Vorbemerkung

Auf dieser Seite sollen in unregelmäßigen Abständen solche Themen erörtert werden, die nur geringe oder auch keine Bezüge zu den auf dieser Homepage bevorzugten Themen aufweisen bzw. von sekundärer Natur sind. So können hier die unterschiedlichsten Themen von unterschiedlichem Interesse anzutreffen sein.

Aktuell sind auf dieser Seite folgende Beiträge (bzw. Beitragshinweise) vorzufinden:

  • Das "tödliche Duell" zwischen Friedrich von Hirschhorn und Johann von Handschuhsheim im Jahr 1600
  • Der "Felsenkönig" von Speyerbrunn - Eine Felsenhöhle im Pfälzerwald war sein "Palast" - Über 50 Jahre Wohnung der Königsfamile
  • Einst rettete ein Frankensteiner "Ritter" den Bruder des Königs - Zum Dank dafür Felsbarriere an der "Eisenkehl" gesprengt
  • Das "Nonnental" im Osten Lindenbergs und seine Namensdeutung
  • Die "Haspeln" westlich von Lambrecht und die Deutung ihres Namens
  • Die "Alte Schanze" nördlich von Lindenberg - Ein Gebirgssattel im Pfälzerwald mit viel Geschichte
  • Der Ursprung des historischen Lambrechter Sommertagsfestes 1755 --->Brauchtum
  • Lambrechts ältester Grabstein, siehe --->Lambrecht (Pfalz)
  • Der Überfall auf das Kloster St. Lambrecht im Jahr 1332, siehe --->Lambrecht (Pfalz)
  • Altes Ortsschild erinnerte an die bayerische Zeit Lambrechts
  • Fröhliches Ostereierkippen in Winningen/Mosel
  • Artus - König der Realität oder nur der Sage?
  • Die "Teufelsschleife" in Lindenberg
  • Meckenheim (Pfalz) und Herzog Otto
  • Die Schlacht auf dem Lechfeld im Jahr 955, siehe --->Salierstadt


Das "tödliche Duell" zwischen Friedrich von Hirschhorn und Johann von Handschuhsheim im Jahr 1600

("Thema spezial" Nr. 15 v. 01.12.14)

Über dem Pfälzer Dorf Lindenberg, auf dem Kirchberg, thronte einst die Lindenburg. Sie bildete ein speyerisches Lehen, dessen letzten Lehensnehmer die Herren von Hirschhorn waren. Diese herrschten ab dem Jahr 1353 über die Burg, bis ihr Geschlecht im Jahr 1632 mit dem Tod von Friedrich von Hirschhorn (am 22. September) in der Manneslinie erlosch. Wobei der Letzte dieses Geschlechts mit dem Fluch belegt gewesen sein soll, ohne Nachkommen versterben zu sollen, wie es sich schließlich dann auch so begab.

Als Grund jenes Fluchs führt die Lindenberger Chronik (S. 37) eine (von Walther Möller in 'Hirschhorn, die Perle des Neckartales') überlieferte Schilderung an. Danach soll im Jahr 1600 Friedrich von Hirschhorn in einer vielleicht gar nicht ernst gemeinten Streitigkeit mit seinem jungen Freund, dem 17 Jahre alten Johann von Handschuhsheim, ein abenteuerliches Degenduell auf dem Marktplatz von Heidelberg ausgetragen haben. Auslöser hierfür soll ein vom Kurfürsten verliehener Degen nebst Wehrgehenk gewesen sein, den beide für sich beanspruchten. Das Duell soll mit einem anfänglich gar nicht gefährlichen Stich in den Oberschenkel Johanns geendet haben. Da die Wunde jedoch nicht ordentlich versorgt worden sein soll, hätte diese 14 Tage später zum Tode Johanns geführt. Er war der Letzte seines Geschlechts. Weshalb seine verzweifelte Mutter gewünscht haben soll, daß auch Friedrich von Hirschhorn als Letzer seines Stammes und Namens sterben möge.

Nach einer weiteren Darstellung dieses Vorfalls (von Jochen Goetze in 'Burgen im Neckartal') soll Johann von Friedrich auf offener Straße in Heidelberg erstochen worden sein. Dabei soll der Tat ein Streit um den Vorrang am Heidelberger Hof vorausgegangen sein. Dies sei zwar der aktuelle Anlaß gewesen, jedoch hätten Besitzstreitigkeiten zwischen den beiden Vettern den eigentlichen Hintergrund gegeben. Da man jedoch eine Bestrafung eines hohen pfälzischen Hofbeamten hätte umgehen wollen, wäre die Bluttat des Friedrich von Hirschhorn offiziell als Duell dargestellt worden!

Aus einer dritten Quelle erfahren wir über diesen Vorfall, daß im Dezember des Jahres 1600 am Heidelberger Hof ein (mehrtägiges) Fest gegeben wurde, wo es dabei, am 8. und 11. Dezember, zu zwei Morden (!) gekommen sein soll. Der zweite betraf, was sich zwischen Friedrich von Hirschhorn und Johann (Hans) von Handschuhsheim zugetragen haben soll. Danach sollen beide am Hof schon gehörig in Streit geraten sein und bei dessen Fortgang auf dem Marktplatz soll Friedrich dem Johann tückischer Weise und ganz unredlich seinen Degen so tief in den Oberschenkel gestochen haben, daß die Klinge beinahe unten am Knie wieder heraustrat. Friedrich schien danach von Johann kurz abgelassen zu haben, dabei aber seinen Degen in dessen Bein stecken lassend. Weshalb Johann, trotz allem verzeihend, Friedrich aufforderte, ihm den Degen wieder heraus zu ziehen. Worauf Friedrich wieder zu ihm trat und ihm nun den Degen in ganz grausamer und mörderischer Weise in der Wunde herumdrehte und ihm so alle Adern zerschnitt. Infolge dieser nun erst tödlichen Wunde verstarb dann Johann nach 20 qualvollen Tagen am 31. Dezember 1600, "ungeferlich" 16 Jahre alt.

Diese letzte Quelle, die unter ---> www.heiligenberg-bei-heidelberg.de wohl in voller Transkription der Originalurkunde nachzulesen ist, scheint aufgrund ihrer dortigen mittelalterlichen Diktion mit ihrer Fülle an Details zum Tathergang auch die authentische zu sein. Auf sie bezieht sich wohl auch die zweite Darstellung, wenn sie von einer "Bluttat" und damit von Mord spricht angesichts eines überaus grausamen und heimtückischen Tathergangs. Und so ist deren Folgerung auch schlüssig, daß die Schilderung als Duell nur als Vertuschung eines durch einen hohen Hofbeamten begangenen Mordes zu interpretieren ist. Was auch die betreffende Schilderung im weiteren, wonach Friedrich von Hirschhorn sich mehrmals bei der Mutter von Johann von Handschuhsheim entschuldigt sowie zur Buße ein Stipendium für Heidelberger Studenten gestiftet habe, hinsichtlich der Aufrichtigkeit nicht sehr glaubhaft erscheinen läßt.

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Der "Felsenkönig" von Speyerbrunn - Eine Felsenhöhle im Pfälzerwald war sein "Palast" - über 50 Jahre Wohnung der Königsfamilie

("Thema spezial" Nr. 14 v. 01.09.14, Vers. 1.1)

Er wäre sicherlich gerne seinem Namen nach, auch in bescheidenerem Maße, ein richtiger und mit Reichtum gesegneter König gewesen, aber so war er nur ein, den schlimmen Unbilden seiner Zeit ausgelieferter, armer Tropf, dieser Johann König. Aus Siebenbürgen (heute Rumänien) stammend war er ein Untertan des österreichischen Kaisers, der ihn zu seinem Soldaten machte, zu einer Zeit, in der reichlich blutige Schlachten geschlagen wurden.

Als großer Sieger dabei hatte sich Napoléon zum Beherrscher des europäischen Kontinents aufgeschwungen. Nur wenige trotzten ihm noch. So England, dessen Widerstand er mit seiner 1807 verhängten Kontinentalsperre zu brechen suchte, und Rußland, das noch ein Waffengang seiner siegreichen "Grand Armée" zur Raison zwingen sollte.

Doch sein am 24. Juni 1812 begonnener "Rußlandfeldzug" endete in der Katastrophe. Was für seine Gegner, voran Rußland und Preußen, zum Signal für den offenen Kampf gegen Napoléon wurde. Um den drohenden Verlust Deutschlands aufzuhalten, entschloß sich dieser nach Berlin vorzustoßen. Den Feldzug dazu eröffnete er am 11. März 1813. Es folgten acht blutige Schlachten, bis es dann vom  16. bis 19. Oktober zur finalen Schlacht bei Leipzig kam, die als "Völkerschlacht" in die Geschichte einging und nach der Napoléon am Ende unterlegen den Rückzug antreten mußte.

Nicht völlig geschlagen, war ihm noch ein größerer Rest seiner "Grande Armée" verblieben, der allerdings zunehmend in Erosion begriffen war. Weshalb Napoléon so schnell als möglich wieder französischen Boden zu gewinnen suchte. Rasch überquerte er die Saale, danach bei Freiburg-Eckardtsberga das Schlachtfeld von Auerstedt, und eilte immer weiter westwärts und dann über Fulda auf Frankfurt zu. Zwar wurde seine Verfolgung aufgenommen, aber die dafür in Marsch gesetzten Kolonnen verloren zeitweise den Kontakt zu ihm. So kam Napoléon am 29. Oktober 1813 nach Hanau voran, wo er starken Feind bemerkte.

Bei diesem handelte es sich um 28 000 Bayern und 24 000 Österreicher, die schon am 13. Oktober nach Bamberg in Marsch gesetzt wurden und dann über Würzburg, Frankfurt und Fulda den Franzosen in den Rücken fallen sollten. Mit seiner inzwischen auf nur noch 17 000 Mann geschrumpften Streitmacht gelang Napoléon dennoch ein wuchtiger Angriff, der ihn über die große Übermacht siegen ließ. Unter den Verlierern dieser Schlacht treffen wir nun auch wieder auf unseren armen Johann König, der gewiß "königlich" gegen den französischen Kaiser gekämpft hatte, aber nun mit zahllosen weiteren Gefangenen zu dessen Beute geworden war.

Zwar so glücklich dem Schlachtentod entronnen, schwante diesem nun aber erneutes Übel. Nämlich als Gefangener des Franzosenkaisers dazu bestimmt zu sein, dessen erlittenen enormen Verluste an Soldaten kompensieren helfen zu dürften und so am Ende doch wieder "vom Regen in die Traufe" zu kommen. Und so beobachtete er bei seinem Transport nach Frankreich mit sicherlich großer Aufmerksamkeit, wie immer wieder französische Soldaten von Napoléon abfielen und im mehr ungeordneten und unübersichtlichen Eilmarsch die Gunst nutzten, um zu dessertieren. Und so sollte sich bei Landstuhl ihm selbst ein günstiger Augenblick bieten, sein Heil in der Flucht zu suchen.

  
 
Eine Station nach seiner Flucht war für Johann König die Wappenschmiede in Elmstein (linkes Bild) mit ihrem Hammerwerk (Bild rechts)


Diese gelang und führte ihn nach Elmstein, in dem nach dem Ort benannten Elmsteiner Tal. In der dortigen Wappenschmiede fand er beim Schmied Johann Adam Lanz eine Arbeit. Alsbald lernte er eine Frauensperson aus Speyerbrunn kennen und tat sich mit dieser, die zwei Kinder mitbrachte, zusammen. Zuerst in Mückenwiese, wo das allem Anschein nach in "wilder Ehe" lebende Paar aber nicht geduldet wurde. Und so verzog sich dieses unter einen Felsen im Hainbuchenteich, mußte diesen aber wieder verlassen, als er abzurutschen drohte. Bei der weiteren Suche nach einer Wohnung wurde das Paar schließlich bei Speyerbrunn, von dort ein paar 100 Meter in das Erlenbachtal hinein, fündig: wieder eine Felsenhöhle, welche König mit seiner Familie dann um 1814/15 dauerhaft bezog.



Das Örtchen Mückenwiese mit seinem ortsbildprägenden Sägewerk, wo Johann König und seine Lebens-gefährtin versuchten, seßhaft zu werden, jedoch schon bald vertrieben wurden, um dann bei Speyerbrunn ihre "Felsenhöhle" als endgülige Wohnung zu beziehen





Bei Speyerbrunn fand Johann König mit seiner Familie dann sein dauerhaftes Wohndomizil: Eine Felsenhöhle, die nach ein paar hundert Meter knapp oberhalb an dem von Speyerbrunn  nach Erlenbach abzweigenden Sträßchen lag


Das neue Felsendomizil in der stillen Waldeinsamkeit des hinteren Elmsteiner Tals und weit ab von jeglicher böser Nachbarschaft, sollte der Königsfamilie eigentlich ein ungestörtes Wohnen bieten. Aber auch hier war ihr dieses nicht vergönnt. Denn im Elmsteiner Tal waren die Lebensverhältnisse zu jener Zeit sehr schlecht. Und wer mittellos und gesellschaftlich geächtet war, wie die Königsfamilie, für den traf dies um so mehr zu. Und so mußte sich diese mit Besenbinden, Bettel und Frevel mehr schlecht als recht über Wasser halten, was sie nur mehr in Elend und Verachtung trieb. Und so wurde sie mit ihrer "schauervollen Wohnung" zum Ärgernis, weshalb auch die bayerische Obrigkeit sich berufen fühlte, dagegen einzuschreiten.

Grund war, daß unter der kurfürstlich/leiningischen Herrschaft vor 1794 für Forstarbeiten benötigte Holzhauer seßhaft gemacht wurden, indem man diesen auch Land überließ. Was günstiger war, als immer wieder auswärtige Holzhauer in die abgelegenen Wälder holen zu müssen. Dabei kam es auch zu Übergriffen auf angrenzenden staatlichen Wald (z. B. durch die Viehhaltung). Wodurch Flächen nicht mehr eindeutig dem "Staats Aerar" zugeordnet werden konnten und so auch kein sicherer Zugriff darauf (z. B. für Besteuerung oder Behebung von Mißständen) möglich war. Da man in der Summe der so vakanten Flächen von einem beträchtlich großen Gebiet ausgehen mußte, war die Obrigkeit an einer Klärung interessiert. Dazu strebte sie vor allem auch die Auflösung von Kleinstsiedlungen durch Umsiedlung an. Schon unter französischer Herrschaft wurde damit begonnen, was dann unter der nachfolgenden bayerischen Regierung fortgesetzt wurde.

Diese hatte inzwischen die Oberfrankenweide, in der auch des "Felsenkönigs" Felsendomizil lag, dem Elmsteiner Forstamt unterstellt, das, um alle Mißstände (wie vor allem Waldfrevel und Wilddieberei) abzustellen, wie auch zur Verbesserung der Lebenssituation (z. B. Schulbesuch für die wild  aufwachsenden Kinder) oder auch zur besseren Kontrolle der Bewohner, eine Umsiedlung nach der Ortschaft Hofstätten plante, wofür den Betroffenen 200 Gulden zur Abfindung angeboten wurden. König selbst sollte als österreichischer Migrant nach Österreich ausgeliefert werden, weshalb an ihn die Aufforderung erging, seine Höhle zu verlassen. Doch er widersetzte sich.

Was die Umsiedlung der Kleinsiedlungen, wie etwa Erlen- oder Schwarzenbach, anging, so setzte die Forstverwaltung dort ebenfalls an den menschlich erbärmlichen Verhältnissen an. Diese bestanden zum einen in primitivsten Behausungen, zumeist aus Hütten mit nur einem Raum, in denen vielköpfige Familien wie zusammengepfercht vegetierten. Hinzu kamen die Rechtszuständigkeiten, die etwa für Kirch- oder Behördengänge nach Wilgartswiesen stramme fünfstündige Märsche erforderten. Weshalb für Beerdigungen der Transport von Leichen nach dorthin im Winter schier unmöglich war. Und so begrub man diese, ohne Beisein eines Geistlichen (!), häufig sang- und klanglos im näheren Hofstätten. Aber nach dorthin umsiedeln widerstrebte den Waldbewohnern dennoch, stattdessen verlangten sie die Eingliederung nach Elmstein. Letztlich entschied die Forstverwaltung, von der Umsiedlung abzurücken und mit der Abtretung von Land für bessere Lebensverhältnisse zu sorgen.

Die gewünschte Eingliederung nach Elmstein wurde den Waldbewohnern allerdings versagt, aufgrund alter Rechte, die auf einem Weistum des 14. Jahrhunderts beruhten und seither Elmsteiner Neubürgern eine Holzberechtigung gewährten. Hiernach hätte eine Eingliederung (erst 1976 kam es dazu) die Mißstände um das vakante "Staats Aerar" nur zu einem dauerhaften Zustand gemacht. Erhielten aber die Kleinstsiedlungen so nun ein "Bestandsrecht", sollten "Einzelwohnstätten" im Wald dagegen der Garaus gemacht werden. Und so wurde nun auch gegen den "Felsenkönig", der seine Höhlenwohnung inzwischen durch eine 18 Fuß (etwa 6 Meter) lange Mauer vergrößert hatte, wofür er 1823 zu deren Abriß verurteilt wurde, im Jahr 1827 mit größerem Nachdruck vorgegangen. Aber weder von Geldstrafe (die der bettelarme König ohnehin nicht bezahlen konnte!), noch durch sonstige behördliche Anordnung ließ sich König vertreiben.

Die Mauer wurde zwar 1828 in Exekution des Urteils von 1823 wieder abgerissen, aber sonst blieb Königs Höhlenwohnung unbeschadet. So auch von der 1829 erörterten Absicht, den "Königsfelsen" einfach wegzusprengen! Weiterhin blieb aber die Ausweisung nach Österreich bestehen, der aber sich Johann König auch weiterhin widersetzte. Nach der 1930 beschlossenen Belassung der Siedlung Speyerbrunn, erfolgte 1831 die Vermarkung der den dortigen Siedlern überlassenen Flächen, wobei die nahe Felsenwohnung Königs dabei ausgenommen wurde. Mit der 1839 einsetzenden Katastervermessung wurde diese dann unter Flächennummer 4729 in der Größe von 0,02 Tagwerk erfaßt.

Im Jahr 1839 verstarb Johann König. Die Hinterbliebenen lebten weiterhin in der Felsenhöhle. Die erwachsenen Töchter und dazugesellte Mannspersonen gründeten sogar neue Familien. Da man auch diese, wie schon die Familie des Johann Königs selbst, als "Ausländer" ansah, wurde erneut deren Ausweisung angedacht. Doch nahm man wieder Abstand davon, da sie bereits mehr als 25 Jahre in der Höhlenwohnung lebten.

Nun sollte 1842 eine Sprengung des Felsens endgültig zum Ziel führen, um mit seinem Gestein den nahen Erlenbach zum kanalisierten Triftbach ausbauen zu können. Aber Mutter König widersprach unter Hinweis, daß nur allergrößte Not ihr das Leben im Felsenunterschlupf aufgezwungen habe und daß sie die Höhle nicht verlassen könne, um sich dann mittellos unter freiem Himmel wieder zu finden. So könne sie der "Staat doch nicht vertilgen wollen", sondern müsse ihr darum zu einem kleinen Häuschen verhelfen. Und so blieb Mutter König, zusammen mit zwei erwachsenen Töchtern und deren Männern, mit je zwei Kindern, dazu noch ein Sohn und eine Tochter (zus. 11 Personen, wobei zwei Kinder auswärts lebten), in der Höhle weiter wohnen.

Abermals wurde dann 1844 ein Anlauf genommen, die Bewohner aus der Felsenwohnung zu locken, indem diesmal eine Summe als Abfindung angeboten wurde, um damit ein Häuschen woanders erbauen zu können. Doch die alte Mutter König wandte ein, daß sie als alte Frau nichts mehr mit Geld anfangen könne, allenfalls in ein angebotenes Häuschen gerne einziehen würde. Und so scheiterte auch dieser Versuch, nach dem dann noch einmal 20 Jahre im Hin- und Herwanken zwischen gesetzlichem Einschreiten und der Suche nach gütlichen Lösungen vergingen, bis Mutter König dann im 82. Lebensjahr verstarb.

Danach wurden 1865 mit den Hinterbliebenen Verhandlungen aufgenommen. Doch diese scheiterten an Zwistigkeiten unter den Familienmitgliedern. Erst als dann 1867 erneut über eine Abtretung der Felsenwohnung verhandelt wurde, fanden sich alle Familienangehörigen bereit, gegen 200 Gulden Abfindung ihre Felsenhöhle aufzugeben. Und so blieb noch zu regeln, daß die mittellosen Felsenbewohner woanders ein Unterkommen fanden, wofür die Gemeinde Wilgartswiesen die Fürsorge übernahm. Endlich konnte dann 1868, nach 54/55 Jahren, mit der Abfindung der Familienmitglieder die Felsenwohnung des Johann König in staatlichen Gewahrsam kommen, um danach dann durch Sprengung für immer unbewohnbar gemacht zu werden.



Gesprengt und so zum Wohnen unbrauchbar gemacht: Der Fels, welcher Johann König und seiner Familie einst als Wohnung diente und dessen Reste man noch heute vorfinden kann (ca. 30 Meter vor dem Wohnhaus Erlenbachstraße 3, wo in früheren Jahren ein Schild einen Hinweis gab und ein kurzer Zick-Zack-Weg im Hang über der Straße zum "Königsfelsen" führte)

 

Der gesprengte Fels liegt so immer noch an seinem ursprünglichen Platz, mit seinen Spuren von einst getünchten Flächen, die seine ehemalige Benutzung als Felsenwohnung so noch heute erkennen lassen. Er ist somit ein Zeugnis für die erbärmlichen Lebensverhältnisse, wie diese insbesondere im frühen 19. Jahrhundert im hinteren Elmsteiner Tal noch überwiegend vorherrschten. So dürften gewiß auch noch derart viele Elendsgeschichten existieren, allerdings nur im Verborgenen, indem die Zeit nur spurlos über sie hinwegstrich. Daß die des "Felsenkönig" der Nachwelt überliefert wurde, liegt wohl hauptsächlich in der Dramatik des von Johann König (und seiner Familie) gegen unmenschliches Gesetz und obrigkeitliches Ansinnen geführten Existenzkampfes, der über ein halbes Jahrhundert gewiß viele Menschen in Atem hielt. Erst danach dürfte auch ein ihr gewiß anhaftender romantischer Schimmer dazu beigetragen haben, daß uns Leben und Schicksal des Johann König auch heute noch rührt.

Die Geschichte des "Felsenkönig" war übrigens Vorlage für ein Theaterstück aus der Feder von Karl Heinz Himmler, das erstmals 1988 beim Heimatabend in Lambrecht mit großem Erfolg zur Aufführung kam. Ein Versuch es danach als Freilichtspiel in Speyerbrunn, am Platz bei der Floßwoog, nahe am authentischen Ort des historischen Geschehens, aufzuführen, scheiterte leider. Vielleicht wurde damit eine Chance verpaßt, zur Hebung des Fremdendverkehrs ein attraktives Festspiel mit Bezug zur Heimatgeschichte zu etablieren, das gewiß Fremde angezogen hätte. Aber vielleicht finden sich noch Interessenten, um in diese Richtung zu agieren. Die Geschichte um den "Felsenkönig" wäre auf jeden Fall immer noch ein Versuch wert!

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Einst rettete ein Frankensteiner "Ritter" den Bruder des Königs - Zum Dank dafür die Felsbarriere an der "Eisenkehl" gesprengt

("Thema spezial" Nr. 13 v. 01.09.14)

Mit den durch die Französische Revolution ausgelösten Revolutionskriegen (siehe dazu auch Thema spezial Nr. 10 unten) fiel das linksrheinische deutsche Gebiet und damit auch die Pfalz in die Machtsphäre Frankreichs. Mit der Besetzung durch die Franzosen (1794) geriet auch der pfälzische Adel zunehmend in Bedrängnis. Denn wer gegen die revolutionären Ideen der neuen Französischen Republik aufbegehrte, die sich vor allem gegen das Herrschaftsmonopol des Adels wandten und dafür die Herrschaft des Volkes favorisierten, dem drohte das Schafott! Um den Kopf nicht zu riskieren, blieb für Adlige daher nur die Flucht in die vor den Franzosen sicheren Gebiete.

So entschloß sich auch Maximilian von Zweibrücken, ein Pfälzer Wittelsbacher aus der Linie Zweibrücken-Birkenfeld, dazu, nachdem die Franzosen Zweibrücken besetzt hatten, wo er 1795 (bereits unter französischer Besatzung!) die Herzogswürde erlangt hatte. Er regierte später als Kurfürst ab 1799 die Kurpfalz (als Nachfolger von Kurfürst Karl Theodor) bis 1803 sowie Bayern bis 1805. Als Bayern am 1. Januar 1806 Königreich wurde, erhob man ihn zum ersten bayerischen König und so regierte er als solcher Bayern bis 1825.

Ebenfalls die Flucht ergirff der Bruder Maximilians, Karl-August von Zweibrücken, wohl zu einem kritischeren Zeitpunkt und somit unter höherer Gefahr, von den Franzosen entdeckt und ergriffen zu werden. Weshalb dieser auf besondere Hilfe von dritter Seite angewiesen war. Er fand diese am westlichen Ende von Frankenstein, wo heute der dortige "Landgasthof Schloßberg" Gäste und Ausflügler bewirtet.

    Der Landgasthof bei Frankenstein

Der Gastronomiebetrieb steht auf einem Areal mit weiteren, größtenteils dem Verfall bzw. dem Abriß geweihten, Gebäuden sowie mit in den dort angrenzenden Fels getriebenen Gewölbekellern. Letztere dienten einer ehemaligen Brauerei als kühle Lagerstätte für ihren Gerstensaft und noch in jüngerer Zeit als "Felsen-Restaurant" mit Namen "Ritter-Keller" und worauf eine große metallene Rittergestalt an der dort vorbeiführenden Straße (B 37) hinwies. Vorbild dieser "Rittergestalt" bzw. des "Ritter-Kellers" war weder ein Ritter der nahen Burgen Diemerstein oder Falkenstein, noch ein sonstiger eisengerüsteter Urahne aus dem Mittelalter, vielmehr Karl-Adolph Ritter, der als Kaiserlich-Österreichischer Reichsposthalter auf dem besagten Areal einst seine Posthalterei betrieb. An diesen hatte sich der Zweibrücker Adlige in seiner Not gewandt und um dessen Hilfe gebeten.

 
 
Der geschlossene Eingang zum ehemaligen Felsen-Restaurant "Ritter-Keller" (Bild links) und darüber die Sandsteintafel mit der Inschrift: "Erbaut durch Karl u. Katharina Ritter 1864"

Zu dieser Ehre war Ritter gekommen, weil er mit Karl-August von Zweibrücken freundschaftlich verbunden war. Dieser hatte wohl schon bei früheren Reisen auf Ritters Posthalterei Station gemacht und Einkehr gehalten. So wie viele andere Adlige auch, darunter auch solche von höchstem Stand und Rang. Selbst in gehobenem Wohlstand lebend und in gewandtem Umgang versiert, war Ritter so zu einem beliebten Gesprächspartner vieler Adliger geworden und pflegte sogar vielfach ein freundschaftliches Verhältnis zu diesen. Günstig war, daß Ritter auch den neuen französischen Herren seine Dienste erwies, für die er Wertsachen und Depeschen beförderte, so daß er auch deren Vertrauen genoß. Weshalb es besonders klug erschien, daß Karl-August sich an diesen einflußreichen Freund wandte.

Und so nutzte dieser seine Bewegungsfreiheit für seine Dienste, indem er seinen adligen Freund in die Montur eines Kutschergehilfen schlüpfen und so auf dem Kutschbock neben sich Platz nehmen ließ, um diesen dann durch das Tal, über Weidenthal, Neidenfels, Lambrecht nach Neustadt, und dann die Rheinebene hinab, nach dem sicheren Mannheim zu kutschieren. Dabei nutzte er seinen Bekanntheitsgrad sowie Passierscheine von höchster Stelle des französischen Militärs, um an den französischen Posten, ohne daß diese Verdacht schöpften, unbehelligt vorbeizukommen, so daß Karl-Augusts Flucht glücken und dieser dann von Mannheim aus nach München weiterreisen konnte.

Als 1816 die Französische Zeit für die Pfalz beendet und diese an Bayern gekommen war, fand sich auch wieder der bayerische Adel auf der Posthalterei von Karl-Adolph Ritter ein, darunter auch häufiger Angehörige des Königshauses, von welchem Ritter für seinen Husarenstreich um die Rettung des Bruders von König Maximilian den bayerischen Ehrendegen verliehen bekommen hatte. Bei einem dieser Besuche kam wohl auch die Rede auf eine ehemals mächtige Felsbarriere bei der Eisenkehl, die zu einem fast zwei Kilometer langen Umweg bei der Verbindung von Weidenthal nach Frankenstein zwang. Dieser für Postkutschen und Fuhrwerke schwierige und gefährliche Weg führte vor dem heutigen Sägewerk bei der Eisenkehl nach links und am Bach entlang bis zur "Wettermannshütte", bevor dann im Jahr 1824 der Felsdurchstich bei der Eisenkehl die direkte Verbindung von Weidenthal nach Frankenstein (bzw. umgekehrt) schuf.

Beauftragt und finanziert wurde diese Straßenbaumaßnahme von König Maximilian I. von Bayern, der damit wohl Karl-Adolph Ritter abermals seinen Dank für die tollkühne Rettung seines Bruders bezeugen wollte, um Kutschen so auch einen schnelleren und gefahrloseren Weg zu bereiten. Wovon auch die heutigen Chauffeure mit ihren modernen "Motor-Kutschen" davon profitieren und sich ihrerseits bei seiner Majestät für die gute Tat bedanken können. Deren zu gedenken die große gußeiserne Tafel mit der Inschrift, "MAXIMILIANUS IOSEPHUS - REX BAVARIAE - RUPEM PANDIT - VIAM CONDIDIT - MDCCCXXIV", an der geglätteten Felswand beim Sägewerk an der Eisenkehl gewidmet ist und die so bekundet, daß "Maximilian Joseph, König von Bayern, den Fels sprengte und den Weg ebnete, im Jahr 1824".

  
Die abgetaufte und geglätte Wand beim Sägewerk an der Eisenkehl (Bild links) deutet die Mächtigkeit der ehemaligen Felsbarriere an, die einst die direkte Verbindung von Weidenthal nach Frankenstein versperrte und zum zwei Kilometer langen Umweg zwang. Die Beseitigug des Hindernisses dokumentiert die an ihr angebrachte gußeiserne Tafel (Bild rechts)

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Das "Nonnental" im Osten Lindenbergs und seine Namensdeutung

("Thema spezial" Nr. 12 v. 02.01.14)

An der Ostgrenze der Gemarkung von Lindenberg befindet sich das "Nonnental". Dessen kleine Talsiedlung dort bildet, bis auf das nördlichste Anwesen, das zu Neustadt gehört (zuvor Gimmeldingen), eine Enklave Lindenbergs, welche gleich nach dem Verlassen des westlichen Stadtgebiets von Neustadt Richtung Lambrecht, nördlich der B39 liegt. Als dort noch die "Gaststätte Nonnental" betrieben wurde, war diese ein beliebtes Ausflugsziel, wohin an Sonn- und Feiertagen ganze Scharen aus der Umgebung pilgerten.

    ehemalige "Gaststätte Nonnntal"

Sagen spinnen sich um das kleine Tal, die von Nonnen und ihrem ehemaligen Kloster handeln. So erscheint dessen Namensbezeichnung hiermit auch schon eindeutig, zumal angebliche Reste eines Klosters auf dem nahen "Schwalbeneck", im nördlichen Berghang über dem Nonnental, dies zusätzlich suggerieren, gemeinsam mit einem mutmaßlichen "Ableger" des einst nur wenig oberhalb des Speyerbachtals gelegenen St. Lambrechter Nonnenkonvents vom Orden der Dominikaner.

Nichts ist davon haltbar! Die angeblichen Klosterreste auf dem "Schwalbeneck" entpuppen sich als Phantasie eines zur Aufschneiderei neigenden Geschichtslehrers, während für die Ableger-Version", außer ihrer schwachen Indizierung, keinerlei Nachweise existieren. Insbesondere steht der "Kloster-Theorie" aber entgegen, daß das "Nonnental" erst in jüngerer Zeit zu seinem heutigen Namen fand. So wurde dieses im Jahr 1670 regelmäßig noch als "Wundental" bezeichnet. Daraus wurde dann zunächst "Nunnental" abgeleitet, bis hieraus schließlich dann "Nonnental" als endgültiger Name entstand.

Die früheren Bezeichnungen des "Nonnentals" geben dann auch Hinweise auf das Beschneiden von weiblichen Schweinen. Der Grund hierfür war das Verhindern von Kreuzungen der domestizierten mit den wilden Schweinen während der damals noch traditionellen Waldweide. Dabei wurden die Schweine zum Eckrich, zur Glatt- oder auch Schmalzweide (auch Eichelmast!) in den Wald eingetrieben, wobei diese dort tage- und nächtelang verblieben. Die deshalb beschnittenen Sauen bezeichnete man als "Nunnen" (in der älteren Ausdrucksweise), woraus dann durch sprachliche Abwandlung "Nonnen" wurde. Die dem Gewerbe solcher Beschneidungen nachgehenden Personen nannte man daher auch "Nunne(n)macher" bzw. "Nonne(n)macher", woraus Familiennamen entstanden, die man heute noch vorfindet.

Zu diesem Handwerk scheint für das "Nonnental" einst tatsächlich auch eine Verbindung bestanden zu haben. Denn in seiner unmittelbaren östlichen Nachbarschaft, auf Neustadter Gebiet, befand sich früher das sog. "Neuhäusl". Es soll sich dabei um einen alten bäuerlichen Aussiedlerhof gehandelt haben, der vermutlich durch den Bau der Ludwigsbahn (1849) in Abgang gekommen ist. Möglicherweise stammten "Rottstücke" (gerodete Waldflächen), ein "Mauerweg" (ein mit Trockenmauern befestigter Weg), und eine "Stangenhütte" (vermutlich ein offener Holzstall) gemäß einer alten Beschreibung der im Nonnental verlaufenden Gimmeldinger Grenze noch von diesem Aussiedlerhof. Und wahrscheinlich wurden dort Schweine aufgezogen und aus dem genannten Grund beschnitten.

Diese in der Schweinezucht früher gängige und im 18. Jahrhundert mit der Ablösung der Waldweide durch die Stallhaltung aufgegebene Praxis (heute von der sehr umstrittenen Kastration der männlichen Ferkel abgelöst, um den Ebergeruch zu vermeiden) dürfte also maßgeblich auf die Nomenklatur für das "Nonnental" eingewirkt haben, so daß der Hintergrund hierfür, so sehr sich dieser auch einem als klerikaler aufzudrängen versucht, von eigentlich recht profaner, wenn auch spezieller, Natur ist.

Das bereits oben erwähnte "Schwalbeneck", eine größere ebene Waldfläche nördlich über dem Nonnental, bildete wohl zur Zeit der Waldweide eine (Lindenberger) Unger, wo das Vieh weiden konnte. Wobei westlich vom Nonnental über eine alte Hirschhorner Steige eine direkte Verbindung nach dort hinauf bestand. Noch heute ist das "Schwalbeneck" durch Reste alter Trockenmauern charakterisiert, die wahrscheinlich die Fundamente von Stangenhütten als Tierställe bildeten, wo einst die Tiere zum Schutz vor Unwetter und vor Wildtieren untergebracht wurden (andere Deutungen, wie "Bergfestung" oder "Kloster", sind reine Phantasie). Der Name "Schwalbeneck" rührt wohl daher, daß das dort weidende Vieh sicherlich viele Insekten anlockte, so daß sich dort "Schwalben" ansiedelten, für die die Insekten eine hervorragende Nahrungsgrundlage bildeten.

(Siehe auch Ausführungen mit Kartographie über die im bzw. beim Nonnental einst verlaufende Grenze des östlichen Hirschhorner Herrschaftswaldes um die ehemalige Lindenburg unter -->Wald Hirschhorn).

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Die "Haspeln" westlich von Lambrecht und die Deutung ihres Namens

("Thema spezial" Nr. 11 v. 28.02.13)

In der Lambrechter Chronik wird auf die Lambrechter Flur- und Gewannamen hauptsächlich im Kapitel "Die Gemarkung, b) Flurnamen (S. 249 ff.) eingegangen. Auch nach Herausgabe der Chronik (1978) folgten immer wieder mal ausführliche Beiträge in der lokalen Berichterstattung darüber. Dabei konnte die Herkunft der Lambrechter Flurnamen meist eindeutig geklärt werden, bis auf wenige darunter, für die mehrere Deutungsmöglichkeiten infrage kommen oder die noch völlig rätselhaft erscheinen. Zur letzten Spezies zählen etwa die "Haspeln", wo sich bisher die Geister schieden, wenn es um deren Namensherkunft ging. Dem Rätsel um ihren Namen wollen wir daher nachfolgend einmal nachspüren. 

Geographisch liegen die "Haspeln" eigentlich im äußersten Westen von Lambrecht, wo sie einmal den unteren Berghang ab dem Schorlenberg umziehen, schon dicht vor Frankeneck mit "Vorderer Haspel" beginnend und danach (knapp vor der Sattelmühle) in "Hinterer Haspel" übergehend. Die beiden "Haspeln" bilden mit dem ihnen (gegen Lambrecht hin) vorgelagerten Gewann "Schorlenberg" einen früheren Ackersaum, für den heute vor allem viele Streuobstwiesen im Bereich dessen früheren Ausdehnung chrakteristisch sind. Weiter liegt im Waldhang darüber, etwa über dem Übergang zwischen "Vorderer Haspel" und "Hinterer Haspel", die Waldabteilung "Erster Haspel", an welche sich mit "Zweiter Haspel" und "Dritter Haspel" zwei weitere Waldabteilungen über die Sattelmühle hinweg und bis über das "Völkel-Tal" hinaus anschließen. Mit von diesen Waldabteilungen rührt wohl auch die Begriffsbildung für den "Haspel-Berg" her, der südwestlich an den Schorlenberg ansetzt.

Daß die Bezeichnung "Haspel" so häufig und so eindeutig - ohne Abweichung in der Schreibweise - vorkommt, gebietet, daß wir diese Bezeichnung auch so für ihre Namensdeutung annehmen und nicht spekulieren, daß sie durch eine Lautverschiebung, wie etwa von der "Espe" (= Zitter-Pappel), abgeleitet worden sein könnte. Demnach dürfte die Klärung des Begriffes "Haspel" somit auch zielführend sein. Nach den Definitionen in einschlägigen Wörterbüchern bedeutet "Haspel" etwa 'Hebevorrichtung, Seilwinde, Gerät zum Auf- und Abwickeln, Garnwinde, Spule, Walze', und in Verbform "haspeln", 'auf eine Haspel auf- oder davon abwickeln', wobei "verhaspeln" bedeutet, 'sich beim Sprechen verwirren' (siehe etwa Wolfgang Pfeifer, Etymologisches Wörterbuch der Deutschen, DT-Verlag München, 5. Aufl. 2000). In allen Definitionen kommt als Sinn der "Haspel" zum Vorschein, daß etwas 'geordnet, sauber aneinandergereiht etc.' und so sich nicht mehr 'verheddern, verhaken, verknoten, verknäueln etc.' könnend, auf eine entsprechende Vorrichtung oder ein Gerät, auch eine Maschine, aufgebracht wird und entsprechend so auch wieder davon abgenommen werden kann.

Von einer solchen "Haspel", wie definiert, müßte also eine Namensübertragung auf die "Haspeln" ausgegangen sein. Was heißen würde, daß diese in einzelner oder auch mehrfacher Ausführung innerhalb deren Ausdehnung, über welche sich die "Haspeln" erstrecken, einmal anzutreffen gewesen war. In der logischen Fortführung dieser Vermutung erhebt sich dann die Frage, zu welchem speziellen Zweck hätten solche "Haspeln" in den "Haspeln" dann gedient und was vor allem wäre dann mit diesen 'auf- oder abgewickelt' worden?

Wo die Waldabteilung "Dritter Haspel" (bei der Siedlung Iptestal) endet, werden wir bezüglich der aufgeworfenen Frage fündig. Denn an ihrem hintersten Ende umfließt eine ausholende Schleife des Speyerbachs ein größeres Flurstück mit der Bezeichnung "Hanfacker" (kartiert Urkataster 1847). Hier wurde also Hanf angebaut, jedoch nicht des Berauschens wegen (auch wenn noch Anfang der 1930er-Jahre in der örtlichen Presse der Verkauf von Drogen ganz legal annonciert werden durfte!), sondern für die Gewinnung des Rohstoffs zur Herstellung von Seilen und groben Geweben! Womit wir auf den Hanfanbau und die Verarbeitung von Hanf zu solchen Zwecken zu sprechen kommen.

Darstellung der Lage der "Haspeln" westlich von Lambrecht: die hellgrünen Kreisflächen kennzeichen die Bereiche der Fluren "Schorlenberg" (='S'), "Vorderer Haspel" (='VH') und "Hinterer Haspel" (='HH'), darüber (ab etwa "Hinterer Haspel") sind dann in Richtung Iptestal die Waldabteilungen "Erster Haspel", "Zweiter Haspel" und "Dritter Haspel" auszumachen, wo an deren Ende das große Flurstück "Hanfacker" liegt und wo, wie dessen Namen besagt, Hanf angebaut wurde (über den "Hanfacker" hinweg wurde 1909 die Schienentrasse der Eisenbahn von Lambrecht nach Elmstein gelegt, das sog. "Kuckucksbähnel", die Ansiedlung Iptestal entstand erst 1938).

Bevor es Kunststoffe gab, war Hanf 'die' Rohstoffquelle für Seile und Grobgewebe. Bäuerliche und handwerkliche Betriebe wie auch Haushalte benötigten vor allem Seile und Stricke zu allerlei Zwecken. Weshalb diese bemüht waren, stets einen gewissen Bestand davon vorrätig zu halten. Da die Hanfprodukte jedoch recht widerstandsfähig und daher in der Regel langlebig waren, genügte, daß ihre Bestände nicht permanent, sondern nur von Zeit zu Zeit ergänzt wurden. So etwa einmal im Jahr. Damit war auch der Hanfanbau wie auch die Verarbeitung von Hanf für einzelne kaum lohnend, da auch viel zu aufwendig. Weshalb man sich dafür auch in der Regel "kooperativ" zusammenschloß (zumeist in Gemeinschaften aus mehreren Dörfern und Gemeinden). So läßt auch die Größe der Anbaufläche von besagtem "Hanfacker" darauf schließen, daß dort wohl ein gemeinschaftlicher Anbau von Hanf in der beschriebenen Weise betrieben wurde, um damit wahrscheinlich das ganze Lambrechter und Elmsteiner Tal versorgen zu können.

War der Hanf erntereif, wurden seine übermannshohen Stengel abgeschnitten. Um die langen Fasern darin zu gewinnen, wurden die Stengel zunächst "gerözt" (mhd.=welk, weich gemacht), d. h. sie wurden für mehrere Wochen in Gruben oder auf sumpfiger Wiese in Wasser eingelegt. Dabei wurde ein Teil des holzartigen Stengelmaterials vorgelöst. Danach wurden die Stengel wieder aus dem Wasser entnommen und zunächst an der Luft getrocknet, bevor sie dann über Feuer erhitzt und noch warm in der "Breche" in kleine Stücke gebrochen wurden, wobei die Fasern weitestgehend von allem übrigen Stengelmaterial befreit wurden. Danach noch einmal im Ofen geröstet, gelangten die so nun freigewordenen Fasern in die "Dulph", wo sie durch Drücken über einem länglichen Lattenrost nun endgültig von allen holzigen Resten des Stengels, den Acheln, vollständig befreit wurden.

Die gewonnenen Fasern mußten in der Regel gelagert werden, bevor sie weiter verarbeitet werden konnten. Dazu war ihre Bündelung in einer Weise erforderlich, die die Fasern in schöner gleichmäßiger Ausrichtung hielt, damit sie nicht durcheinander geraten und so auch leicht wieder in eine lockere und freie Auflösung gebracht werden konnten. Teilweise geschah diese Bündelung von Hand, aber bei größeren Mengen auch mit mechanischen Hilfsmitteln, nämlich mit der "Haspel". Eine solche - eher mehrere ihrer Art - kam gewiß auch in Gebrauch, um die große Menge der Fasern zu "haspeln", welche der große Hanfacker lieferte. Von welchem Typ diese war und wie sie funktionierte, können wir heute nicht mehr nachvollziehen. Ein Exemplar ist uns leider nicht erhalten geblieben und so können wir bei den unterschiedlichen technischen Mustern unter den "Haspeln" nur raten. Wobei die große Menge an Hanf, welche der große "Hanfacker" alljährlich hervorbrachte, wohl für eine Walzentechnik spricht, mit der auch eine größere Menge an Hanffasern 'gehaspelt' werden konnte.

Nachdem die Hanfernte und alle daran anschließenden Vorbereitungen erledigt waren, kam es nun zu einem der wichtigsten Schritte in der Hanfverarbeitung. Die Bearbeitung der Hanffasern in der "Hanfreibe". Diese ging in der Regel nur über einige Tage im Spätjahr in Betrieb, ansonsten stand sie still. Weshalb sich über ihre Betriebstage die Wagen, voller gebundener bzw. 'gehaspelter' Hanffasern, aus allen (kooperativen) Orten bei ihr sammelten, meist von mehrköpfigen Gruppen (mit Kind und Kegel) herankutschiert, damit auch genügend Bedienpersonal zur Verfügung stand für den tage- und nächtelangen Arbeitsschritt des "Hanfreibens".

Wie können wir uns nun eine solche "Hanfreibe" und ihre Arbeitsweise vorstellen? Mit Wasser angetrieben stellte sie eine mühlentechnische Anlage dar, bei der über ein Wasserrad und ein Vorgelege ein senkrechter Königsstock in Drehung versetzt wurde. Am unteren Ende desselben nahm eine dort mit einem Gelenk angebrachte Welle einen kegeligen Reibestein mit und ließ diesen so über die Oberfläche eines großen Grundsteins kreisen. Und so legte man die lockeren Hanffasern auf die Oberfläche des Grundsteins und ließ den Reibestein darüber hinweg rollen, solange, bis die Hanffasern weich und geschmeidig waren. Dabei mußten die Hanffasern immer wieder flink gewendet werden, was große Verletzungsgefahr bedeutete. Mehrere Tage und Nächte saß man so um die "Hanfreibe" herum, scherzte und lachte auch dabei, vor allem, wenn sich der eine oder andere dabei auch mal in lustiger Weise "verhaspelte".

Gehen wir vom "Hanfacker" bei Iptestal noch etwa vier Kilometer den Speyerbach aufwärts, so kommen wir über Breitenstein nach dem Ort Helmbach, benannt nach dem Helmbach, der dort von rechts dem Speyerbach zufließt. An der dortigen Talaufweitung liegt der Holzbetrieb Seeber, dem mehrere Sägemühlen vorausgingen. Ein weiterer Betrieb tat dort ebenfalls seine Dienste, nämlich eine "Hanfreibe"! Hier dürften die Hanffasern gerieben worden sein, die zuvor aus dem auf dem "Hanfacker" bei Iptestal angebauten Hanf gewonnen und auf "Haspeln" im Bereich der "Haspeln" "gehaspelt" wurden, bevor sie nach Helmbach zur Weiterverarbeitung in der dortigen "Hanfreibe" kamen. Damit können wir zwischen Helmbach und Lambrecht eine Organisationsstruktur für eine ehemalige Hanfproduktion nachweisen, bei der "Haspeln" zum Einsatz gelangten, von denen die gleichsam so benannten Fluren und Waldabteilungen ihre Namen erhalten haben.

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Die "Alte Schanze" nördlich von Lindenberg - Ein Gebirgssattel im Pfälzerwald mit viel Geschichte

("Thema spezial" Nr. 10 v. 31.10.12)

Nördlich Lindenberg, wo dessen Tal an seinen hintersten Winkel stößt, erheben sich die für Lindenberg charakteristischen Gebirgszüge des Langenbergs und der Stoppelköpfe. Dabei bildet der Übergang vom östlichen "Hinteren Langenberg" zum westlichen "Vorderen Stoppelkopf" eine deutliche Einsattelung, die als solche das günstigste Niveau bietet für die Verbindung des Speyerbachtals mit den Tälern von Gimmeldingen und Wachenheim.

Schon zu antiken Zeiten bildete dieser "Sattel" einen wichtigen Knotenpunkt für die über den Pfälzerwald hinweg führenden römischen Höhenwege. Im Mittelalter gewann er vor allem für den Holztransport an Gewicht, insoweit Deidesheim sein Holz aus seinem Hinterwald zunächst nur über diesen "Sattel" und über das Lindenberger Tal abtransportieren konnte, bis sich ab 1545 dann auch die Alternative über das Gimmeldinger Tal anbot. Auch danach blieb dieser "Sattel" ein wichtiger Verbindungspunkt für die an ihn anknüpfenden Talwege, ob für die Forstwirtschaft oder für den zunehmenden allgemeinen Verkehr.

"Alte Straße - Zollstation und Schanze 1794"

Heute überquert die Kreisstraße 16 den "Sattel" als wichtige Verkehrsstraße zur Erschließung unserer Region, mitten im östlichen Teil des Naturparks und Bioreservats Pfälzerwald. Wo sie den "Sattel" passiert, liegt an ihrer Ostflanke ein großer Waldparkplatz. Auf der westlichen Gegenseite nehmen die Waldwege zu den drei Stoppelköpfen und weiter zum Lambertskreuz ihren Ausgangspunkt. Gleich an ihrem Anfang, wo auch der Wanderweg nördlich zum Forsthaus Silbertal hinabsteigt, ist ein Findling postiert, welcher den Schriftzug, "Alte Straße - Zollstation und Schanze 1794", trägt.

Bei der "Alten Schanze" nördlich von Lindenberg: rechts der Waldparkplatz, links am Wegrand der Ritterstein mit seiner Inschrift "Alte Straße - Zollstation und Schanze 1794" 

Es handelt sich um den Ritterstein Nummer 258 mit seiner Botschaft über diese bedeutende Stelle. Deren ersten Teil, "Alte Straße", ist mit den zuvor gemachten Ausführungen bereits ergiebig erhellt worden. Bezüglich ihres zweiten Teils, "Zollstation", ist auf den ehemaligen Verlauf der Grenzen zwischen dem Bistum Speyer und Kurpfalz hinzuweisen, die mitten im Gimmeldinger Tal quer verliefen.

Als hier 1715 mit Einführung des kurpfälzischen Zolls ein Schlagbaum errichtet wurde, wo nun auch Deidesheim bei der Holzabfuhr durch dieses Tal Zoll entrichten mußte, handelte der Bischof von Speyer wohl gleichsam mit der Einrichtung einer Zollstation auf der "Alten Schanze". Womit sich diese nun auch als ehemals wichtige Grenzmarke erfassen läßt. Diese Zollstation bestand bis 1794, bis sich dann die französische Zeit für die Pfalz anzukündigen begann, die dem kleinstaaterischen Zollunwesen, allenthalben Zollstöcke und Schlagbäume zu errichten, den Garaus bereitete.

Die "Alte Schanze" als militärische Einrichtung

Mit dem dritten Teil, "Schanze", spielt der Ritterstein auf die militärisch strategische Bedeutung an, welche dem "Sattel" in kriegerischen Zeiten beigemessen wurde. Hierauf reduzieren ihn auch seine Kartographie in den einschlägigen topographischen Karten sowie die gebräuchlichste volkstümliche Benennung mit "Alte Schanze". Was es damit auf sich hat, wollen wir nun nachfolgend einmal gründlicher nachspüren.

Schanzen im militärischen Sinne sind Erdbefestigungen, mit denen in der Regel ein strategisch wichtiges Terrain gesichert wird. Sie werden in tiefen Gräben im Gelände aufgeworfen, wobei dessen Topographie zur Verstärkung ihrer Effizienz miteinbezogen wird, indem sie etwa bevorzugt über Hängen und auf Höhen angelegt werden. Ein aus dem tiefer liegenden Gelände heranziehender Feind kann so leichter unter Feuer genommen werden und greift er an, so hemmt ihn der Geländeanstieg für ein rasches Vorankommen.

Gelingt es dem Feind, trotz dieser natürlichen Erschwernis, schließlich näher an die Schanze heranzu-kommen, so stellen sich ihm mit dem "Verhau" davor weitere Hindernisse jeglicher Art entgegen, um seinen Vorwärtsdrang möglichst einzudämmen. Überwindet er auch diesen, so leistet ihm als nächstes die "Brustwehr" auf der Verteidigungsflanke der Schanze ihren Widerstand. Erst mit deren Überwindung kann er dann den Hauptkampf mit der in der Schanze liegenden gegnerischen Infanterie eröffnen, um so die Entscheidung herbeizuführen.

Ersparen wir uns die schaurigen Details eines solchen Szenarios und resümieren wir, daß Schanzen ein militärisch sehr probates Mittel bilden, um den Feind zu bekämpfen, und dies seit es Kriege gibt. So kam in früheren Zeiten auch die "Alte Schanze" zu dieser fraglichen Ehre, weil sie alle Vorzüge für eine solche militärische Anlage aufwies. Besonders dazu begünstigt durch ihre Lage im Pfälzerwald mit dessen hierfür prädestinierten Topographie, die diesem auch an etlichen anderen Plätzen derartige Schanzen bescherte, wie etwa das "Schänzel" auf dem Steigerkopf bei Edenkoben.

Die große Schanze gegen den Feind im Norden

Noch heute sind die Reste dieser Schanzen teilweise recht gut im Gelände erkennbar, was auch auf die "Alte Schanze" zutrifft. So nehmen wir gleich am Anfang des Wegs, der westlich von der "Alten Schanze" zu seinem Aufstieg hinauf zum Lambertskreuz ansetzt, einen tiefen Graben wahr. Als ausgeprägte Boden- und Geländeformation einer Schanze zieht dieser Graben anfangs noch parallel mit dem Lambertskreuzweg den Berg hoch, um sich dann immer mehr von diesem zu lösen und schließlich etwa 100 m nordwestlich vom "Vorderen Stoppelkopf" zu enden, wo er dann auch dem Lambertskreuzweg wieder nahe kommt.

Die Boden- und Geländeformation der großen Nordschanze bei der "Alten Schanze": rechts der tiefe und breite Schanzgraben in erster Linie, links über dem Zwischenaufwurf der parallele Schanzgraben in zweiter Linie

620 m lang und von einem weiteren, nicht derart ausgeprägten, Grabenzug als "zweite Linie" begleitet, folgt er so im wesentlichen dem von der "Alten Schanze" zum "Vorderen Stoppelkopf" hinaufziehenden Berggrat bzw. unterhalb demselben, womit der Graben genau über dem steil nach Norden zum Silbertal hin abfallenden Hang angelegt ist. D. h., daß die ehemalige große Schanze, welche er heute verkörpert, nach Norden gegen das Wachenheimer und Gimmeldinger Tal ausgerichtet war, um einen von dort angreifenden Feind bekämpfen zu können.

Nur diese Schanze ist auch in den einschlägigen topographischen Karten dargestellt, so daß man glauben könnte, es hätte auch nur diese eine gegeben. Tatsächlich aber sind bei einer Umschau im Umfeld der "Alten Schanze" weitere Schanzen zu entdecken. So im nach Süden, gegen Lindenberg, abfallenden Hang, in den uns der von der "Alten Schanze" abgehende und blau-gelb markierte Wanderweg nach Lambrecht hineinführt.

Die drei Schanzenabschnitte im Süden als "Südschanze"

Gleich an seinem Beginn sind im rechts ansteigenden Hang die Konturen einer weiteren ehemaligen Schanze mit ebenfalls paralleler "zweiter Linie" wahrzunehmen, mit ihren allerdings nur noch schwach erhalten gebliebenen Einsenkungen im Gelände. Da sich ihre Spuren rasch wieder verlieren und sie daher recht kurz wirkt, scheint sie nur Teil einer größeren Schanze zu sein. Auch weil sie in eine Richtung läuft, wo nur kurz danach, ebenfalls rechts des Wegs, sich ein ausgeprägter "Hohlweg" präsentiert, durch den offensichtlich einstmals auch der Weg führte, bevor er um diesen herumgeleitet wurde.

Am Weg von der "Alten Schanze" nach Lambrecht (blau-gelbe Markierung) der "Hohlweg" als Teil der Südschanze

Erst wenn wir dort, im Hang unter dem Weg, den lang abziehenden Graben wahrnehmen und erkennen, daß er genau auf den Hohlweg ausgerichtet ist, wird uns das Konstrukt klar: eine ehemalige Schanze, die vom Weg durchschnitten wurde und über der parallel verlaufend sogar noch ein zweiter Schanzgraben angelegt war. So können wir annehmen, daß die drei Schanzenabschnitte (Hohlweg, kurzes Schanzenteil davor, längerer Graben danach) zusammen auch die "Südschanze" bildeten, die sehr wahrscheinlich sogar mit der großen Nordschanze einst verbunden war, aber, durch das Schieben mehrerer Wege in ihrem Bereich, mehrfach unterbrochen und dabei teilweise sogar völlig abgängig wurde.

Die Karte zeigt den Gebirgssattel "Alte Schanze" zwischen dem "Hinteren Langenberg" (Höhe 365 m) im Osten und dem "Vorderen Stoppelkopf" (Höhe 465 m) im Westen mit der Lage der Schanzen von 1794 (ockerfarbig eingezeichnet)

Mit 605 m Länge war die "Südschanze" fast gleich auf mit der großen Nordschanze, aber dieser gegenüber mehr subsidiär, aufgrund ihrer wohl schon von vornherein geringeren Eintiefung, hinsichtlich dieser die große Nordschanze als die eindeutig mächtigere Anlage erscheint. Dennoch war die "Südschanze" sicherlich gut geeignet, einen vom Lindenberger Tal aufsteigenden Feind wirkungsvoll bekämpfen zu können.

Interessant ist sicherlich die Frage, ob die Schanzen bei der "Alten Schanze" gemäß ihrem Zweck auch militärische Bewährungsproben bestehen mußten. Dazu müssen wir auf das für ihr Anlegen genannte Jahr 1794 einmal genauer eingehen, wo ja der militärische Grund hierfür liegen müßte.

Der Ausbruch der Revolutionskriege im Jahr 1792

Nun, im Jahr 1794 finden wir uns mitten in den Revolutionskriegen, welche die französische Revolution von 1789 ausgelöst hatte. Da sich deren freiheitlichen Ideen gegen Adel und Monarchie wandten und somit auch die Monarchien des übrigen Europas sich dadurch bedroht fühlten, vereinbarten am 7. Februar 1792 Österreich und Preußen die Gründung einer Allianz, um die alten Verhältnisse wieder herzustellen. Im August 1792 rückten die Truppen der Alliierten dann gegen Frankreich vor, doch der Vormarsch kam nur langsam voran und endete schließlich mit der desaströsen Kanonade von Valmy und dem anschließenden Rückzug.

Als kaiserliche Truppen, die links des Rheins und in der Rheinebene den Vormarsch der Alliierten gedeckt hatten, plötzlich abgezogen wurden, war für französische Truppen unter General Custine der Weg zum Rhein frei. Aus der Weißenburger Linie und von Landau stieß er nach Norden vor, nahm Ende September Speyer, um danach kurzfristig in Edesheim auszuharren und dann Mitte Oktober weiter vorzustoßen. Ohne größeren Widerstand nahm er nun Worms, Mainz und sogar Frankfurt. Die Chance, auch Koblenz einzuverleiben und so Preußen seiner linksrheinischen Militärbasis zu berauben, nutzte er jedoch nicht. So konnte Preußen seine Verluste kompensieren und noch Ende des Jahres Frankfurt zurückgewinnen.

Das Kriegsgeschehen im Jahr 1793

Das weitere Vorgehen der Alliierten im Jahr 1793 bestimmte zunächst die Verdrängung der Franzosen aus Belgien, wohin diese vorgestoßen waren und von dort nun Holland bedrohten. Danach schlossen sie am 15. April Mainz ein, worauf Custine sich nach Landau zurückzog. Als nächstes wurde seitens der Alliierten ein sogenanntes Observationskorps in die Linie Edenkoben-Kaiserslautern vorgeschoben, mit Verlängerungen zu beiden Seiten dieser Linie durch österreichische Truppen am linken und preußische Truppen am rechten Flügel. Mehrfach versuchten die Franzosen diese Linie zu durchbrechen, um Mainz zu entsetzen. Als dieses jedoch am 23. Juli fiel, gaben die Franzosen ihr Vorhaben auf und zogen sich in ihre Ausgangsstellungen zurück.

Nach längerem Abwarten mit zwischenzeitlichem Rochieren, gingen preußische Truppen am 11. August gegen Pirmasens vor, worauf am 20. August österreichische Truppen die Franzosen aus dem Bienwald verdrängten. Letzterer Versuch, weiter über die Lauter vorzudringen, mißlang zunächst, da die Franzosen am 12. September und am Folgetag verstärkt auf ganzer Linie angriffen, wobei heftige Kämpfe bei Pirmasens entflammten, die jedoch zu keiner Entscheidung führten. Während preußische Truppen noch Landau belagerten und österreichische Truppen auf elsässischem Boden rangen, trat eine trügerische Zeit der Ruhe ein.

Nach einem mißlungenen Versuch, am 17. November die Festung Bitsch im Handstreich zu nehmen, begannen die preußischen Truppen ihre Winterquartiere aufzusuchen. Dazu zogen sie sich zunächst in den Raum Kaiserslautern zurück. Große Teile der französischen Moselarmee folgten ihnen. Am 28. November griffen diese bei Morlautern an. Heftige Kämpfe entbrannten, die drei Tage anhielten und als die "Dreitätige Schlacht" Geschichte schrieben. Am Ende mußten sich die Franzosen wieder zurückziehen, griffen danach aber nun verstärkt die Österreicher im Elsaß an, die nach Niederlagen am 22. Dezember den Rückzug antreten mußten. Woraufhin die Preußen die Belagerung Landaus aufgaben, in das am 27. Dezember die Franzosen ihren triumphalen Einzug hielten.

Die Rolle der "Alten Schanze" im entscheidenden Kriegsjahr 1794

Nun löste der "Plünderwinter" 1793/94 die Kämpfe ab. Während das Gros der Preußen zwischen Oppenheim und Bingen im Winterquartier lag, waren lediglich deren weit vorgeschobenen Vorposten und Patrouillen in Scharmützeln und Überfällen verwickelt. Viel mehr tat sich zu Beginn des Jahres 1794 nicht, auch über dessen gesamten Frühjahr hinweg. Verhandlungen über Unterstützungsgelder seitens der Alliierten zögerten das weitere Operieren hinaus. Und so verfügten die Franzosen über reichlich Zeit, sich sorgfältig auf die weitere Entwicklung vorzubreiten und entsprechende Maßnahmen zu treffen.

Dabei kamen sie wohl auch zu Überlegungen, die zum Anlegen der Schanzen auf der "Alten Schanze" führten. Diese könnten allgemein auf der Sicherung des von ihnen inzwischen kontrollierten Pfälzer Terrains beruht haben, wobei hierfür die Verbindung Neustadt-Kaiserslautern strategisch sehr bedeutsam war. Mit einem Angriff der im Norden liegenden alliierten Truppen auf diese Verbindung war daher zu rechnen. Angesetzt im Dürkheimer Raum und über die südlichen Täler von Wachenheim und Gimmeldingen hinauf zum (ungeschützten!) Gebirgssattel über Lindenberg vorgetragen, wäre von dort das Eindringen ins Speyerbachtal relativ leicht geworden, um dann die Verbindung Neustadt-Kaiserslautern zu kappen und zugleich Neustadt zu entsetzen. So entschloß man sich wohl, bei der "Alten Schanze" diesem einen Riegel vorzuschieben. Speziell könnten auch eine kluge Einschätzung und Vorschau dessen, was die alliierten Truppen als nächstes zu unternehmen gedachten, hinzugekommen sein.

Sobald die Witterung es zuließ (der Winter selbst soll mild gewesen sein), legten die Franzosen also einen Trupp aus Pionieren und Infanterie hoch auf den "Sattel" über dem Silbertal, wo diese sich sogleich daran machten, die Gräben auszuheben und zu Schanzen auszubauen, mit Brustwehr, Verhau im Vorfeld, Kahlschlag der Hänge und Beseitigung von Gebüsch, um einem Angreifer jedwede Deckung zu nehmen und zugleich ein weithin gutes Sichtfeld zu schaffen usw. (1). Nach Ende der Arbeiten war eine sehr starke Befestigung entstanden. Allein die gegen Norden gewandte große Schanze konnte sicherlich 1000 Mann Infanterie aufnehmen, weshalb ihre Überwindung schier unmöglich erscheinen mußte.

Der Angriff der Alliierten am 23 Mai

Um die zwei bis drei Monate dürften die Franzosen die "Alte Schanze" so fest in ihren Griff genommen haben. Während dieser Zeit litt die umliegende Bevölkerung als Versorgungsreserve für die Soldaten, wobei es vor allem die Lindenberger hart traf, als die Franzosen ihre sämtlichen Kühe requirierten (2). Endlich entwickelten die Alliierten aber wieder Initiative und griffen am 23. Mai die Franzosen bei Kaiserslautern an, wo sie diese unter Zufügung schwerer Verluste vertrieben. Parallel gingen sie am Rehbach entschlossen gegen den Feind vor.

Schon in der langen Winterpause hatte ein preußischer Offizier durch kluge Attacken gegen die Franzosen auf sich aufmerksam gemacht. Es war Oberst Blücher, der spätere "Marschall Vorwärts" und Entscheider der Schlacht von Waterloo, der schon in der Nacht vom 22. auf 23. Mai mit seinen Truppen über den Schorlenberg, südlich Alsenborn, und dann durch den Wald gegen Frankenstein vorrückte, um die Verbindung der Franzosen mit Neustadt abzuschneiden. An der Frankensteiner Steige angekommen, ließ er eine starke Sicherung zurück, um zu verhindern, daß der Feind ihm in den Rücken fallen konnte. Nun ging er weiter nach Weidenthal vor, wo er auf heftige Gegenwehr der Franzosen traf, die er dann doch bis Neidenfels zurückwerfen konnte.

Gerade als diese wieder attakierten, erhielt Blücher Nachricht, daß die Franzosen an der Franken-steiner Steige angreifen würden. Er drohte ins Kreuzfeuer zu geraten. So ließ er mit seinen beiden einzigen Kanonen nach beiden Seiten feuern und griff mit einem Füsilierbataillon den die Frankensteiner Steige bedrängenden Feind an, welchen er schließlich völlig "über'n Haufen warf". Da der Feind von Neidenfels her weiter Widerstand leistete, verblieb Blücher in der Nacht im Feld. Am nächsten Morgen wurde er instruiert, daß der Feind bei Kaiserslautern völlig geschlagen war und es nun gelte, Neustadt zu befreien. Als Blücher demnach den Kampf bei Neidenfels wieder aufnehmen wollte, hatten sich die Franzosen jedoch bereits abgesetzt. Der Weg nach Neustadt war damit frei.

Der "Alten Schanze" blieb der Kampf erspart

In der Entwicklung dieser kriegerischen Ereignisse im Jahr 1794 dürften auch die Schanzen über dem Silbertal eine wichtige Rolle gespielt haben. Vielleicht erzwangen sie, ganz nach dem Kalkül der Franzosen, daß die alliierten Truppen von Kaiserslautern her ihren Angriff vortragen mußten, um sie dann bei Frankenstein und von Neustadt her in die Zange nehmen zu können. Dabei hätten die Schanzen auf der "Alten Schanze" diese Falle perfekt machen können, indem sie auch ein Entrinnen der in den Tallagen so festgesetzten alliierten Truppen hätten verhindern können, zumal dafür auch der Weg über Johanniskreuz nicht sicher schien.

Da aber den Franzosen dieses Manöver mißlang und sie sich darauf dann freiwillig zurückzogen, dabei auch die Schanzen über dem Silbertal kampflos räumten, brauchten diese ihre Bewährungsprobe nicht mehr zu erbringen. Erst recht nicht, nachdem dann am 13. Juli dem französischen Invasionsheer die entscheidenden Durchbrüche an den alliierten Waldstellungen bei Johanniskreuz und auf dem Schänzel gelangen, nach denen der Griff Frankreichs nach dem linksrheinischen deutschen Gebiet nicht mehr abzuwenden war.

  1. Die Schanzen von 1794 wurden dabei wohl über den Resten schwedischer Schanzen aus dem 30jährigen Krieg angelegt;
  2. Siehe -->Lindenberg (Pfalz) /Die Eckwiesenstraße und die Deutung ihres Namens;

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Der Ursprung des historischen Lambrechter Sommertagsfestes 1755

("Thema spezial" Nr. 9 v. 22.03.10, siehe --->Brauchtum

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Lambrechts ältester Grabstein

("Thema spezial" Nr. 8 v. 1.03.10, siehe --->Lambrecht (Pfalz)

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Der Überfall auf das Kloster St. Lambrecht im Jahr 1332

("Thema spezial" Nr. 7 v. 18.10.09, siehe --->Lambrecht (Pfalz)

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Altes Ortsschild erinnerte an die bayerische Zeit Lambrechts

("Thema spezial" Nr. 6 v. 26.08.09)

Nach der Französischen Revolution von 1789 folgten kriegerische Auseinandersetzungen zwischen den alten Monarchien und der neuen französischen Republik. Infolge dieser Revolutionskriege gewann Frankreich die Herrschaft über das linksrheinische deutsche Gebiet. Schon 1795 von Preußen (nach dessen schweren Niederlage bei der Schlacht am "Schänzel" am 13.07.1794) und 1797 von Österreich gebilligt, wurde diese dann 1801 mit dem Frieden von Lunéville endgültig besiegelt. Und so kamen die beiden pfälzischen Gemeinden St. Lambrecht und Grevenhausen, die später zu Lambrecht vereint werden sollten, unter französische Hoheit.

Nachdem dann Napoléons Rußlandfeldzug (1812) in der totalen Katastrophe der "Grande Armee" endete und die hierdurch ausgelösten Befreiungskriege (1813-1815) den "empereur" in die schwersten Niederlagen bei Leipzig ("Völkerschlacht", 16.-19. Oktober 1813) und bei Waterloo (18. Juni 1815) trieben und zum Abdanken zwangen, sollte auf dem Wiener Kongreß (September 1814-Juni 1815) eine Neuordnung erfolgen. Sie führte dazu, daß 1816 linksrheinische Teile, darunter die Pfalz, Bayern zugedacht wurden. Somit gelangten die beiden einstigen Dörfer Lambrechts nun unter die bayerische Obrigkeit.

In den neuen Besitz übertrug Bayern demgemäß sein eigenes Verwaltungssystem und dokumentierte dieses für die pfälzischen Bayern gut sichtbar, indem man deren Orte mit entsprechenden Ortschildern ausstattete. Und so erhielt auch das damalige Lambrecht sein bayerisches Ortsschild mit folgendem Text:

                                    

Die Bezeichnung "Stadtgemeinde Lambrecht" läßt den Schluß zu, daß Lambrecht erst zu diesem Ortsschild gelangte, als es bereits zur Stadt erhoben worden war, also frühestens 1887 oder danach. Ob es ein älteres Ortsschild ersetzte, weil dies die Stadterhebung gebot, ist möglich, aber nicht mehr nachvollziehbar. Jedenfalls erfüllte es seinen Zweck, angebracht an der mächtigen Eisenbahnstützmauer am westlichen Ortseingang von Lambrecht, überdauerte dort die erneute Besetzung der Pfalz durch die Franzosen zwischen 1918 und 1930, blieb sogar weiter an seinem Platz als 1940 die Pfalz aus der Verwaltung Bayerns gelöst wurde und überstand auch die abermalige französische Besetzung der Pfalz nach den Zweiten Weltkrieg sowie den Übergang in die Verwaltung des Landes Rheinland-Pfalz (ab 1946). Selbst über die zweite Hälfte des angebrochenen Jahrhunderts blieb es noch an seinem Platz, bis es dann Mitte 2002 auf Veranlassung des örtlichen Fördervereins Sauerbrunnen - Denkmalpflege e. V. abmontiert wurde.

Wer das alte bayerische Ortsschild zuletzt in Augenschein genommen hatte, wird die erheblichen Rostschäden daran kaum übersehen haben. Sie verteilten sich über die gesamte Fläche des Schildes derart, daß kleine Fragmente ganz weggerostet waren, Ränder bzw. Linien ihre Kontur ganz oder teilweise verloren hatten und der Text schon ziemlich verschwommen wirkte. Kein Wunder, daß in der TALPOST-Ausgabe von 20. Juni 2002 ein Bericht darüber nur ein unscharfes Bild wiedergeben konnte und der Textteil "Hauptmeldeamt" dabei versehentlich zum 'Hauptzollamt' wurde. Jedenfalls war der Demontagegrund evident, um das Schild einer Restauration zuzuführen.

Das alte bayerische Ortschild Lambrechts im Zustand kurz vor seiner Demontage (27.03.02)

Offensichtlich war es der Witterung bzw. aggressiven Emissionen von Industrie und Verkehr wohl weit stärker ausgesetzt gewesen als sein Gegenstück in der Gemeinde Meckenheim (Pfalz). Deren bayerisches Ortsschild von gleichem Typ - es existierten mindestens zwei Typen - entpuppt sich nahezu als "fabrikneu", was es sicherlich auch seinem geschützten Platz zu verdanken hat. Dieser befindet sich unter einem Dachvorsprung im Hofareal der ehemaligen alten Posthalterei in der Haßlocher Straße.

Das bayerische Ortsschild von Meckenheim (Pfalz) wie "fabrikfrisch"

Ohne Rostspuren zeigt sich dort eine filigran in Grauguß gestaltete Tafel mit achtblättrigen Rosetten in den klassizistisch betonten Ecken und mit schönen erhabenen und makellosen Schriftzeichen darauf. Bis auf "Gemeinde Meckenheim", wo es in der Lambrechter Tafel "Stadtgemeinde Lambrecht" heißt, ist der Textinhalt beider Tafeln identisch. Dies gilt auch hinsichtlich ihrer gesamten Gestaltung in Größe, Form und Material. Bei genauem Hinsehen sind auf dem bayerischen Ortschild von Meckenheim lediglich noch vier kleine Bohrlöcher zu entdecken. Sie sind so angeordnet, daß über "Aushebungsbezirk", "Landwehrbezirk" und "Hauptmeldeamt" eine kleinere Tafel angeschraubt gewesen sein könnte, um Veränderungen in Verwaltungskompetenzen für "Neustadt a. d. Haardt" ensprechend anzuzeigen.

Im oben angebenen TALPOST-Bericht wird mitgeteilt: "Das gußeiserne Schild in der Größe von ca. 80 x 60 cm ist von starkem Rost befallen und befindet sich jetzt in der Fachwerkstätte Annweiler-Liedy" (in Lambrecht). Auch nunmehr zehn Jahre nach seiner Demontage (Stand 2012) hat sich an diesem Sachstand nichts geändert.

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Fröhliches Ostereierkippen in Winningen/Mosel

("Thema spezial" Nr. 5 v. 13.04.09)

Das Lambrechter Eierpicken (-->Stadt Lambrecht (Pfalz)/-->Brauchtum) stellt in der Pfalz wohl das originellste Brauchtum rund um das Osterei dar. Ein Pendant findet sich in Winningen an der Mosel, wo jeweils am Ostersonntag, in der Zeit von 11-18 Uhr, als "Spaß für die ganze Familie" ein "Fröhliches Ostereierkippen am Weinhexbrunnen" im "Weinhof" ausgerichtet wird. Veranstalter ist der dortige Fremdenverkehrsverein, unterstützt von örtlichen Vereinen.

Wie in Lambrecht ist auch in Winningen das Alter dieses Osterbrauchs nicht genau bestimmbar. Man schätzt, daß sich das "Eierkippen" (von "keppe"=schlagen aus dem Winninger Lokaldialekt) dort vor etwa 160 Jahren etabliert hat, wobei die heutige "Osterstraße" des Ortes die frühere Örtlichkeit hierfür bildete. Hier trafen sich die Einheimischen nach dem Gottesdienst, um dem lustigen Brauch nachzugehen. Der nach seiner zwischenzeitlichen Verlagerung in die "Fährstraße" dann nach dem 2. Weltkrieg zum Erliegen kam, aber schon kurz danach durch Privatinitiative einiger Wirte wieder neu erstand, bis dann vor ca. 30 Jahren der Fremdenverkehrsverein die Regie übernahm.

Im Angebot hält man natürlich dabei die örtlichen Spezialitäten der Weinbau betreibenden Gemeinde, vor allem aber den benötigten Vorrat von 6000 gekochten und gefärbten Eiern für das "Kippen". Dessen Regeln mit denen des Lambrechter Eierpickens übrigens identisch sind. Indem immer zwei Gegner beginnen, anfangs mit ganzen Eiern, zunächst deren spitzen Enden gegeneinander zu schlagen, um dasselbe danach auch mit den stumpfen Enden zu tun. Gewonnen hat, wer beide Enden des gegnerischen Eies dabei eindellt. Dieser erhält das unterlegene Ei als seine Beute.

Nimmt dagegen jedes Ei Schaden, so steht es unentschieden und jeder behält sein Ei. Mit diesem kann ein erneuter Versuch gestartet werden, je nach dem, welches Ende des Eies noch heil ist. Blieb etwa das spitze Ende heil, so sucht macht sich einen Gegner, bei dessen Ei ebenfalls das spitze Ende unversehrt geblieben ist. Sollte umgekehrt das stumpfe Ende heil geblieben sein, so gilt die Suche einem Gegner mit einem Ei, das ebenfalls am stumpfen Ende verschont wurde usw. Nun gewinnt immer der, dessen Ei beim Zusammentreffen mit dem gegnerischen Ei dieses eindellt und dabei selbst unbeschadet bleibt.

Was die "Fachsprache" zur Verständigung der "Eierkipper" angeht, so bestehen zwischen Lambrecht und Winningen, abgesehen vom Dialekt, so gut wie keine Unterschiede. Das spitze Eierende heißt in Lambrecht "Schpitz" und in Winningen "Schbetz", also in beiden Orten "Spitze" auf Hochdeutsch. Das stumpfe Eierende nennen die Winninger "Oarsch" und die Lambrechter "A(r)sch", ebenfalls gemeinsam also in der derben Ausdrucksform für den Allerwertesten. Wobei der Gebrauch der derben Ausdrucksform für das stumpfe Eierende in Lambrecht recht ungeniert geschieht, während man in Winningen darin mehr zur Zurückhaltung neigt und lieber den dezenteren und moderneren "Poppo" vorzuschieben scheint.

Das "Ostereierkippen" selbst nimmt seinen Lauf, indem man die Eier am Stand des ausrichtenden Vereins zu moderatem Preis erwirbt und somit ausgestattet durch die Menge schlendert. Quasi im Vorbeigehen trifft man dann auf seine "Kippgegner", verständigt sich kurz mit diesen in einem ruhigen Zwiegespräch, um dann mal zu testen, wessen Ei die Natur mehr gewogen war, was die Härte der Schale angeht. Und so "kippt" dort jeder mit jedem, Jung mit Alt, und alle haben sichtlich viel Spaß dabei. Und so offenbart sich hier wie dort die gleiche große Leidenschaft hinter diesem alten und schönen Osterbrauch, wenn diese auch in der landestypischen Art der Pfälzer "Krischer" (hd. Kreischen) in Lambrecht etwas spektakulärer zum Ausdruck gelangt.

Impressionen vom "Ostereierkippen" in Winningen (12.04.09):

Großes Osterei                                      Rund um den "Weinhexbrunnen"         Großer Osterhase

Ostereierkippen Alt gegen Jung...      Enkel gegen Oma...                              Damen gegen Herren

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Artus - König der Realität oder nur der Sage?

("Thema spezial" Nr. 4 v. 23.03.09)

König Artus ist ein Thema für die Ewigkeit. Bis in unsere heutige Zeit hinein fasziniert der Mythos um diesen König. Entsprungen aus einer Sage, die wohl vor mehr als 1500 Jahren aufzukeimen begann. Um dann zu einem gewaltigen Werk dichterischer Phantasie zu mutieren, das seines gleichen sucht und diesen König unsterblich macht. Doch wer war dieser König Artus, der vor allem in Gegenden Englands noch heute fast wie ein Heiliger verehrt wird und immer wieder dazu inspiriert, Kultstar zahlreicher Filme, Bücher und Schriften etc. zu sein?

In jener antiken Sage tritt König Artus erstmals als Heldenfiger ins Rampenlicht. Man konnte zurückverfolgen, daß diese etwa um das 4. Jh. in einer - ziemlich extakt zu lokalisierenden - walisischen Gegend entstanden war, um sich von dort weiter zu verbreiten. Erst im 9. Jh. wurde sie dann schriftlich aufgezeichnet, was ihre Verbreitung und ihren Bekanntheitsgrad weiter förderte.

Wie die ursprüngliche antike Sage um König Artus ausgestaltet war, wissen wir nicht. Wir können diesbezüglich nur auf ihre ersten schriftlichen Niederlegungen vertrauen. Nach diesen dürfte sich die Sage mündlicherweise dann allmählich abgeschwächt haben, zugunsten ihrer zunehmend einsetzenden schriftlichen Tradierung und Verarbeitung.

Einen kometenhaften Aufstieg nahm die Verehrung von König Artus durch das britische Volk, als im 11. Jh. eine Feuersbrunst das Kloster Glustonbury heimsuchte. Die findigen Mönche "entdeckten aus dem Nichts" König Artus' Grablege und lösten so zum Wohle des Wiederaufbaus ihres Klosters einen Grabstätten-Tourismus aus, der bis heute angehalten hat. Dessen Verehrung und Bewunderung wuchs weiter an und alsbald hielt er Einzug in Lyrik und Epik, die fortan einen zyklobenhaften Mythos um den Helden inszenierten (Parzival, Lancelot, Heiliger Gral u.v.m.), in immer weiterer Erhöhung dieses zum "Mega-Helden".        

Die Sage - Entstehung und Wahrheitsgehalt

Sagen sind in der Regel Produkte aus weit zurückliegenden "schriftlosen" Zeiten, in denen es noch nicht möglich war, bedeutende Begebenheiten schriftlich niederzulegen, um diese so der Nachwelt zu erhalten. Weil die Mittel und das Wissen um die schriftliche Überlieferung damals noch nicht bekannt waren, mußte man sich also ersatzweise mit den Mitteln der Sage behelfen, sprich dem Weitersagen der betreffenden Begebenheiten an die Zeitgenossen und von diesen weiter auf die Nachkommen und von diesen wiederum weiter auf deren Nachkommen u.s.w. So konnte allmählich ein kollektives Wissen entstehen, in dem bedeutende Ereignisse und Vorkommnisse, welche für ein Volk oft von schicksalhafter Tragweite waren, von Generation zu Generation und sogar über weite Strecken der Zeitgeschichte hinweg transportiert werden konnten. Tatsächlich haben Sagen in der Regel eine lange Tradition, die zumeist auf Ursprünge in fernsten Zeiten verweisen.

Die mündliche Weitergabe - gegenüber der schriftlichen - birgt jedoch die erhöhte Gefahr, daß sich hierbei Fehler, Unwahrheiten, Erfindungen u.a. leichter einschleichen können. Zum einen durch die Sprache (Verständlichkeit), dann das Gedächtnis (Vergesslichkeit) oder etwa die Objektivität (Ver-fälschung) u.a. Sagen tradierten vor allem in den "Erzähler-Kulturen", zu denen auch die Germanen gehören, vor allem dazu prädestinierte Erzähler. Häufig weise Menschen mit großem Wissen und viel Erfahrung. Sie entwickelten bei ihren Erzählungen wohl nicht selten auch eine gewisse "Dramaturgie", um Spannung zu erzeugen und so ihre Zuhörerschaft zu fesseln. Diese dürfte etwa mit Umschweifungen, Wiederholungen ("die Tür macht auf, das Tor macht weit"!), aber auch anderen dramaturgischen Mitteln wie Überhöhungen, Steigerungen, Ausschmückungen, erzeugt worden sein, mit der gewiß auch Mängel hinsichtlich der Authentizität einhergegangen sein dürften. So sich vielleicht bis zum "antiken Medienspektakel" steigernd, dürfte der Sagen gewiß anhaftende objektive Sachverhalt immer mehr verwässert worden sein.

So lassen sich in Sagen Wahrheitsgehalte nur schwer festmachen. Zwar wird man ihnen zubilligen müssen, auf jeden Fall auch ein Stück Wahrheit zu enthalten, doch was an einer Sage wahr und was Dichtung ist, kann nie genau - schon garnicht mit wissenschaftlichen Methoden - voneinander unterschieden werden. Ein Ansatz, dem Wahrheitskern dennoch möglichst nahe zu kommen, stellen zumindest die zwingenden Prinzipien dar, aus denen Sagen entstanden sind und gepflegt wurden.

Wie oben schon angedeutet, sind Sagen nie um ihrer selbst entstanden, sondern haben einen realen Auslöser für ihr Entstehen. In der ursprünglichen Artus-Sage und bis hin zu ihrer Metamorphose einer "Mega-Saga" tritt durchgängig als wichtigstes Hauptmerkmal des Helden der "Frieden" in besonderer Weise hervor, i. S. des Friedensbringers, des Friedensbewahrers durch den "Friedensfürst". Und er ist es, der "Friede", als das wichtigste Gut menschlicher Daseinsfürsorge, der als Ursprung der Sage um König Artus zugrundegelegt werden muß. Hieran knüpft auch das zweite durchgängige Persöhnlichkeitsmerkmal an, das den Helden als solchen auszeichnet, nämlich der zu sein, der einen "Frieden" schaffen und bewahren kann, nämlich als großer tapferer Krieger in siegreichen Schlachten. Nichts hat die Menschheit in ihrer Geschichte mehr bewegt und erregt als Krieg und Frieden. Und darum handeln alle historischen Überlieferungen weit überwiegend um sie. Sind heute die Geschichtsbücher voll davon, waren es davor die Sagen, die davon zeugten, so wie die um König Artus.

König Artus als Objekt des "Profiling"

Um "Frieden" durch siegreichen "Kampf" schaffen zu können, bedurfte es - neben Mitkämpfern - auch der Waffen. Nach seiner Sage war Artus im Besitz seines Schwertes "Excalibur", mit dem er unbesiegbar war. Ein "Drache" war Symbol auf seinem schützenden Schild. Frieden, tapferer Krieger, Schwert, Schild, alles Attribute des König Artus und von so logischer und realer Qualität, daß auch ihre Aufzählung in einer Sage keinerlei Zweifel daran aufkommen lassen dürften. Und so auch als der unzweifelhafte "wahre Kern" der Artus-Sage erscheinen müssen. Unter dieser "restriktiven" Annahme kann bereits ein gutes Profil der Persönlichkeit dieses Königs erstellt werden, das helfen kann, nach der Methode des "Profiling", den wirklichen und historischen König Artus ausfindig zu machen.

Genau diese Methode haben im vorletzten Jahrhundert Historiker zur Klärung der Frage angewandt, wer denn der historische König Artus sei. Primär galt es dabei herauszufinden, welche historische Persönlichkeit in der britannischen Geschichte die oben genannten Merkmale erfüllte, in der Zeit, die für die vermeintliche Existenz von König Artus vermutet wurde. Man ist dabei etwa vom 3. bis 6. Jh. ausgegangen. Der relevante Zeitraum der britannischen Geschichte wurde darauf nach Kriegs- und Friedenszeiten durchleuchtet und dann versucht, insbesondere die "Friedensphasen" in Bezug zu bringen mit hierfür greifbaren historischen Persönlichkeiten.

Im frühmittelalterlichen Britannien - fast nur Krieg und kaum Frieden

Gehen wir von der Eroberung Galliens aus (ab 58 v. Chr.), so war dies bereits eine Maßnahme des Römischen Imperiums, Einfälle der Nordvölker in das römisch-gallische Gebiet auf dem Festland einzudämmen, die häufig von Britannien ausgingen. Nachdem dies nicht den erwünschten Erfolg brachte, entschloß sich Rom, die britische Insel zu erobern (ab 43) und sie als römische Provinz dem Imperium einzuverleiben. Gebirgige Teile, insbesondere der Norden, vermochten die Truppen Roms allerdings nicht zu erobern, da sich die Nordvölker (Kaledonier, Pikten, Scoten) dort behaupteten und von dort auch weiterhin die neue Provinz Roms angriffen.

Das führte zum Bau des Hadrianwalls (122-135), aber auch er vermochte letztendlich kaum Abhilfe zu schaffen. Dazu kam, daß kleinere Herrschaftsgebiete sich ständig befehdeten, so daß auch ein Landfrieden kaum zustande kam oder gleich wieder gebrochen wurde. Und schließlich zeigten auch die "Angelsachsen" immer wieder ihre Begierden nach der britischen Insel. Kurzum, das frühmittelalterliche Britannien war über Jahrhunderte hinweg fast ein einziger Kriegsherd, dessen Flammen nur eine spärliche Anzahl Friedensphasen zum Erlöschen brachten.

Friedensphasen und Friedensstifter

Die besagten Historiker auf den Spuren von König Artus vermochten daher auch nur wenige historische Persönlichkeiten mit diesen in Verbindung zu bringen. Als ersten relevanten Friedensstifter deuteten sie den römischen Feldherrn Carausius heraus, der im 3. Jh. (z. Z. Kaiser Constantins) ein Sonderreich auf der britischen Insel und dem nördlichen Gallien bildete und dieses sogar als "Kaiser" regierte. Nachdem Rom seinen Rückzug aus der britannischen Provinz eingeleitet hatte (ab 410), erstarkten dort einige "War-Lords" mit ähnlichem Potential. So darunter einer mit Namen "Vortigern", der sich 499 mit den Angelsachsen verbündet und diese auf die britische Insel geholt haben soll. Bei den anschließend ausbrechenden Kämpfen (ab 455) der Einheimischen mit diesen Zuwanderern soll dann Enniaun Girt, als "Bär" und "Artursus" (?) bezeichnet, erfolgreich den Angelsachsen Widerstand geleistet haben. So auch dessen Sohn Owain Ddantgwyn. Zuletzt erblickten die Historiker in einem Riothamus (=britischer König), der sich mit dem römischen Kaiser Anthemius (467-472) verbündet hatte, einen möglichen Kandidaten für König Artus, dabei letzterem die größten Chancen einräumend.

Verblüffende Entdeckung 1924

Nach den Bemühungen im vorausgegangenen Jahrhundert machte im Jahr 1924 der englische Historiker Kemp Melone eine verblüffende Entdeckung. Auf einem Hügel in Dalmatien hatte er eine kleine Kirche ausfindig gemacht, deren Kirchhof von einer hohen steinernen Mauer umfriedet war, welche man aus Grabplatten zusammengefügt hatte, die man in der Umgebung gefunden hatte. Die Grabplatten entstammten römischer Zeit, als Dalmatien ein beliebter Alters- und Pensionssitz gedienter Römer war, die dort ihren Lebensabend verbrachten, verstarben und bestattet wurden. Auf einer Grabplatte fand Melone die Biographie eines Römers vor, der vom Centurio zum großen Feldherrn eine ausgezeichnete militärische Karriere durchlaufen und es dabei zu außerordentlichen militärischen Leistungen gebracht hatte.

Kampf gegen ein unbesiegbares Volk

Eine seiner schwierigsten Aufgaben war ihm damit gestellt, gegen ein Volk zu kämpfen, das an der Ostgrenze des römischen Imperiums große Probleme bereitete. Hierbei handelte es sich um ein kleineres Teilvolk (Jazygen), das zu den Sarmaten zählte und ursprünglich nördlich des Schwarzen Meeres lebte. Von dort hatte es sich westwärts orientiert und war so in ein Gebiet zwischen Donau und Theiß vorgedrungen, das zum Grenzgebiet des römischen Imperiums gehörte. Im Jahr 175 brach der Krieg mit dem kleinen sarmatischen Volk aus.

Obwohl es als unbesiegbar galt, gelang dem römischen Feldherrn in einem langwierigen und zähen, am Ende aber glücklichen Kampf, dennoch diesen Gegner zu besiegen. Statt nun das besiegte Volk vollends zu vernichten, zu versklaven und seine Elite in Rom den Löwen zum Fraß vorzuwerfen, wie es siegreiche Römer allzuoft praktizierten, zollte der römische Feldherr den Besiegten Respekt ob ihres Wagemuts und kämpferischen Geschicks und trug ihnen an, sich ihm als Hilfstruppe anzuschließen. Mit großem militärischen Weitblick, wie sich später herausstellen sollte.

Ein Gegner wird zum Verbündeten

Tatsächlich gelang ihm sein Vorhaben, so daß Rom insgesamt 8000 der sarmatischen Krieger rekrutieren konnte. Sehr wahrscheinlich half ein genialer Trick dabei. Es wird nämlich berichtet, daß die Sarmaten Götter verehrten, voran ihren Kriegsgott. Letzterem huldigten sie in einem "heiligen Bezirk", in dessen Mitte sie ein blankes Schwert in die Erde gesteckt hatten. Der römische Feldherr soll ein solches Schwert aus der Erde gezogen und so eindrucksvoll demonstriert haben, daß er den Kriegsgott der Sarmaten nicht fürchtete. Eine Leistung, die ihm übrigens große körperliche Kraft attestieren würde, denn wie ein Experiment offenbarte, war dies nur jemandem möglich, der über eine überaus kräftige Konstitution verfügte. Indem er die Sarmaten so gewann, stand ihm nun eine Streitmacht zur Seite, die ihn befähigte, sich größten Herausforderungen zu stellen.

Neue Herausforderung in Britannien

Kaum hatte er so die Ostgrenze des Imperiums wieder gesichert, trug ihm der römische Senat an, nun in Britannien für Ruhe und Ordnung zu sorgen und hierzu vor allem die Nordstämme zur Raison zu bringen. Dieses war seit der Besetzung der britischen Insel durch römische Truppen bisher noch nie gelungen (vgl. oben) und somit ein Unterfangen, das nahezu unmöglich erschien. Doch dank seiner unbesiegbaren Sarmaten konnte der römische Feldherr auch diese neue Aufgabe lösen und erstmals der britannischen Provinz Roms eine länger anhaltende Zeit des Friedens bescheren.

Kampftaktik und Kampftechnik der Sarmaten

Der Erfolg des römischen Feldherrn war in der ganz außergewöhnlichen, ja geradezu revolutionär zu nennenden Kampftaktik und Kampftechnik der Sarmaten zu suchen. Einem eurasischen Steppenvolk entstammend, beherrschten sie den Kampf zu Pferd exzellent. Sie waren gepanzert und ihre Hauptwaffe war eine lange Lanze. Mit ungeheurer Wucht, wie ein stählerner "Widder", stießen sie in die feindlichen Reihen und pflügten, die Richtung beibehaltend, durch diese hindurch und ritten alles nieder, was sich ihnen in den Weg stellte. Sie kämpften damit nicht nur wie Ritter, sondern sie waren Ritter, und zwar die ersten, die auf britannischem Boden deren Kampftaktik und Kampftechnik eindrucksvoll demonstrierten, lange bevor diese sich dann mit der Entwicklung des Rittertums in ganz Europa durchsetzen sollte. So stieben sie den Hadrianswall entlang, wo ihre Kastelle lagen, und fegten jeden Gegner hinweg, der es wagte, sich ihnen in den Weg zu stellen.

Begründete dies schon ihre Überlegenheit, so sei ergänzt, daß sie auch mit ihren Langschwertern und dem Bogen trefflich umzugehen wußten. Damit ihre Pfeile nicht ihr Ziel verfehlten, führten sie lange Standarten mit. An ihren Spitzen goldglänzende furchterregende Drachenköpfe mit wehenden Bannern daran, welche die Windrichtung anzeigten. Sie waren zugleich ein Signal, das jedem Gegner unmißverständlich bedeutete, im nächsten Moment niedergewalzt zu werden. Was ihre Schwerter angeht, so verfügten die Sarmaten über echte "High-Tech-Waffen". Man konnte sie in den Boden stecken, ohne daß sie rosteten (vgl. oben), d. h. sie waren aus Stahl (!), einem Material, das man zu dieser Zeit in Europa - außer in Teilen nördlich des Schwarzen Meeres - so gut wie nicht kannte. Der Schärfe und Festigkeit ihrer Klingen hatten die Gegner mit ihren Eisenklingen, meist nur aus minderwertigem Erz hergestellt, wenig entgegenzusetzen (siehe noch nachfolgend).

Wer übrigens jetzt danach fragt, wie der römische Feldherr dieser unbesiegbaren antiken Supertruppe dennoch eine Niederlage bereiten konnte, dem kann zur Antwort gegeben werden, daß die Sarmaten in ihrer Überlegenheit zuweilen auch dem Leichtsinn verfielen und dann die Taktik wechselten. In ihrem Bemühen, so den Gegner aus der Reserve zu locken, hatten sie sich im Kampf gegen den römischen Feldherrn wohl etwas verschätzt und so ihre Niederlage selbst provoziert. In Britannien jedenfalls leisteten sie meisterhaft und zielsicher ihr unwiderstehliches Kriegshandwerk, so daß es niemand mehr wagte, ihnen entgegenzutreten.

Der römische Feldherr als König Artus

Mit einer solchen Truppe ausgestattet, vermochte der römische Feldherr so einen Frieden in Britannien zu sichern, der um die 25 Jahre angehalten haben dürfte. Die wohl längste unter den wenigen Friedenszeiten innerhalb von sechs bis sieben Jahrhunderten britannischer Frühgeschichte. Und wohl auch die wichtigste und nachhaltigste für die Romanisierung der britannischen Provinz.

Wenn auch die Geschichte Britanniens "Könige und Kaiser" schon zur Zeit als römische Provinz aufzuweisen hatte (vgl. oben), so geht nicht hervor, ob der römische Feldherr einen solchen Titel je angenommen hatte. Er brauchte es wohl auch nicht, denn seinen übermächtigen Fähigkeiten und Möglichkeiten konnte er gewiß wie ein "König" schalten und walten und die Geschicke Britanniens lenken. Daß er dies offensichtlich in einer für Land und Leute sehr segensreichen Weise tat, davon zeugen die ihm - wahrscheinlich schon zu Lebzeiten - entgegengebrachte legendäre Verehrung und Rühmung, die nach seinem Weggang aus Britannien dann ein umso größeres Ausmaß annahm, je mehr und je länger Britannien unter dem Joch der ihm aufgebürdeten Kriege zu leiden hatte.

Das segensreiche - königliche - Wirken des römischen Feldherrn in Britannien beendete recht profan dessen Pensionierung, nachdem er seine Dienstjahre erfüllt hatte. Dem verdienten Soldaten gewährte das Imperium zu dessen Altersversorgung ein Amt als Distrikt-Gouverneur in Dalmatien, wo er seinen Lebensabend verbrachte und auch verstarb. Auf seiner Grabplatte verewigt ist, neben seinem großartigen Wirken, auch sein Name. Er lautet: Lucius Artorius (!) Castus, in seinem zweiten Namen also Artus (!) in der lateinischen Form. Er wirkte nicht nur wie König Artus, sondern trug auch dessen Namen! Und er scheint mit diesem persönlichsten aller persönlichen Attribute, seinem Namen, wohl damit auch identifiziert zu sein als Artus, der König Britanniens!

Die Sarmaten halten zunächst die Erinnerung wach

Seine treuen Kämpfer mußte Artus, alias Lucius Artorius Castus, bei seiner Pension in Britannien zurücklassen. Da sie nur ihm verpflichtet und verbunden waren, ist davon auszugehen, daß sie mit ihrem großen Anführer ebenfalls aus dem Militärdienst ausgeschieden sind. Fest steht, daß sie sich in einer Gegend um das walisische Ribchester niedergelassen haben, wo auch ausgediente Legionäre sich bevorzugt in den Ruhestand begaben.

Man kann sich gut vorstellen, daß sich die alten Veteranen dort an manchem Abend zusammenfanden, um - vielleicht um ein Lagerfeuer geschart - über all die vielen imposanten Abenteuer, die sie zusammen mit ihrem großartigen Anführer Artus erlebten, zu erzählen und diese so in Erinnerung zu halten. Und hier könnte die Wurzel zur Sage um König Artus zu erblicken sein, indem auch noch Generationen danach über die Abenteuer ihrer Väter und ihren großen Helden berichteten.

Tatsächlich handelt es sich bei der Gegend, wo die Sarmaten sich niederließen, in etwa um jene, wo der Ursprung der Artus-Sage lokalisiert werden konnte und von wo sich diese zu verbreiten begann. Als die Sarmaten etwa zum Ende des 4. Jh. in der einheimischen Bevölkerung aufgegangen waren, da war ihre Sage wohl schon Teil der britannischen Kultur geworden und hatte an solcher Dynamik gewonnen, daß sie über die kommenden Jahrhunderte immer mehr Nachhall und Eindruck hinterließ, bis sie das Interesse der größten Dichter und Denker auf sich zu ziehen begann.

Das Zauberschwert "Excalibur"

Kommen wir nun noch einmal auf diese antike Wunderwaffe zurück. Sie ist eher mehr ein Produkt dichterischer Phantasie, je mehr ihr magische und zauberhafte Fähigkeiten zugeschrieben werden. Denn wie schon oben angeklungen, verfügten die Sarmaten über Schwerter, deren Klingen Qualitätsmerkmale aufwiesen, denen das Abendland in seinem weitaus größten Teil, zum Zeitpunkt ihres Auftauchens in Britannien, nichts entgegenzusetzen hatte. Dort herrschte nämlich zu dieser Zeit noch ein weit rückständiges archaisches Schmiedehandwerk, das überwiegend nur minderwertige Eisenklingen hervorzubringen vermochte, die rosteten und auch sonst nicht sehr widerstandsfähig waren. Dies sogar noch bis in die Zeit der Kreuzzüge hinein, wenn etwa berichtet wird, daß einem Kreuzritter nichts Schrecklicheres widerfahren konnte, als plötzlich einem Sarazenen mit gebrochener Klinge gegenüberzustehen.

Was die Sarmaten angeht, so hatten ihre Schmiedemeister einen legendären Ruf hinsichtlich ihrer besonderen Kunstfertigkeit, was das Schmieden von Schwertern betraf. Sie konnten Klingen aus bestem Stahl (!) fertigen und ihre Bezeichnung als "C(h)alyben" oder "Calyburn" stand für größte Hochachtung. Weshalb sogar das Land nördlich des Schwarzen Meeres, wo sie einst lebten und ihre Schmiedekunst zelebrierten, als "C(h)alybien" bezeichnet wurde (aus diesen Bezeichnungen leiteten die Griechen dann auch ihr Wort für "Stahl" ab!).

Und von dort her kam auch "Excalibur", nämlich in der Deutung, daß es aus (lat. "ex"=aus) der Hand eines "Calybur", eines Stahlschmiedemeisters aus "Calybien", stammte. Und so liefert uns die Artus-Sage mit der Übermittlung des Namens dieses Schwertes, das Artus so siegreich machte, auch den Hinweis zu den Sarmaten.

In welch hoher Güte "Excalibur" erschaffen worden war, auch darüber legt die Artus-Sage ein Zeugnis ab, wenn diese etwa mitteilt, daß Artus mit seinem "Schneideschwert" in einer einzigen Schlacht 960 Gegnern den Schädel bis zur Schulter durchschlagen habe. Dies stellt ganz gewiß eine Übertreibung in dichterischer Freiheit dar, dürfte jedoch prinzipiell möglich gewesen sein, allerdings im Sinne reiner Physik und nicht des Zaubers!

Indem mit hoher Wahrscheinlichkeit auch anzunehmen ist, daß die sarmatischen Schmiedemeister die höchste aller Schmiedekünste beherrschten, nämlich die des "Damaszierens". Bei dieser Technik werden hunderte von dünnlagigen harten und weichen Stahlschichten feuerverschweißt, was eine äußerst harte, aber auch höchst elastische Klinge zum Vorschein bringt, die weder rostet, noch bricht und dazu bis zur Rasierklingenschärfe geschliffen werden kann. Bei ihrem Anätzen entsteht ein damastähnliches Muster auf der Oberfläche, daher der Name dieser Schmiedetechnik.

Diese ging wohl zuerst von Indien aus, wo sich schon ab 2500 v. Chr. eine antike Stahlindustrie entwickelte. Dort konnte auf Erzlager zurückgegriffen werden, bei denen das Eisenerz durch "natürliche Zuschläge" an Edelmetallen bereits sehr hoch vergütet war. In Verbindung mit der Schmiedekunst des Damaszierens konnten daraus hochwertigste Stähle und somit auch die besten Schwerter geschmiedet werden. Im Laufe vieler Jahrhunderte verbreitete sich diese Schmiedetechnik auch in den kleinasiatischen und arabischen Raum, wo vor allem arabische Völker, wie die Sarazenen oder die Hethiter, diese Schmiedekunst sich aneigneten und weiterentwickelten, was ihnen viel Macht und Ansehen eintrug.

Das indische Eisenerz war lange das einzige von so hoher Qualität, so daß es über einen langen Zeitraum den antiken Eisenerzmarkt dominierte. Dann fanden sich auch Lagerstätten von ähnlicher Güte an den Nordrändern der Gebirge am Schwarzen Meer. So konnten dort die "Chalyber" aus den "Erträgen ihrer Erzgruben gut leben" und einen florierenden Eisenerzhandel unterhalten. Es ist die besagte Gegend, von wo die Sarmaten stammten und ihre hohe Kunstfertigkeit des Stahlschmiedens erworben haben dürften.

Die Artus-Sage vermittelt weiter zu "Excalibur", daß dieses seine Zauberkraft nur in Verbindung mit dessen Scheide voll entwickeln konnte. Und weil die Fee Morgan (von ihr stammt die "Fata Morgana") die Scheide stahl, um Artus verwundbar zu machen, mußte dieser ohne sie losziehen, als er sich eines Tages aufmachte, seine Gemahlin Genevre aus der Gewalt eines wüsten Ritters zu befreien. Obwohl gewarnt, nahm er den Kampf auf und ging dennoch als Sieger hervor. "Excalibur" war trotz des Handikaps überlegen!

Wie über die Sarazenen berichtet wird, verwendeten diese für ihre Schwerter aus Damaszenerstahl besondere Scheiden. Jedesmal, wenn diese ein Schwert in seine Scheide steckten und es wieder herauszogen, wurde dieses durch die besondere Beschaffenheit der Scheide geschärft. War dies bei "Excalibur" etwa genau so?

Ein letztes Wort zu Schwertern aus Damszenerstahl. Bei den Sarazenen waren sie besonders begehrt. Denn ihnen verdankten sie ihre Macht, mit der sie hauptsächlich die Völker des Mittelmeeres unterwarfen und sie tributpflichtig machten. Um das Jahr 500 scheinen sie sich auch weit in den Norden des Abendlandes gewagt zu haben. Dabei traf es die Sachsen, mit denen sie einen Tributvertrag schlossen, wonach diese sich verpflichteten mußten, 300 Schwerter aus Damaszenerstahl an die Sarazenen zu liefern.

Diese Nachricht besagt, daß die Technik des Damaszierens, nach der Ankunft der Sarmaten in Britannien, nun auch in den anderen Teilen des Abendlandes angekommen war. Desweiteren unterstreicht sie noch einmal den hohen Rang, welche derart gefertigte Schwerter bei den Sarazenen einnahmen. Auch liefert die Nachricht einen Hinweis, wie mühevoll es war, derartige Schwerter herzustellen, wie aus der geringen Anzahl von nur 300 Stück interpretiert werden muß.

Derartige Klingen werden heute noch in Japan hergestellt. Die Wartezeiten nach Bestellung betragen dort mindestens ein Jahr oder mehr, wobei besonders kunstvoll geschmiedete Klingen bis € 20.000,- und mehr kosten. Erst kürzlich wurde in einer Anzeige ein Damszenermesser zu einem Preis von € 5000,- angeboten, bei einem Vorrat von nur 100 Stück weltweit.

König Artus in der neueren Literatur

Auch neuere Literatur wendet sich immer wieder dem Sagen-König zu, häufig auch in der Suche nach seiner historischen Persönlichkeit. Dabei scheint allerdings die Theorie Melon's aus dem Jahr 1924 kaum eine Rolle zu spielen, als sei sie inzwischen wieder vergessen worden. Erst in einer TV-Doku in 2008 (Galileo?) trat sie, wohl angeregt durch den Film "King Artur" mit den darin auftauchenden Drachenreitern, scheinbar plötzlich wieder ans Tageslicht und wurde danach auch Thema in einem historischen Magazin. Dabei ist sie in ihrer Stichhaltigkeit, mit welcher sie den römischen Feldherrn Lucius Artorius Castus als den britannischen König Artur scheinbar lückenlos identifiziert, gegenüber allen anderen bisherigen Theorien nicht übergehbar. Kommt sie doch in ihrer Qualität einer fundierten Feststellung äußerst nahe!

Der Favorit für König Artus

Klar ist die daraus zu ziehende Erkenntnis, das Lucius Artorius Castus als einzigster in Frage kommt, der den britannischen König Artur verkörpern konnte. Er war von kräftiger Statur, ein tapferer und heldenhafter Krieger, als Feldherr besaß er militärische Weitsicht, war strategisch und taktisch versiert, klug und weise, genial in seinen Einfällen und von großer Überzeugungskraft, der Mann für "unmögliche Missionen", Dux (lat. Heerführer) als Kriegsfürst und Rex (lat. König) als Friedensfürst. Erster Anführer einer ersten europäischen Ritterschaft, die in Ausrüstung und Vermögen ihrer Zeit weit voraus war. In seinen militärischen Leistungen (Sicherung der Ost- und Nordgrenzen des Imperiums) in Augenhöhe stehend mit den größten römischen Feldherrn, wie eines Scipio Africanus (dem Bezwinger Hannibals) oder Cäsars (Eroberer Galliens, Britanniens und des Pharaonenreichs). Dies alles läßt kaum noch zweifeln, in ihm den britischen Helden Artus zu erblicken, den großen "Heilskönig" und die "Lichtgestalt" in der frühmittelalterlichen Geschichte Britanniens.    

Der "Draco" aus Neuwied-Niederbiber

Ihm sich einmal ganz nahe zu fühlen, dazu bedarf es übrigens keiner großen Reise nach England an die dortigen Stätten seiner Verehrung oder sonstwo im europäischen Ausland. Ganz in unserer Nähe haben nämlich die Sarmaten dem römischen Imperium ebenfalls ihre Dienste erwiesen, nämlich im Hunsrück (im Norden von Rheinland-Pfalz). Wie oben berichtet, wurden nach ihrer Niederlage 8000 Sarmaten rekrutiert. Nicht alle gingen mit Artus nach Britannien, jedoch mit 5500 immerhin der größte Teil. Demnach blieben noch 2500 Sarmaten übrig und diese wurden in den Hunsück verlegt.

Dort haben sie uns einen "Draco", einen Drachenkopf, hinterlassen, wie oben schon angesprochen wurde. Das Symbol der Sarmaten bei ihren Feldzügen, das Artus auch auf seinem Schild trug und das sich noch heute im walisischen Wappen wiederfindet. Der Fund aus dem ehemaligen Römerkastell bei Neuwied-Niederbieber ist im Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz zu bewundern. Indem wir ihn dort in Augenschein nehmen, können wir uns auch gut vorstellen, daß auch Artus einst seinen Blick auf ihn gerichtet hatte.

Literatur: Franz Baumer, König Artus und sein Zauberreich - Eine Reise zu den Ursprüngen, ersch. im Komet Verlag GmbH, Köln; Magazin G-Geschichte, herausgeg. im Seiler Verlag, Neckarsulm, Nr. 1/2006, König Artus - Mythos und Legende; Heinz Cüppers, Die Römer in Rheinland-Pfalz, Nikol Verlagsges. mbH, Hamburg, 1990; Franz Sales Mayer, Handbuch der Schmiedekunst, Leipzig, Verlag von E. A. Seemann, 1888; Heinz Denig, Alte Schmiedekunst Damaszenerstahl, Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde, Kaiserslautern, 2008;

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Die "Teufelsschleife" in Lindenberg

("Thema spezial" Nr. 3 v. 22.02.09, überarb. 02.01.14)

In der Lindenberger Chronik wird unter den Flurnamen u.a. auch die "Teufelsschleife" aufgeführt. Dabei wird diese noch der Rubrik des "Aberglaubens" zugeordnet, womit sich aber auch schon die Ausführungen darüber erschöpfen. Damit bleibt die Namenspatin für die unter dem Flurnamen  "Teufelsschleife" auch im Urkataster so kartographierte Flur, die eigentliche (historische) "Teufelsschleife", nahezu völlig unbeachtet. Weshalb wir dieser hier einmal die gebührende Aufmerksamkeit widmen wollen.

Als Ausgangspunkt nehmen wir jene Flur mit ihrem Namen, die sich an der unteren K16 entlang erstreckt, wo die eigentliche "Teufelschleife" ansetzt. Von hier zieht diese stetig nach Osten, dabei zunächst noch ganz unauffällig durch ein kleines Wohngebiet zwischen dem Gastronomiebetrieb "Cyriakus Stube" und der kurz danach folgenden kleinen Stichstraße zur Hauptstraße hindurch, mit dessen Entstehung sie überbaut wurde. Erst oberhalb diesem, wo sie von der K16 durchschnitten wird, erblicken wir sie dann in ihrem eigentlichen und ursprungsnahen Erscheinen, nämlich als eine im Hang des Vorderen Langenbergs (bis zum "Schwalbeneck") hochziehende "Rinne".

Was hat es damit auf sich? Nun, von ihrer Bezeichnung her haben wir es bei der "Teufelsschleife" mit einem zusammengesetzten Begriff aus "Teufel" und "Schleife" zu tun, weshalb hier zunächst einmal auf den zweiten Begriffsteil "Schleife" eingegangen werden soll und damit auf eine alte archaische Transportmethode , mit der es folgende Bewandtnis hat:

In früheren Zeiten exitistierte in den herrschaftlichen Wäldern noch kein Wegenetz wie wir es etwa heute im Pfälzerwald vorfinden. Abgesehen von einigen wenigen alten röm. Hochstraßen und dem ein oder anderen rechtsfreien Niemandsland- und Grenzweg (Vizinalweg) zur Erschließung herrschaftlicher Territorien. So hatten die frühesten Siedlungen in den Wäldern keine besonders hergerichteten Wege zu den umliegenden herrschaftlichen Wäldern, um diese für die Beschaffung von lebensnotwendigem Gut aus dem Wald benutzen zu können.

Von den Obrigkeiten war dies auch durchaus so beabsicht, sollte doch so das Befahren ihrer Wälder mit Wagen unterbunden werden, um diese vor einer allzu großen Ausbeutung ihrer Ressourcen (Holz, Steine, Reisig usw.) zu schützen. So konnten die Waldbewohner auch nur solche Mengen aus dem Wald mitnehmen wie sie zu tragen vermochten. Schwerere, nicht "tragbare", Lasten wie etwa Starkholz (vielleicht bis zur Stammstärke) oder Steine konnte man nur durch "Schleifen" (Ziehen) über den Boden fortbewegen und so entstanden für diese Transportart die "Schleifen" über die Berghänge herab, deren Spuren man auch heute noch überall im Pfälzerwald wahrnehmen kann. 

Zum diabolischen Teil der Wortverbindung "Teufelsschleife" ist auszuführen, daß dieser gerade im Pfälzerwald recht häufig auch in anderer Kombination anzutreffen ist. In nächster Nähe Lindenbergs treffen wir bei Lambrecht die beiden "Teufelsfelsen" an. Sie sind die signifikantesten Formationen eines besonders massiv hervortretenden Felssediments im oberen Kreuzberg nördlich Lambrecht, auch der "Teufelstein" genannt. Gehen wir in den Raum Bad Dürkheim, so finden wir dort etwa die "Teufelsbank" und die "Teufelsmauer" mit ihren Zyklobensteinen vor. Weithin bekannt ist der "Teufelstisch" bei Hinterweidenthal u.a. Viele Sagen und Legenden ranken um die Entstehung deren Namen, oft in mehreren Versionen um das selbe Objekt.

Nur soviel dazu: Weit überwiegend prägen diese mit dem Teufel in Verbindung gebrachten Objekte die christlichen Anschauungen von Gut und Böse und die Auseinandersetzungen darum, recht häufig im Aufeinandertreffen von Gott und Teufel als personifizierte Vertreter dieser Gegensätze. So sollen etwa die Teufelsteine und - Felsen vom Leibhaftigen selbst in einem Wutanfall an ihre heutigen Stellen geschleudert worden sein, weil dieser bei seinen listigen Versuchen, die gläubigen Menschen ihrem Glauben und damit ihrem Herrn abspenstig zu machen, dabei oft - meist auch durch das Eingreifen des Allmächtigen selbst - den "Kürzeren" ziehen mußte. Nach derartigen Wurfexzessen soll der Teufel dann in der Regel zornig davongerauscht sein und diese Orte, wo er solch große Schmach erlitten hatte oder an dieselbe erinnert wurde, nie mehr wieder aufgesucht haben. Die Gläubigen konnten somit fortan sicher sein, an solchen Orten vor Heimsuchungen des Teufels für immer verschont zu bleiben.

Wie sehr der gläubige Christenmensch solche Orte schätzte, wo der Teufel quasi für immer verbannt war, mag das Versetzen in die Lage eines frommen Waldgängers verdeutlichen, als die Wälder noch nicht für den Massentourismus erschlossen waren und noch nicht einer forstlichen Pflege unterstanden, also weitestgehend noch naturbelassen waren. Wilder Aufwuchs an Bäumen und Sträuchern, Büschen und Hecken vermittelten ihnen ein urwäldliches Erscheinen. So auch wenig lichtdurchdrungen waren sie düster, besonders bei trüber Witterung. Ohne Wege gab es keine ordentliche Orientierung, so daß man sich schnell darin verlaufen konnte. Auch bedeuteten wilde Tiere (Wolf, Bär) stete Gefahr. Solche Wälder waren imgrunde unheimlich, vor allem auch, wenn der zu dieser Zeit weit verbreitete Aberglaube hinter jedem Stock und Stein einen bösen Kobold lauern ließ, der sich einem etwa flugs auf die Schultern schwang und dann nicht mehr abzuschütteln war, bis man den Wald schließlich wieder verließ. Das Schrecklichste, was dem gläubigen Waldgänger widerfahren konnte, aber war, daß der höllische Luzifer persönlich seinen Weg kreuzte und mit allerlei List sich seiner armen Seele zu bemächtigen suchte.

Wie groß war da die Erleichterung des so von Furcht und Angst Geplagten, wenn er zu einem Ort fand, der mit seiem Namen dafür bürgte, garantiert "teufelsfrei" zu sein. Hier konnte er, gewiß der Obhut und des Schutzes des Allmächtigen, wieder sicher seines Wegs gehen, gefeit vor den diabolischen wie wohl auch vor all den anderen Gefahren. So zählte auch die "teufelsfreie" Lindenberger "Teufelsschleife" einst zu jenen überaus guten und bevorzugtesten Orten dieser Art, die das Dorf ian seiner südlichen Peripherie aufzuweisen hatte.

Als jenes kleine Wohngebiet dort entstand, mit dem der südlichste Zipfel der "Teufelsschleife" überbaut wurde (siehe oben), wurde auch erwogen, die kleine Stichstraße von der Hauptstraße zu diesem als "Teufelsschleife" zu benennen. Die Anwohner wehrten sich heftig dagegen, da sie mit diesem "teuflischen Namen" nur ein schlechtes Image für ihr Wohnviertel befürchteten. Und so wurde dieses dann lapidar mit einer kurzen Nummernfolge der Hauptstraße zugeschlagen.

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Meckenheim (Pfalz) und Herzog Otto

("Thema spezial" Nr. 2 v. 08.02.09)

In dem offenen Internet-Lexikon "Wikipedia" fand ich unter "Meckenheim (Pfalz)" auch eine geschichtliche Darstellung über dieses vorderpfälzische Dorf. Gestoßen bin ich dabei auf den Satz: "Anno 991 fallen einige Meckenheimer Güter an den Weißenburger Herzog Otto". Die Formulierung ist recht merkwürdig, ja sogar irreführend und letztlich inkorrekt.

Zunächst sei festgehalten, daß es sich bei der historischen Person, um die es sich hier dreht, richtiger weise um Otto von Worms (und nicht von Weißenburg) handelt. Dieser hatte auch die Herzogswürde erlangt, allerdings nicht von einem Herzogtum "Weißenburg", wie der Satz glauben machen könnte, sondern vom Herzogtum Kärnten, wo er in zwei Amtsperioden als Herzog fungierte (von 978-985 und von 995-1004). Mit Weißenburg ist hier das Reichskloster gleichen Namens gemeint, das einst mächtig und wohlbegütert im heutigen Weißenburg (an der heutigen deutsch-französischen Grenze) seinen Konventssitz hatte.

In dem im fraglichen Satz genannten Jahr 991 kam ein Vorgang zum Abschluß, der sich über 6 Jahre hingezogen hatte. In der Geschichte blieb als Begriff hierfür der "Salische Kirchenraub" haften. Vorausgegangen war diesem, daß Otto von Worms 979 Rechte in Worms hatte abtreten müssen, dies aber erst akzeptierte, nachdem ihm 985 die Vormundschaftsregierung Ottos III. unter der Kaiserin Theophanu den wichtigen Königshof Lautern (Kaiserslautern) mit dem bedeutenden Wasgauforst als Ersatz übertragen hatte. Im gleichen Jahr stand sein Verzicht auf das Herzogtum Kärnten an, wofür ihm von gleicher Stelle Vergütungen aus dem Weißenburger Konventsbesitz zugestanden wurden, woraus Herzog Otto dann insgesamt 68 Güter an sich zog, darunter auch Meckenheim. Die Formulierung "Meckenheimer Güter" ist folglich dahingehend zu verstehen, daß es sich hierbei um Güter des Weißenburger Konvents bei Meckenheim handelte und keinesfalls um Meckenheimer Eigenbesitz!

Zur Einziehung dieser Güter als "Salischer Kirchenraub" sei angemerkt, daß Herzog Otto hierzu legitimiert war, indem ihm die Vormundschaftsregierung Ottos III. die Reichsexekution gegen die Abtei Weißenburg aufgetragen hatte. Sie lag zuvor in der Kompetenz des Erzbischofs Giselher von Magdeburg, der sich mit dem Bayernherzog Heinrich dem Zänker in dessen Aufbegehren gegen die Regentschaft Theophanus für ihren minderjährigen Sohn und König verbündet hatte. Herzog Otto hatte sich dagegen der Kaiserin gegenüber loyal verhalten, wofür sie ihm die Reichsexekution als Belohnung übertrug. Die betroffenen Mönche der Abtei - wohl selbst nicht ganz unschuldig an diesem Vorgang - sahen dies natürlich anders und erschufen so die wohl bewußte Diffamierung Herzog Ottos als "Kirchenräuber".

Literaturhinweise: Stefan Weinfurter, Herrschaft und Reich der Salier - Grundlinien einer Umbruchzeit, 3. Aufl. 1992, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen; Hansmartin Schwarzmaier, Von Speyer nach Rom - Wegstationen und Lebensspuren der Salier, 2. Aufl. 1992, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen; "Lambrechter -->Heimathefte" (Heft 1, Herzog Otto von Worms - Gründer Lambrechts, von Dr. Kurt Lembach)

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Die Schlacht auf dem Lechfeld im Jahr 955

("Thema spezial" Nr. 1 v. 01.02.09, siehe --->Salierstadt

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