klostermühle als Bordmühle (=Holzsägemühle) entstanden sein. Ebenfalls als Bordmühle ist dann die Obermühle in ihre Nachfolge getreten.

Diese existierte schon um 1600 als größere Mühle aus mehreren Gebäuden bestehend, ähnlich dem Mühlenkomplex der alten Walkmühle an der "Brücke" und ebenso wie diese eine "Walke" betreibend (1601). Ihr heutiges Gebäude (Mühlstraße 2) geht auf einen Umbau im Jahr 1798 zurück, wie im Stichbogenportal mit den seitlichen Kugelaufsätzen seines Kellereingangs dokumentiert. Davor war die Bordmühle wohl durch eine Feuersbrunst zu Schaden gekommen (4). Weitere Gebäude bachaufwärts gehörten dazu, wie etwa Wirtschafts- und Betriebsgebäude.

Alte Postkarte mit Ansicht der hinteren Mühlstraße mit Gebäuden der alten Obermühle (entstanden nach 1922)

1821 war die Obermühle in Besitz von Andreas Mattil. Für 1857 wird berichtet, daß neben der Obermühle noch eine Öl- und Sägemühle stand, Aichpfalzsetzung am 13. August 1857 (5). Zuletzt wurde die Mühle nach ihrem Letztbetreiber auch als "Ohler'sches Sägewerk" bezeichnet, das seinen Schwerpunkt auf die Kistenproduktion verlegt hatte. Der Betrieb ging nach dem zweiten Weltkrieg ein. Darüber hinaus aktiv zur Stromgenerierung blieb nur noch ein altes Wasserrad mit einem Durchmesser von 3,6 Meter. Es befindet sich im anschließenden bachaufwärtigen Bereich auf unzugänglichem Privatgrund und ist mittlerweile leider dem völligen Verfall ausgeliefert.

  

Das alte Mühlrad der Obermühle im Zustand ca. 1960 (Bild rechts) und im Zustand ca. 1980 (Bild links)

Die Walkmühle an der Brücke (dritte Mühle des Merianstichs)

So kommen wir dem Speyerbach weiter folgend zur nächsten und bedeutendsten Mühle Lambrechts, der alten "Walkmühle an der Brücke" (heutige Friedrich-Ebert-Brücke). Ihre Vorgeschichte beginnt mit der Einwanderung von Wallonen nach St. Lambrecht, welche wohl schon 1565 mit einer Vorhut einsetzte, dann 1567 ihren Höhepunkt erreichte, so daß im Jahr darauf eine erste wallonische Gemeinde vermeldet werden konnte. Als exzellente Tuchweber brachten die Wallonen das Handwerk der Tuchmacherei in ihre neue Heimat mit, das hier rasch aufblühte. Und so errichteten die wallonischen Tuchweber schon kurze Zeit nach ihrem Einzug in St. Lambrecht, im Jahr 1570, ihre erste Walkmühle an der Brücke, im Zentrum von St. Lambrecht.

Die alte Postkarte zeigt die "Partie am Brückenplatz" (zwischen 1922 und 1929): links die alte Walkmühle, dann die Brücke, darüber die Klosterkirche

Um ihre "follerie au pont", wie die Walkmühle sinngemäß in der französischen Muttersprache ihrer Erbauer genannt wurde, zu betreiben, schlossen sich 32 Tuchweber zu einer Genossenschaft zusammen. Was insbesondere auch einem typischen wallonischen Charaktermerkmal entsprach, nämlich große Aufgaben gemeinsam anzugehen und auf möglichst viele Schultern zu verteilen.

Was war der Grund zum Bau und Betrieb dieser Mühle? Nun, wurde ein frisch gewebtes Tuch vom Webstuhl "abgebäumt", dann war dieses noch ziemlich strack. Auch sah man noch jeden einzelnen Faden des Tuchs. Um es zu einem lockeren und geschmeidigen Tuch zu machen, das später einen guten Tragekomfort aufwies, und um es zu verdichten, damit es eine homogene und geschlossene Oberfläche erhielt, mußte das Tuch dazu "gewalkt" werden. Womit das "Walken" ein wichtiger Arbeitsschritt in der Tuchherstellung war (siehe auf dieser Homepage unter --->Tuchmacherei ).

Weshalb das frisch gewebte Tuch in der Walkmühle in eine "Grube eines Lochbaums" (wannenartige Aushöhlung in einem dicken Baumstamm) eingelegt wurde, die mit einer seifenartigen Flotte, mit Zusätzen wie "Wascherde" (aus Alsterweiler!) bzw. "Walkerde", einer feinen, mergeligen Tonart mit fettaufsaugender Kraft, aber auch mit "Urin" (!), befüllt war. Ein über das Mühlrad und ein Vorgelege angetriebener Wellbaum hob dann mit seinen Nasen leichte "Stößel" an und entließ diese wieder, so daß diese dabei ständig in die "Grube" stießen. Somit wurden auf das darin liegende Tuch immer wieder Drücke und Stöße ausgeübt, wordurch das Tuch quasi durchgeknetet wurde.

Dabei gewannen die Fäden, mit Übertragung auf das gesamte Tuch, nicht nur an Geschmeidigkeit, sondern rieben auch derart aneinander, daß sie dabei an ihren Rändern aufspleißten und so feinste Härchen bildeten, die sich dann mit den an den Nachbarfäden ebenfalls so gebildeten Härchen verfilzten. Die aggressive Flotte unterstützte diesen Prozeß und nachdem dieser abgeschlossen war, konnte das Tuch wieder aus der "Grube" genommen und anschließend gewaschen und getrocknet werden. Mit dem Ergebnis, daß das Tuch all die oben angeführten guten Eigenschaften nun aufwies, wenn auch dafür um etwa ein Drittel seiner ursprünglichen Größe geschrumpft.

"Partie an der Brücke" (gleiche Abbildung wie vor, nur coloriert)

In guten Zeiten war die Walkmühle an der Brücke stark ausgelastet, wie aus Aufzeichnungen ihrer "Loch-Zahlen" hervorgeht. Wobei mit "Loch" (frz. "vachlet") die einzelne "Grube des Lochbaums" gemeint war, worin jeweils ein Tuch gewalkt wurde. So daß die Angabe einer Leistung von 10 Loch bedeutete, daß 10 Stücke Tuch gewalkt wurden. Und da die alte Walkmühle offensichtlich nicht alles Tuch allein walken konnte, erhielt sie Unterstützung.

So werden für das Jahr 1601 fünf Walkmühlen angeführt, wobei die Walkmühle an der Brücke als zweite Walkmühle nach der Obermühle erscheint (s.o.). Unter diesen Walkmühlen, mit der Untermühle als fünfte ihrer Art (s.u.), wird für das relevante Jahr bereits eine als "öder Platz" und damit als wieder abgegangen beschrieben, während eine andere Walkmühle in ihrer Umschreibung als "modo Lohmühle" uns ihre Arbeitstechnik "nach Art einer Lohmühle" mitteilt.

Um uns deren Technik zum Walken zu erschließen, müssen wir von der Arbeitsweise einer Lohmühle ausgehen, welche darin bestand, daß ein mit Nasen besetzter Wellbaum vom Mühlrad und einem Vorgelege (als untersetztes Getriebe) in Drehung gebracht wurde. Dabei griffen die Nasen in die Griffmulden von schweren eisenbeschuhten Stampfen, hoben diese an und entließen sie dann (durch Wegdrehen der Nasen) in den freien Fall. So stürzten die massiven Stampfen dann mit großer Wucht in die Tröge und zerstampften so die darin befindliche Eichenrinde zu "Lohpulver" für die Gerbereien.

 

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        Über den Speyerbach u. seine knapp 100 Mühlen siehe unter

           HEIMATHEFTE (aktuelles Heimatheft zum Thema!)


Daß es in der Walkmühle nicht derart grob zugehen konnte, was kein Tuch die Prozedur hätte überleben lassen, liegt auf der Hand. Weshalb man dort auf eine weit abgeschwächte Technik gegenüber der von Lohmühlen setzte, d. h. mit kleineren und leichteren Stößeln bw. Stempeln, die zudem weich beschuht waren und deren Fall über eine schiefe Ebene gemildert wurde, was dem Tuch größte Schonung entgegenbrachte. Und so stoßen wir auch damit auf die alte Walktechnik nach dem "Frankenthaler Typ", die, neben der nach dem "Kuseler Typ" mit seinen schwingenden Hämmern, in der Pfalz vertreten war. Weshalb wir diese auch getrost für die Walkmühle an der Brücke übernehmen durften (s.o.).



Darstellung der alten Walktechnik nach dem "Frankenthaler Typ", bei der das in der Grube eines Lochbaums (auch als "Kumb" bezeichnet) eingelegte Tuch mit leichten und weich beschuhten Strößeln bzw. Stempeln gewalkt wurde



Darstellung der Walktechnik nach dem "Kuseler Typ", der mit schwingenden Hämmern arbeitete (B-D = Schwinge mit D = Hammer aus Holz, A = Pfosten mit C = Bolzen, E = Grube, Loch, Cumb/Kumb im Lochbaum, F = Wellbaum mit Nasen/Daumen)

Im Zustand ihrer letzten Jahrzehnte - nach wohl mehrmaligen Umbauten im Lauf ihrer Geschichte - bestand die alte Walkmühle an der Brücke als Komplex aus mehreren Bauten. Das östliche Gebäude stand dabei giebelständig zum Speyerbach, während die daran anschließenden Gebäude nach Westen sich traufständig zum Bach anschlossen. Ein kleinerer Bau stand noch dabei, allerdings abgesetzt von den großen Bauten zum heutigen 'Haus der Vereine' hin.



Das Bild zeigt sehr klar die beschriebene Gliederung des Mühlenkomplexes der alten Walkmühle an der Brücke

Mit seiner südlichen Hälfte überbrückte der giebelständige Bau den Nordarm des Speyerbachs und setzte dann auf einer Bachinsel auf. Indem dieser so über dem "Mühlbach" der Walkmühle platziert war, bildete dieser Gebäudeteil das "Wasserschloß" mit dem Mühlrad darin. Somit dürfte von hier die Kraft des Mühlbachs auf die gesamte Walktechnik übertragen worden sein, welche sich dann im restlichen Teil des giebelständigen Baues (auf dem Nordufer des Baches) befunden haben muß!

Von den daran anschließenden traufständigen Gebäuden dürfte das (am höchsten aufragende) erste noch unmittelbar dem Walkbereich zugehörig gewesen sein, indem hier wohl die Grobreinigung des Tuchs, nach dessen Entnahme aus der Grube, erfolgte. Dabei dürfte viel Bachwasser zum Einsatz gekommen sein, das danach sicherlich sehr schmutzig wieder in den Bach zurückgeleitet werden mußte. Ein "Fenster" mit deutlich tieferem Sims zum Bach hin könnte hierbei ein Rolle gespielt haben.



Auf der 1927, kurz vor der Niederlegung, entstandenen Aufnahme ist (links) zum einen der "Bogen" am "Wasserschloß" gut auszumachen, unter dem der "Mühlbach" in diesen Gebäudeteil eintaucht, zum andern ist gleich rechts davon, am ersten sich anschließenden Gebäude, das "Fenster" mit seinem deutlich tieferen Sims zu entdecken, wo darunter auch die Außenwand des Gebäudes einen dunklen Streifen aufweist, der von einer Flüssigkeitsableitung in den Bach herrühren könnte

Im Anschluß nach Westen folgte dann ein schmaler Zwischenbau als Verbindung zum westlichen Gebäude. Mit ihm vollziog der Mühlenkomplex in diesem Bereich einen dem Bachlauf angepassten Knick. Seine wichtigste Funktion dürfte allerdings in Art einer "Geruchsschleuse" bestanden haben. Indem man etwa beim Wechsel seines Aufenthalts von der Walkerei in die "Wäscherei", die sich wohl im westlichen Gebäude befand, die vor allem vom Urin in der Walkflotte übel geschwängerte Luft in der Walkerei, im schmalen Zwischengebäude über dessen Fenster etwas ablüften lassen konnte, bevor man in die Wäscherein eintrat (etwa beim Transport des gewalkten Tuchs von der Walkerei zur Wäscherei).


Auf diesem Bild von der alten Walkmühle ist vor allem der kleine abgesetze Bau zwischen dem vorderen westlichen Gabäude und dem großen Bau (=ehem. Volksschule, heute 'Haus der Vereine') gut zu erkennen, auch wie die Brücke den bei ihr breit ankommenden Speyerbach in vier Arme teilt, wobei der linke Arm den Mühlbach bildet (Aufnahme zwischen 1910 und 1929)

Die "Brücke" kurz vor ihrem Abriß zwei Jahre später. Rechts daneben das westliche Gebäude (verm. die "Wäscherei") der alten Walkmühle (Das Bild entstammt dem Film zum Sommertagsfest 1927)

Genau 300 Jahre lang verrichtete die alte Walkmühle an der Brücke ihre Arbeit, zum Ende hierfür höchstwahrscheinlich noch auf industrielle "Walzen- bzw. Trommeltechnik" umgestellt, bis dann 1870 ihre Stillegung erfolgte. Danach durfte sie noch eine zeitlang als "Herberger der Gerechigkeit" der Logis von Wandergesellen dienen, bis dann 1929 ihre alten Mühlengebäude dem Abriß anheim fielen, um einem Brückenneubau Platz zu machen. An das so für immer abgegangene Zeugnis für die alte Handwerkskunst der Tuchmacherei erinnert heute am Platz, wo der Mühlenkomplex aufgeführt war, der "Walkmühl-Gedenkstein" (siehe ---> Anhang unten).

Die Nagelschmiede am Luhrbach

Unter dem "Walkmühl-Gedenkstein" führt der aus dem nördlichen Luhrbachtal kommende Luhrbach übrigens seine spärlichen Wasserreste über ein Betonrohr dem Speyerbach zu. Sein Weg durch das Dorf Grevenhausen und weiter zum Speyerbach ist auf dem Merianstich allerdings nicht festgehalten, noch angedeutet.

In früheren Zeiten führte der Bach weit mehr Wasser und konnte als offener Dorfbach noch der Nutzwasserversorgung der unteren Hauptstraße und sogar der Wiesenbewässerung dienen. Dazu wurde sein Hauptarm beim "Wassergässel" (ab dem Hinterende des ehemaligen Hauses Gierke) über ein gemauertes Aquädukt (5) bis zum Haus Sterf (ehemalige Gaststätte, heute Herzog-Otto-Platz) geleitet, dabei an der Nordkante der Schulstraße entlang, dann schräg über die Straße in die südlich der Hauptstraße liegenden Grundstücke hinein, bis hin zur Fabrikstraße und von da weiter in den dort ausgedehnten Wiesengrund hinein. Erst dort gab der Luhrbach seine Wasser als "Brühlwasser" dann an den Speyerbach ab.

Ein Seitenarm, der vom Luhrbach schon über der Bahnlinie abzweigte und für den beim Bahnbau ein eigener Durchlaß geschaffen wurde, der heute noch am oberen Ende der Hirschgasse zu erkennen ist, diente Ende des vorletzten Jh. sogar als Wasserzufluß für den Betrieb einer Nagelschmiede mit einem Mühlrad. Sie befand sich in der "Kleinen Gasse", wohl in deren oberen Ecke, von wo sie als Verbindung von der oberen Hirschgasse zur alten Schellbach'schen Apotheke verlief. Damit folgte diese übrigens genau der alten Gemarkungsgrenze zwischen Grevenhausen und St. Lambrecht, wie sie um 1840 noch dort bestand! Ein letzter Rest der "Kleinen Gasse" ist mit dem in die Apothekergasse einmündenden schmalen Gang hinter der Pizzeria Venezia sogar noch erhalten geblieben.

Die Funktionsweise der Nagelschmiede läßt sich etwa wie folgt darstellen. Ausgangspunkt für das Schmieden von Nägeln waren Stabeisen von etwa zwei Meter Länge in verschiedenen Stärken je nach Nageldicke. An einem Ende in der Esse angeglüht, wurden sie mit einem leichten Hammer zugespitzt, danach auf einen festen Meißel gelegt und durch eine tiefe Einkerbung entsprechend abgelängt. Das spitze Eisenteil wurde danach in die Öffnung eines Nageleisens gesteckt und der überstehende Teil durch Hammerschläge zu einem Nagelkopf geformt. Mit einem leichten Stoß unter die Nagelspitze sprang der fertige Nagel aus seiner Form und fiel zu Boden. Der Vorgang wiederholte sich, bis die Stablänge zuletzt nur noch etwa 20 cm betrug.

Im Prinzip dürfte die Nagelschmiede dabei wie eine Hammerschmiede gearbeitet haben, nur mit dem Unterschied, daß sie kein schweres Hammerwerk benötigte, vielmehr eines, das erheblich geringer ausgelegt war, da die Nagelschmiede schon mit leichten Hämmern auskam. So daß dann auch die geringere Wasserkraft des Luhrbachs hierfür ausreichend erschien.

Weder hat die Nagelschmiede am Luhrbach substantielle Reste hinterlassen, noch jene vierte Mühle auf dem Merianstich. Über letztere ist lediglich anzumerken, daß sie auf dem jetzigen Parkplatz an der Färberstraße ihren Standort gehabt haben muß, wo übrigens von der Brücke her noch ein gemauerter Kanal verläuft, der bündig vor dem dortigen Heim des Verkehrsvereins in das östlich angrenzende Marx'sche Firmengelände führt. Als der heutige neue Parkplatz angelegt wurde, stieß man auf diesen Kanal, der mit Sandsteinplatten abgedeckt war.

Die Untermühle in der Fabrikstraße

Der Speyerbach entschwindet nun dem im Merianstich dargestellten Bereich, um nun in die heute daran anschließende östliche Ausdehnung Lambrechts zu gelangen. Nachdem er den neuen Parkplatz an der Färberstraße an dessen Nordseite passiert hat, durchquert er das angrenzende Gelände der Firma Marx, um dieses bei der Fabrikstraße wieder zu verlassen. Noch vor dem Erreichen der Straße teilt er sich und beginnt die Insel der Untermühle zu umfließen, die sich gleich nach der Unterquerung der Fabrikstraße in seinen Weg stellt.

Die Teilung des Speyerbachs kurz vor der Unterquerung der Fabrikstraße mit Wehr vorne rechts und der Untermühle hinten rechts

  

Massiver Mühlstein-Rohling auf der Insel der Untermühle und Mühlstein an der Fabrikstraße neben dem Mühlenbau

   

Die Untermühle an der Fabrikstraße: Mahl-, Waffen- bzw. Wappenschmiede, Ölmühle, 5. Walkmühle (Bild links), Schleifstein mit Vierkantloch beim Mühlenbau (Bild rechts)

Der Mühlenbau springt mit seiner Holzschindelverkleidung an Teilen seines Baues, die auf gedrungenen oktogonalen Stützpfeilern ruhen, ins Auge. Er entstand 1743, anstelle der 1601 dort erbauten 5. Walkmühle, als Mahlmühle und Waffenschmiede (=Wappenschmiede), die dann, wie ein Aktenvermerk für 1750 nachweist, als Waffen- und Schleifmühle mit Walkmühle betrieben wurde. Für 1803 ist sie wieder als Wappenschmiede aufgeführt. Kurzfristig wurde in ihr auch eine Würzmühle betrieben, deren Geschirr nach Neustadt abgegeben wurde. Die Hammerschmiede stellte schon zu Beginn des 19. Jh. den Betrieb ein, gelangte dann 1836 in den Besitz der Firma Marx, die sie 1993 weiterveräußerte. Sie besaß zwei Mühlräder.

Die Untermühle mit ihrem Fachwerk an der Südseite

Zur Technik der Hammerschmiede sei vermerkt, daß sie wohl ein Hammerwerk besaß, das ähnlich wie bei der Wappenschmiede in Elmstein mit "Schwanzhämmern" ausgestattet war. D. h., daß ein vom Wasserrad angetriebener Wellbaum mit seinen Nasen immer wieder auf die Stielenden der "Schwanzhämmer" drückte, die sich so abwärts bewegten und dabei zugleich das vordere Ende mit dem "Bär" (=Hammerkopf) über ein Drehgelenk, mit dem der Hammerstiel fest verbunden war, anhoben. Drehten die Nasen wieder weg, dann entließen sie die Stielenden von ihrem Druck und lösten so den Fall des Hammerkopfes aus. Dies in ständiger Wiederholung, solange sich die "Nasenwelle" drehte.

                      

Übermannshohes Zahnräderwerk auf dem Marx'schen Gelände gegenüber der Untermühle, Relikt alter Mühlen- bzw. Dampfmaschinentechnik

Alte Darstellung (Malerei) der Untermühle mit zwei Mühlrädern. Die Insel überquert heute die Fabrikstraße.

In der Hammer- oder auch Eisenschmiede wurde vor allem Eisen zu Gebrauchsgegenständen wie Pflugscharen, Äxten, Hacken, Sensen, Achswellen usw. verarbeitet. Das Rohmaterial hierfür konnte zeitweilig aus Elmstein bezogen werden, wo u.a. im Rödertal Eisenerz abgebaut werden konnte, das dort von "Pochhämmern" granuliert und in der "Eisenschmelz" verhüttet und zu Barren gegossen werden konnte.

Der Kupferhammer und die Klein'sche Sägemühle

Die Untermühle hinter sich lassend, zieht der Speyerbach ein kurzes Stück weiter, durchquert das Gelände der 1976/7 errichteten Regionalen Schule an der Wiesenstraße und trifft anschließend auf den Kupferhammer. Ihn trieb er im 17. Jh. ursprünglich als Eisenhammer an, damals noch die "Dreiherrenschmiede" genannt, weil dort die drei Herrschaften von Kurpfalz, Hochstift Speyer und Hirschhorn aneinanderstießen. 1791 gelangte die Eisenschmiede in Besitz von Saladin Klein und wurde von diesem zum Kupferhammer umgerüstet.

Wohnhaus Hauptstraße 12, ehemaliges Kellergebäude der Dreiherrenschmiede bzw. des Kupferhammers aus dem Ende des 18. Jh. stammend. Auffällig die geböschte Kellerwand und das Kellerportal mit dem Wappen und den Initialen "S" und "K" von Saladin Klein

Wappen von Saladin Klein in der Ädikula des Kellerportals Hauptstraße 12

Dieser Kupferhammer verarbeitete das gediegene Kupfermetall, das etwa aus dem kupferhaltigen Erz des Donnersbergs in der Winnweilerer Kupferschmelze gewonnen wurde, zu Blechen verschiedener Stärke sowie zu Stäben und Drähten, woraus der Kupferschmied dann die feinen Gebrauchsgegenstände für Haushalt und Handwerk fertigen konnte. Als einziger Fachbetrieb im Departement Donnersberg während der Franzosenzeit reichte die heimische Kupferproduktion zur Deckung des Bedarfs jedoch nicht aus, weshalb hierfür auch schwedisches Rotkupfer bezogen wurde. Als Napoléon 1806 die Kontinentalsperre beschloß, erschwerte dies den Rohstoffbezug derart, daß der Betrieb des Kupferhammers bald danach eingestellt werden mußte.

So wurde das Spezialhammerwerk später in eine Gerberei umgewandelt, welche nach der älteren Methode des "Rotgerbens" arbeitete, d. h. unter Verwendung von Eichenlohe. Diese wurde wahrscheinlich aus einem eigenen Lohwald gewonnen, der sich östlich des Dörrentals nach Lindenberg hin erstreckte. Die dortige Erhebung mit dem Namen "Gerbersberg" weist darauf hin wie ebenso ein dichterer Bestand an Eichen, die übrigens auffällige Verkrüppelungen kennzeichnen.

Als junge Bäume wurden die Eichen geschält, die dabei oft zugrunde gingen. Ihre Rinde wurde dann ein Jahr lang getrocknet, erst dann konnte sie in Lohmühlen weiter verarbeitet werden. Dort wurde sie zerkleinert und zu feinem Mehl gestampft, wie oben schon bei den Ausführungen zur "modo Lohmühle" beschrieben. Die im Lohmehl enthaltenen Gerbstoffe, die später synthetisch gewonnen das "Rotgerben" durch das "Weißgerben" verdrängten, wirkten beim Gerben dann auf das Leder ein und machten dies vor allem weich und geschmeidig.

Da mit der Gerberei eine starke Bachverschmutzung einherging, mußte sie wenige Jahrzehnte später wieder eingestellt werden. Das Wasserrad des Kupferhammers erwies ab 1845 noch der Sägemühle von Johann Gottlieb Klein seine Dienste. Das aus dieser Mühle hervorgegangene Sägewerk Klein (später Karrer) fiel in den ersten Jahrzehnten der zweiten Hälfte des vorigen Jh. der Ungunst der Branche zum Opfer. Einen Blickfang stellt das Wohnhaus des Kupferhammers mit Türmchen am östlichen Ortseingang von Lambrecht dar (beim heutigen Nettomarkt), als einer seiner wenigen noch verbliebenen Überreste.

Wohnhaus des ehemaligen Kupferhammers Hauptstraße 11 in konventioneller spätbarocker Formgebung, repräsentativ aufgewertet mit Zwerchgiebel und dem haubenbekrönten Dachreiter mit Uhr

                     

                                        Mühl- und Bachkanal mit steinernem Wehr beim Kupferhammer

Jetzt am Ende unserer "Mühlentour" durch Lambrecht dürfen wir noch einmal rekapitulieren, unter den Lambrechter Mühlen folgende Mühlenarten kennengelernt zu haben: 'Mahlmühlen' (Kuhbrücker Mühle, Untermühle), 'Sägemühlen' (Klostermühle, Obermühle und dort eine weitere, Klein'sche Sägemühle beim Kupferhammer), 'Walkmühlen' (2. Walkmühle an der Brücke, 5. Walkmühle Untermühle), 'Ölmühle' (Obermühle), 'Nagelschmiede' (Luhrbach), 'Wappenschmieden' bzw. 'Eisenhämmer' und 'Schleifmühle' (Untermühle, Dreiherrenschmiede), 'Kupferhammer' (vorm. Dreiherrenschmiede), 'Würzmühle' (Untermühle).


Anhang

Der Walkmühl-Gedenkstein

Als Anfang März 2001 der im Jahr davor begonnene Neubau der zentralen Friedrich-Ebert-Brücke in Lambrecht schon deutlich in seine Endphase einzutreten begann, erkundigte ich mich als Vorsiitzender des örtlichen Verkehrsvereins bei der Stadt Lambrecht, inwieweit die Erinnerung an die ehemalige "Walkmühle an der Brücke" (siehe oben) auch zukünftig gewahrt werden solle. Der Grund meiner Anfrage war, daß vor dem Brückenneubau der "Walkmühl-Brunnen" an die bedeutendste aller Lambrechter Mühlen erninnerte, nachdem deren Gebäude 1929 für den damaligen Brückenneubau niedergelegt wurden.

     Der ehemalige "Walkmühl-Brunnen" an der Brücke

Der Walkmühl-Brunnen nahm die nordöstliche Eckposition an der Brücke ein und war ein in Zierbeton gefertigter Brunnen mit halbrundem Trog und stelenartiger Rückwand, mit Kugelaufsätzen auf deren seitlichen Abschwüngen. Vor und nach dem Zweiten Weltkrieg führten die Lehrerinnen und Lehrer der nahen Volksschule (heute 'Haus der Vereine') gerne ihre Schüler zu ihm hin, um anhand seiner großen Geschichtstafel 'praktischen Anschauungsunterricht' in der Stadtgeschichte, hierbei speziell zur Tuchmacherei, zu nehmen. Mit dem aktuellen Brückenneubau sollte dieser durchaus stilvolle und stattliche Brunnen, wie meine Anfrage ergab, nun ersatzlos abgebrochen werden und an seiner Stelle nur noch eine "neue Bronzetafel" als textlich exakte Kopie seiner nach dem Zweiten Weltkrieg untergegangenen großen Geschichtstafel an die alte Walkmühle an der Brücke erinnern.

Diese Lösung war für mich sehr unbefriedigend. Wie sollte eine relativ kleine Tafel im A3-Format, in eine Mauer oder in ein Geländer bei der neuen Brücke integriert, im 'Kniebereich' und nicht in Augenhöhe und somit nur schwer wahrnehmbar, die Aufgabe eines ins Auge fallenden stattlichen Brunnens übernehmen können, an die alte Walkmühle zu erinnern? Der nahe Abschluß des Brückenneubaus mit Schaffung der baulichen Tatsachen erforderte nun ein rasches Handeln. Nach dem Vorbild des von dem Künstler Theo Röhrig auf dem Herzog-Otto-Platz geschaffenen Geißbockbrunnens, skizzierte ich eilig einen ersten Entwurf eines "negativen Mühlrades", bei dem es insbesondere auch um eine Kostenvorstellung für eine angestrebte tragfähigere Lösung ging. Stadtbürgermeister Michael Stöhr, zugleich zweiter Vorsitzender des Verkehrsvereins, holte danach bei Theo Röhrig ein Angebot ein, das auf einen Endpreis von DM 4.350,- hinauslief.

    Erster "negativer Entwurf" für einen Gedenkstein

Der erste Entwurf erwies sich als nicht so günstig. Bei der neuen Brücke in eine Mauer oder ein Geländer eingefügt, hätte das negative Mühlrad ein "Loch" dargestellt, durch welches Kinder kriechen und so in den Speyerbach hätten fallen können. Eine hierfür erforderliche Sicherung (etwa durch ein Gitter) hätte aber wiederum die optische Wirkung des negativen Mühlrads zu sehr beeinträchtigt. Hinzu kam, daß am Objekt selbst kein Platz für die neue Bronzetafel vorhanden gewesen wäre, so daß beides - negatives Mühlrad und Tafel - nicht in 'logischer Einheit' hätte arrangiert werden könnnen.

Und so entschloß man sich beim Verkehrsverein zu einer neuen und auch repräsentativeren Lösung, so daß mein zweiter Entwurf nun vorsah, das negative Mühlrad auf einen "Sockel" zu setzen, auf dem dann auch die Tafel platziert werden konnte, zudem aber auch ein "Kumb" (Grube bzw. Loch eines Lochbaums). Letzterer sollte die "alte Walktechnik" symbolisieren, wie diese in der Pfalz als "Frankenthaler Typ" mittels "Stößel" in Gebrauch war - neben der des "Kuseler Typs" mittels "Hämmer" - und auch für Lambrecht indirekt nachgewiesen ist (siehe oben ---> "Walkmühle an der Brücke").

     
Der zweite Entwurf (Zeichnung links) sah noch eine negative Ausführung des Gedenksteins vor, mit dem dritten Entwurf (Zeichung rechts) wurde dann die positive Ausführung präferiert; der "Kumb" (Grube bzw. Loch eines Lochbaums) erscheint auf beiden Zeichnungen nur symbolisch angedeutet, wurde aber in der Endausführung vom Künster Theo Röhrig "realitätsnah" nach historischem Vorbild (wie oben unter den Ausführungen zur Walkmühle zu sehen) ausgeführt

Die Möglichkeit der Darstellung eines "positiven Mühlrads" nach einem dritten Entwurf meinerseits war dann der Anregung von Theo Röhrig zu verdanken, nach dem 'negativen Brautpaar' beim Geißbockbrunnen nun die positive Variante zu präferieren. Auch strebte der Künstler nach einer begrüßenswerten realitätsnäheren Darstellung des "Kumb mit zwei Stößel", nach einer von mir hierfür zur Verfügung gestellten historischen Vorlage. Und so wurde trotz großen zeitlichen Drucks, dank bester Kooperation aller Beteiligten, der "Walkmühl-Gedenkstein" erschaffen, um beim Einweihungsfest der neuen Friedrich-Ebert-Brücke, am Samstag, den 1. September 2001, wofür das Brunnenfest des Verkehrsvereins den Rahmen bot, zusammen mit dieser feierlich der Öffentlichkeit übergeben zu werden.



In seiner künstlerisch schönen Gestaltung hält der "Walkmühl-Gedenkstein"
heute  die  Erinnerung  an  die  ehemalige  Walkmühle  an der Brücke wach 


Dabei führte Theo Röhrig über sein Kunstwerk aus; daß es wie der Geißbockbrunnen aus dem gleichen rheinland-pfälzischen Sandstein aus dem Pfälzer Bergland geschaffen worden sei und das Denkmal ein unterschlächtiges Mühlrad darstelle, welches der darunter vorbeifließende Speyerbach antreiben würde. Unter der Gedenkplatte, aufgesetzt auf einem symbolischen ovalen Bottich, würden Holzstempel von einer Spindel angehoben und so der Stoff gewalkt werden. Der Stein sei traditionell mit Spitzhieben bearbeitet, wie in der Romanik üblich, womit auch der geschichtliche Zusammenhang zwischen Walkmühlen-Errichtung im 16. Jahrhundert und der Neuzeit hergestellt worden wäre.

Bürgermeister Michael Stöhr attestierte, daß der "Walkmühlen-Gedenkstein" in Optik und Aussagekraft ein Meisterstück sei, auf das die Bevölkerung ausnahmslos positiv reagiert habe. Sein Dank galt dem Künstler, aber auch dem Verkehrsverein, durch dessen Engagement die Realisierung des Gedenksteins erst möglich wurde. Letzterer hatte mit DM 9.000,- den Löwenanteil an den Gesamtkosten von DM 16.000,- übernommen. Die restlichen DM 7.000,- trug überwiegend die Stadt (neben DM 552,- Spenden u.a. von GSW).

Und so nimmt seitdem der "Walkmühl-Gedenkstein" die ehrenvolle Aufgabe wahr, an die alte "Walkmühle an der Brücke" zu erinnern. Zugleich trägt er dabei in seiner ansprechenden künstlerischen Gestaltung zur Bereicherung und Aufwertung des Ortsbildes bei. Weshalb er auch zu einem beliebten Treffpunkt avanciert ist, wo es Gäste wie auch Einheimische immer wieder hinzieht, um sich dort seinen schönen Anblick zu gönnen wie auch anhand seiner Bronzetafel Einblick in die Geschichte der Stadt - speziell über die der Tuchmacherei - zu nehmen.



Die Bronzetafe am "Walkmühl-Gedenkstein" gibt Einblick in die Geschichte der Stadt Lambrecht, dabei speziell zur Tuchmacherei; ihr Text entspricht exakt dem auf der nach dem Zweiten Weltkrieg verschwundenen großen Geschichtstafel, welcher auf Initiative des Verkehrsvereins als "Abschrift" wieder aufgefunden werden konnte


Anmerkungen:

  1. Die vier Mühlengebäude auf dem Merianstich tauchen auch bereits auf einer älteren Darstellung um das Jahr 1600 auf, die als Ölbild auf Eichenholz entstanden ist, jedoch gegenüber dem Merianstich etwas undeutlich wirkt;
  2. Beim Flößen konnten die Holzscheite die Mühlräder beschädigen, was oft genug passierte und weshalb man auch die Mühlkanäle oft zusätzlich mit "Rechen" sicherte, um derartiges Teibgut damit abzufangen, bevor es Unheil anrichten konnte;
  3. Dies fällt vor allem am Hauptobjekt, der alten St. Lambrechter Klosterkirche, auf, wo nur sechs oder sieben Joche an deren Längsseite zu zählen sind, obwohl der Kirchenbau 1640 noch 11 Joche aufwies;
  4. Die Brandgefahr bei Bordmühlen war durchaus groß, wenn etwa die Sägeblätter im Sägegatter heiß liefen, etwa durch das Reiben am Schnittgut. Deshalb wurden auch die Sägeblätter regelmäßig "geschränkt", d. h. abwechselnd etwas zur Seite gebogen, damit der Schnitt breiter erfolgte als das Sägeblatt dick war!
  5. Mauer mit offener Wasserrinne;


Vers. 2.0 v. 01.07.2015

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