Aussichtstürme im Pfälzer Wald

Als 1995 der "Dicker-Stein-Turm", Lambrechts Wahrzeichen, für baufällig erklärt wurde, weil insbesondere an seiner Wetterseite sich schwere Schäden zeigten, war dies für die Lambrechter ein Schock. Der sich noch dadurch verstärkte, daß man eine teure und aufwendige Sanierung des Turms für nicht machbar hielt und deshalb sogar seinen Abriß in Erwägung zog.

   "Dicker-Stein-Turm" auf dem Schauerberg

Eine große Betroffenheit machte sich breit, bei mir persönlich in zweierlei Hinsicht. Zum einen verbanden mich mit dem Turm viele unzählige Stunden, die ich als Bub mit meinen Freunden bei ihm spielend verbracht habe, zum andern stand er in Bezug zu einem Pavillon, der zuvor seine Stelle einnahm und 1895/6 vom damaligen Verkehrs- und Verschönerungsverein errichtet worden war, also einem Vorgängerverein des ->Verkehrsvereins Lambrecht (Pfalz) e. V., dem ich zum Zeitpunkt seiner baulichen Malaise gerade vorstand.

Guter Rat war teuer und so machte ich auch mir meine Gedanken. Dabei kam ich auf die Idee, mein gut gefülltes Diaarchiv näher in Augenschein zu nehmen, um zu meiner freudigen Überraschung feststellen zu können, daß ich signifikanterweise über viele Aufnahmen von Türmen verfügte, als guter Grundstock für einen Diavortrag. Verstärkt begab ich mich nun auf Fotopirsch, um mit Aufnahmen weiterer Türme die Idee voranzubringen. Und so präsentierte ich am 15. Mai 1996, im Bühnensaal des Gemeinschaftshauses in Lambrecht, meinen ersten Diavortrag unter dem Thema "Aussichtstürme im Pfälzer Wald" mit Bilderverlosung zugunsten des wegen Baufälligkeit gesperrten Dicker-Stein-Turms.

Bereits für diesen Vortrag hatte ich umfangreichere Recherchen zum Thema angestellt und auch ein Manuskript hierfür zusammengestellt. Viele der Besucher zeigten Interesse daran und so stellte ich eine genauere Ausarbeitung in Aussicht. Nur kurze Zeit danach konnte ich diese realisieren und so meine erste Schrift "Aussichtstürme im Pfälzer Wald" (->Heimathefte) herausgeben. Sie behandelte 31 Aussichtsbauten - Türme und Warten - in Wort und Bild mit Bezügen über ihre Archtektur und Entstehungsgeschichte.

Das Interesse an meiner Schrift war überraschend groß, vor allem nachdem in der Sonntagsausgabe "DIE RHEINPFALZ" ein seitenfüllender Bericht darüber zu lesen war und auch im französischen Pendant "L'EST LORRAINE" darüber berichtet wurde. So kamen Anforderungen nicht nur aus dem Inland, sondern auch aus dem nahen Frankreich. Darunter viele Sportvereine, die zu Fuß oder per Fahrrad die Türme besuchen wollten, von Touristikverbänden, die auszuloten suchten, wie mit Aussichtstürmen neue touristische Anreize geschaffen werden konnten u.a.

Das Thema reizte, auch weiterhin ein Auge darauf zu werfen. So entdeckte ich weitere Pfälzer Türme, konnte noch mehr Details über sie herausfinden, auch stellte sich Aktualisierungsbedarf ein und auch die Anfragen häuften sich. Was schließlich 2005 die Herausgabe einer zweiten Auflage veranlaßte, die nun in der neuen Reihe "LAMBRECHTER HEIMATHEFTE" erschien. In ihr stellte ich 50 Pfälzer Türme und Warten vor, noch detaillierter beschrieben als zuvor und ebenfalls mit entsprechender Bebilderung.  

Schon in der ersten Auflage war ich dabei auf die "Optischen Telegraphen" gestoßen, die häufig als Vorgängerbauten von Aussichtstürmen angeführt wurden. Sie rückten bei der Ausarbeitung der zweiten Auflage immer mehr in den Vordergrund. Weshalb ich mich entschloß, in einem zweiten Teil der Neuauflage näher darauf einzugehen.

Wenn mit den in der zweiten Auflage vorgestellten Türmen und Warten der Gesamtbestand an Aussichtsbauten im Pfälzer Wald nun auch als "komplett" erscheinen mag, so wird das Thema dennoch weitere Beschäftigung erfordern. Neben der Aktualisierung sehe ich vor allem auch in den "untergegangenen Türmen" neuen Ansporn dazu. 

  

Zusammenstellung: Aussichtstürme und Warten im Pfälzer Wald

Nachfolgend eine Zusammenstellung der bisher von mir bearbeiteten Aussichtstürme und Warten im Pfälzer Wald in alphabetischer Ordnung:

   Name/Bezeichnung                       Standort                           nächster Ort

  1. BismarckturmIn den FortsLandau
  2. BismarckturmKirchberg Landstuhl 
  3. Bismarckturm Liebfrauen-/Neuberg Bad Bergzabern 
  4. Bismarckturm Peterskopf Bad Dürkheim 
  5. Dicker-Stein-TurmSchauerberg Lambrecht 
  6. EckkopfturmEckkopf Lindenberg/Wachenheim 
  7. Eisenknopf-PavillonEisenknopf Wolfstein 
  8. EulenkopfturmEulenkopf Eulenbis 
  9. EybergturmGroßer Eyberg Dahn 
10. Feuerwachturm (s. unten)Königsberg Wolfstein 
11. Flaggenturm Fuchsmantel Bad Dürkheim 
12. Glockenturm Stauf Stauf 
13. Gottesackerturm Friedhof Freinsheim 
14. Heidenburgwarte Kreimberg Kreimbach-Kaulbach 
15. Höcherbergturm Höcherberg Höchen 
16. Hohenbergturm (s. unten)Hohenberg Albersweiler 
17. HumbergturmHumberg Kaiserslautern 
18. Kaiser-Wilhelm-Warte Kaiser-Wilhelm-Höhe Grethen 
19. Kalmitturm Kalmit Maikammer 
20. Kirschfelsenturm (s. unten)Annweiler Bürgerwald Rinntal 
21. Kriegerdenkmal Schäferberg Lauterecken 
22. Leisbühlturm Leisbühl Winnweiler 
23. Ludwigsturm Blättersberg Weyer/Edenkoben 
24. Ludwigsturm Donnersberg Dannenfels 
25. Ludwigsturm Eschkopf Johanniskreuz 
26. Luitpoldturm Weißenberg Hermersbergerhof 
27. Martinsturm Treutelsberg Klingenmünster 
28. Meerspinnblick Plattenberg Gimmeldingen 
29. Monopteros Welsch-Terasse Neustadt/Wstr. 
30. Potzbergturm Potzberg Föckelberg 
31. Rehbergturm Rehberg Annweiler 
32. Rehfelsenpavillon Rehfelsen Elmstein 
33. Sattelbergturm Sattelberg Seelen 
34. Schäferwarte Halsberg Bad Dürkheim 
35. Schänzelturm Steigerkopf Edenkoben 
36. SchindhübelturmSchindhübel Iggelbach 
37. Schlachtenturm Mühlberg Morlautern/KL 
38. Schmittshausener Turm Schmittsh. Höhe Schmittshausen 
39. Schneckentürmchen Wartberg/Schillerhain Kirchheimbolanden 
40. Selbergturm Selberg Rotselberg 
41. Sieges-u. Friedensdenkmal Werderberg Edenkoben 
42. Sonnentempel Weinberg Maikammer 
43. Stabenbergturm Stabenberg Gimmeldingen 
44. Stadtparkpavillon Stadtpark Grünstadt 
45. Stäffelsbergturm Stäffelsberg Dörrenbach 
46. Wartturm Wartberg Albisheim 
47. Wartturm Wartberg/Schillerhain Kirchheimbolanden 
48. Wasserturm (ehem.) Sangerhof Glan-Münchweiler 
49. Weinbietturm Weinbiet Neustadt/Wstr. 
50. Zeppelinturm Ebersberg Seebach/Bad Dürkheim 

     

Übersichtskarte "Aussichtstürme im Pfälzer Wald"
 
Zur Orientierung über die Standorte der einzelnen Türme und Warten siehe nachfolgende Karte. Die dort angegebenen Nummern entsprechen der in der obigen Zusammenstellung verwendeten Numerierung mit den ihr jeweils zugeordneten Aussichtsbauten. Zur genaueren Lokalisierung dieser wird auf die einschlägigen topographischen Karten 1:25000 verwiesen.


  

Turm-Impressionen (Auswahl)

Bismarcktürme Landstuhl (2), Bad Bergzabern (3), Bad Dürkheim (4)

Dicker-Stein-Turm (5), Eckkopfturm (6), Eulenkopfturm (8)

Eybergturm (9), Flaggenturm (11), Heidenburgwarte (14)

Hohenbergturm (16), Humbergturm (17), Kaiser-Wilhelm-Warte (18)

Kalmitturm (19), Kirschfelsenturm (20), Ludwigsturm Blättersberg (23)

Ludwigstürme Donnersberg (24) und Eschkopf (25), Luitpoldturm (26)

Martinsturm (27), Meerspinnblick (28), Monopteros (29)

Potzbergturm (30), Rehbergturm (31), Schäferwarte (34)

Schänzelturm (35), Schindhübelturm (36), Schlachtenturm (37)

Schmittshausener Turm (38), Selbergturm (40), Stabenbergturm (43)

   

Nachrichtlich

Turm Nr. 10 (Zusammenstellung oben), Feuerwachturm auf dem Königsberg (Wolfstein) existiert nicht mehr (wurde abgetragen, nur noch die Betonstümpfe mit den Ankereisen sind als letzte Reste vorhanden)

Turm Nr. 20 (Zusammenstellung und Bild oben): Der Kirschfelsenturm existiert nicht mehr, er wurde durch eine Aussichtstribüne ersetzt!

Neuer Turmbau: Pavillon bzw. "Türmche" bei Heltersberg (Auf der Mauer)

 TURM IN NOT! TURM IN NOT! TURM IN NOT!

Der Turm auf dem Hohenberg (Nr. 16) steht vor dem Verfall und benötigt dringend Hilfe!

Der im Verfall begriffene Turm auf dem 553 m hohen Ostgipfel des Hohenbergs

Auszug aus "Ausssichtstürme im Pfälzer Wald" (Heft Nr. 4. der Reihe Lambrechter -->Heimathefte):

Eine elliptische Pyramide als kurioses Turmgebilde

Wieder zurück auf gebirgige Höhen bringt uns der nächste südlich gelegene Turm. Er hat seinen Standort auf dem Ostgipfel des Hohenbergs bei Albersweiler in 553 m Höhe und ist ähnlich kurios wie die "Schneckennudel". Auf einer elliptischen Grundfläche gründend, erhebt er sich stetig verjüngend bis auf 9 m empor. Über eine gerade aufgeführte Treppe mit 29 hochtrittigen Stufen gelangt man zu einer kleinen kreisrunden Plattform, deren Mitte ein etwa ein Meter hohes säulenförmiges Fahnenpodest bildet. Es braucht nicht viel Phantasie, um in dem kuriosen Turmgebilde eine elliptische Pyramide zu erblicken.

Die Geschichte des Turms geht vermutlich auf die Zeit nach 1793 zurück, als die Franzosen hier einen Turm mit einem optischen Telegraphen errichtet haben sollen. An gleicher Stelle bauten die Verschönerungsvereine Landau und Annweiler 1879 den 9 m hohen Aussichtsturm, der 1971 unter hohem Aufwand wieder hergerichtet wurde.

An schönen Tagen wird der Turm gerne von Drachenfliegern überflogen, die von einer Rampe am "Signalfelsen", auf dem 200 m entfernten Westgipfel des Hohenbergs, zu ihren lautlosen Flügen abheben. Von dort genießt man einen einzigartigen Ausblick auf die "Burgendreifaltigkeit" Trifels, Annebos und Scharfenberg (auch Münz genannt) und das darunter liegende Annweiler.

Vom Turm selbst geht der Blick nordwestlich nach Eußertal mit dem Sanatorium rechts darüber. Darunter liegt Queichhambach. Nach Norden bietet sich dem Betrachter die Ortschaft Dernbach, darüber der Ort Ramberg mit seiner Burgruine. Nach Westen kann auf Teile Landaus, davor auf Godramstein geblickt werden. Der weitere Schwenk südwärts läßt das wegen seiner Heilquelle zu Schlagzeilen gekommene Ranschbach in den Blick rücken.

Wandervorschlag: Für die Erwanderung des Turms sei als Ausgangspunkt der Waldparkplatz "Ahlmühle" unterhalb der Ruine Scharfenberg vorgeschlagen, wo der Aufstieg zu den beiden Gipfeln des Hohenbergs erfolgen kann.

* * *

Weitere Infos: Der Verfall des Turms setzte schon im Jahr 2002 ein, seitdem ist er auch gesperrt. Er steht direkt an der Gemarkungsgrenze von Birkweiler und Queichhambach, weshalb beide Gemeinden um seine Sanierung bemüht sind. Die Kosten hierfür werden auf 120 000 € geschätzt, wobei jetzt hierfür EU-Fördermittel beantragt werden sollen.


* * *