Der Verkehrsverein Lambrecht (Pfalz) e.V.

1. Die Vorgeschichte des Vereins

Schon 1895/6 wird ein Verkehrs- und Verschönerungsverein als Erbauer eines Aussichtspavillons auf der Felsformation "Dicker-Stein" genannt (1). Mehr ist über diesen allerdings nicht in Erfahrung zu bringen, nur, daß sein Pavillon 1920 noch existierte, unmittelbar danach jedoch verfiel. Dies indiziert, daß dieser Verein zum Zeitpunkt des Untergangs seines Pavillons schon nicht mehr existierte, dies sehr wahrscheinlich sogar schon einige Jahre davor, weswegen er auch den Verfall desselben nicht mehr aufhalten konnte.

Offensichtlich von daher spielte er auch bei der Gründung des heutigen Verkehrsvereins keine Rolle, noch bildete sein Pavillon ein Motiv dazu. Lediglich in der Übernahme seines ersten Namensteils durch den jüngeren Verkehrsverein ist eine Anlehnung an den älteren Verkehrsverein zu erkennen, wohl auch hinsichtlich des gemeinsamen Ziels, den Fremdenverkehr heben zu wollen, ansonsten jedoch nur i. S. reiner Reminiszenz, denn in ihren Ansätzen zur Förderung ihres Ziels unterschieden sich beide Vereine doch ganz erheblich.

Während nämlich der ältere Verkehrsverein die klassischen Mittel bevorzugte, ähnlich wie die mit ihm zur vorletzten Jahrhundertwende auch in anderen pfälzischen Orten in Mode gekommenen Verkehrsvereine, ihren Orten und deren Umgebungen durch konkrete Verschönerungsmaßnahmen größere Anziehung zu verschaffen, wie etwa durch Anlegen schöner Plätze oder gar ganzer Parkanlagen, Errichtung von Aussichtsbauten etc., galt die Hinwendung des jüngeren Verkehrsvereins primär dem historischen Lambrechter Sommertagsfest.

    Sommertags-Plakat (Entwurf Otto Annweiler ca. 1950)

Dieses geht auf einen Streit zur Frühjahrssonnenwende des Jahres 1755 zurück (2), der zwischen den beiden damals noch selbständigen Orten, St. Lambrecht und Grevenhausen, um das Recht auf die Trockenwiesen auf dem Sommerberg entbrannt war und Züge eines lokalen Kriegshandels angenommen hatte. Schon drohte dieser blutiger Ernst zu werden, da konnten die Feindseligkeiten im letzten Augenblick friedlich beigelegt werden. Aus dem anschließenden Versöhnungsfest mit Umzug durch beide Orte, das danach jährlich wiederholt wurde, ging dann die Tradition des historischen Lambrechter Sommertagsfestes hervor.

In seiner Erinnerung an diesen Streit mahnte es nicht nur zum Frieden, sondern trug maßgeblich auch zu dessen Bewahrung bei, indem es mit seinem Element der stetigen Rechtserneuerung keine Rechtsstreitigkeiten mehr hinsichtlich der Streitobjekte aufkommen ließ. Dies war von existenzieller Bedeutung für beide Lambrechter Dörfer, insbesondere aber für die St. Lambrechter Tuchmacher, die fortan ungestört ihre Tuche, nach dem Waschen, Walken, Färben, zum Trocknen auf die Trockenwiesen in der Grevenhausener Mark verbringen durften.

Es ist daher nur zu verständlich, daß gerade die St. Lambrechter Tuchmacherzunft dieses ihr so dienliche Fest aufgriff und es zu ihrem zentralen Anliegen erhob. Mit den in ihr zusammen-geschlossenen Patronen und Fabrikanten, verfügte sie über die nötige Autorität, dazu nicht nur die Arbeiterschaft, sondern die ganze Bevölkerung zu mobilisieren. Und so dürfte das Sommertagsfest unter ihrer Regie stets ein jeden und alles mobilisierendes gewaltiges und beeindruckendes Schauspiel geboten haben, das sich als solches auch fest im kollektiven Bewußtsein der Lambrechter Bevölkerung verankerte.

Mit der zum Ende des ersten Drittels des 19. Jh. einsetzenden Errichtung von immer mehr Fabrikbauten und dem Aufkommen neuer Techniken, die u.a. auch eine Trocknung der Tuche im Innern der Fabrikgebäude erlaubten, verloren die Trockenwiesen allmählich an Bedeutung. Als dann 1849 die Schienenstränge der Pfälzischen Ludwigsbahn über sie hinweg gelegt wurden, gingen sie quasi gänzlich unter. Wechselnde Ersatzplätze, die nun ihren Namen trugen, hielten danach noch die Erinnerung an sie wach, auch als "Raafacker" bezeichnet, weil beim Sommertagsfest auf ihnen der Ringkampf zwischen Sommer und Winter ausgetragen wurde.

Die schwindende Bedeutung der Trockenwiesen und letztendlich ihr Verlust hatte zur Folge, daß bei den Tuchfabrikanten auch das Interesse am historischen Lambrechter Sommertagsfest dahinschmolz und so gab die Zunft schließlich 1870 - nach fast 120 Jahren - ihr Bemühen darum auf. Das Fest wurde vakant und sogar sein Untergang drohte. Doch im Bewußtsein der Bevölkerung lebte das große Lambrechter Heimatfest weiter und rief daher bald heimatverbundene Bürger auf den Plan.

Offensichtlich waren diese den damit verbundenen Mühen nicht gewachsen, so daß eine neue Organisation sich seiner annehmen mußte. So wurde die 1890/1 greifbar werdende, möglicherweise aber schon davor existierende "Gesellschaft Frohsinn" aktiv, die nicht nur das Sommertagsfest wiedererweckte, sondern auch das Eierpicken und das Geißbockbauchtum u.a. Sie wirkte bis 1912, zuletzt jedoch unter Nachlassen in ihrer Kraft, um dann in dem am 28.3.1912 gegründeten "Comitée für die Erhaltung des historischen Sommertags-Festes in Lambrecht" aufzugehen.

Sommertag 1913

Dessen Namen war sein klares Programm. Mit den versammelten Kräften aus den Reihen von "Frohsinn" und aus anderen Lambrechter Vereinen übernahm das "Comitée" nun die Federführung und verhalf dem historischen Lambrechter Sommertagsfest zu einem glanzvollen Höhenflug. Dies war vor allem auch einem überaus großen Engagement durch den Lambrechter Heimatdichter Karl Rauch zu verdanken, der es verstand, neue dramaturgische Elemente einzubringen

Eintrittskarten für die Aufführung des "Raafacker" 1914

So reicherte er ab 1913 das Sommertagsfest mit Spielszenen an, durch deren Erweiterung 1914 das Stück "Der Raafacker" entsprang. Seine Premiere, 1914, ließ den großen Bühnensaal im "Pfälzer Hof" fast aus allen Nähten platzen. Dann brach der Erste Weltkrieg jeglichen Elan. Die anschließende Besatzung verbot Versammlungen unter freiem Himmel, so daß das Sommertagsfest auch in der Nachkriegszeit zu leiden hatte. Dennoch gelang 1919 eine Wiederaufführung des "Raafackers", die den großen Bühnensaal im "Pfälzer Hof" auch diesmal wieder fast zum Bersten brachte.

Sommertagsfest 1914: Die Stammhauer zerteilen mit ihren Äxten den "Schlagbaum"

Ob kriegs-, not- oder besatzungsbedingt, jedenfalls begann das "Comitée" in seinen Anstrengungen so sehr zu erlahmen, daß es am 11.12.1921 seine Auflösung beschloß. Danach für mehrere Jahre in Versenkung verschwunden, meldete es sich wieder zurück, indem wohl ein harter Kern von Unverdrossenen, der sich offenbar mit der Auflösung von 1921 nicht abfinden wollte, das "Comitée" wieder auferstehen ließ. Nachdem Karl Rauch, über mehrere Jahre auf sich allein gestellt, aber mit großer Zähigkeit, die Sache um das Lambrechter Sommertagsfest weiter vorangetrieben hatte. Mit der Überarbeitung des "Raafackers" hatte er nun das "historische St. Lambrechter Sommertagsfestspiel" erschaffen und so zog dieses nun das "Comitée" wieder mit ins Boot.

Konnten bei dessen Erstaufführung, 1926, die Lambrechter Straßen die Menschenmassen schon kaum mehr fassen, so traf dies erst recht auf seine Inszenierung im darauf folgenden Jahr zu, für die sogar eine eigene Naturbühne für 6-8000 Zuschauer bei der Klosterkirche geschaffen worden war. Eindrucksvoll in einem der ersten Filme über das Lambrechter Brauchtum dokumentiert, wird in diesem das so prächtig ausgestattete Lambrechter Sommertagsfest als großes Pfälzer Kulturevent lebendig, das weithin seine Strahlen sandte.

Auf seinen grandiosen Aufstieg folgte der abrupte Fall. Er war wohl maßgeblich bedingt durch den Wegzug von Karl Rauch, als Motor des Ganzen. Mit dem Verlust dieses großen Mitstreiters sah sich das "Comitée" nun wohl nicht mehr imstande, die Last zu schultern, die das Sommertagsfest ihm aufbürdete. Dies war - in groben Zügen - die Situation, die nun den Anlaß gab, nach einer neuen Lösung Ausschau zu halten.

2. Die Gründung des Verkehrsvereins und die Zeit bis zum Zweiten Weltkrieg

Sie fand sich am 9.5.1928 mit der Gründung des heutigen Verkehrsvereins durch den damaligen Bürgermeister Hans Seiberth und seine Mitgründer Ludwig Fuchs, Otto Mergenthaler, Fritz und Emil Müller, Ludwig Wittemer, Rudolf Fischer und - ohne Nennung deren Vornamen - Selinger, Köhler, Hellmann und Kimmel. Mit neuem Schwung ging es ans Werk, es wurde ein Prospekt über Lambrecht herausgebracht, aber hauptsächlich wollte man dem Sommertagsfest wieder auf die Beine helfen.

Doch Anlaufschwierigkeiten und Differenzen stellten sich ein, so daß der gerade gegründete Verein schon bald in Stillstand versank. Weshalb schon am 21.6.1932 seine Wiedergründung erfolgte. Sie sollte eine neue Chance für das Sommertagsfest mit Festspiel eröffnen, doch daraus wurde nichts. Neues Ungemach brauste heran, als 1933 die Machtübernahme durch die Nazi's erfolgte. Der Verkehrsverein wurde "gleichgeschaltet". Bürgermeister Karl Dietzel übernahm den Vorsitz. Nach München einbestellt - Lambrecht "lag" damals in Bayern - wurde er dort unterwiesen, daß das völkische Brauchtum um den Lambrechter Geißbock zu favorisieren sei. Nach Lambrecht zurückgekehrt setzte er diese Vorgabe um. Der Verkehrsverein stellte sich auf seine neue Aufgabe ein: Die Festlichkeiten an Pfingsten sollten stark ausgebaut und insbesondere durch ein Geißbockfestspiel eine große Aufwertung erhalten.

Für letzteres erhielt Ernst Schäfer den Vorzug. Ihn hatten als Lambrechter Bub gewiß die Aufführungen der über Land gezogenen Volksbühnen inspiriert, wie auch Wanderzirkusse, die zeitweilig in Lambrecht gastierten. Und so scheint in ihm das überaus große Talent und Potential erweckt worden zu sein, das ihm bereits in jungen Jahren auf den großen Bühnen reichsweit Erfolg und Ruhm bescherte und ihn an das Saarpfälzische Landestheater nach Kaiserslautern führte, wo er als großer Schauspieler und Dramaturg wirkte.

Und so verfaßte dieser begnadete Theaterfachmann in aller Eile ein kleines Festspiel, das an Pfingsten 1933 erstmals über die Bühne ging, und das er nun von Jahr zu Jahr um weitere Bilder bereicherte. Sein Pfingstfestspiel gewann alle Gunst und zog die Massen an. Bis zu 10.000 Besucher soll es bei seinen Inszenierungen auf dem alten Festplatz im Beerental in seinen Bann gezogen haben. Dagegen mußte das Sommertagsfestspiel zurücktreten, bei dessen letzten Triumph von 1927 es vorerst bleiben mußte. So auch ihres Glanzstückes beraubt, sackten die Sommertagsfeste danach ab. Und so blieb es dabei, bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, der diesmal alle Kultur fest in seinen Würgegriff nahm.

3. Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute

Nach dem Krieg nahm der Verkehrsverein 1950 seine Arbeit wieder auf, zu einem Zeitpunkt, in dem das Lambrechter Vereinsleben noch nahezu völlig darniederlag. Auch um diesem aufzuhelfen, fungierte er bald als "verlängerter Arm der Stadt", dabei zu einem örtlichen Dachverein avancierend, in dem die Lambrechter Vereine fast ausnahmslos als korporative Mitglieder mitwirkten. Sein Aufgabenfeld schwoll immens an, bedingt auch dadurch, daß sich an seine Spitze auch überwiegend Männer aus der Verwaltung setzten, die zu den reinen Vereinsthemen oft auch öffentlichen Belange der Stadt auf die Tagesordnung setzten.

So organisierte er - neben seinen angeklungenen Festen - etwa Blumenschuck-Wettbewerbe, Gewerbeschauen, Straßenfasnachten, nahm sich der Wanderwegebeschilderung an, stimmte (für die Stadt!) die Fahrplangestaltung mit der Bahn ab, wirkte an Planungen (der Stadt!) zur Stadtverschönerung mit wie auch bei der Lösung von Verkehrsproblemen(!). Indem immer mehr Lambrechter Vereine wieder erstarkten, gingen deren spezifischen Aufgaben, soweit sie der Verkehrsverein "in Art Stellvertretung" dieser wahrgenommen hatte, in deren Domäne über, doch trotz dieser "Entlastung" verblieb dem Verkehrsverein auch weiterhin ein großes Aufgabenfeld, indem auch immer wieder Neues auf ihn zukam.

So ging im Jahr 1965 eines der ältesten Lambrechter Brauchtümer, das Eierpicken, in die Zuständigkeit des Verkehrsvereins über (ausführlich dazu unter -->Brauchtum). In den 70er-Jahren konzentrierte sich der Verkehrsverein auf die Etablierung einer vorweihnachtlichen Veranstaltung in der Adventszeit. So mit der "Aktion Weihnachtsbaum" und mit "Nikolausmärkten". 1983 fand dann der erste "Weihnachtsmarkt" am Grevenhausen-Brunnen statt. Er wurde wieder fallengelassen und zwar zugunsten eines von der Stadtkapelle und dem Verkehrsverein gemeinsam ausgerichteten adventlichen "Turmblasens" beim alten Marx'schen Turm.

Nachdem dieses einige Jahre vor und auf dem Turm zelebriert wurde, zwangen Widrigkeiten zu einer Verlegung auf die Friedrich-Ebert-Brücke (ab 1990), nun unter dem neuen Namen "Weihnachtskonzert". Mitten in die Anstrengungen dieses zu einem Weihnachtsmarkt in größerem Stile auszubauen, unter Mitwirkung aller Lambrechter Vereine, fiel 1992 dann die Gründung des Verbandes der Selbständigen (VdS), mit dessen Bemühen um einen ersten Adventsmarkt. Der Verkehrsverein stellte daraufhin seine eigenen Absichten zurück, um sich dann am neuen Adventsmarkt des VdS zu beteiligen.

Bis 1996 wirkte er dort mit seiner "Backstube" im alten Feuerwehrhaus mit, um sich dann von dieser Veranstaltung wieder zu verabschieden und erst 2006 wieder einzusteigen, nachdem der VdS seine Veranstaltung aufgegeben hatte und diese nun als "Märchenhafter Adventsmarkt" in die Regie von Stadt und Lambrechter Vereinen gelegt worden war.

Adventsmarkt 1994 mit "Backstube" des Verkehrsvereins (Foto: Reinhold Schaeffer)

Auch die Feier des 1000-jährigen Jubiläums der Stadt im Jahr 1977 war Ansporn zu neuen Initiativen. So feierte der Verkehrsverein in diesem Jahr sein erstes Brunnenfest beim Brunnen an der Vereinsstraße und taufte diesen dabei auf den Namen der Priorin, die den Klosterbau der Dominikanerinnen (die heutige Klosterkirche) vollendete.

Leider schlich sich hierbei ein Schreibfehler in den Text seines Namensschildes ein, denn besagte Priorin hieß Kunegunde und nicht Kunigunde. Ein gewiß verzeihlicher Lapsus, der jedenfalls den Verkehrsverein nicht daran hinderte, fortan die Lambrechter Brunnen - ausgenommen den Lindenbrunnen auf den Wergen - mit zwei Festen im Jahr (später dann nur mit einem Fest im Spätjahr) zu bedenken und sie dabei Zug um Zug auf ihre heutigen Namen zu taufen. Auch ließ man die Erlöse daraus den Brunnen zugute kommen, indem damit etwa neue Auslaufrohre mit schmiedeeisernen Verzierungen, neue Brunnenroste oder gar ein neuer Brunnentrog finanziert wurden u.a.

Das Jubeljahr war auch das Geburtsjahr für den "Geißbockmarsch" von Lambrecht nach Deidesheim am Pfingstdienstag. Seine unchristliche Startzeit, 5.30 Uhr, entsprang dabei keiner Willkür, sondern vertraglichen Vereinbarungen. Ein Kuriosum, das hunderte von Wanderern, darunter immer mehr Fremde, gerne in Kauf nehmen, um am einzigartigen Brauchtum hautnah teilzuhaben und so ganz nebenbei auch das Erwachen der Natur miterleben zu dürfen.

Der Lambrechter Geißbock beim Einmarsch in Deidesheim

Über viele Jahre brachte sich der Verkehrsverein in die am 18.1.1975 offiziell besiegelte Städtepartnerschaft zwischen Lambrecht und der lothringischen Gemeinde Blainville-sûr-L'Eau ein. So organisierte er zunächst Busfahrten zu gegenseitigen Besuchen, förderte die Teilnahme Blainviller Schüler an der städtischen Kinderferienerholung mit Zuschüssen und beschickte dann ab 1980 die Straßenmärkte in der französischen Partnerstadt mit seinem "stand buvette" (Getränkestand). 1999 mußte er leider sein Engagement beenden, nachdem das Interesse seiner Mitglieder stark zurückgegangen war.

Das Team vom Verkehrsverein beim Frühjahrsmarkt 1994 (Foto: Reinhold Schaeffer)

Auch in der Pflege seiner langen Theatertradition, die mindestens bis in die Anfänge des Geißbockfestspiels (s.o.) zurückreicht, tat sich Neues. So bildete sich in den Reihen seines Laienspielkreises eine Gruppe, die ab 1988, neben den üblichen Theaterdarbietungen, wie insbesondere bei den Heimatabenden und beim Geißbockfestspiel, mit volkstümlichen Schwanks und Lustspielen bei eigenen Theaterdarbietungen aufwartete. Zwar löste sich diese Gruppe nach kurzer Zeit vom Verkehrsverein, doch rasch bildete sich eine neue Gruppe.

 

Lachschlager "Alles wegen Laura" (1993)

Und so konnte sich das "November-Theater" etablieren, das nun Jahr um Jahr seine drei- und vieraktigen Stücke im Bühnensaal des Gemeinschaftshauses präsentierte, überwiegend Lachschlager, bei denen kein Auge trocken blieb. An die 50 Theaterabende kamen so zustande, in denen so glanzvolle Stücke inszeniert wurden, wie "Ein Millionär im Haus" (1992), "Alles fest im Griff (1993), "Der Meisterlügner" (1994), "Kornblumen für den Schmusekater" (1995), "Das rotseidene Hösl" (1996), "Ein Schloß in England" (1997) u.a. Nachdem die damit verbundenen hohen Anforderungen Verschleißerscheinungen offenbarten, die sich vor allem auch auf den Heimatabend auswirkten, wurde mit dem letzten Stück im Jahr 2000 das November-Theater wieder eingestellt.

Standen Sonderaufgaben an, war der Verkehrsverein oft der erste Ansprechpartner. So etwa bei den "Grevenhausen-Tagen", bei den "Grenzüberschreitenden Bauernmärkten" oder bei der "Einweihung des neuen Geißbock-Brunnens". Oft war er, hauptsächlich mit seiner Laienspielgruppe, Repräsentant der Stadt bei Umzügen, wie bei "Rheinland-Pfalz-Tagen", beim "Deutschen Weinlesefest" oder bei der "1300-Jahr-Feier in Niederkirchen" (1999). Bis heute ist es so geblieben.

Mit seinen Sondervorstellungen von Theaterstücken, wie der "Ledderbrick" beim Jubiläum des Vereins Burg Spangenberg und beim 50-jährigen Ortsjubiläum von Iptestal (1988) oder der "Nudelberger Feuerwehr" beim 125-Jahr-Jubiläum der Lambrecher Feuerwehr (1994) u.a. leistete er wertvolle Programmbeiträge. Gerne griffen auch Sendeanstalten von Rundfunk und Fernsehen immer wieder einmal auf ihn zurück, wenn für deren Sendungen gesprochene und gespielte Szenen aufgenommen werden sollten.

1994 lud er, zusammen mit der Stadt, zur Versammlung von Interessenten, um unter seiner Leitung den "Förderverein Sauerbrunnen-Denkmalpflege" zu gründen. Zwei Brunnenfeste im gleichen Jahr widmete er dem neugegründeten Verein, wobei er deren Erlöse von zusammen DM 4500,- diesem als "Anschubfinanzierung" überließ. Mit seinem "Tochterverein" steht er bis heute in enger Kooperation.

Mit und neben der Brauchtumspflege auch das heimatliche Geschichtsbewußtsein zu fördern, war ein stetes Anliegen des Verkehrsvereins. An vielen Stellen dieser Darstellung über ihn ist dies bereits auch in vielen Facetten schon zum Ausdruck gekommen. U.a. boten auch die Brunnenfeste mit ihrem "Brunnenrätsel" eine gute Möglichkeit dazu. So brachte etwa das Fest am Walkmühlbrunnen (1996) "Licht in das Dunkel" um eine dort nach dem Zweiten Weltkrieg verschwundenen Bronzeplatte mit den geschichtlichen Daten zur Tuchmacherei. Das Auftauchen ihres verschollen gewesenen Textes ermöglichte schließlich ihre Rekonstruierung. Und als im Zuge der Vollsanierung der Friedrich-Ebert-Brücke (2000/1) der Walkmühlbrunnen geopfert werden mußte, der die Erinnerung an die dort einst errichtet gewesene Walkmühle bewahrte, entschloß sich der Verkehrsverein zum Ersatz. So entstand nach seinem Entwurf und mit seinem Zuschuß von DM 9500,- der heutige "Walkmühl-Gedenkstein" als Schmuckstück auf Lambrechts zentralem Platz.

Aus der gleichen Intention unterstützte der Verkehrsverein, daß der Gründer des St. Lambrechter Klosters, Otto von Worms, die ihm gebührende Würdigung mit dem "Herzog-Otto-Platz" erfuhr. Zur Wiederkehr seines 1000. Todesjahres im Jahr 2004 veranstaltete er dann auf diesem Platz ein "Herzog-Otto-Fest" und initiierte eine Gedächtnisandacht in der Klosterkirche. Auch gab er in diesem Jahr sein erstes "Lambrechter Heimatheft" heraus, das er unter dem Titel "Herzog Otto von Worms -Gründer Lambrechts", dem Klosterstifter widmete.

Nicht nur vergnüglichen Zwecken dienen die seit 1992 eingeführten Jahresausflüge. Denn in ihre Gestaltung war von Anfang an stets auch ein Teil "Anschauungsunterricht" mit eingebunden, insbesondere hinsichtlich der "leuchtenden Beispiele des Fremdenverkehrs" andernorts. Bis in die jüngste Zeit fanden sich diese im Saarland und in der Grenzregion im benachbarten Frankreich. Dort, wo die touristische Entwicklung aus eher düsteren Anfängen einen rasanten Aufschwung nahm, dem die Bemühungen in unserer Region und speziell in Lambrecht lange nachhingen.

Zwar hat man hier inzwischen kräftig aufgeholt und ebenbürtige Fortschritte gemacht, mit einer Verbesserung auch in Lambrecht, doch tut man sich hier "traditionell" immer noch schwer damit. Als jüngste Beispiele seien nur das "Heimatmuseum" genannt, für dessen Unterbringung der Verkehrsverein 1992 die zum Verkauf stehende Untermühle ins Gespräch brachte, oder das "Schausteller-Museum", um dessen bessere touristische Erschließung schon seit vielen Jahren nur fruchtlose Bemühungen zu verzeichnen sind.

Nichts desto trotz blieb der Verkehrsverein stets bemüht, dem Fremdenverkehr aufzuhelfen, wo immer sich ihm dazu Gelegenheit bot. Und um solche zu erkunden und Anregungen zu erhalten, dazu dienen eben auch die Jahresausflüge, die auch wegen ihrer guten Aufbereitung, ihres geselligen Open-Air-Mittagstisches und ihres vergnüglichen Abschlusses sich stets besten Zuspruchs erfreuen.

Die sein gesamtes Vereinsleben aber am stärksten prägenden und anspruchvollsten Feste sind das Sommertags- und Pfingstfest stets gewesen. Das Sommertagsfest war bereits 1949 - vielleicht auch schon davor - wieder in die Gänge gekommen. Ab 1950 bis 1953 wurde es jeweils mit der "Streitszene" aus dem Sommertagsfestspiel begangen. 1954 knüpfte es an alte Glanzzeiten an, als sowohl das komplette Sommertagsfestspiel als auch "Der Raafacker" wieder in Szene gesetzt wurden.

Leider mußten die Sommertagsfeste danach wieder ganz ohne Spiel auskommen. Erst zur 1000-Jahr-Feier, im Jahr 1977, wurde das Sommertagsfest wieder mit dem Festspiel bedacht. Dabei blieb es, nachdem auch Bemühungen des Verkehrsvereins zur Wiederauflage des Sommertagsfestspiels im Jahr 2005, aus Anlaß des 250-jährigen Bestehens des historischen Lambrechter Sommertagsfestes, leider scheiterten.

Was das Geißbockfestspiel an Pfingsten angeht, so fanden - wie vor dem Krieg - seine Aufführungen zunächst jährlich statt, so von 1951 bis 1953. Nachdem seine nächsten Aufführungen dann 1956 und 1960 wieder zustande kamen, ging es im Fünf-Jahres-Rhythmus weiter. Danach betrug die Pause ganze sieben Jahre, bis zum Jubiläumsjahr 1977. Die nachfolgenden Aufführungen des Geißbockspiels orientierten sich danach wieder an einem Fünf-Jahres-Rhythmus bis 2002.

Szene aus dem Geißbockspiel: Streit wegen des Geißbocks

Da bis dahin die mit den Aufführungen des Spiels jeweils bedachten Tributböcke "krumme Zahlen" aufwiesen - so handelte es sich beim Spiel 2002 um den 599. Bock, davor um den 594. usw. - entsprechend ihrer offiziellen Zählung ab dem Jahr 1404, als König Ruprecht erstmals das "alte Herkommen" bestätigte, beschloß man, sich zukünftig an den griffigeren Fünfer-Zahlen des Bockes zu orientieren. So kam das Geißbockfestspiel dann Pfingsten 2008 zu seiner - vorerst letzten - Aufführung, bei der dann der 605. Lambrechter Tributbock gewürdigt wurde (3).

Beide Festspiele, das Geißbock- wie das Sommertagsfestspiel, stellen absolute Publikumsmagnete dar, die jeweils tausende Besucher nach Lambrecht locken. Sie sind damit "die" Aushängeschilder mit großer Werbe- und Außenwirkung für die Stadt. Allein von daher sind sie von unschätzbarem Wert. Um so dringender bedarf es, sie gut zu hüten und zu bewahren und darum alle Mühen darauf zu verwenden, daß diese Edelsteine des großen Lambrechter Kulturschatzes auch weiterhin hell erstrahlen können.

Die wichtigste Ergänzung zu den Pfingstfestlichkeiten um den Lambrechter Tributbock stellt der Heimatabend dar. Dieser entstand zeitlich mit der Entstehung des Geißbockfestspiels von Ernst Schäfer, als Vorprogramm zu diesem. Als man zwischen die Geißbockfestspiele mehrjährige Pausen zu schieben begann, wurde der Heimatabend das verbindende Zwischenglied, nun als eigenständige Veranstaltung.

Ursprünglich von einem kunterbunten, volkstümlichen Programm geprägt, wurde er in den letzten Jahrzehnten zu einem Theaterabend mit Rahmenprogramm umgeformt, bei dem vor allem Mundartschwanks mit heimatlichen Bezügen zur Aufführung gelangten. War sein Veranstaltungsort ursprünglich die alte Festhalle im Beerental, so wechselte dieser ab 1984 ins Gemeinschaftshaus. Neuerdings findet der Heimatabend als Freilicht-Veranstaltung (mit Wechsel zu verschiedenen Plätzen) statt.

Heimatabend 1993 mit dem "Felsenkönig", Schlußapplaus für die Laienspieler (Foto: Reinhold Schaeffer) 

Daß Kultur auch ins Geld geht, ist für den Verkehrsverein eine Binsenwahrheit. Insbesondere trifft dies auf die genannten Großveranstaltungen zu, bei denen schnell mal fünfstellige Beträge an Kosten zusammenkommen. Einen nicht unbedeutenden Kostenfaktor stellten dabei schon immer die benötigten Kostüme dar, weshalb man sich schon früh um die Schaffung eines eigenen Kostüm-Fundus bemühte, um so Ausleihkosten einzusparen.

Ein alter Nähkreis leistete erste gute Vorarbeit dazu, löste sich dann - nach etlichen Jahren - aber wieder auf. Als die Stadt Ende der 90er-Jahre ihr Stadthaus in der Matthias-Erzberger-Straße verkaufte, mußte für den dort untergebrachen Kostüm-Fundus eine Lösung gefunden werden. Der Verkehrsverein, der mittlerweile selbst über einen kleinen Bestand an Kostümen verfügte, erklärte sich bereit, den städtischen Fundus zu übernehmen und zu betreuen.

Der hierfür von der Stadt zur Verfügung gestellte Speicher der alten Volksschule wurde hergerichtet, in einer Sammelaktion brauchbare Schränke geordert. Ab März 2000 liefen dann die Bemühungen um einen neuen Nähkreis, der sich dann auch zusammenfand. Zielstrebig und mit guter Ausstattung machte sich dieser an die Arbeit. Dank seines Elans war es möglich, daß das letzte Geißbockspiel (2008) mit seinen über 120 Mitwirkenden erstmals komplett mit eigenen Kostümen ausgestattet werden konnte.

Bei all seinen Bemühungen war der Verkehrsverein stets auch auf eine Unterbringung angewiesen, vor allem zur Lagerung seiner umfangreichen Festausstattung, Requisiten oder sonstigen Asservaten. 1979 mietete er hierfür die alte Holzbaracke auf dem ehemaligen Spielplatz an der Färberstraße an, wo er bis 1985 verblieb. Danach wechselte er in einen Schulsaal in der ehemaligen Volksschule. Nach der Indienststellung des neuen Feuerwehrhauses an der Hauptstraße (1988), zog er dann in zwei nun leerstehende Hallen im alten Feuerwehrgerätehaus auf der "Brücke" um (1989). Hier richtete er auch mit dem "Theaterstübchen" einen kleinen Proberaum für seine Theatergruppe ein, für die zwischenzeitlich auch ein Schulsaal in der ehemaligen Volksschule angemietet wurde. Im September 1997 übernahm er dann das Gebäude der alten AWO-Küche auf dem Spielplatz, das er ab Januar 1988 anmietete. Im Mietvertrag der Stadt hatte er sich eine Kaufoption ausbedungen, die nach Ablauf der fünfjährigen Mietzeit greifen sollte. Und so erwarb der Verkehrsverein dann am 3.7.2002 dieses Gebäude, das er inzwischen umfassend auf seine Bedürfnisse zugeschnitten hatte, als sein heimeliges Domizil, mit Lagerräumen, Küche und Versammlungsraum. Der heutige Dreh- und Angelpunkt all seiner Aktivitäten!

1968 feierte der Verkehrsverein erstmals sein Bestehen über 40 Jahre. Aus Anlaß seines 50-jährigen Bestehens verloste er zum Heimatabend 1978 zwei Rundflüge, die Feier dazu holte er dann am Vorabend des Sommertagsfestes 1979 nach. Sein 75-jähriges Jubiläum im Jahr 2003 beging er dann festlich im Gemeinschaftshaus. 2008 wurde der Verkehrsverein 80 Jahre alt.

80 Jahre, in denen er für Lambrecht überaus rege wirkte. 80 Jahre, in denen er auch von Entwicklungen eingeholt wurde, die Veränderungen erforderlich machten. Schon in seinen letzten Jahrzehnten mußte er etwa Zurückhaltung üben, was seine eigentliche Aufgabe, den Fremdenverkehr, betraf. Grund war, daß die Förderung des Fremdenverkehrs kein gemeinnütziger Zweck im Sinne des Abschnitts "steuerbegünstigte Zwecke" der Abgabenordnung darstellt, womit ihm die Anerkennung der Gemeinnützigkeit, obwohl er gerade gemeinützige Ziele verfolgte, versagt blieb.

Andererseits war er laut Satzung der zuständige Erfüllungsgehilfe in der Wahrnehmung der öffentlichen Selbstverwaltungsaufgabe "Fremdenverkehr" der Stadt, die dieser Aufgabe allerdings selbst nur schwer nachkam. Indem sie diese im November 2000 schließlich auf die Verbandsgemeinde übertrug, enthob sie auch den Verkehrsverein damit seiner Pflicht. Mit der Folge, daß er eine neue Satzung ohne das Satzungsziel "Förderung des Fremdenverkehrs" beschloß, allerdings seinen traditionellen Namen beibehielt (4). Bleibt ihm zu wünschen, daß ihm damit Möglichkeiten eröffnet wurden, zur besseren Bewältigung seiner zukünftigen Aufgaben und damit seiner eigenen Zukunft.

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(1) Der Felsenkopf "Dicker Stein" liegt in 370 m Höhe auf dem Schauerberg und stellt ein Naturdenkmal dar. Auf ihm erhebt sich der hölzerne, in Blockhausstil errichtete, "Dicker-Stein-Turm" . Siehe auch unter Heimathefte "Aussichtstürme".

(2) Die diesbezügliche auf der Homepage des Verkehrsvereins Lambrecht (s.u.) gemachte zeitliche Datierung ist insoweit falsch! Siehe auch unter -->Heimathefte

(3) Daß man dabei das Jahr seines 75-jährigen Bestehens traf sowie das 100. Geburtsjahr seines Schöpfers, spielte dabei - leider - kaum eine Rolle, wie auch die Tatsache, daß es zur einzigartigen und unersetzlichen Atmosphäre seines traditionell angestammten Platzes auf dem Festplatz im Beerental keine Alternative gibt!

(4) Besser wäre die Umbenennung in "Heimatverein" oder "Heimat- und Brauchtumsverein" gewesen, insoweit eine restriktive Auslegung des verbliebenen Namens "Verkehrsverein" ergibt, daß sich in ihm auch weiterhin das Satzungsziel der Förderung des Fremdenverkehrs spiegelt, auch wenn dies nicht ausdrücklich im neuen Satzungstext so formuliert wird.

Weitere Informationen finden Sie unter der Homepage des Verkehrsvereins Lambrecht (Pfalz) e. V. unter www.vvlambrecht.de