Die Umgebung von Lindenberg und Lambrecht

In der unmittelbaren Umgebung (bis etwa 5 km Luftlinie im Umkreis) von Lindenberg und Lambrecht bieten sich etliche Ziele an, die zum Besuch "per pedes" oder auch mit dem Mountain-Bike lohnen. Es sind dies Burgen und Burgruinen, Aussichtstürme und Aussichtskanzeln, Felsenmeere, bewirtschaftete Forst- und Naturhäuser, Natur- und Bodendenkmäler, Kurpfalz-Park u.a. Nachfolgend werden zunächst solche Ziele vorgestellt, die näher zu Lindenberg liegen. Eine anschließende kartografische Übersicht soll einer genaueren geografischen Ortung dieser Ziele dienen, zugleich aber auch die Ziele ansprechen, die Lambrecht näher liegen und nach der kartografischen Übersicht behandelt werden.

Wenn unterschieden wird, daß Ziele näher zu Lindenberg oder zu Lambrecht liegen, so bedeutet dies lediglich, daß die Touren zu den vorgestellten Zielen je nach Ausgangsort etwa einen Kilometer länger oder kürzer ausfallen, was der Entfernung der beiden Orte (von Ortsmittelpunkt zu Ortsmittelpunkt) zueinander entspricht. Für geübte Wanderer eine sicherlich zu vernachlässigende Differenz bei der Planung ihrer Touren.

Das Forsthaus Silbertal

Von den Lindenberg am nächsten liegenden Zielen ist zuerst das Forsthaus Silbertal anzuführen. Nur ca. einen Kilometer von Lindenberg entfernt, ist es vom hinteren Talschluß des Lindenberger Tales aus, über einen ansteigenden Fahrweg, der Teil des Rundweges "Rund um´s Weinbiet" ist, bis zur "Alten Schanze" (siehe -->Thema spezial Beitrag Nr. 10) und von dort über einen kurzen Abstieg gut zu erreichen. Das Haus ist bewirtschaftet und bietet Pfälzer Küche.

Forsthaus Silbertal

Der Ursprung des Forsthauses besteht in einem im Jahr 1818 errichteten einstöckigen Waldhaus, das zwei Waldhütern aus Deidesheim und Niederkirchen als Wohnung diente. Um die vorletzte Jahrhundertwende wurde dann ein Ausschank eingerichtet. Nachdem 1938 eine Aufstockung des Gebäudes erfolgte, wurde die Nutzung des Anwesens als Forsthaus 1970 eingestellt. Fortan wurde seine alleinige Bewirtschaftung betrieben, die mit dem Anbau eines großen Gastraumes im Jahr 1979 noch verbessert wurde.

Das Forsthaus Rotsteig und der Kurpfalz-Park

Der Weg dorthin ist zunächst gleich dem Weg zum Forsthaus Silbertal und führt auch an diesem vorbei, wobei es dann noch gut einen Kilometer weiter ist, bis man über den der K16 parallel folgenden Wanderpfad zur Rotsteig gelangt. Das Forsthaus ist bewirtschaftet und bietet Pfälzer Gerichte. Der in unmittelbarer Nachbarschaft liegende Kurpfalz-Park, ein aus einem ursprünglichen Saupferch hervorge-gangener Hochwild-Schutzpark, zieht viele Besucher an, in dem es heimisches Wild, Greifvögel, aber auch Wölfe u.a. zu beobachten gibt.

Forsthaus Rotsteig mit Eingangsgebäude zum Kurpfalz-Park

Das Lambertskreuz

Ein sehr beliebter Wanderstützpunkt im Pfälzerwald ist das Lambertskreuz mit dem Pfälzerwald-Vereinshaus der Ortsgruppe Lambrecht. Vom Forsthaus Rotsteig aus bietet sich der wohl kürzeste und auch bequemste Weg (Markierung gelbes Rechteck) mit knapp 3,5 Kilometer Wegstrecke zu dessen Erwanderung. Von Lindenberg aus geht es den bereits beschriebenen Weg Richtung Silbertal bis zur "Alten Schanze", danach auf markiertem Weg (blau und weiß geteiltes Rechteck) weiter, vorbei an der Hermannshütte und dem Stoppelkopf, bis zum Ziel. Zwar mit Anstieg und auch mit etwa 7 Kilometer doppelt so lang als im Wandervorschlag zuvor, was aber einem geübten Wanderer kein Problem bereiten sollte.

Das Lambertskreuz als beliebter Wanderstützpunkt mitten im Pfälzerwald

Die Geschichte des Pfälzerwald-Vereinshauses beginnt 1907 mit dem Bau einer hölzernen Hütte durch die vier Jahre zuvor gegründete Ortsgruppe Lambrecht. Sie wird sukzessive erweitert bis zu einem ersten Steinbau, um Bewirtschaftung und Übernachtung zu ermöglichen. Weitere Ausbauung (zuletzt 2010/11) führt dann zur Entstehung des heutigen Pfälzerwald-Vereinshauses. Es wurde bis zum Zweiten Weltkrieg noch in Eigenregie bewirtschaftet, danach dann verpachtet. Das Speisenangebot ist rustikal pfälzisch und wird zu volkstümlichen Preisen angeboten.

Der Name "Lambertskreuz" ist übrigens von einem uralten Wegekreuz abgeleitet, das dort 1905 wieder aufgefunden wurde, an der mittelalterlichen Waldwegekreuzung am Rand des historischen Limburg-Dürkheimer Waldes, mit einer damals noch erkennbaren "Lampe" darauf - dem Symbol des Limburger Abtes! (1)

Der Eckkopfturm

Von Lindenberg aus zur Rotsteig (s.o.) und von dort dem Weg mit der Markierung "roter Punkt" folgend, gelangt man nach etwa gut 3 Kilometer auf den 516 m hohen Eckkopf mit seinem Turm (->Heimathefte).

    Der Eckkopfturm auf dem 516 m hohen Eckkopf 

Der mächtige Turm, der heute als rechteckige massive Stahlkonstruktion in Kombination mit Holz errichtet ist, hatte an gleicher Stelle mehrere Vorgänger. Nach einer Quelle soll ein erster Turm bereits 1891 errichtet worden und noch vor dem Ersten Weltkrieg eingestürzt sein. Die in anderen Quellen hierfür genannten Errichtungsjahre 1910 bzw. 1911 scheinen sich bereits auf dessen Nachfolger zu beziehen, welcher 1920 durch einen Frühjahrssturm zum Einsturz kam.

Im Jahr 1972 gab das Ratsgremium der neu gebildeten Verbandsgemeinde Deidesheim seine Zustimmung zum Bau eines Nachfolgerturms anstelle des 1920 untergegangenen Turms. Den Beschluß hatte ein günstiges Angebot des Naturparks Pfälzer Wald gefördert, der an der Neuerrichtung eines Turms auf dem Eckkopf interessiert war. Schon 1973 kam es zur Fertigstellung und Einweihung eines 20 m hohen Aussichtsturms aus Holz. Die hierfür veranschlagte Bausumme von 117.000 Mark konnte Dank Zuschüssen unterschritten werden.

Nur 14 Monate währte sein Bestand, als er 1975 einer Brandstiftung zum Opfer fiel. An seinen vier Stützbalken angebrachte Autoreifen und an ihnen heruntergegossenes Öl und Benzin nährten das Feuer, das ihn zum Umstürzen brachte. Motiv und Täter konnten bis heute nicht ermittelt werden.

Aller Bestürzung, Empörung und ohnmächtigem Zorn zum Trotz wurde sein Wiederaufbau beschlossen. Dank vieler Spenden aus der Bevölkerung und einem überaus wohlwollenden Engagement durch die Ludwigshafener Firma Stahlbau-Schäfer konnte noch im gleichen Jahr, im Juli 1975, der heutige Turm eingeweiht werden. Seine Baukosten wurden zwischen 125.000 und 140.000 Mark beziffert.

Der jetzt 22,5 m hohe Aussichtsturm ist keine reine Holzkonstruktion wie sein Vorgänger. Er steht auf vier mächtigen Stahlpfosten, die über Fachwerkverbände stabilisiert sind. Im Innern führt eine Treppe mit stählernen Wangen, im übrigen aber aus Holz, zur Plattform hinauf. Sie passiert dabei zwei Zwischenpodeste. Diese sind wie die Plattform und die Brüstungen mit einem Bohlenbeschlag versehen.

Ursprünglich wurde sein offenes Erdgeschoß als Aufenthaltsraum benutzt, das später geschlossen und zu einer Schutz- und Wanderhütte ausgebaut wurde, die in den Sommermonaten von den Vereinen der Verbandsgemeinde Deidesheim regelmäßig an den Sonntagen (und oft auch an den Samstagen) bewirtschaftet ist. Insbesondere zu den hieraus sich ergebenden Einkehrzeiten ist der Aussichtsturm auf dem Eckkopf ein beliebtes Ziel für zahllose Wanderer.

Will man auf sein geräumiges Aussichtspodest in knapp über 20 m Höhe, so sind dazu insgesamt 113 Stufen (4 Stein-, 109 Holzstufen) zu erklimmen. Was nicht nur Kondition, sondern wegen der nach allen Seiten offenen Bauweise auch absolute Schwindelfreiheit erfordert. Oben angelangt, bietet sich ein überwältigendes Panorama: zu Füßen die Rheinebene, im Süden das Weinbiet mit Turm, darunter Neustadt, im Norden Bad Dürkheim, links darüber der Bismarckturm auf dem Peterskopf.

Prominenten Besuch hat der prächtige Turm übrigens 1982 vom damaligen Bundespräsidenten Carl Carstens erfahren, als dieser ihm während seiner Wanderung durch die Bundesrepublik seine Aufwartung machte.

Vorbei am "Spielstein" zur Stabenberg-Turmwarte

Von Lindenberg aus zur Rotsteig und von dort nun dem Weg mit der Markierung "rot-weiß" geteiltes Rechteck folgend, treffen wir zunächst auf den Weg des Geißbock-Marsches Lambrecht-Deidesheim mit dem Geißbockkopf als Markierung (siehe -->Lambrecht (Pfalz) /Brauchtum). Gemeinsam bringen die so vereinten Wege uns rasch zum Weißen Stich mit seiner Schutzhütte, von wo ab die Ausgangsmarkierung "rot-weiß" wieder die Regie übernimmt.

Auf dem so gekennzeichneten Weg gelangen wir überwiegend eben, ohne nennenswerte Steigungen, voran. Nach einem knappen Kilometer kommt ein weißer Punkt mit "S" hinzu und macht uns so auf einen kaum noch wahrnehmbaren Pfad aufmerksam, der mit geringem Abstand zunächst parallel dem bisherigen breiteren Weg folgt, doch dann einen deutlichen Knick nach links unternimmt, um uns nach etwa 50 Meter zum "Spielstein" zu führen.

    "Der Spielstein"

Auf einer kleinen Felsplatte im Boden dargestellt sind dort drei Sesel (Winzermesser) und drei Würfel mit den Werten sechs, eins und fünf. Die Darstellung in erhabener Form stammt vermutlich von 1929, von einem damals im Wegebau eingesetzten arbeitslosen Steinmetz. Zuvor enthielt der Stein wahrscheinlich nur Ritzzeichnungen. Hierbei könnte es sich um alte Hauszeichen von Schultheißen und Schöffen gehandelt haben, welche auf dem urkundlich 1343 schon erwähnten Spielstein angebracht wurden.

Sagen umranken die rätselhafte Darstellung. So sollen zwei Burschen um ein Mädchen gewürfelt haben, aber weil sie das Ergebnis nicht akzeptieren konnten, sollen sie sich gegenseitig mit Seseln umgebracht haben. Auch sollen drei junge Mußbacher, die 1812 vor dem Französischen Kriegsdienst dessertierten, zum Tode verurteilt worden sein. In einem Akt der Gnade sollte schließlich nur ein Todesurteil vollstreckt werden, weshalb die Desserteure darum würfeln mußten. Mit der niedrigsten Zahl "Eins" traf es den Jüngsten unter ihnen (2). 

Nach diesem Abstecher zum Spielstein begeben wir uns wieder auf den alten Weg zurück, der uns über die "Knoppenweth" in die Kernzone des naturbelassenen Waldes auf dem Stabenberg bringt und so auch zur Turmwarte auf demselben. In sechseckigem Grundriß gehalten, imponiert diese mit ihrem massiven Quaderwerk, das uns an staufische Buckelquader erinnert.

Von einem einladenden Rastplatz umgeben: die massive Turmwarte auf dem Stabenberg

Die heutige nur 4 m hohe Aussichtswarte wurde 1903 als erstes Bauwerk des nur ein Jahr davor gegründeten Pfälzerwald-Vereins errichtet und 1904, dokumentiert im Jahresstein der Warte, eingeweiht. Mit ihr wurde ein alter Niveaustein aus dem Jahr 1838 überbaut, der auf die trigonometrische Vermessung der damals bayerischen Pfalz zurückgeht. Ursprünglich mit einem hölzernen Pavillon aufgestockt, ragte die Warte einst 9 m in die Höhe und bot so bei der Bahnfahrt von Ludwigshafen her mit ihrer turmähnlichen Gestalt ein signifikantes Wahrzeichen des Haardtgebirges.   

Wegen ihrer geringen Höhe befindet sich die Turmwarte in einem ständigen Konkurrenzkampf miit dem Aufwuchs, so daß sie nur bei dessen Niedrighaltung beste Fernsichten gewährt. Ansonsten bieten Lücken den Blick auf das südliche Neustadt oder das Weinbiet mit dem hohen Sendemast.      

Das Weinbiet mit dem Weinbietturm und dem Weinbiethaus 

Das 555 m hohe Weinbiet mit seinem Ensemble aus Turm, Weinbiethaus und 133 m hohem Sendemast stellt einen weithin sichtbaren Blickfang über dem Haardtgebirge dar. Von Lindenberg (Ortsmitte) gelangt man zum Weinbiet über die Neutalstraße und den Weinbietweg, dann über die K16 hinweg und weiter auf einem Weg (Markierung "blauer Punkt") bis zu einer Wegespinne. Von hier führen mehrere (mit "blau-weiß geteilten Rechtecken" bzw. "blauem Punkt") markierte Wege zum Weinbiet hinauf.

   Der Weinbietturm auf dem 555 m hohen Weinbiet

Den Beschluß auf dem Weinbietkopfe einen steinernen Turm aus freiwilligen Beiträgen zu bauen, faßten ein "provisorisches Comité" und der Gimmeldinger Rat am 1. Mai 1865. Am 15. Mai 1870 lud ein "Comité für den Thurmbau" zur feierlichen Grundsteinlegung für den Turmbau auf dem Weinbiet ein. 1872 wurde mit dem Bau des Turms begonnen. Bereits 1874 erfolgte die Einweihung des Turms. Offensichtlich in noch unvollendetem Stadium, denn die Bauarbeiten zogen sich noch bis 1877 hin.

1899 wurde der Weinbietturm von der Gemeinde Gimmeldingen übernommen, 1911 eine hölzerne Schutzhütte neben dem Turm eingeweiht. Baufälligkeit des Turms führte 1925 zu seiner Sperrung, die erst 1930 wieder aufgehoben wurde. Bei einem Übungsschießen am 25. September 1950 beschädigten französische Besatzungssoldaten den oberen Teil des Weinbietturms. Die dabei zerstörte Turmkrone wird 1952 unter einem Kostenaufwand von 60.000 Mark (in schlichterer Form als ihre Vorgängerin) wiederhergestellt. Dabei wird auch die Terrasse des Turms mit einem Stockwerk überbaut, in welches der Wetterdienst, nachdem seine Räume auf der Kalmit von den Franzosen besetzt waren, sowie, bis zum Bezug eigener Gebäude, die Bundespost und der Südwestfunk einzogen.

In der Literatur wird die Höhe des Turms mit 21,5 m angegeben, wobei seine Aussichtshöhe etwa 16 m beträgt. Zu ihr hinauf gelangt man über 63 Steinstufen und 17 Stahltritte. Hat man sich der damit verbundenen Mühe unterzogen, wird diese mit einem herrlichen Rundblick über die Rheinebene und den Pfälzerwald, bis hin zum Donnersberg und dem Odenwald, belohnt. Allerdings sind dazu die Öffnungszeiten zu beachten.

Das bewirtschaftete Weinbiethaus des Pfälzerwald-Vereins Gimmeldingen ist täglich, außer freitags und beim vierwöchigen Jahresurlaub, geöffnet. Es bietet kalte und warme Hüttenkost sowie Kaffee und Kuchen.

Die Wolfsburg

Die genaue Gründung der Burg auf dem 271 m hohen Südostausläufer des Wolfsberges westlich von Neustadt a. d. Weinstraße ist unbekannt. Die in der Literatur überwiegend genannten Ersterwähnungen 1255, 1259 und 1269 können nicht exakt nachvollzogen werden. Dagegen besteht ein Hinweis auf die Existenz der Wolfsburg vom 26. November 1256, im Zusammenhang mit Pfalzgraf Ludwig II. In einer Lehensurkunde desselben, aus dem Jahr 1269, kommt es zu einer weiteren Nennung der Wolfsburg, die nahelegt, daß die Burg in Lehnsbesitz der Pfalzgrafen stand. Dieser ist ab dem 14. Jh. auf die Bischöfe von Speyer übergegangen, so nach einer Bestätigung von 1341 durch Kaiser Ludwig. Die Aufzählung der Burg unter den speyerischen Lehnsstücken läßt vermuten, daß sie urprünglich auf speyerischem Besitz errichtet wurde, der bereits 1155 an die Pfalzgrafen übergegangen war. Diese handelten mit ihr zeitweise wie Eigenbesitz, wogegen sich das Hochstift unter Bischof Ramung erfolgreich zur Wehr setzen konnte.

Blick von der Wolfsburg nach Westen zum Pfälzerwald

Blick von der Wolfsburg nach Osten über Neustadt/Wstr. und in die Rheinebene

Dennoch sahen die Pfalzgrafen die Wolfsburg weiterhin als ihren Eigenbesitz an, wie weitere Verfügungen (1287 u.a.) und Rechtsstreitigkeiten (1290) über die Burg erschließen lassen. Nachdem Pfalzgraf Ludwig II. 1294 verstorben war, übernahm dessen Sohn Ludwig (der jüngere Ludwig, später König bzw. Kaiser Ludwig der Bayer) die Herrschaft über die Pfalzgrafschaft bei Rhein und mithin über die Wolfsburg. Am 24. Juni 1324 verpfändete er sie an seinen Kanzler Hermann von Lichtenberg. Nach familiären Streitigkeiten ging die Anlage dann 1329 an die pfalzgräflichen Brüder Rudolf II. und Ruprecht I. sowie deren unmündigen Neffen Ruprecht II. (d.J.).

Da Ludwig der Bayer mit der Kurie in heftigen Streit um die Kaiserkrone und Oberitalen geraten war, wurden er und seine Anhänger vom Papst mit dem Kirchenbann belegt. Im Spätjahr 1332 überfielen daher seine Pfälzer Anhänger unter Ritter Schleder von Lachen das Kloster St. Lambrecht, nahmen dort eingekehrte Dominikaner aus Speyer gefangen und verschleppten sie "durch Dornengesträuch und Gebüsch" auf die Wolfsburg. Sie ließen sie erst wieder frei, nachdem ihnen Dispens zugesagt wurde (ausführlicher zum Überfall auf das St. Lambrechter Kloster im Jahr 1332 --->Lambrecht (Pfalz)).

Von Lindenberg (Ortsmitte) gelangt man zur Wolfsburg über die Neutalstraße und den Weinbietweg, dann über die K16 hinweg und weiter auf einem Weg (Markierung "blauer Punkt") bis zu einer Wegespinne. Von hier folgt man dem aufsteigenden Weg mit der Markierung "blau-weiß geteiltes Rechteck", bis dieser einen mit "rotem Punkt" markierten Weg kreuzt. Über letzteren abwärts, dabei ein imposantes Felsenmeer mit mehreren Aussichtskanzeln durchquerend, gelangt man schließlich zur Burg.  Vom rührigen Schöntal-Verein betreut, wird von diesem dort ehrenamtlich auch eine Burgschenke betrieben.  Diese ist regelmäßig an den Sonntagen in den Sommermonaten geöffnet bzw. immer dann, wenn auf der Burg die Fahne weht, als weithin sichtbares Signal, daß die "Burgschenke offen" ist.

Das Neustadter Naturfreundehaus

Das Waldhaus der Ortsgruppe Neustadt im Touristenverein "Die Naturfreunde" im Heidenbrunner-Tal ist von Lindenberg aus in einer etwa fünf Kilometer langen Wanderung gut zu erreichen. Der Weg führt zunächst über die südliche K16 bis zu deren Einmündung in die B39, wo eine Unterführung(!) deren sichere Querung zur anderen Straßenseite erlaubt. Nun geht es talabwärts an der Brache von Knoeckel, Schmidt (ehemalige Papierfabrik) vorbei, um unmittelbar danach auf den Wald- und Radfahrweg zu gelangen, der rechts neben dem Speyerbach entlang ins Nonnetal führt und von dort weiter zum großen Sandsteinbau der ehemaligen Achatmühle. Unmittelbar danach erreicht man den Eingang in das südliche Heidenbrunner-Tal (gegenüber der Industriebrache Hoffmann & Engelmann). Auf dessen Talweg weiter (über die Siedlerstraße) gelangt man dann zum Naturfreundehaus.

Dessen Grundsteinlegung erfolge am 16. September 1923, während der Inflationszeit. Dank überstellter "Notstandsarbeiter" gingen die groben Vorarbeiten relativ rasch voran. Doch ohne Geld kam der weitere Baufortschritt rasch ins Stocken. Gut war da, daß ein Sponsor den Neustadter Naturfreunden hier zur Seite sprang und auch die Bayerische Regierung ein Schärflein dazu beitrug. So konnte der Bau dann doch noch vorangetrieben und am 1. August 1928 das Richtfest begangen werden. Mit einem großen Festzug durch Neustadt und zum Heidenbrunner-Tal konnte dann am 2. Juni 1929, unter großer Anteilnahme der Neustadter Arbeiterschaft und der Arbeiterbewegung nahestehender Organisationen, das neue Naturfreundehaus feierlich eingeweiht werden.

Nach der Machtübernahme von 1933 durch die Nazis gelangte das Haus in SA-Besitz und kam erst am 26. November 1946 wieder in die Obhut der Neustadter Naturfreunde. Diese mußten zunächst noch an die Sequesterverwaltung Miete entrichten und zur Beseitigung der von der SA hinterlassen Spuren das Haus neu herrichten. Auch Modernisierungsmaßnahmen hatten sie in Angriff zu nehmen. 1952 wurden die Neustadter Naturfreunde schließlich wieder Eigentümer ihres Naturfreundehauses.

Das beliebte Wanderziel empfiehlt sich mit gutbürgerlicher Küche, Pfälzer Spezialitäten, selbstgebackenen Kuchen und durchgehend warmer Küche. Ein Nebenzimmer mit 40 Plätzen bietet sich zu Gesellschafts- und Familienfeiern an. Es ist täglich ab 10 Uhr geöffnet, inklusive an den Feiertagen, außer an den Ruhetagen, Montag und Dienstag (Stand März 2012).

                       

Das Neustadter Naturfreundehaus mit Freiterrasse und Weiher ein beliebtes Wanderziel 

ÜBERSICHTSKARTE: Umgebung Lindenberg und Lambrecht

Zahlreiche Ziele finden sich in der unmittelbaren Umgebung von Lindenberg und Lambrecht, die sich vor allem zum Erwandern anbieten, wobei die Wandertouren zu diesen beliebig kombiniert werden können. 

Der Dicker-Stein-Turm

Als eines der ersten Lambrecht am nächsten liegenden Ziele ist der Dicker-Stein-Turm anzuführen. Er nimmt auf dem Schauerberg, der den Lambrechter Talkessel an seiner Südseite umfaßt, in 370 m Höhe seinen Platz ein. Von seiner Plattform bietet er einen umfassenden Rundblick. So auf die Berg- und Waldlandschaft, welche die Stadt Lambrecht umgibt, wie ebenso auf die westlich von ihr sich hinziehende und nach ihr benannten "Lambrechter Industriegasse", den Teufelsfelsen auf dem nördlichen Kreuzberg (Aussichtspunkt), das Weinbiet im Osten mit seinen beiden weithin sichtbaren Wahrzeichen, dem Aussichtsturm und dem Sendemast.

Den Blick auf die Stadt gerichtet, sticht die alte Klosterkirche mit ihrer verschieferten und mächtigen Glockenstube aus dem Häusermehr heraus, rechts dahinter der Spitzhelm auf dem Erker am Zunfthaus. Mit ihrem hellen Putz macht die barocke katholische Kirche am westlichen Taleingang des Luhrbachtales, das sich zwischen Kreuberg und Eichelberg (mit dem Umsetzer darauf) schiebt, auf sich aufmerksam und reckt ihren schlanken Tum zum Himmel. Zwischen ihr und der alten Klosterkirche umschließen im Stadtzentrum die Gebäude der Volksschule den großen Schulhof. Links darüber, über den Bahngleisen der Ludwigsbahn erhebt sich ebenfalls hell verputzt der große Komplex der Verbandsgemeinde-Verwaltung, die ehemalige Web- und Textilingenieurschule. Nahe davor der Postturm im Stil des romantischen Burgenbaus ua.

Schöner Panoramablick vom Dicker-Stein-Turm auf das in seinem Talkessel liegende Lambrecht

Der Weg zum Turm geht von Lambrecht über die an der alten Klosterkirche vorbeiführende Marktstraße aufwärts bis zum Ende der Straße bei den beiden Friedhöfen. Von dort weiter, der Wegemarkierung "blau-gelb geteiltes Rechteck" folgend, führt dann ein Waldwanderweg zum Turm.

Der Kaisergarten und die Breite Loog

Die gleiche Wegemarkierung (wie zuvor) führt uns weiter über den Hohen Kopf und am Runden Tisch vorbei zum Kaisergarten und zur Breiten Loog. Der Kaisergarten, früher die Alte Unger (ehemalige Waldweide) auf der "Hohen Ebene", liegt 519 m hoch und stellt so die höchste Erhebung Lambrechts dar. Zu Ehren Napoléons und aus Anlaß dessen Kaiserkrönung wurde dort 1804 ein Festplatz mit Buden und Tanzböden eingerichtet, wo die Bevölkerung bei Tanzmusik feierte. Bis 1891 stand dort noch eine an Sonn- und Feiertagen zeitweise bewirtschaftete Schutzhütte, die erst in jüngerer Zeit durch einen Neubau ersetzt wurde.

Die nur unweit von der heutigen Schutzhütte entfernt anzutreffende Breite Loog stellt eine Grenzplatte dar, wo die Waldungen dreier berechtigter Gemeinden zusammentreffen, daher auch als "Dreimärker" bezeichnet. Bei den Berechtigten handelt es sich um Lachen-Speyerdorf und Hambach (heute zu Neustadt/Wstr. gehörend), die genossenschaftlich an der dort grenzenden ersten Hartgeraide berechtigt waren, sowie um Lambrecht (zuvor Deidesheim). Am 25. Juni 1748 war sie Ort einer aus Waldstreitigkeiten zwischen den Lachenern und Hambachern hervorgegangenen regelrechten Schlacht, bei der es zahlreiche Verletzte und sogar Tote gab (weitere Infos vor Ort).

    Gut geputzt: Die Breite Loog (Brello)

Im Jahr 2002 hat der Förderverein Sauerbrunnen in Lambrecht, zusammen mit der Lambrechter Pfälzerwald-Ortsvereinsgruppe, die von Laub-, Nadel- und Moosbefall fast völlig zugedeckt gewesene "Brello"  (=Breite Loog im Volksmund) wieder freigelegt und die schon stark verwitterten Grenzinsignien fachmännisch restaurieren lassen. Um die Platte zukünftig freizuhalten, hält der Förderverein vor Ort einen Besen bereit, mit der Aufforderung an die vorbeikommenden Wanderer, bei Bedarf doch bitte die Platte zu putzen. Auf meine Anregung hin wurde dazu eigens ein "Besenbuch" ausgelegt, worin sich die "Plattenputzer" mit ihrer guten Tat verewigen können, was diese häufig in lustigen Reimen auch tun. Inzwischen wurden so schon mehrere Besenbücher "vollgedichtet" und über sie und ihre schönsten und lustigsten Verse auch schon mehrmals in der Presse berichtet.

Die Hellerhütte

Weiter der blau-gelben Wegemarkierung folgend, führt uns der Weg schon kurz nach der Brello über die Anhöhe des Überzwerch-Berges und über ein dann längeres Wegestück zur Hellerhütte hin. Die Hütte wurde 1910 als erstes Waldhaus mit Übernachtungsmöglichkeit von der Pfälzerwald-Vereinsortsgruppe Neustadt/Wstr. auf dem Hellerplatz errichtet und danach mehrmals renoviert und modernisiert. Von Beginn an bis heute von den Vereinsmitgliedern bewirtschaftet, bieten diese den Wanderern, die ihre beliebte Hütte zahlreich frequentieren, einfache kalte und warme Speisen sowie Kaffee und Kuchen. An alkoholischen Getränken kommt auschließlich Wein zum Ausschank.

Die Hellerhütte der PWV-Ortsgruppe Neustadt/Wstr., beliebtes Wanderziel für Mensch und Tier

Schlimmes trug sich für die Leute vom Hüttendienst zu, als in der Neujahrsnacht 1961 eine kriminelle Bande Heranwachsender das Vereinsmitglied Karl Wertz erschoß. An die Mordtat erinnert der Gedenkstein nahe beim Haus.

Für eine Wanderung zur Hellerhütte von Lambrecht aus bietet sich als Alternative eine mit rotem Rechteck markierte Wanderstrecke an (über das westliche Beerental, dort am Kulturdenkmal Sauerbrunnen und am Geißbockspiel-Festplatz am hinteren Talschluß vorbei, dann hinauf zum Freien Platz und über den Brandweg zur Hellerhütte). Sollte also die Hellerhütte das Endziel einer Wanderung von Lambrecht aus darstellen, so bieten sich sowohl der beschriebene Hinweg, als auch die angeführte Alternative als Rückwege an.     

Die Burgen Spangenberg und Erfenstein

Zwar sind die Burgen Spangenberg und Erfenstein auch von der Hellerhütte aus über das Höllisch-Tal (weiß-rot geteiltes Rechteck) gut zu erreichen, aber als Ausgangspunkt zu ihrer Erwanderung kehren wir wieder nach Lambrecht zurück. Dort beginnt die Tour etwa über die zur alten Klosterkirche aufsteigende Marktstraße, dann über die Grabenstraße und den Unteren- oder Oberen Kleinen Weg Richtung Beerental. So gelangen wir (bei der Trafo-Station) an den unteren Schorlenberghang.

Von dort ist per kurzer Abstecher die Beerentalstraße hinauf, hinter den Sandsteinhäusern an der rechten Straßenseite, das Kulturdenkmal Sauerbrunnen vorzufinden. Die ursprüngliche Heilquelle aus 1600 wurde 1837 (richtiger wohl 1831) erneuert, wie der Inschrift unter einer Ädikula entnommen werden kann. 1957, wegen des damaligen schlechten Zustandes und wegen der Verbreiterung der Beerentalstraße, wurde die alte Brunnenanlage verfüllt und 1993 wieder aufgedeckt. Vor allem einer Bürgerinitiative und dem Förderverein Sauerbrunnen Denkmalpflege e. V. ist zu verdanken, daß die Brunnenanlage restauriert und 1996 feierlich der Öffentlichkeit übergeben werden konnte.

Nach diesem Abstecher nehmen wir nun den Weg unterhalb des Schorlenberges auf und gelangen so in die sog. "Haspeln", wie die Flur ab dem unteren Hang des Schorlenbergs und weiter über Frankeneck hinweg bezeichnet wird (siehe -->Thema spezial). Schon früh teilt sich der Weg in einen oberen und unteren Haspelweg. Da beide Wege im Prinzip parallel laufen, führen sie beide zum Ziel. Interessanter ist der untere Haspelweg, der durch Trockenmauern sowohl zur Berg- wie zur Talseite auf weitestgehend gleichbleibendem Niveau gehalten wird und so auch etwas bequemer zu gehen ist.

Sein auffällig fester Ausbau erfolgte wohl schon zu mittelalterlicher Zeit. Nicht nur weil er einen Teil des mittelalterlichen Fernweges von Speyer zum Johanniskreuz bildete, auf dem auch der historische Jakobsweg verlief, sondern für die Speyerer Bischöfe auch die Hauptverbindung war zu ihrer Burg auf dem Spangenberg. Da mit dem Bau der Burg und ihrer Unterhaltung gewiß ein größerer Güterfuhr- und Reiterverkehr einherging, der über diesen Weg abgewickelt wurde, mußte der Weg entsprechend den Erfordernissen stabil und haltbar angelegt sein.

Während wir uns also auf diesem Weg unserem Ziel weiter nähern, nehmen wir an den bergseitigen Trockenmauern seltsame Öffnungen wahr, die sich in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen wiederholen. Um was es sich hierbei konkret handelt und welchem Zweck sie dienten, ist rätselhaft. Bisherige Mutmaßungen halten sie für ehemalige Unterstell- und Schutzkammern vor Unwetter für die Hirten. Weitere Deutungen sind denkbar, doch bleibt alles nur spekulativ.

Schon bald erschließt sich eine schöne Aussicht auf das am Eingang in das Elmsteiner Tal positionierte und an der Talstraße sich lang hinziehende Walddorf Frankeneck. Es ist durch die Ansiedlung eines tüchtigen Holzmacherstandes zur forstwirtschaftlichen Ausbeutung der Unteren Frankenweide im Jahr 1785 als Waldfrankeneck entstanden. Schon bald danach etablierten sich dort auch Papiermühlen als Anfänge für die Entwicklung einer bedeutenden Papierindustrie. Der Geschichte vom "Papierschöpfen" bis hin zur industriellen Papierproduktion widmet sich dort das empfehlenswerte Papiermacher-und Heimatmuseum an der Talstraße 47.

Das Dorf im Geleit gelangen wir schließlich an das Ende des unteren Haspelweges. Er nimmt abwärts nun Anschluß zum "Millionenweg", der an der Sattelmühle, am hinteren Ende von Frankeneck, von der Talstraße abzweigend eine Verbindung nach Iptestal schafft. Der Name der Straße geht auf die Inflationszeit zurück, in der sie angelegt wurde. Wir wählen nach einem kurzen Aufstieg in der dortigen Bergdelle den oberen Parallelweg, der uns schon kurz nach seinem Beginn durch die "Schatzkammer" Lambrechts leitet, ein nahezu in Reinkultur sich ausdehnender Eichen-Wertholzwald. Mit seinem abfallenden Schlußstück führt uns der Weg zur Staße, die uns am Grünabfallplatz und am Kinderspielplatz vorbei nun unvermittelt nach Iptestal führt.

Die zu Lambrecht gehörende Exklave ist 1938 durch die Ansiedlung von Arbeitern und ihren Familien entstanden, nachdem sich die Reißwollfabrik Laubscher bei Erfenstein niedergelassen hatte. Der Name der Siedlung leitet sich vermutlich von Zigeunern ab, die sich gerne an abgelegenen Orten aufhielten. Daß sich bei Erfenstein Zigeuner aufhielten, dazu bietet die Sage ein Indiz, wonach ein Trupp Zigeuner in den Turm von Burg Erfenstein, der ohne Eingang war, ein Loch gebrochen habe, um darin zu wohnen. Früher nannte man die Zigeuner auch Ägypter, da man sie aus Ägypten stammend vermutete. So ist denkbar, daß aus ehemals Ägyptental (durch sprachliche Abschleifung) dann Iptestal wurde. (parallel dazu gibt es in Neustadt/Wstr. einen Ägyptenpfad wohl mit gleichem Hintergrund!).

Möglicherweise beschert die Wanderung auch eine nostalgische Begegnung, die sich mit schwerem Stampfen und dampfendem Schnauben ankündigt. Dann nämlich ist unterhalb des Wanderweges gerade das Kuckucksbähnel mal wieder unterwegs, bei seinen Fahrten zwischen Neustadt/Wstr. und Elmstein. Und vielleicht hält es im Erfensteiner Bahnhof gerade seinen Zwischenhalt, um dort klopfend, schnaufend und pfeifend seine Grüße in den Talhimmel zu senden, hinauf zur Burg Spangenberg und ihrer Gegenburg, der Burgruine Erfenstein. Ein besonders schönes Ensemble, sollte es sich so einem eröffnen, nachdem man Iptestal hinter sich gelassen hat, um kurz danach dann in Erfenstein einzutreffen.

Nach der Einfahrt von Elmstein macht das Kuckucksbähnel mit der Lok "Speyerbach" an seiner Spitze seinen obligatorischen Zwischenstopp im Erfensteiner Bahnhof und sendet dabei seine dampfenden Grüße hinauf zur Burg Spangenberg 

Nach bisher nahezu ebener Wegstrecke, geht es ab hier nun auf Zick-Zack-Wegen den Berg hinauf zur Burg Spangenburg, die nach dieser lohnenden Anstrengung zum erholsamen und stärkenden Aufenthalt in ihrer Burgschenke einlädt. Dort halten die fleißigen Mitglieder des Burgvereins einfache kalte und warme Speisen sowie Kaffee und Kuchen bereit. Eine Spezialität stellt ihr Rittermahl im Gewölbekeller der Oberburg dar, das für Gruppen (nach Voranmeldung) zelebriert wird. Als absoluter Höhepunkt im Kalenderjahr (Vatertag und folgendes Wochende) präsentiert sich das Burgfest, das zahlreiche Besucher anlockt.

  

Großer Besucherandrang auf Burg Spangenberg beim beliebten Burgfest (im Bild rechts späht zwischen Oberburg und Schildmauer die nahe Burgruine Erfenstein herüber)

Die Burg selbst ist erstmals wohl Gegenstand eines bischöflichen Testaments aus dem Jahr 1100. Eindeutig genannt ist sie dann für das Jahr 1317. Kurz vor 1480 erlitt sie erhebliche Zerstörung, vermutlich durch die Leininger, aus Rache für die Zerstörung ihrer Burgen Breitenstein und Erfenstein im Jahr 1470. Danach wieder aufgebaut, diente sie ab dem Jahr 1505 Stutmeistern als Wohnung, die in einem groß angelegten Stutgarten Pferde züchteten. Ihren endgültigen Untergang besiegelten dann der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) und der Pfälzische Erbfolgekrieg (1688).

Reges Treiben herrscht im mittelalterlichen Händler- und Ritterlager vor Burg Spangenberg

Zur auf der anderen Talsseite thronenden Burgruine Erfenstein ist es vom Spangenberg aus nur ein Katzensprung. Als Gegenburg zur Burg Spangenberg wurde sie vermutlich 1180 errichtet. Um die Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert dürfte sie dann an die Grafen von Leinigen gelangt sein, denen sie als Schutzburg für ihre Frankenweide diente. Eine noch ältere Burganlage befand sich etwas weiter oberhalb, deren spärlichen Reste noch zu sehen sind. Sie scheint gleich nach dem Bau der unteren Burg aufgegeben worden zu sein. Infolge einer Auseinandersetzung von Kurfürst Friedrich I. mit Herzog Ludwig dem Schwarzen von Zweibrücken, in die auch die Leininger involviert waren, wurde sie im Oktober 1470 zerstört. So blieb nur noch der aus schweren Buckelquadern erichtete Bergfried sowie ein Stück der Ringmauer für die Nachwelt erhalten.

     Burgruine Erfensten mit Bergfried

Daß Spangenberg und Erfenstein so "pfeilschußnah" beieinander liegen, mag wohl die Phantasie beflügelt haben, daß mehrere Sagen um die beiden Burgen ranken. Am faszinierendsten klingt jene von der "Ledernen Brücke", welche einst beide Burgen miteinander verbunden haben soll. Um seiner heimtückischen Ermordung zu entkommen, soll sie der Spangenberger schließlich abgeschnitten haben, wobei der mit der Brücke abstürzende Erfensteiner "im Tale tief sein Grab" fand.

Die Burgruinen Neidenfels und Lichtenstein

Wieder vom Startort Lambrecht aus bietet sich eine Tour zu den beiden Burgruinen Neidenfels und Lichtenstein an. Zu diesen beiden Zielen führt ein mit rotem Rechteck markierter Wanderweg, etwa vom Startpunkt Bahnhof über die Hermann-Schneid-Brücke und nördlich am Bahnkörper der "Ludwigsbahn" entlang, über die (westliche) Bergstraße und danach auf dem sog. "Philosophenweg" (Waldweg) weiter bis zum Ostrand von Neidenfels, von dort um das nördliche Zwerlenbachtal herum und dabei am Sportplatz vorbei, dann vom hinteren Ende des nächsten Tales auf ansteigendem Weg zur Burgruine Neidenfels hinauf.

Von ihrem Standort erschließt sich ein schöner Blick auf das darunter liegende Dorf Neidenfels, für welches die Burg nicht nur den namentlichen Paten abgibt, sondern auch den geschichtlichen Mittelpunkt bildet. Ihre Errichtung diente wohl dem Schutz für die Wälder und der Straße sowie für die Unterkunft gräflicher Jagdgesellschaften, wobei Hinweise und Zusammenhänge auf Pfalzgraf Rudolf II. als Erbauer der Burg deuten. Demnach könnte ihre Errichtung ab 1331 erfolgt sein. 1338 wurde Burg Neidenfels dann erstmals urkundlich erwähnt.

Bis zu ihrem Untergang blieb die Burg in Besitz der Pfalzgrafen, die sie überwiegend kurpfälzischen Amtsträgern als Lehnsburg überließen. Den Bauernkrieg von 1525 überstand die Burg wohl nahezu unbeschadet, insoweit größere Baumaßnahmen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts eher als übliche Umbau- und Erweiterungsmaßnahmen erscheinen. Vermutlich bereitete dann der 30-jährige Krieg ihren Untergang, indem eingeschränkte Nutzungsmöglichkeiten danach auf eine zumindest teilweise Zerstörung der Burg verweisen. 1689 sprengten französische Truppen unter General Melac dann ihre letzten Reste.

Burg Neidenfels mit ihren Resten über dem Neidenfelser Tal

Ein Neuaufbau erfolgte nicht mehr, lediglich ein Wohnhaus für den Pächter des Schloßgutes wurde noch erstellt (1739). Dennoch erfuhr die Burgruine in den Jahren 1749/50 einen nachhaltigen Eingriff in ihre Substanz durch den kurpfälzischen Forstmeister Georg Franz Glöckle, der Mauerwerk abbrechen ließ, um mit den daraus gewonnenen Steinen die Terrassen im Berghang unterhalb der Burgruine anzulegen. Sein Vorhaben, auf diesen einen Weinberg anzulegen, mißlang allerdings. Mit dem Bau einer Klause als Eremitage (vor 1779) wurde dann auch die letzte Baumaßnahme vollzogen. Unter französischer Herrschaft gelangte die Ruine samt Burgberg in Privatbesitz, dann 1875 an den Pfälzer Verschönerungsverein, der erste Sanierungen anging. Nach dessen Auflösung wurde 1935 dann die Gemeinde Neidenfels Eigentümerin der Burgruine.  

Trotz ihrer ruinenhaften Erscheinung weist sie noch eine Anzahl der typischen Merkmale auf, die sie als ehemals stattliche und wehrhafte Burg charakterisieren. So etwa Halsgraben, Ringmauer, Zwinger, Schießscharten, Schalentürme z. T. mit Feuerwaffenscharten,  Felsenkeller, Tonnengewölbe, Treppenturm, Zisterne, Burgbrunnen u.a.

Möglicherweise gibt uns ihr Name einen Hinweis auf einen engen Zusammenhang zur nahen Ruine von Burg Lichtenstein. Denn in der Deutung von "Neid" als "Nied" i. S. von "nieder oder nach" könnte zum Ausdruck kommen, daß in Bezug zum Lauf des Hochspeyerbaches im Tal die Burg Neidenfels die niederhalb aufgeführte Burg war, während sich oberhalb des Bachlaufs Lichtenstein erhob. Deren Entstehung geht frühenstens mit der Greifbarkeit des nach ihr sich benennenden Geschlechts einher, wofür das Jahr 1219 anzuführen ist. Da sich die Häupter der Lichtensteiner untereinander wohl arg zerstritten, rief dies Speyer auf den Plan, das 1281 die Burg schleifte.

Die Ruine von Burg Lichtenstein mit ihrer Schildmauer (Ansicht von Osten)

Es ist nicht auszuschließen, daß ihr Niedergang den zeitlichen Anstoß gab zur späteren Errichtung von Burg Neidenfels. Von dieser die große Treppe mit ihren rund 160 Stufen abwärts und dann taleinwärts weiter und an der Lichtenstein-Hütte vorbei, zweigt schon bald ein Weg links ab, der uns rasch zu den Ruinen von Lichtenstein bringt. Nach dem Besuch der beiden Burgen, bietet die nahe Lichtenstein-Hütte der Pfälzerwaldverein-Ortsgruppe Neidenfels Gelegenheit zu Rast und Einkehr (Öffnungszeiten: Mittwoch u. Samstag 13-19 Uhr, Sonn- u. Feiertags 10-19 Uhr; Übernachtung: 3 Zimmer mit 10 Betten stehen zur Verfügung).

Der Drachenfels westlich Bad Dürkheim

Von Lindenberg aus führt der Weg zum Drachenfels westlich Bad Dürkheim über das Lambertskreuz als Zwischenstation. Wie man von Lindenberg aus über die Alte Schanze beim Silbertal bzw. über die Rotsteig dorthin gelangt, wurde bereits oben ausgeführt. Die von Lambrecht aus sich bietende Alternative führt ebenfalls über das Lambertskreuz, wobei man hierfür am besten den Bahnhof als Ausgangspunkt wählt, um dann durch das nördliche Luhrbachtal dem an seinem hinteren Ende im Osthang des Eichelbergs aufsteigenden Weg (Markierung gelbes Kreuz) zu folgen.

Etwa auf halber Distanz bis zum "Lellebebbel-Pädel" führt er uns an einer links des Wegs liegenden Felsplatte vorbei, die folgende Inschrift trägt: "Zwischen Bergen tief im Tal / Von dem Speyerbach durchflossen / Zwischen Wiesen ohne Zahl / Wo viel Gras und Blumen sprossen / Nah der Perle unsrer Pfalz / Liegt St. Lambrecht, Gott erhalt's!"

Geistiger Schöpfer dieser poetischen Zeilen ist Karl Kissel, der von 1904 bis 1921 Lehrer in Lambrecht war und rund 70 Gedichte reimte. Eines unter diesen, eine Hommage an Lambrecht über insgesamt sechs Strophen, kannte früher jedes Lambrechter Kind und so wurde dessen erste Strophe auf jenem Felsen verewigt. Urheber hierfür war der Tuchmacher und Hobby-Steinmetz Franz Schaaf, der um die 1930er-Jahre mehrere derartige Steinverzierungen im Lambrechter Wald erschaffen hat.

Nach Ende seines Anstiegs führt der Weg nun eben weiter, um schon bald in das "Lellebebbel-Pädel" zu leiten, ein kleiner Pfad (=pfälz. Pädel"), den Georg Wilhelm, Hüttenwirt und Gründungsmitglied des Pfälzerwald-Ortsvereins Lambrecht, einst anlegte, um so sein Fäßchen Wein leichter nach dem Lambertskreuz karren zu können. Sein Helfer dabei, mehr mit Muskelkraft als mit Geistesstärke ausgestattet, fragte ihn nach Fertigstellung des Pfades, wie dieser nun heißen solle. Worauf Wilhelm antwortete: "Ach nennen mern grad nooch dir!" (3). Womit er den Namenspatron als jemanden charakterisierte, der viel nach dem Mund redete, aber mit nur wenig Hirn dahinter (pfälz. "Lelle" bedeutet Mund, pfälz. "bebble" von babbeln=unverständlich schwatzen, dummes Zeug reden).

Der so bedachte Pfad gibt im Zusammentreffen mit dem Weg vom Silbertal her die weitere Führung nun an diesen ab und so bringt uns dieser weiterhin eben verlaufend sicher zu unserem Zwischenziel, dem Lambertskreuz (siehe obige Ausführungen darüber!). Von den hier ankommenden Wegen wählen wir nun den sich nach Süden wendenden Weg, welchen Rechtecke in den Farbgebungen blau-weiß geteilt, rot und gelb, markieren. Er macht bald eine Kehre nach Norden und hält so zielstrebig auf eine Wegespinne zu, die nach der Anzahl ihrer in alle Richtungen abgehenden Anbindungen den Namen "Sieben Wege" erhalten hat.

Ein gelb-rot geteiltes bzw. blaues Rechteck ist nun die Markierung des Wegs, welcher uns auf den nördlichen Hohberg navigiert mit seinem sich über mehrere hundert Meter weit erstreckenden felsigen Gipfelplateau, kurz Drachenfels genannt. Seinen Namen hat dieser von Siegfried dem Drachentöter, dem Held des Nibelungenliedes, dessen mythischen Abenteuer nur unweit östlich, beim rheinhessischen Worms, ihren Ursprung genommen haben sollen.

Pfälzerwald pur soweit das Auge reicht bietet der Drachenfels von seinem Südfelsen aus

Auf dem Drachenfels angelangt, erschließt sich von seinem Südfels ein herrlicher Blick über den Pfälzerwald. Ähnliches bietet eine hallengroße Durchblick-Kammer im Fels darunter, zu der man durch eine Felskluft mit Treppe hinabsteigt. Ein weiterer Treppenabgang bringt uns vom Felsplateau hinab zur großen Drachenhöhle. Auf dem Plateau gelangt man zu weiteren schönen Ausblickpunkten oder entdeckt manch Interessantes, wie etwa die Spuren einer spätrömischen Befestigungsanlage im westlichen Teil. So ist der Drachenfels eine Wanderung allemal wert, auch wenn diese wegen ihrer Streckenlänge schon etwas mehr Kondition erfordert, aber dafür dann reichlich belohnt.

Ein Wunderwerk der Natur ist die Durchblick-Kammer im Felsmassiv des Drachenfels

Quellen und Anmerkungen:

  1. es hat folglich nichts mit St. Lambertus, dem Patron des St. Lambrechter Klosters zu tun!
  2. gänzlich zum Spielstein: Otto Gödel bei Karl Heinz Himmler, "Hüh, Moppel, zieh! - Erlebniswelt Deidesheimer Stadtwald", Talpost vom 19.12.1996;
  3. Karl Heinz Himmler bei Walter Eitelmann, Rittersteine im Pfälzerwald, 4. Auflage 1998, S. 274;

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