Der Speyerbach - ein Pfälzer Kulturbach

"Die Entstehung unserer heutigen Pfalz als eine der reizvollsten Kulturlandschaften Mitteleuropas verdankt diese vor allem ihren zahllosen Bächen. Als Spender des wichtigsten Lebenselixiers "Wasser" zogen diese einst die Menschen an ihre Ufer und förderten so maßgeblich die Besiedlung der Pfalz.

Für die Vorderpfalz spielte hierbei der Speyerbach eine überragende Rolle. Diese bestand für den ursprünglichen Naturbach zunächst in der Sicherung von Trink- und Brauchwasser als unentbehrliche Existenzgrundlage. Über diese Grundnutzung hinaus entwickelten die Menschen weitere Nutzungen des Speyerbachs zur Deckung ihres Lebensbedarfs und Hebung des Lebensstandards.

Dabei fingen sie an, diesen Bach zu ihren Zwecken umzugestalten. Aus dem Naturbach wurde ein Nutzbach. So zu vielerlei Diensten "kultiviert" wirkte dieser seinerseits auf die Menschen an seinen Ufern ein, indem er sie vor allem in "Lohn und Brot" brachte, hierüber ihren Alltag und ihre Lebensart bestimmte und damit auch die Entwicklung ihrer Orte nachhaltig prägte.

So gibt es viel Interessantes und Imposantes über den Speyerbach zu entdecken, wie dessen Weg vom Wasigenfirst bis zum Rhein, seine besondere Entstehungsgeschichte, wie auch seine vielfältige wirtschaftliche Nutzung für Flößerei und Mühlentechnik unterschiedlichster Art u.a."

Mit dieser Vorankündigung leitete ich meinen Vortrag am 19. Januar 2012 bei der Volkshochschule in Haßloch (Pfalz) ein, bei dem etwa 80 Teilnehmer anwesend waren.  Den Anlaß für mein Referat gab meine aktuelle Schrift aus der Reihe Lambrechter Heimathefte mit dem Titel "Der Speyerbach - ein Pfälzer Kulturbach auf seinem Weg" (siehe unter -->Heimathefte). Trotz einer umfangreichen Darstellung dort (allein 98 Mühlen, 24 Arten bzw. Typen von Mühlen!), konnte in dieser Schrift nicht auf jede Einzelheit zum Thema eingangen werden, um den vorgegebenen Rahmen einzuhalten. So soll diese Seite noch spezielle Vertiefungen und Ergänzungen ermöglichen sowie das Thema auf dem aktuellen Stand halten.

Ein Aspekt, der nur geringe Berücksichtigung finden konnte, wäre etwa unter "Wandlung des Speyerbach in den letzten Jahrzehnten" zu subsumieren. Gemeint sind Veränderungen des Baches selbst sowie seines Umfeldes mit der Folge eines z.T. völlig neuen Erscheinungsbildes. Dazu das nachfolgende Beispiel:

  

Die "Winzinger Scheid" früher und heute - wo der Rehbach abzweigt

In meiner neuen Schrift zum Thema wird die Winzinger Scheid (am östlichen Ortsrand von Neustadt/W.) auf Seite 42 abgehandelt. Dort findet sich auch ein aktuelles Foto, das ich im Sommer 2010 aufgenommen habe. Es zeigt die Bugspitze, welche vom Speyerbach den Rehbach abtrennt. Dichter Aufwuchs, der weit in die obere Sphäre über dem Bach eindringt, als wolle er sich darüber gar noch zu einem Blätterdach schließen, bedrängt die Ufer und verstellt jeglichen Blick darüber hinaus. Leicht vermittelt sich einem der Eindruck einer Dschungel-Atmospäre, die es erlauben würde, eine Szene aus dem Film "African Queen" überzeugend nachzustellen.

Kurz vor 1990 bot sich bei der Winzinger Scheid noch ein völlig anderes Bild, wie der Vergleich der beiden nachfolgenden Aufnahmen klar verdeutlicht:

     

Die Winzinger Scheid kurz vor 1990 (links) und im "Dschungel-Look" 2010 (rechts). Sie schiebt ihre Bugspitze in den ankommenden Bachlauf des Speyerbachs und zweigt so den Rehbach ab, der (in den beiden Bildern) rechts der Bachscheid weiterfließt.

Das Bild links zeigt die Winzinger Scheid als sich von ihr ein noch überwiegend freier Blick in die sie umgebende Landschaft bot, hier nach Westen auf die alte Fabrikanlage Schober mit dem hohen Kamin davor. Flaches Grasland säumt die Ufer des Baches, an denen Fußwege zum Promenieren am Bach einladen. Erreichbar über den (heute nicht mehr existierenden) schmalen Steg, der auf die Bugspitze gelegt zu beiden Uferseiten führt. Das Bild rechts mit dem oben beschriebenen Eindruck steht in einem völligen Kontrast dazu, obwohl die beiden Aufnahmen an fast dem gleichen Standort und mit dem gleichen Blickwinkel aufgenommen wurden.

Nachfolgend noch ein paar Eindrücke des Zustandes bei der Winzinger Scheid kurz vor 1990:

Blick vom Steg bei der alten "Schoberfabrik" nach Osten auf die Winzinger Scheid, die von wenigen Bäumen abgesehen noch überwiegend von Niederwuchs umgeben ist

Ansicht der Speyerbachseite (Südseite) der Winzinger Scheid mit dem Steg über der Bugspitze

Alte Inschrift am Bugstein an der Speyerbachseite (direkt unter dem Steg)

  

Der hydraulische Widder bei Mückenwiese (hinterer Oberlauf)

Unter die Kategorie "Veränderungen am Speyerbach" fällt als weiteres Beispiel der hydraulische Widder bei Mückenwiese (in meinem neuen Heft zum Speyerbach S. 8 dargestellt). Kurz vor 1990 war er noch in Betrieb und der Steg über den Speyerbach, als Zugang für seine Wartung, in fast noch neuem Zustand.

Der hydraulische Widder bei Mückenwiese kurz vor 1990. Der Zugang mit dem Steg ist mittlerweile völlig verfallen und zeigt so an, daß er schon vor längerer Zeit stillgelegt wurde, weshalb auch sein rhythmisches Geräusch, mit dem er früher auf sich aufmerksam machte, verstummt ist

Beschrieben ist der hydraulische Widder als Wasserfördermaschine, welche den Stoß eines zufließenden und plötzlich angehaltenen Wassers ausnutzt, um einen Teil davon auf ein höheres Niveau zu fördern. Seine Funktionsweise soll mittels der nachfolgenden Zeichnung etwas näher beleuchtet werden.

Schematische Zeichnung zum hydraulischen Widder

Von der Quelle fließt das Wasser über ein Gefällrohr in die Technik des hydraulischen Widders hinein. Zunächst passiert dieses das (noch geschlossene!) Ventil unterhalb des Windkessels, um dann mit viel Schwung auf das Stoßventil zu treffen. Dieses beginnt sich durch das dagegenströmende Wasser zu schließen. Bis zum vollständigen Schließen kann ein Teil des Wassers noch das Stoßventil passieren und so (ungenutzt) den hydraulischen Widder wieder verlassen. Nachdem das Stoßventil dann vollständig geschlossen ist und so das heranströmende Wasser "plötzlich angehalten" wird, beginnt dieses - zusammen mit dem weiter nachströmenden Wasser - nun einen Druck aufzubauen.

Da der sich aufbauende Druck nicht über das (geschlossene!) Stoßventil entweichen kann, schaukelt sich dieser - gegen die Laufrichtung des Wassers - nach hinten auf, bis er zum Ventil des Windkessels gelangt. Der nun gegen das Ventil wirkende Druck öffnet dieses, was einen Druckausgleich in Gang setzt, indem Wasser aus dem Druckbereich in den Windkessel einströmt. Indem so auch der Druck vor dem Ventil wieder nachläßt, schließt sich dieses wieder, so daß das in den Windkessel eingeströmte Wasser nicht mehr zurückfließen kann. So erhöht dieses die Wassermenge im Windkessel, was dadurch ausgeglichen wird, daß die Luft darüber zusammengepresst wird.      

Nun übt die zusammengepresste Luft einen Druck auf das im Windkessel befindliche Wasser aus, wobei ein Teil davon in das vom Windkessel aufsteigende Rohr gedrückt und dort weiter nach oben in einen Hochbehälter befördert wird. In Wiederholung der Vergänge mit dem Ventilspiel und dem Wechselspiel sich aufbauender und wieder ausgleichender Drücke, gelangt so immer mehr Wasser in den Hochbehälter und füllt diesen immer weiter an.

Die alte Technik ist genial und sehr zuverlässig. Als sie noch in Funktion war und dabei noch von den Stadtwerken Neustadt gewartet wurde, genügte es, alle 3 - 6 Monate die Dichtungen der beiden Ventile auszutauschen. Nachteilig war lediglich, daß nur ein kleinerer Teil des Wassers voll zur Trinkwasserversorgung genutzt werden konnte, während der überwiegend größte Teil hierfür verloren ging, was letztlich auch der Grund für seine Stillegung gewesen sein dürfte.

Hydraulische Widder konnten übrigens erstaunliche Leistungen vollbringen. So wird berichtet, daß der "Hermersberger Hof" auf dem Wasigenfirst von zwei hydraulischen Widdern (in Reihe kombiniert) mit dem Wasser aus einer Quelle versorgt wurde, wobei dieses über 150 m hoch gepumpt werden mußte!

  

Das Jahrhundert-Hochwasser von 1978 (Bereich Lambrecht)

"Schwere Hochwasserschäden in Lambrecht und den Talgemeinden", so lautete die Schlagzeile zum Bericht auf der Titelseite der Lambrechter TALPOST (27.05.1978) über das Jahrhundert-Hochwasser von 1978. Auslöser war ein über der Berg- und Talregion drei Tage und drei Nächte lang anhaltender, ununterbrochener und ergiebiger Niederschlag, dessen Wassermasse bald aus allen Löchern und Ritzen der Berghänge schoß, Rinnsale zu Sturzbächen verwandelte, und so den Speyerbach immmer mehr anschwellen ließ, bis dieser schließlich, einem Wildbach gleich, in der Nacht zum 24. Mai 1978 über seine Ufer trat.

Rasch ergossen sich seine Fluten in die niedrig liegenden Ortsteile Lambrechts, vor allem ins Zentrum um die Friedrich-Ebert-Brücke, aber auch über die westliche Hauptstraße bis zur Kuhbrücke hin und in die daran anschließenden südlichen Bereiche u.a. Noch in der Nacht seines ungestümen Ausbruchs unterbrach der Speyerbach so die wichtige Straßenverbindung (B 39) zwischen Neustadt und Kaiserslautern, indem er in der Hauptstraße selbst für Lkw und Busse kein Durchkommen mehr erlaubte. In die hinteren Talbereiche gelangten die Bewohner mit ihren Pkw nur noch über größere Umwege, wie etwa über die Totenkopfstraße.

Die Schäden waren beträchtlich. Die lang andauernden Regenfälle weichten etwa im hinteren Talbereich die Hänge auf, was darin errichtete Häuser instabil werden ließ. Im Westen von Lambrecht setzte der wildgewordene Speyerbach die Kuhbrücke fast völlig unter Wasser. Dabei löste er aus der gepflasterten Fahrbahndecke der alten Bogenbrücke ein Loch heraus, durch das man von oben auf den Speyerbach blicken konnte, nachdem dieser wieder in sein angestammtes Bett zurückgekehrt war. Weshalb die alte  Brücke in 17-monatiger Bauzeit (von Mai 1979 bis September 1980) durch einen 2,6 Millionenen Mark teuren Neubau ersetzt werden mußte.

Neben diesem größten Schaden hatte die Gemeinde Lambrecht auch noch weitere Schäden zu beklagen, so etwa an der Friedrich-Ebert-Brücke, wo aus einer größeren Fläche der damals gepflasterten Decke die Pflastersteine herausgewirbelt wurden. Nicht unerhebliche Schäden erlitten auch die Bürger im vom Hochwasser betroffenen Gebiet. Keller, Wohnungen und Geschäftsräume wurden überflutet, Einrichtungen zerstört und Vorräte vernichtet. Aus umgeworfenen Öltanks drang Öl und verseuchte das Wasser. In die oberen Stockwerke ihrer Häuser gelangten die Bewohner z. T. nur mittels Leitern, wie allgemein die innerörtliche Mobilität völlig zum Erliegen kam, bis eiligst gelegte Notstege wenigstens wieder fußläufige Verbindungen zwischen den durch die Fluten abgeschnitten Ortsteilen ermöglichten.

Nachdem am 24. Mai die Flutspitze bereits erreicht worden war und fast unmittelbar danach auch der heftige Niederschlag den Rückzug angetreten hatte, war schon am Tag darauf (25. Mai) ein Rückgang der Hochwasserfluten zu verzeichnen. Die nachfolgenden Aufnahmen, größtenteils am 25. Mai entstanden, vermitteln also Eindrücke eines bereits "gemilderten" Hochwassers:

Der beinah völlig überschwemmten Kuhbrücke (beim westlichen Ortseingang von Lambrecht) fügte das Hochwasser derart schweren Schaden zu, daß die alte Bogenbrücke durch einen Neubau ersetzt werden mußte

Die westliche Hauptstraße (B 39) unter Wasser bot kein Durchkommen mehr

Auf Laufstegen mußten die Bürger die überschwemmte Friedrich-Ebert-Brücke passieren

"Land unter" hieß es für den Bereich "Färberstraße", wo auch der alte Kinderspielplatz unter Wasser stand (in der Bildmitte bewährt sich ein Schlauchboot als geeignetes Fortbewegungsmittel, vorne rechts "überquert" der Speyerbach die über ihn führende Brücke!)

      

Die überflutete Färberstraße am 25. Mai (links) und am 26. Mai (rechts). Während im linken Bild der Spielplatz im Hintergrund noch unter Wasser liegt (s. auch Bild davor!), ist er im rechten Bild bereits wieder über Wasser. 

Wörtlich ins Wasser fielen auch die Geißbockspiele an Pfingsten 1978, weil auch der Festplatz mit der Bühne (bei der Villa Marx) völlig unter Wasser stand

  

Mehr zum Thema Speyerbach finden Sie im aktuellen Heft Nr. 5 der Reihe LAMBRECHTER HEIMATHEFTE mit dem Titel:

 "Der Speyerbach - ein Pfälzer Kulturbach auf seinem Weg"

Bestellungen/Anfragen per E-Mail an den Autor dieser Homepage: gerald-lehmann@online.de

Siehe auch unter --> Heimathefte

  

  

Der Neubau der Lambrechter "Brücke" 2000/1

Wenn Lambrechter über ihre "Brücke" sprechen, dann wissen Insider, daß damit die Friedrich-Ebert-Brücke im Zentrum von Lambrecht gemeint ist. Zu Ihrer Geschichte und Bedeutung als wichtiger Verkehrsknotenpunkt von Lambrecht u.a. sei auf die Ausführungen unter -->Lambrecht (Pfalz)/ Stadttour auf dieser Homepage verwiesen.

Nachdem 1988 an Stahlträgern der Vorgänger-Brücke Korrosion entdeckt wurde, wurde deren Belastbarkeit auf 5,5 to mit einer Fahrspur beschränkt. Im Jahr 2000 erfolgte dann ihr Abriß und Neubau, der sich bis 2001 hinzog und ihr die heutige Gestaltung verlieh. Die Einweihung der neuen Brücke fand am 1.9.2001 statt, dabei wurde auch der vom -->Verkehrsverein und der Stadt gestiftete Walkmühl-Gedenkstein (siehe unter --->Mühlen/--->Anhang) feierlich der Öffentlichkeit übergeben.

Mit der neugestalteten Friedrich-Ebert-Brücke sowie dem angrenzenden Friedrich-Ebert-Platz, der zeitgleich mit der Brücke eine Erneuerung erfuhr, hat das Zentrum von Lambrecht eine hohe Aufwertung erfahren, die von weiteren baulichen Maßnahmen im Umfeld noch gefördert wurde. Heute läßt es sich dort gemütlich verweilen und im dabei umherschweifenden Blick viele schöne  neue, aber auch alte und romantische Ecken Lambrechts entdecken.        

Nach dem Abriß der alten Friedrich-Ebert-Brücke und nachdem deren alten Widerläger durch neue ersetzt waren, wurden am 22. Juni 2001 massive Spannbetonteile auf die neuen Widerläger gelegt. Im Hintergrund beobachtet die alte Klosterkirche das Treiben zu ihren Füßen.

Mit dem neunten und letzten Spannbeton-Element, das der Kran gerade am Haken hat, überbrückt die neu entstehende Friedrich-Ebert-Brücke den Speyerbach wieder in der alten Breite

 

Die "Holzboller" bei Frankeneck - Zeugnis des Niedergangs der Holztrift auf dem Speyerbach

Als im Spätjahr 2007 der Bahndamm bei Frankeneck (westlich von Lambrecht) von dichtem Buschwerk und Gestrüpp gesäubert wurde, kamen große kegelige Rundsteine zum Vorschein. Aus der Presseberichterstattung darüber war zu erfahren, daß es sich um die Begrenzungssteine von Zufuhrstraßen des ehemaligen Holzverladeplatzes bei Frankeneck handelte, im Volkmund "Holzboller" genannt.

Die Anlage diente dem Verladen von Brenn- und Grubenholz auf Waggons, um so dessen Weitertransport per Eisenbahn zu ermöglichen. Nach einer Planskizze von 1900 (siehe auch Kartographie am Textende) nahm die Anlage exakt bei Km 69,514 an der dortigen Bahntrasse ihren Anfang, um dann unweit vor Km 69 an derselben wieder zu enden. Somit deutlich über 400 m lang, war sie noch um einiges länger als der eigens für sie angelegt gewesene, 373 m lange, Gleisanschluß. Eine mehr und eine weniger steile Zufahrtsstraße führten zur Holzanlieferung zu ihr hinauf.

Aus ihrer Vorgeschichte ist zu entnehmen, wie es zum Bau dieser Anlage zur Holzverladung auf die Eisenbahn kam. Diese beginnt mit dem Bau der Ludwigsbahn von der "Ludwigschanze" (der Keimzelle Ludwigshafens) bis zum Saarland. Im Vorfeld der Fertigstellung deren Abschnittes von Neustadt nach Kaiserslautern, im Jahr 1848, erging an die bayerische Regierung in Speyer ein Gesuch, das auf die Einstellung der Holztrift zielte und um die politische Unterstützung hierfür warb. Die Initiatoren sind unbekannt, können aber in den Kreisen der Fabrikbesitzer im Neustadter und Lambrechter Tal vermutet werden. Im Kern lautete deren Vorgabe: "Sobald das zweite Schienengeleise gelegt ist, darf kein Scheit Holz mehr geflößt werden".

Das Gesuch fand bei der bayerischen Regierung nicht den gewünschten Anklang. Sie hielt dem Ansinnen soziale Aspekte entgegen. Vor allem war ihr an der Erhaltung der Arbeitsplätze gelegen, welche die Holztrift sicherte. Zur Verdeutlichung sei angeführt, daß die Holztrift allein im Elmsteiner Forst 400 Holzhauer in Lohn und Brot hielt! Hunderte weitere Arbeitsplätze kamen dazu, so für den Bau und die Unterhaltung der Triftanlagen, wie auch seitens der vielen Zulieferer. Und so erhielt die Trift noch einmal Rückhalt von höchster Stelle.

10 Jahre danach, 1858, erscheint in Zweibrücken eine 36 Seiten umfassende Streitschrift, mit der man sich erneut gegen die Holztrift wandte. Als deren Initiatoren geben sich diesmal die "Werksbesitzer des Neustadter Tals", unter die auch die Lambrechter Fabrikanten zu subsumieren sind, zu erkennen. Mit großer "wissenschaftlicher" Akribie werden in dieser Streitschrift zahlreiche Gründe gegen die Trift dargelegt. In grober Zusammenfassung lauten diese:

  • Die Trift sei eine rückständige Transportmethode, hauptsächlich durch den gewachsenen Landverkehr (sprich Ausbau von Straße und Eisenbahn als die bessere Alternative)
  • Die Trift sei aus natürlichen Gründen unrentabel, da wegen zu geringer Fließgeschwindigkeit der Bäche viel zu langsam. So würde ein "Flootz" bis zu 8 Tagen für eine Wegstrecke von 13-15 Stunden brauchen. Außerdem erfolge bei Hochwasser keine Trift, weil zu gefährlich, und auch längere Trockenperioden führten zu Triftausfall.
  • Die Trift schade der Qualität des Holzes. So könne es erst nach Lagerung von ca. 1 1/2 Jahren nach dem Schlagen, aufgepoltert auf den "Bollerplätzen", getriftet werden.

[Die Bezeichnungen "poltern", "bollern", entsprangen der Geräuschkulisse, wenn die gelängten Holzscheite zu bayerischen Klaftern (à 3,13 Ster) aufgesetzt wurden und dabei laut aufeinanderschlugen. Ähnliches geschah auch am Platz der "Holzboller", um die es hier geht, womit deren Nomenklatur so auch eindeutig erklärbar erscheint.]

Einwirkung von Feuchte, zu enges Aufpoltern, Zersplittern beim Flößen, Faul- und Sinkholz, wären weitere Minderungen der Holzqualität, die etwa 15 % der Gesamtmenge ausmachten und einen hohen finanziellen Ausfall bedeuten würden (Hauptargument gegen die Flößerei!)

  • Neben etlichen weiteren Argumenten gegen die Trift, sei lediglich noch angeführt, daß die "Werksbesitzer" in ihrer Streitschrift auch die Kosten für die durch die Trift entstehenden Schäden aufführten, und zwar mit 80.000 Gulden für die Industrie und 25.000 Gulden für die Landwirtschaft.

So diente diese Streitschrift wohl auch als "Klage-Begründung", mit der diese Angelegenheit schließlich in Zweibrücken - wahrscheinlich vor dem dortigen Appellationsgericht - anhängig wurde. Fünf Jahre dauerte der Rechtsstreit, dann wurde 1882 das Urteil zugunsten der "Werksbesitzer" gesprochen, wobei dieses sich hauptsächlich auf das "Privateigentum" (!) an den Bächen stützte.

Noch im Jahr dieses Rechtsurteils von 1882 erfolgte die Einstellung der Trift auf dem Hochspeyerbach und ab Frankeneck den Speyerbach abwärts. Für die Trift auf dem Speyerbach war damit an der Sattelmühle (vor Frankeneck) Endstation, so daß nach der dortigen Anlandung des Holzes, dieses nur noch mit Fuhrwerken (im Nahverkehr) bzw. mit der Eisenbahn (im Fernverkehr) weitertransportiert werden konnte. Das Abzeichnen dieser Situation veranlaßte bereits 1881 die so notwendig gewordene Einrichtung des "Holzverladeplatzes Frankeneck", in Kurzform die "Holzboller" genannt, um den Holztransport per Eisenbahn zu ermöglichen.

20 Jahre lang wurde die Holzverladeeinrichtung in Betrieb gehalten. Als Anlage im Hang mit steilen Zufuhrstraßen war die Holzzufuhr für die Fuhrwerke jedoch mehr als mühselig. So entschloß man sich im Jahr 1901 für die Bahn-Abzweigung zum Gelände des Güterbahnhofs an der westlichen Peripherie Lambrechts, wo die Topographie weit bessere Bedingungen bot (großes ebenes Gelände, Rangiermöglichkeit), und von dort weiter bis zur Holzanlande bei der Sattelmühle als Endstation. Im selben Jahr wurde dann auch der Betrieb der "Holzboller" aufgegeben. So bleibt als Fazit zum Schluß festzuhalten, daß die "Holzboller" bzw. ihre Reste ein Zeugnis des etappenweisen Niedergangs eines der ältesten pfälzischen Handwerke darstellen, nämlich dem der Holztrift oder Flößerei, welche mit dem letzten Triftgang im Jahr 1903 dann auch endgültig zum Erliegen kam.

Kartographie des Holzverladeplatzes ("Holzboller") bei Frankeneck  (westlich von Lambrecht):

Die Kartographie basiert auf einem Ausschnitt aus dem Urkataster, der 1858 erstmals und 1929 letztmals umgraviert wurde, modifiziert durch zusätzliche Beschreibungen, wie etwa die Angabe von Jahreszahlen, vor allem aber durch die "Nachgravur" der "Holzboller", welche nach den letzten Umgravierungen nicht mehr kartiert war. Mit dieser Kartograpie wird die "Holzboller" maßstäblich und somit realitätsnah wiedergegeben, mit ihrer deutlich über 400 m langen (braun eingefärbten) Verladerampe entlang der Ludwigsbahn (knapp vor Km 69,5 beginnend und unweit vor Km 69 wieder endend) und den (hellgrau eingefärbten) Zufuhrstraßen. Die Zufuhr ab der Sattelmühle über die Talstraße erfolgte noch über die alte Kreuzbrücke, wo direkt gegenüber der Staatsstraße dann die Zufuhrstraßen zur "Holzboller" ansetzten. Die heutige Strecke über die neue Kreuzbrücke ist auf der Kartograpie bereits rot "vorgemerkt", wobei die hierfür vorgenommene Umleitung des Speyerbachs (gerades Bachlaufstück parallel zur neuen Straßentrasse) bereits kartiert ist. Da die angegebenen Bahnkilometer sich auf den Endpunkt der jeweiligen Schienentrasse beziehen (bei der Ludwigsbahn die Endstation westlich von Homburg), macht die Angabe "Km 1,5" an der Bahn-Abzweigung von 1901 deutlich, daß diese nur bis zur Sattelmühle ging (erst 1909 erfolgte deren Verlängerung, später das "Kuckucksbähnel" genannt,  bis Elmstein!).


Auf einer Insel des Speyerbachs prägt eine "Schwarznuß" das Ortsbild Lambrechts

Bei meinen fotographischen Streifzügen durch Lambrecht zieht mich immer wieder ein ganz besonderer Baum in seinen Bann. Mitten auf einer Insel des Speyerbachs, an der hinteren Mühlstraße in Lambrecht, hat er seinen Standort. Was ihn dort so besonders macht, ist einmal, daß er in Lambrecht der einzigste seiner Art ist, desweiteren, daß er ein absoluter botanischer Schönling ist, wenn er mit dem einsetzenden Frühjahr sein markant grünes Blätterkleid überstreift, um dieses dann im Kontrast zum dunklen Waldhintergrund des Schauerbergs in Szene zu setzen. Vor allem, wenn dieses im Herbst zu einem sattgelben Farbspektakel mutiert, das so kraftvoll in sein Umfeld strahlt, daß es die Blicke magisch auf sich zieht.

Nach der absolut mehrheitlichen Meinung soll es sich bei diesem Exoten unter dem Lambrechter Baumbestand um eine "Schwarznuß" handeln, während sie eine Einzelmeinung für eine "Kumbernuß" hält. Nach beiden Auffassungen soll der Baum als "Schößling" nach Lambrecht gelangt und für den Lambrechter Unternehmer Hermann Becker bestimmt gewesen sein, wobei diesem nach der Einzelversion die "Kumbernuß" als Souvenir eines Amerikatrips von Freunden bzw. nach der Mehrheitsversion die "Schwarznuß" als Geschenk von einem Geschäftspartner bzw. Vertreter aus dem kleinasiatischen Raum überbracht worden sein soll.

Eine fachkundige Expertise bestätigt die fragliche Baumart als "Schwarznuß", so daß die herrschende Version hier richtig liegt. Jedoch verwirft sie deren Herkunftsdeutung, wenn sie ausführt, daß die "Schwarznuß" im Osten bzw. Südosten Nordamerikas beheimatet ist und darin mehr der Einzelversion entgegenkommt. Es scheint, daß bei beiden bisherigen Versionen etwas verwechselt wurde, so daß die Übernahme deren richtigen Teile zur korrekten Version führen dürfte, wonach die "Schwarznuß" wohl als Reisemitbringsel aus Nordamerika an Hermann Becker gelangt sein müßte.

Im Präferieren dieser glaubwürdigeren Variante ist fortzufahren, daß Hermann Becker, zu dem Zeitpunkt als ihm die noch "zarte Schwarznuß" anvertraut wurde, Inhaber der in Lambrecht ehemals ansässigen "Trifels-Wollgesellschaft" war (in den 50er-Jahren des vorigen Jahrhunderts). Diese hatte einst 400 Beschäftigte (!) und stellte Woll- und Tuchwaren (Kleidung u.a.) her, die im Großversand vertrieben wurden, noch bevor die Firmen "Otto" oder "Quelle" am Markt erschienen waren (!). Auch war Hermann Becker 1. Vorsitzender des Lambrechter Verkehrsvereins in dieser Zeit, was ihm große Heimatverbundenheit attestiert. So dürfte es ihm durchaus ein freudiges Anliegen gewesen sein, seinem Heimatort einen exotischen Baum zu spendieren, indem er den erhaltenen "Schößling" auf der Speyerbachinsel, am Rande seines Betriebsgeländes, in die Erde setzen ließ, damit er dort gedeihen möge.

Gewiß hatte er dabei auch die Vorstellung, daß sich hieraus einmal ein prächtiger Baum entwickeln würde, als eine Bereicherung der Lambrechter Pflanzenwelt. Hermann Becker war es jedoch leider nicht vergönnt, diese Entwicklung seines Baumes mitverfolgen zu dürfen, da ihn eine heimtückische Krankheit zu früh aus der tatkräftigsten Zeit seines Lebens riß. Sein Baum aber konnte tatsächlich, bestens behütet auf seiner Insel, stattliche Gestalt annehmen und dabei seine Krone immer weiter in den Himmel recken. So konnte dieser gewiß auch vieles in seiner Nachbarschaft miterleben, wie vor allem das große Unternehmen seines "Pflanzvaters" wirtschaftlich zum Erliegen kam und in dessen mächtigen und dominanten Gebäude an der Friedrich-Ebert-Brücke sich danach andere Firmen etablierten, bevor es dann 2008 schließlich abgerissen wurde, um Platz zu schaffen, für die heutige Anlage für "Generationen-Wohnen".

  

Die "Schwarznuß" auf ihrer vom Speyerbach umspülten Insel ist in ihrem markanten Grün, mit dem sie sich vom dunklen Schauerbergwald im Hintergrund abhebt, eine botanische Augenweide. Das kleine Bild rechts zeigt die braun-schwarzen und extrem harten Nüsse des exotischen Baumes.

Mit den Planungen dieses Projekts, aber auch schon für den benachbarten und nur kurz davor erstellten neuen Komplex des "Seniorenheims", sind für deren an den Speyerbach angrenzenden Bereiche auch Überlegungen einer schöneren und naturnaheren Gestaltung des Speyerbachs und seiner Uferzonen aufgekommen, mit Einbindung des Hochwasserschutzes. Dabei sahen die ersten Vorstellungen für diese "Renaturierung" etwa auch die Verfüllung des Mühlgrabens an der nördlichen Seite der Speyerbachinsel vor, auf der unsere "Schwarznuß" ihr Domizil hat. Was zur Folge gehabt hätte, daß mit einer solchermaßen geschaffenen Landverbindung die Insel ihre Existenz eingebüßt hätte und ihr Terrain so fortan auch zugänglich geworden wäre.

Offensichtlich berücksichtigten diese Vorstellungen nicht, daß auch die Kulturgüter der früheren wasserwirtschaftlichen Nutzung des Speyerbachs erhaltenswert sind! Aber auch, daß ein verfüllter Mühlgraben die Hochwassergefahr erhöht, statt gemindert hätte! Denn wenn dieser nach seiner Verfüllung das bisher von ihm aufgenommene Wasser nicht mehr hätte aufnehmen können, dann hätte dieses zwangsläufig der Speyerbach übernehmen müssen, was bei Hochwassergefahr dann zum berühmten "Tropfen" hätte werden können, um den Speyerbach dann zum Überlaufen zu bringen!

Desweiteren ist nach den Bemühungen ab den 1970er-Jahren zur Hebung der Wasserqualität des Speyerbachs, durch welche der zuvor größtenteils biologisch fast "tote Bach" wieder eine Neubelebung in seiner Fauna und Flora erfuhr, auf der betreffenden Insel ein Biotop vor allem für Wasservögel entstanden. Da die Insel (noch) nicht allgemein betreten werden kann, finden diese dort ein ungestörtes paradiesisches Refugium vor, wohin sie sich gerne zurückziehen, durch den Baum darauf zusätzlich noch von oben geschützt. Würde sich dort ein Ufertourismus breitmachen, wäre dieses "Vogelparadies" unweigerlich verloren!

    Die "Schwarznuß" im sattgelbem Herbstkleid

Auch der "Schwarznuß" könnte der freie Zutritt zur Insel letztendlich Gefahr bringen, wenn man an die zahllosen Beispiele denkt, wo Bäume auf einmal zu "Störfällen" wurden, um dann ihre Daseinsberechtigung zu verlieren. Würde unserer "Schwarznuß" ein solches Schicksal blühen, dann könnte sie uns nicht mehr ihr prächtiges herbstliches Farbenspiel zelebrieren oder uns den intensiven Zitrusduft ihrer unreifen Früchte wahrnehmen lassen, bevor diese dann sehr spät im Jahr zu braun-schwarzen Nüssen, ähnlich Walnüssen, mit extrem harter Schale ausreifen. Versagt bliebe uns auch ihr gewiß imposanter Anblick, den sie uns einmal bei Erreichen ihrer vollen Größe, dann bis zu  unglaublichen 50 Meter hoch (!), darbieten könnte. Vor allem aber würde die malerische Idylle in der Mühlstraße, die unsere "Schwarznuß" im Ensemble mit der mittelalterlichen Stützmauer, der alten Obermühle und dem Speyerbach, in entscheidendem Maße mitprägt, eine schwere Einbuße erleiden!

Daher ist die bisher angedacht gewesene "Renaturierung" (s.o.) auf jeden Fall zu verwerfen! Denn so umgesetzt, würde sie im relevanten Bereich eher mehr Natur zerstören als erschaffen und zudem die Hochwassergefahr eher vergrößern als vermindern! Letzteres wurde offensichtlich bei den neuen und aktuellen Überlegungen dazu (Stand März 2013) teilweise erkannt und berücksichtigt, indem nun der Mühlgraben erhalten bleiben soll. Allerdings soll weiterhin ein freier Zugang zur Insel geschaffen werden, diesmal mittels eines Stegs. Außerdem sollen Bänke zum Aufenthalt auf der Insel einladen. Damit bleibt das "Vogelparadies" (s.o.) weiterhin in Gefahr! Was keinesfalls dem Anspruch eines "Mühlen- und Kulturweges" gerecht werden dürfte, unter dieser Bezeichnung nun die "Renaturierung" konzeptioniert ist.

Mit einem solchen "Mühlen- und Kulturweg" entlang des Speyerbachs steigt der Anspruch übrigens recht erheblich. So müßten sich die Erfinder dieser "Wortschöpfung" auch ins Bewußtsein rücken, daß etwa das einst prächtige, 3,6 m Durchmesser aufweisende, Mühlrad der ehemaligen Obermühle, mittlerweile dem völligen Verfall nahe, vor dem endgültigen Untergang unbedingt bewahrt werden muß! Stellt es doch das letzte prägnanteste Relikt der im ehemaligen St. Lambrecht einst zahlreich vertretenen Mühlen dar (siehe -->Mühlen). Auch wäre die schwere, nach der 1000-Jahr-Feier, begangene Sünde zurückzunehmen, die schmale Verbindung durch das "Fischerviertel", zwischen dem hinteren Ende der Mühlstraße und dem "Unteren Kleinen Weg", zu schließen und so der Verwilderung preiszugeben. Stellt diese doch ein Original-Stück des historischen "Jakobswegs" als Zeugnis der ehemaligen St. Lambrechter Kloster-Kultur dar, mit dem dieser, nach seiner Passage am Speyerbach (an der heutigen Mühlstraße) entlang, in den oberen Hang des "Kleinen Wegs" geleitet wurde, wie auf dem bekannten Merianstich um 1640 dokumentiert (siehe -->Lambrecht (Pfalz) oder -->Mühlen). Man wird sehen, ob am Ende der nunmehr angedachte "Mühlen- und Kulturweg" derlei Ansprüchen gerecht werden kann.

 

(Fortsetzung folgt)

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